Kriterien zur Auswahl einer Mietwohnung

Wonach sollte man eine Mietwohnung auswählen, damit man möglichst wenig Ärger mit den Mitbewohnern bekommt, wenn man sein Heimkino betreibt? Diese Frage kam vor einiger Zeit in einem Forum auf und erntete überwiegend Reaktionen der lustigen Art. Ich habe mir trotzdem mal die Mühe gemacht, brauchbare Antworten zu finden. Wie sucht man als Heimkino-Fanatiker also eine Mietwohnung aus?

Auf der Suche nach einer Mietwohnung: Lupe, Haus, Vertrag, Stift, Hand sowie Lautsprecher, Filmklappe, Lautstärke und Kopfhörer

Da ausreichende Schallisolierung in Wohnräumen praktisch unmöglich ist, oder einen derart großen Aufwand erfordert, dass man ihn in einer Mietwohnung nicht betreiben will und kann, müssen andere Überlegungen angestellt werden. Es läuft alles darauf hinaus, wie das Haus gebaut ist und wer sonst noch darin wohnt.

Das Haus

Die Übertragung des Schalls in benachbarte Wohnungen erfolgt über das Mauerwerk des Hauses. Deshalb bringen Maßnahmen zur Schallisolierung ja auch nicht viel.

Alter und Bauweise

Dennoch ist es vorteilhaft, wenn das Haus nicht viel älter als Baujahr 2000 ist. Die Bauweise von Häusern unterliegt einem ständigen Wandel. Heute wird viel stärker auf Isolierung geachtet, als noch vor 20 oder 50 Jahren. Das betrifft zwar hauptsächlich Wärmeisolierung, aber auch Themen wie Trittschalldämmung und eben die Entkopplung zwischen verschiedenen Wohnungen. Die Chancen stehen bei einem jüngeren Haus besser, dass etwas weniger Kinosound zum Nachbarn übertragen wird.

Wichtig ist, dass es sich möglichst um ein Massivhaus handelt. Beton und Ziegel sind die Baumaterialien, die Schall am besten zurück halten. Fertighäuser, die zu einem Großteil aus Holz bestehen, sind im allgemeinen etwas hellhöriger.

Die Innenwände der Wohnung sollten ebenfalls gemauert sein. Das ist ein Punkt, der sich mit neueren Häusern manchmal in die Quere kommt. Aus Kostengründen wird heute oft nur die Außenwand und eine tragende Innenwand gemauert. Alle Trennwände zwischen den Räumen sind Ständerwände, die aus Aluprofilen, Gipskartonplatten und Dämmwolle bestehen. Diese Wände dämmen zwar Gespräche und anderen Schall in Zimmerlautstärke ganz gut, sind aber zu weich für tiefere Frequenzen.

Kellerraum inklusive

Wenn im Mietpreis ein geeigneter Kellerraum enthalten ist, könnte das auch eine Option darstellen. Da muss man aber ziemliches Glück haben, denn die meisten Kellerräume, die man heute dazu bekommt, sind bestenfalls kleine Abstellkammern.

Der Kellerraum muss außerdem über ausreichend Stromanschlüsse verfügen, wenn möglich mehr als nur eine Steckdose neben der Tür. Feuchtigkeit, ein muffiger Geruch oder gar Schimmel sind selbstverständlich Ausschlusskriterien. Wir wollen ja teure Technik dort unterbringen. Nicht zuletzt muss irgendwie eine Netzwerkverbindung in den Raum möglich sein.

Die Auswahl dürfte sich so stark einschränken. Letztendlich ist in einem Kellerraum auch mehr Arbeit und Materialeinsatz nötig, um ihn zu einem akzeptablen Kinoraum auszubauen. Ob Ihr das in einer Mietwohnung in Kauf nehmen wollt, müsst Ihr selbst entscheiden. Das beste Mittel gegen Lärmbelästigung ist es aber definitiv.

Dachgeschoss mit Dachboden

Der umgekehrte Ansatz ist, eine Dachgeschoss-Wohnung mit dazugehörigem Dachboden zu mieten. Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel dürfte es hier seltener geben. Für Strom und Internet könnt Ihr vielleicht einfacher aus der darunter liegenden Wohnung sorgen. Zumindest Strom sollte es für eine Beleuchtung geben — wenn der Raum als Kino genutzt wird, wäre es aber ratsam, dass der Dachboden über eine eigene Sicherung läuft.

Der Ausbau eines Dachbodens zum Heimkino kann — wie auch beim Keller — sehr aufwendig werden und nimmt möglicherweise tiefere Eingriffe in das Gebäude vor. Das müsst Ihr in jedem Fall vorher mit dem Vermieter abstimmen. Ebenso solltet Ihr einen Rückbau bedenken, wenn Ihr irgendwann auszieht.

