Anforderungen an eine Universalfernbedienung

Wer ein Heimkino steuern will, kommt um eine Universalfernbedienung nicht herum. Es gibt mindestens vier verschiedene Geräte zu bedienen, oft noch deutlich mehr. Das lässt sich nicht mehr vernünftig mit den Original-Fernbedienungen bewerkstelligen.

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Einige AV-Receiver werden mit Fernbedienungen ausgeliefert, die auch andere Geräte des selben Herstellers steuern können. Hat man einen Blu-ray Player und CD-Player der selben Marke, kommt man damit vielleicht noch eine Zeit lang hin. Zumindest der Fernseher oder Projektor ist aber so gut wie immer von einem anderen Hersteller und zwingt uns somit zu einer weiteren Fernbedienung.

Worauf Ihr beim Kauf einer Universalfernbedienung speziell für den Heimkino-Bereich achten solltet, will ich heute mal erläutern.

Makros

Die Funktion Nummer 1 bei Universalfernbedienungen im Heimkino sind Makros. Ich kann es gar nicht genug betonen. Deshalb gleich nochmal: Makros!

Makros sind gespeicherte Abfolgen von Befehlen. Man drückt einen Knopf und es werden mehrere Befehle an verschiedene Geräte gesendet. Zwischen den Befehlen müssen sich Verzögerungen einbauen lassen, und zwar in Millisekunden. Wie die Makros programmiert werden, ist zweitrangig, solange sie einwandfrei funktionieren. Heute kann man eigentlich jede Universalfernbedienung mit dem PC verbinden und über eine Software bestücken.

Warum sind Makros so wichtig? Ganz einfach: Atmosphäre. Es trägt unheimlich viel zur Kino-Atmosphäre bei, wenn man sich zum Starten des Films (oder am Ende, in Pausen, zum Fortsetzen usw.) nicht darauf konzentrieren muss, fünf Tasten zu finden, zu treffen, und zur rechten Zeit zu drücken.

Mit einem Makro drückt Ihr nur noch auf eine Taste und legt dann die Fernbedienung entspannt weg und genießt den automatischen Start. Wie im echten Kino!

Speicherplatz

Wie schon eingangs erwähnt hat man es in einem Heimkino mit mindestens vier Geräten zu tun:

  • Fernseher oder Projektor
  • Blu-ray Player
  • Verstärker
  • CD-Player (oder ein alternatives Abspielgerät für Musik)

Selbst wenn man keine Musik vor und nach dem Film hört, kommt bestimmt noch ein Kabel- oder Sat-Receiver oder ein Aufnahmegerät hinzu.

Wenn die Fernbedienung die Infrarot-Befehle all dieser Geräte vollständig speichern soll, braucht sie ausreichend Speicherplatz. Hinzu kommen die Makros, die auch gespeichert werden wollen, sowie bei vielen Modellen mit Touchscreen die Anordnung der Tasten. Bei einigen Fernbedienungen lassen sich sogar eigene Bilder auf die Tasten legen.

Speicherplatz kann man also nie genug haben. Glücklicherweise ist das in den Preisregionen, in denen wir uns alleine durch die erforderliche Funktionalität bewegen, auch nicht wirklich das Problem.

Lernfähigkeit

Nicht jeder Hersteller verfügt über eine riesige Datenbank mit den Infrarot-Befehlen sämtlicher am Markt erhältlicher Geräte. Manche Fernbedienungen bringen auch nur die Geräte des selben Herstellers vorprogrammiert mit. In anderen Fällen sind die Datenbanken unvollständig oder fehlerhaft, so dass nicht alle Tasten funktionieren.

Für solche Fälle – aber auch für exotischere Geräte ohne große Verbreitung – muss die Fernbedienung lernfähig sein. Befehle werden gelernt, indem man die Fernbedienung in den Lernmodus versetzt und dann die Taste auf der Original-Fernbedienung drückt. Die Universalfernbedienung erkennt den Befehl und speichert ihn ab.

Günstigere Modelle bieten oft nur diese Möglichkeit an, um überhaupt fremde Geräte steuern zu können. Von daher ist es eher schwierig, eine Fernbedienung zu finden, die nicht lernfähig ist. Trotzdem solltet Ihr Euch vergewissern, dass die Funktion vorhanden ist und etwas taugt.

