Mit dem Bild durch die Wand

Projektion von nebenan – Einen Wanddurchlass bauen

Wer absolute Stille in seinem Heimkino voraussetzt, aber auf einen Beamer nicht verzichten will, hat möglicherweise ein Problem: die Kisten rauschen. Die räumlichen Gegebenheiten vorausgesetzt, könnt Ihr den Beamer aber in den Nebenraum verfrachten. Dazu braucht Ihr einen Wanddurchlass, am besten mit Verglasung — ganz wie im echten Kino.

Kinosaal mit Blick auf die Rückwand
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Wenn Ihr durch die Wand projizieren wollt, gibt es ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Mit einem Loch in der Wand ist es nicht getan. Schließlich soll das ja auch noch nach etwas aussehen.

Beamer in den Nebenraum verlagern

Besonders wenn Ihr ein sehr großes Bild mit 3 Metern Breite oder mehr haben wollt, kann der Beamer sehr laut werden. Damit das Bild noch ausreichend hell ist, könnt Ihr den Eco-Modus mit reduzierter Lichtleistung und geringerem Lüftergeräusch nicht nutzen. Das ist auch schon der größte Vorteil, wenn man den Beamer in den Nebenraum verfrachten kann: absolute Stille!

Dieses Vorhaben lohnt sich natürlich um so mehr, wenn auch die gesamte andere Technik dort unter kommt. Ein richtiger Projektionsraum bietet meistens mehr Platz. Man muss Kabel nicht so gut verstecken und kann bequemer mal etwas umkonfigurieren.

Nicht zu vergessen ist der Coolness-Faktor: Wenn der Beamer durch eine Scheibe an der Rückwand des Heimkinos leuchtet, wirkt das wie im echten Kino. Wieder ein Schritt näher an richtiger Kino-Atmosphäre.

Zuletzt ist die Projektion durch die Wand meistens ein Gewinn an Abstand zwischen Beamer und Leinwand. So lässt sich auch in einem relativ kleinen Raum ein sehr großes Bild erzeugen.

Anforderungen an Raum und Wand

Um die Projektion durch die Wand umsetzen zu können, sind einige räumliche Gegebenheiten erforderlich. Zunächst muss natürlich die Raumaufteilung stimmen. Gegenüber der Wand, wo die Leinwand hängen soll, muss genau mittig ein Loch durch die Wand gehen, etwa 20 bis 30 cm unter der Decke. Dahinter muss sich der zukünftige Projektionsraum befinden.

Die Wand muss entsprechend gemauert sein, um einen Durchbruch schaffen zu können. Das heißt, es sollte höchstens eine Ziegelwand sein. Von tragenden Wänden aus Beton würde ich die Finger lassen: hier überhaupt einen Durchbruch zu schaffen erfordert schweres Gerät. Die Auswirkungen auf die Statik solltet Ihr im Zweifelsfall von einem Fachmann prüfen lassen. Zwar ist der Durchbruch relativ klein, aber an einer tragenden Kellerwand solltet Ihr nicht einfach so herumhacken. Sehr wahrscheinlich werdet Ihr so ein Projekt in einem Kellerkino umsetzen. Vielleicht errichtet Ihr auch eine künstliche Raumtrennung als Rigipswand — das macht die Sache natürlich deutlich einfacher.

Vergesst auch nicht, einen zusätzlichen Schacht für diverse Kabel einzuplanen. Gerade, wenn der AV-Receiver auch in den Technikraum auswandern soll, werdet Ihr jede Menge Lautsprecherkabel nach nebenan verlegen müssen. Anderenfalls muss mindestens ein HDMI-Kabel zum Beamer führen. Nicht zu knapp planen!

Die Stärke der Wand ist ziemlich egal und beeinflusst höchsten, wie schwer es wird, den Durchbruch zu schaffen. Sie bestimmt allerdings mit, wie groß das Loch sein muss.