Daher ist es ratsam, sich vielleicht auf einen Ausbau des Dachbodens zu einigen, der ggf. erhalten bleibt. Das betrifft Boden und Wandverkleidung (was zugleich die Decke sein dürfte) und Strom. Weitere Maßnahmen, die den Raum endgültig zum Heimkino machen, sollten sparsam eingesetzt werden. So ist ein Rückbau weniger aufwendig. Vielleicht würde sich der Vermieter ja sogar an den Kosten für den grundlegenden Ausbau beteiligen

Fraglich ist, wie anspruchsvoll Ihr beim Zugang seid. Ich stelle es mir aber lustig vor, das Kino über eine dieser typischen Hühnerleitern zu betreten.

Die Mitbewohner

Ein weiteres Auswahlkriterium für eine Mietwohnung sind die Mitbewohner. Ideal ist es natürlich, wenn die alle schon ziemlich alt sind und schlecht hören. Dann ist es ihnen vielleicht egal, wenn Ihr Bassorgien feiert.

Fans und Mitstreiter finden

Ideal ist es, wenn im Haus möglichst nur eine weitere Partei wohnt, auf die Ihr Rücksicht nehmen müsst. Vielleicht habt Ihr Glück und könnt den- oder diejenigen für Euer Hobby begeistern.

Ladet sie einfach regelmäßig zu einem Film plus Bier ein, dann klappt das schon. Entsprechend höher ist auch die Toleranz, wenn Ihr mal alleine für ein Bassgewitter sorgt.

Besser als tolerante Mitbewohner: gar kein Mitbewohner

Die einfachste Lösung wäre es ja eigentlich, gar keine Mitbewohner zu haben. Dazu müsstet Ihr ein alleinstehendes, kleines Haus mieten. Leider ist das von den Kosten her meistens nicht möglich. Ihr könntet ebenso gut ein Haus kaufen und den Kredit abzahlen.

Was aber wäre, wenn der oder die Mitbewohner nur selten zuhause ist? Wenn jeder, der sich belästigt fühlen könnte, jede Woche drei Tage auf Geschäftsreise ist, habt Ihr einen entscheidenden Vorteil. Dann könnt Ihr sogar Eure Terminkalender abstimmen, um die besten Tage für laute Filme oder Musik zu finden.

Vorsicht bei Familien mit Kindern

So lange man keine eigenen Kinder hat, regt man sich ja gerne über das Geschrei und anderen Lärm auf. Bei unserem Hobby kann es aber schnell passieren, dass die Belästigung in die andere Richtung umschlägt.

Wenn eine Familie mit Kindern bis — sagen wir mal — 10 bis 14 Jahren im Haus wohnt, seid Ihr diejenigen, die Rücksicht nehmen müssen. Das gilt besonders bei Babys oder Kleinkindern — da gibt es keine Diskussion. Für Eltern mit kleinen Kindern ist es absolut nicht witzig, wenn sich jemand im Haus daneben benimmt, und sei es auch nur ab und zu.

Wenn Ihr damit nicht klar kommt, meidet Mietwohnungen mit jungen Familien im selben Haus — zum Wohle der Mitbewohner. Haltet bei der Auswahl einer Mietwohnung auch nach jungen Paaren Ausschau, die den Eindruck erwecken, dass sie demnächst äußerst produktiv in die Familienplanung einsteigen.


Mit einem Heimkino ist es definitiv nicht einfach, eine Mietwohnung zu finden, die es ermöglicht, das Hobby richtig auszuleben. Rücksicht geht wie immer vor — und notfalls läuft ein Großteil der Filme eben leiser.

Wichtiger als ein heimliches Abwägen der Kriterien einer potenziellen Mietwohnung finde ich folgendes: Sprecht den Vermieter bei der Wohnungsbesichtigung doch einfach offen darauf an, dass Ihr mehrmals pro Woche Krach machen wollt. An der Reaktion könnt Ihr wahrscheinlich sehr leicht ablesen, ob Ihr mit Eurem Heimkino willkommen seid oder nicht.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

3 Gedanken zu „Kriterien zur Auswahl einer Mietwohnung

  1. Hallo Bert,

    ich habe in mehreren Mietwohnungen gewohnt bevor wir das Glück hatten, ein Haus beziehen zu können. Probleme mit den Nachbarn hatte ich dabei nie – was aber schlicht daran lag, dass ich immer Rücksicht genommen habe. DTS? Lieber DD. Nightmode am Receiver an. Subwoofer? Ach lass ich lieber aus etc. Wenn ich so zurück denke, wären da auch die wenigsten verständig gewesen (im Gegensatz zu deren lauten Parties ;-)).

    Erst mit Einzug ins Haus und eigenem Kinoraum hat sich das geändert. Interessanterweise sagt meine Frau auch, dass sie oben im Wohnzimmer – und das ist direkt über dem Kino – nichts hört. Da hab ich wohl mit der Bausubstanz ebenfalls Schwein gehabt 😉 Jetzt weiß ich aber erst, was es heißt, vom Ton umhüllt zu sein – und ich genieße es 🙂

    Bis bald,
    Marco

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