Externer Infrarot-Sender

Wer sein Kino mit Projektion betreibt, wird seine Geräte aufgrund von Kabellängen in der Regel hinten oder seitlich aufgestellt haben. Nichts nervt mehr, als mit der Fernbedienung immer nach hinten zielen zu müssen – wegen – jedem – einzelnen – Tasten – druck.

Abhilfe schaffen Fernbedienungen mit externen Infrarot-Sendern. Jeder Befehl wird von der Fernbedienung zunächst per Funk zu einem Empfänger geschickt, der sich irgendwo im Raum befinden kann. Es muss kein Sichtkontakt bestehen. Der Empfänger gibt den Befehl weiter an einen oder mehrere Infrarot-Sender, die so installiert sind, dass sie die zu steuernden Geräte erreichen können.

Umständliches Zielen gehört damit der Vergangenheit an. Ihr könnt die Fernbedienung einfach lässig in der Hand halten und müsst Euch nicht um ein freies Sichtfeld bemühen. Zudem sind die externen Sender meistens deutlich stärker, als es eine Fernbedienung je sein könnte. Schlechte Reaktion fällt damit flach.

Zeitsteuerung

Eine optionale Funktion, aber durchaus eine, über die man nachdenken kann, ist die zeitgesteuerte Ausführung von Befehlen. Im Grunde ist das der nächste Schritt nach den Makros. Man unterscheidet hier zwei Arten:

  • feste Zeiten
  • Zeitverzögerung

Bei einer festen Zeitangabe wird eine genaue Uhrzeit definiert, zu der ein Befehl oder ein Makro ausgeführt werden soll. Bei der Zeitverzögerung wartet die Fernbedienung nach Aktivieren der Funktion einfach eine vorgegebene Zeit, bis sie die Befehle sendet.

Beide Varianten sind für sich genommen gut und nützlich; besser ist es natürlich, wenn man die Wahl hat und bei Bedarf auf die passende Möglichkeit zugreifen kann.

So kann man zum Beispiel den Start des Films um eine Minute verzögern, um diesen Spannungsmoment zu bekommen. Geht’s jetzt los? Geht’s endlich los? Hm? Na? Wie im Kino! Atmosphäre und so …

Oder wer ganz verrückt ist kann das komplette Programm zeitgesteuert ablaufen lassen. Vom Filmbeginn zu einer bestimmten Uhrzeit bis hin zum programmierten Abspielen von Filmtrailern und sogar Werbung über verschiedene Player ist alles denkbar. Nach der Spielzeit des Films könnte sogar das Licht wieder automatisch an gehen.

Guter Sitz

Wie wichtig ist es nun, dass die Fernbedienung gut in der Hand liegt? Das muss jeder für sich entscheiden. Wenn man sich die richtig teuren Produkte ansieht, haben diese mehr Ähnlichkeit mit einem Tablet-PC, als mit einer Fernbedienung. Die Bedienung mit einer Hand ist oft schon nicht mehr möglich.

Aber ist das im Heimkino wirklich nötig? Es ist ja nicht wie beim Fernsehen, wo man ständig umschaltet oder die Lautstärke rauf und runter regelt. Die Fernbedienung wird am meisten dazu benötigt, am Anfang kurz die Blu-ray einzurichten und ein paar Einstellungen vorzunehmen. Von Pausen mal abgesehen gibt es darüber hinaus nur noch einen Tastendruck zum Start und einen am Ende.

Die Fernbedienung muss also aus meiner Sicht nicht unbedingt perfekt in der Hand liegen. Sie sollte aber auch nicht gerade ein Kilo wiegen.

Beleuchtung

Fast hätte ich es vergessen: Im Kino ist es meistens dunkel. Wenn man doch mal etwas während der Vorstellung drücken muss, hilft es ungemein, wenn die Tasten beleuchtet sind. Die Lautstärke trifft man vielleicht noch blind, aber alles andere?

Sehr nützlich ist es, wenn die Fernbedienung dabei auf Bewegung reagiert. Sobald man sie aufnimmt oder leicht schüttelt, sollte die Tastenbeleuchtung angehen. Aber bitte nicht so leicht, dass sie häufig grundlos an geht.


Konkrete Empfehlungen für bestimmte Produkte zu geben, fällt mir schwer, da ich selbst nur über eine Fernbedienung verfüge (die Logitech Harmony 900) und deshalb kaum Vergleiche ziehen kann. Im letzten Jahrzehnt waren Logitech und Philips bei der Entwicklung von Universalfernbedienungen ganz vorne dabei. Zumindest für den Anwendungsbereich Heimkino würde ich deren Produkten daher von vorneherein etwas offener entgegen treten.

