8 Blickwinkel: Platz für viele Gäste auf kleinstem Raum

Wenn das Heimkino fertig ist und sich Freunde und Bekannte einladen, stößt man früher oder später garantiert auf dieses Problem: Es gibt einen oder zwei Plätze zu wenig. In dem Kino, das ich Euch hier vorstelle, passiert das so schnell nicht. Mit ganzen 8 Plätzen kann das „8 Blickwinkel“ aufwarten. Genug für einen Filmabend in größerer Runde. Dass das auch mit einem nicht übermäßig großen Raum und überschaubarem Budget möglich ist, seht Ihr hier.

Das "8 Blickwinkel" mit seinen 8 Sitzplätzen
Fotos: Thomas Lorenz

Thomas Lorenz ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker und damit berufsbedingt in die HiFi-Welt hinein gewachsen. Die Entfernung zum nächsten Kino und der Spaß am Basteln eigener Lautsprecher hat in dem heute 45-jährigen den Wunsch nach einem eigenen Heimkino aufkommen lassen.

Heimkino beginnt für Thomas erst, wenn Surround-Sound im Spiel ist. „Auch egal ob TV oder Beamer, aber der Sound ist ja entscheidend für ein Kino. Auch da ist es nicht wichtig, ob große oder kleine Lautsprecher vorhanden sind, nicht jeder hat die Möglichkeit super laut zu hören, aber Surround ist eben wichtig.“

Der Raum: verfügbare Fläche optimal nutzen

Mit dem Kauf eines Hauses stand Thomas ein Kellerraum mit 6,5 × 4,5 m zur Verfügung. Höchste Zeit, dort ein Kino einzubauen.

Der Kellerraum im Rohbau

„Ich wollte definitiv etwas aus der Reihe fallen, also keine 2, 3 oder 4 Sitze, auch keine 6 — ich wollte definitiv 8 Sitzplätze haben,“ erzählt Thomas von der ersten Idee zum „8 Blickwinkel“. „Diese Zahl ist mir von Anfang an in den Kopf geschossen und genau so wollte ich das ganze Projekt umsetzen.“

Wichtig war ihm außerdem, den Raum möglichst dunkel zu gestalten. Eine gute Idee in einem separaten Kinoraum — vermeidet es doch Streulicht und verbessert so den Schwarzwert und Kontrast auf der Leinwand. Einige optische Details in rot waren von Anfang an Teil des Plans.

Blick von hinten zur Front des "8 Blickwinkel"

Als ich zum ersten Mal ein Bild des „8 Blickwinkel“ sah, dachte ich sofort, dass das sowas wie der große Bruder meines Kinos sein muss. Schwarz/Rot ist ja längst eine klassische Farbkombination, die ein wenig den Charme alter Kinos ausstrahlt. Damit hat Thomas auf jeden Fall Geschmack bewiesen.

Umbaumaßnahmen im Kino-Keller

Zuerst musste der Raum komplett entrümpelt werden, weil er noch vom Umzug vollgestellt war. „Den alten Teppich im Raum habe ich ebenso wie die alte Tapete an den Wänden entfernt. Die bestehende Holzdecke habe ich gelassen und mit einem Element in der Mitte noch abgesetzt,“ erzählt Thomas. Die Decke wurde komplett mit Bühnenmolton verkleidet.

Das Deckenelement mit integrierter LED-Beleuchtung

Besonderes Augenmerk hat Thomas auf die Beleuchtung gelegt. An den Wänden hat er Vorbauten aus Holz installiert, an denen jeweils eine der auffälligen Up-Down-Lampen angebracht ist. Das sorgt für eine nette Abwechslung entlang der Wände. Die Vorbauten dienen gleichzeitig als Kabelkanäle und enthalten auch jeweils eine Steckdose.

Weitere Deckenspots zur besseren Ausleuchtung

Entlang der Decke gehen die Vorbauten in einen Kanal über, der zusätzliche Deckenspots enthält. „Diese Holzbauten habe ich dann mit rotem Stoff bezogen,“ erklärt Thomas weiter. „Die restlichen Wände zwischen den Elementen haben wir mit Filzteppich beklebt. Ebenso blieben die alten Verlegeplatten am Boden und wurden mit Filzteppich belegt.“

Die Technik im 8 Blickwinkel

Die Technik ist im „8 Blickwinkel“ aus historischen Gründen noch relativ bunt zusammengestellt. Das ist aber auch Thomas‘ Vorliebe für gute Musik geschuldet. Das Heimkino sollte auch im Stereo-Betrieb ordentlich was hermachen.