Größe des Durchbruchs ermitteln

Ich könnte jetzt wieder mit Mathematik um die Ecke kommen, aber manche Dinge probiert man einfach lieber aus. Als wichtigster Teil der Arbeit gilt es zu ermitteln, wie groß der Wanddurchlass sein muss. Die folgenden wesentlichen Faktoren sind hier ausschlaggebend:

  1. Wie nah befindet sich der Beamer auf Seite des Technikraums am Wanddurchlass? Je weiter weg, desto größer muss das Loch sein.
  2. Das Bild wird mit wachsender Entfernung zum Beamer größer. Ausschlaggebend ist also die Größe des Lochs auf Seite des Kinoraums.
  3. Wie weit ist der Beamer von der Leinwand entfernt? Je näher die Leinwand, desto weniger spitz ist der Lichtkegel — das Loch muss größer sein.

Um hier keine böse Überraschung zu erleben, macht Ihr am besten einen Testaufbau mit dem Beamer in entsprechender Entfernung zu einer weißen Wand. Den Wanddurchlass simuliert Ihr mit einem Karton, dessen Deckel und Boden geöffnet ist. Alle Entfernungen messt Ihr genau aus.

Der Beamer muss durch den Karton projizieren, ohne Gefahr zu laufen, dass der Karton einen Schatten wirft. Damit Ihr in der Aufstellung flexibel bleibt, gebt Ihr zur ermittelten Größe ausreichend Puffer hinzu. Bedenkt auch, was passieren könnte, wenn Ihr evtl. einen anderen Beamer anschaffen solltet.

Den Wanddurchlass verkleiden

Niemand will ein hässliches Loch in der Wand sehen, deshalb wird der Wanddurchlass verkleidet. Das funktioniert im Grunde wie mit einem Türrahmen. Außerdem muss noch irgendwie eine Scheibe da rein, um die Geräusche des Beamers wirklich komplett abzuschotten.

Die Glasscheibe

Für die Glasscheibe solltet Ihr Euch bei einem örtlichen Glaser nach Museumsglas mit einer Lichtdurchlässigkeit von 99% umsehen. Das ist besonders reflexionsarm und farbneutral. Das ist wichtig, damit es Euch das Bild nicht beeinflusst.

Ein Rahmen für einen Wanddurchlass, Ansicht von vorn
Beispiel für den Rahmen in einem Wanddurchlass. Man sieht deutlich die schräge Kante, an der die Scheibe anliegt.
Foto: GTNubi

Ihr könnt Euch Glas in nahezu jeder beliebigen Größe zuschneiden lassen. Natürlich wäre es dafür praktischer, zuerst den Rahmen fertig zu haben, um ihn genau vermessen zu können.

Die Glasscheibe darf nicht einfach senkrecht in den Rahmen eingebaut werden. Das würde dazu führen, dass ein Teil des Lichts daran reflektiert und in die Beamerlinse zurück gestrahlt wird. Auch das hätte Auswirkungen auf die Bildqualität, die Ihr lieber vermeiden wollt.

Deshalb muss die Scheibe schräg eingebaut werden: oben in Richtung Kino geneigt bzw. unten in Richtung Technikraum. Dadurch wird der geringe Anteil reflektierten Lichts nicht zurück zum Beamer geworfen, sondern im Technikraum gegen die Decke. Den genauen Winkel ermittelt Ihr am besten anhand einer Zeichnung (Seitenansicht) des Rahmens. Er dürfte so bei ungefähr 20° liegen. Das ist abhängig davon, wie viel Abstand der Beamer zur Scheibe hat.

Der Rahmen

Wie Ihr den Rahmen baut, bleibt Eurem handwerklichen Geschick überlassen — sofern vorhanden. Ihr könnt aber genauso einen örtlichen Schreiner beauftragen. Oft lässt sich sowas als Azubi-Projekt deklarieren und wird dadurch gar nicht mal so teuer.

Ein Rahmen für einen Wanddurchlass, Ansicht von hinten
Foto: GTNubi

Auf den Bildern seht Ihr, wie sowas aussehen könnte. Zunächst muss der reine Wanddurchbruch verkleidet sein. Auf Seite des Kinos sollte es außerdem einen breiten Rand geben, der einen sauberen Abschluss schafft.