Wer alle der oben genannten Funktionen haben will, wird sich in die gehobenere Preisklasse ab 300 € begeben müssen. Wer auf Zeitsteuerung verzichten kann und sich mit eher minimalen Möglichkeiten für Makros zufrieden gibt, kann bedenkenlos in der Preisregion unter 200 € bleiben. Unter 80 € gibt es aus meiner Sicht keine Universalfernbedienungen, die sich für ein Heimkino eignen.

Welche Fernbedienung setzt Ihr schon ein und wie zufrieden seid Ihr damit? Welche Funktionen sind die wichtigsten für Euch? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

6 Gedanken zu „Anforderungen an eine Universalfernbedienung

  1. Ich selbst verwende die Logitech Harmony One+. Diese lässt sich nur über das Internet konfigurieren. Logitech bietet aber den momentan größten Support an Geräte auf dem Markt an. Mir war es einfach wichtig nicht ständig mit 3 Fernbedienungen hantieren zu müssen, die dann auch noch über unterschiedliche Tastenanordnungen verfügen und man jedesmal den entsprechenden Knopf suchen muss.

    Im Moment reicht mir die Funktionalität der One+ aus. Durch einen Knopfdruck kann ich mein TV Makro ablaufen lassen und dann auch ganz einfach durch einen weiteren Knopfdruck auf dem schönen Bunten Farbdisplay ohne größeren Aufwand in den „Heimkino“-Modus wechseln.

    Jedenfalls möchte ich meine Universalfernbedienung nicht mehr missen. Leider ist es aber so, dass Logitech aktuell in finanziellen Schwierigkeiten steckt und ein Verkauf der Sparte der Fernbedienungen geplant ist. Hoffen wir das beste, dass es noch eine ganze weile diesen Premiumhersteller gibt.

    1. Das hab ich neulich auch schon gehört, dass Logitech die Fernbedienungen abgeben will. Solange es aber eine Nachfrage gibt, wird auch immer wieder jemand da sein und ein Angebot liefern. Ich mache mir also keine allzu großen Gedanken deswegen.

      Offen gesagt glaube ich auch, dass die Steuerung immer mehr in Richtung Smartphones, Tablets oder ähnlicher Geräte gehen wird. Vielleicht sind Universalfernbedienung, wie wir sie heute kennen, in ein paar Jahren gar nicht mehr notwendig, weil sowieso alles über ein Gerät läuft. Vielleicht tut sich da schon was mit der nächsten Generation Receiver, spätestens mit der übernächsten.

      1. Stimmt, es gibt ja auch von Logitech ne App und einen Umsetzer mit dem man per Smartphone oder Tablet alles Steuert. Ist ja auch wünschenswert alles vereinen zu können.

        Allerdings stell ich mir die Frage wie das dann noch läuft. Sitze ich im Wohnzimmer auf dem Sofa und Surfe im Internet mit dem Tablet und meine Frau will im TV umschalten, muss ich meine Tätigkeit unterbrechen damit sie umschalten kann? Auch blöd.

        Oder ich telefonier gerade mit dem Handy und die Frau kann nicht umschalten weil ich sonst auflegen muss?

        Diesbezüglich müssen dann andere Lösungen her.

        Mit der Zusammenarbeit von Receivern können sogar die Aktuellen Geräte damit umgehen. Ich kann mit einem Ipad meinen Yamaha RX-V575 komplett steuern. Und sollte auch für Android gehen.

  2. Ich plane gerade mein Heimkino und die ganze Technik liegt hinter dem Sitzplatz. Verstehe ich das richtig, das dann kein Weg an einer Universalfernbedienung und solchen externen Infrarotsendern vorbei geht? Braucht man pro gerät das angeschlossen wird einen Sender oder ein Sender für alles?

    Bitte um Hilfe

    Gruß
    Sebastian

    1. Wenn Du mit der Fernbedienung nicht nach hinten zielen willst, ja. In den meisten Fällen reicht der Harmony Hub (bzw. ein vergleichbares Kästchen eines anderen Herstellers). Die Signalstärke ist bei den Dingern sehr stark. Nur bei kritischen Aufstellungen brauchst Du evtl. noch einen externen Sender zusätzlich.

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