An der Front sorgen daher zwei Canton Ergo 1200 DC für Spaß beim Musik hören. Hinzu kommen für den Filmbetrieb ein Magnat Motion Center 1 und als Surround-Lautsprecher zwei Magnat 144 108. Als Surround-Back-Lautsprecher kamen kurze Zeit später die Magnat Vector 77 hinzu.

Der vordere Teil des "8 Blickwinkel" mit dem Subwoofer

Ursprünglich lieferten die großen Standlautsprecher genug Bass, um das Kino ohne Subwoofer zu betreiben. „Und dann wollte ich es eben wissen, bringt ein Subwoofer wirklich so viel? Ja das tut er, und zwar richtig gewaltig!“ Und so hat Thomas sich doch noch einen Subwoofer dazu geholt — den Klipsch SW 115.

Als AV-Receiver kommt ein Onkyo TX-NR 809 zum Einsatz. Blu-rays werden vom Samsung BD-J 7500 abgespielt. Musik wird aber ausschließlich über einen Kenwood DP-990 SG abgespielt.

Auf die 3 Meter breite Motorleinwand im 16:9-Format wirft ein Sony HW-65 das Bild. Die Leinwand wurde extra für den Kinoraum angeschafft. Lustigerweise ist das aber nicht die einzige Leinwand. Eine ältere und kleinere Motorleinwand hängt verkehrt herum vor dem Fenster und dient zur automatischen Verdunkelung des Raums.

Bass Shaker unter jedem Sitz

Als besonderes Highlight kann das „8 Blickwinkel“ mit einem Körperschallwandler unter jedem Sitzplatz aufwarten. Dafür kommen Reckhorn BS 200 Shaker zum Einsatz, die von einem Onkyo TX-SR 507 angetrieben werden.

Bass Shaker unter den Sitzen

Auf die Idee kam Thomas, als er bei einem Bekannten zu Besuch war und die Technik dort unter die Lupe nehmen durfte. „Da saßen wir auf der Couch mit einem Körperschallwandler darunter und meine Freundin und ich guckten uns gleichzeitig an und sagten nur… Das brauchen wir auch!“

Die Schwierigkeit bestand darin, die Shaker an den relativ leichten IKEA Poäng Sesseln zu befestigen, so dass sich der Effekt auch auswirkt. Thomas hat dazu 8 passende Holzrahmen gebaut und schwarz lackiert. Diese passen genau an die Unterseite der IKEA-Sessel und halten die Shaker mit etwas Abstand zur Sitzfläche.

Geniales Ergebnis bei moderatem Budget

Den mit Abstand größten Teil der Kosten für das „8 Blickwinkel“ nimmt die Technik ein. „Die Raumeinrichtung hielt sich eigentlich in Grenzen, da ich die günstige Variante der IKEA Stühle Poäng genommen und die Podeste aus jeweils vier Holzpaletten angefertigt habe,“ erzählt Thomas.

Holzpaletten als Podest

Akustische Maßnahmen wurden hier kaum umgesetzt, was dem Raum noch viel Optimierungspotenzial lässt. Molton-Stoff und Filzteppich tragen bestenfalls im Hochton etwas zur Akustik bei. Trotzdem klingt der Raum schon nicht mehr unangenehm hallig, wie im leeren Zustand.

Teppich und Filz zur Verkleidung der meisten Oberflächen

„Mit Stolz kann ich sagen, dass ich bzw. wir alles alleine gemacht haben,“ sagt Thomas, der handwerklich nicht gerade unbegabt ist. Nur seine Freundin und ihr Sohn haben bei den unbequemen Arbeiten geholfen. „Fremde Hilfe kam somit nicht ins Haus.“ Das zeigt sehr schön, dass man auch mit einem moderaten Budget ein großes Kino aufbauen kann.

Großes Kino nur für ausgewählte Vorstellungen

Serien oder Spiele kommen Thomas nicht ins Kino. Im „8 Blickwinkel“ gibt es nur Filme zu sehen und Musik zu hören. „Täglich nutzen wir den Raum auch nicht, manchmal sogar ein paar Wochen nicht. Meist wenn Besuch kommt oder wir eben Lust darauf haben,“ erzählt er weiter. „Ich muß mir nicht jeden Tag einen Film reinziehen, lieber jede Woche oder alle zwei Wochen mal einen und das genießt man dann viel besser.“ Neben Familie und Freunden sind gelegentlich auch Feriengäste im Kino: Thomas hat eine Ferienwohnung im Haus und bietet den Kinobesuch bei Interesse gleich mit an — rein privat, versteht sich.

Das Regel für die Filmsammlung
Sogar die Regale für die Filmsammlung sind selbst gebaut.