Der Rahmen wird am Ende von der Seite des Kinos in die Öffnung eingeschoben. Wer es ganz genau machen will, kann für die Seite des Technikraums auch noch einen Rand bauen.

Ein Rahmen für einen Wanddurchlass, Ansicht von innen
Foto: GTNubi

Für die Glasscheibe ist ein Ausschnitt im Rahmen praktisch, der sie gleich in den richtigen Winkel bringt. Wer Zugang zu einer CNC-Maschine hat (und den dafür nötigen Maschinenbediener kennt), kann diesen Rand aus dem Holz heraus fräsen. Einfacher ist es aber, zwei zusätzliche Seitenwände mit schrägen Kanten innen in den Rahmen einzufügen. Die müssen nur vorab bei der Berechnung aller Größen mit berücksichtigt werden. Eine Kante oben und unten ist nicht notwendig.

Ein Rahmen für einen Wanddurchlass, Detailansicht einer Seitenwand von innen
Foto: GTNubi

Die Scheibe wird ganz zum Schluss von Seite des Technikraums in den Rahmen eingeschoben, wo sie durch die Kante im richtigen Winkel stehen bleibt. Befestigt wird sie durch diese kleinen Haltestifte für Regalböden, meist zu finden unter dem Begriff Regalbodenträger. Dazu sind vorab 4 präzise Bohrungen in die Seitenwände notwendig. Ideal sind Regalbodenträger mit einer einseitigen Gummibeschichtung- oder hülle oder einer Auflagefläche aus transparentem Kunststoff. Alternativ könnt ihr eine Seite auch mit einem kurzen Stück Schrumpfschlauch beziehen.

Farbe drauf und fertig

Zuletzt könnt Ihr den Rahmen natürlich passend zum Kino lackieren lassen — entweder mit Sprühlack aus dem Baumarkt oder bei einem professionellen Lackierer. Letzteres wird erfahrungsgemäß deutlich besser. Alternativ könnt Ihr ihn auch einfach streichen. Gerade bei dunklen Farben wird das kaum auffallen.

Die zu lackierende Fläche hält sich ja stark in Grenzen. Der sichtbare Rahmen und der gesamte Innenbereich müssen möglichst dunkel werden. Alle anderen Flächen sind optional. Zu empfehlen ist generell eine matte Oberfläche, damit es nur wenige Spiegelungen durch das nahe Beamer-Objektiv gibt.

Einbau

Den Wanddurchlass könnt Ihr auf verschiedene Arten in die Wand einbauen:

  • Klassisch, den Raum zwischen Holz und Mauerwerk mit Bauschaum ausspritzen. Das hält bombenfest, ist aber auch ziemlich endgültig. Ihr werdet den Rahmen kaum ohne Beschädigung wieder heraus bekommen.
  • Mit kleinen Holzkeilen, die von Seite des Technikraums in den Spalt geschlagen werden. Die lassen sich notfalls wieder heraus ziehen.

Ganz allgemein ist es aber wohl am besten, den Rahmen in der exakten Größe mit nur wenig Spiel zu bauen. So ist vielleicht gar keine allzu komplizierte Befestigung notwendig.


Die Details der Umsetzung hängen natürlich sehr stark von den individuellen Gegebenheiten Eures Raums ab; außerdem von Eurem handwerklichen Geschick und der Fülle Eures Geldbeutels. Diese kleine Anleitung dürfte Euch aber den Weg zu einem Wanddurchlass für den Beamer gezeigt haben.

Da man sich heute in fast jedem Baumarkt Holz auf den Millimeter genau zurecht sägen lassen kann, geht man fast schon mit einem Bausatz nach Hause. Wenn Ihr vorher alles gut geplant habt, müsst Ihr kaum selbst Hand an das Holz legen, sondern könnt Euch auf das Verschrauben und verkleben der Teile konzentrieren.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

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