Es ist kaum zu übersehen, dass Thomas ein großer Marvel-Fan ist. Aber auch Filme wie 10.000 BC, Die Insel, Man on Fire oder Pans Labyrinth kann er wärmstens empfehlen. Sein persönlicher Geheimtipp ist aber Priest, der mit 3D und so brachialem Sound aufwarten kann, dass Thomas sich wundert, „dass mir die Holzdecke noch nicht runter gekommen ist.“

Von einer lustigen Begebenheit weiß Thomas noch aus der Bauphase zu berichten. Aus der Werkstatt im Nebenraum sollte ein Sat-Kabel ins Kino verlegt werden, um auch mal fernsehen zu können. „Also hab ich den Sohn meiner Freundin geholt und gesagt: ‚Stell dich hinten im Kino in der Ecke auf die Stehleiter und guck, wann ich mit dem langen Durchbruchbohrer raus komm.‘ Ich setzte in der Ecke oben in der Werkstatt an und bohrte bis ich merkte, dass ich durch bin. Ich rief rüber, ‚und siehst du was?‘ Er rief nur, ’nein, nix zu sehen.‘ Dann bin ich selber rüber gegangen und hab geguckt — nix zu sehen.“

Der Eingangsbereich mit lebensgroßem Deadpool-Poster
Der Vorraum zum Kino. Hier haben noch mehr Filme Platz.

Auch mehrmalige Überprüfung und genaues Hinhören brachte die beiden nicht weiter. Der Bohrer war doch wohl hoffentlich nicht über der Holzdecke raus gekommen? „Dann sah ich nicht nur in der Ecke nach, wo ich eigentlich dachte, dass ich rauskommen sollte, sondern die ganze Wand entlang — und siehe da, zwei Meter weiter links guckte mein Bohrer aus der Wand. Ich hatte total vergessen, dass der Kinoraum länger als die Werkstatt ist! Wir haben uns dann angeguckt und uns totgelacht.“

Weitere Verbesserungen

Es gibt immer was zu tun — und so wird auch das „8 Blickwinkel“ mit der Zeit diverse Verbesserungen erfahren. Thomas hat schon eine ganze Liste neuer Ideen und typischer „Kinderkrankheiten“, die es zu bebeben gilt. Dass die Tür zum Kino bei starkem Bass anfängt, zu vibrieren und ein Eigenleben entwickelt, ist ein typisches Beispiel dafür.

„Im Prinzip kann man es immer wieder neu bauen, aber hinterher fällt einem immer etwas ein was man anders hätte machen können bzw. vergessen hat,“ sagt Thomas und spricht damit eine Tatsache an, die schon so ziemlich jeder erfahren durfte, der mal ein Haus oder eben ein Heimkino gebaut hat.

Blick auf die Technik an der Seite

Die Vorbereitung auf Deckenlautsprecher für Dolby Atmos hat Thomas erstmal versäumt — und damit steht er sicher nicht alleine da. Dafür wäre aber auch noch ein neuer AV-Receiver fällig gewesen. „Nachträglich Kabel verlegen, ohne dass man etwas sehen soll, ist sehr schwierig — wie auch zuletzt für die Shaker. War nicht wirklich einfach, und ich habe mir das Kreuz dabei regelrecht verbogen die Teile unter die Sitze zu schrauben und zu verkabeln, zumal ich ja die Poängs am Boden festgeschraubt habe.“

Auch sollen die Geräte auf dem seitlichen Lowboard langfristig woanders unter kommen, weil sie jetzt doch ziemlich nah an einem der Sitzplätze stehen. „Das war aber räumlich bedingt nicht anders umsetzbar.“


Das Wichtigste beim Hobby Heimkino ist für Thomas, „dass der Partner das selbe Hobby teilt. Es gibt doch nichts schlimmeres, als wenn man einen lauten Film gucken will und der Partner ist nur genervt davon.“ Hier hat er mit einer genauso verrückten Freundin auf jeden Fall den Jackpot gezogen.

Blick durch den Gang zur Front

Nicht billig kaufen, sondern auf Qualität achten, ist ebenso einer seiner Tipps, wie sich vorher gut zu überlegen, ob man 5.1, 7.1 oder gleich Atmos will. Gleiches gilt für Beamer mit oder ohne 3D, oder für so feine Details wie die richtigen HDMI-Kabel. Fehlinvestitionen zehren am Budget und machen spätere Korrekturen kostspielig und damit vielleicht für lange Zeit unmöglich. Also lieber ein paar Kabel zu viel verlegen. Deshalb predige ich ja auch immer, eine ausgiebige Planungsphase einzuhalten.

Im „8 Blickwinkel“ sieht man auf jeden Fall sehr schön, was mit etwas handwerklichem Geschick und Ausdauer möglich ist. Ein erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis stand bei allen Komponenten im Vordergrund. Dem Kinoabend zu acht steht damit nichts mehr im Weg.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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