Zu Besuch beim Heimkino-Fachhändler

Neues Heimkino-Equipment kaufst du entweder bei einem Fachhändler vor Ort oder im Internet. Je nach Produktkategorie hat der eine oder andere Weg größere Vor- oder Nachteile. Insbesondere wenn du Lautsprecher kaufen willst, ist die Entscheidung nicht leicht, weil es wirklich gute Argumente für beide Wege gibt.

Auch eine Art von Fachhändler: Ein klassischer alter Gemischtwarenladen mit rustikaler Theke und Regalen im Hintergrund.
Auch ein Fachhändler (Fächer im Hintergrund).
Foto: Pixabay

Mit diesem Beitrag will ich einmal näher beleuchten, was einen Heimkino-Fachhändler überhaupt auszeichnet. Ich gehe darauf ein, unter welchen Umständen du einen Fachhändler aufsuchen solltest und wann ein Kauf genauso gut online getätigt werden kann.

Was ist überhaupt ein Fachhändler?

Nun, einer der Lautsprecher, AV-Receiver, Fernseher und Beamer verkauft. Fachhändler für Heimkino-Technik sind relativ dünn gesät, wenn man die Grenzen richtig absteckt.

  • Der Verkaufsraum darf nicht nur aus einer großen Halle bestehen, sondern sollte in mehrere kleine Nebenräume abzweigen.
  • Wenn ein Händler auch PCs im Angebot hat, ist er wahrscheinlich schon zu wenig spezialisiert.
  • Spätestens, wenn auch Waschmaschinen im Schaufenster stehen, bist du falsch.

Ein Fachhändler muss über wenigstens ein gut eingerichtetes, das heißt akustisch optimiertes, Hörstudio verfügen. Mitten in einem großen Verkaufsraum testet man keine Lautsprecher. Das geht schief, weil die akustischen Bedingungen genau das Gegenteil von den späteren Bedingungen zuhause sind.

Insbesondere Discounter fallen auch weg. Kauf deine Lautsprecher bloß nicht bei einem der üblichen Verdächtigen. Du bist doch nicht blöd. Das beratende Personal ist — falls vorhanden — meist nicht von diesem Planeten. Die meisten Verkäufer haben gar nicht die nötige Erfahrung auf diesem Fachgebiet. Man will dir nur ein krasses Heimkino-Set verkaufen und dich dann schnell wieder aus dem Laden haben. Sinnlose Vorgaben aus der Führungsetage versuchen dich in eine Produktkategorie zu drücken, die nichts mit Heimkino zu tun hat, sondern nur mit „Heimunterhaltung“. Abgesehen davon treffen alle der oben genannten Ausschlusskriterien auf Discounter zu.

Ein Fachhändler hat entsprechend kundiges Verkaufspersonal, das dich berät und sich Zeit nimmt. In vielen Fällen solltest du sogar vorab einen Termin für deinen Besuch vereinbaren. Heimkino-Händler wissen um ihre dünne Verteilung im deutschsprachigen Raum und sind deshalb auf längere Anfahrtzeiten ihrer Kunden eingestellt. Das wäre nicht professionell, wenn dann niemand Zeit für dich hätte.

Im Idealfall wird man dich nach deinem geplanten Raum fragen und wofür du die Lautsprecher nutzen willst. Auch Beamer und Leinwände sind vorführbereit und der Berater wird von dir wissen wollen, in welcher Umgebung du diese einsetzen willst – optimierter Raum mit wenig Streulicht oder gewöhnliches Wohnzimmer mit Tageslicht-Einfall.

Ein Fachhändler wird üblicherweise die aktuellen Modelle einiger Hersteller vor Ort haben. Gerade bei Beamern geht die Entwicklung gerade recht schnell voran, so dass die neuesten Geräte im Vergleich zu älteren, günstigeren gezeigt werden müssen. Bei Lautsprechern ist es nicht ganz so wichtig, brandaktuell zu sein. Lautsprecher entwickeln sich nicht so rasant weiter, wie die übrige Unterhaltungselektronik. Sie haben eine sehr hohe Beständigkeit — man kann Lautsprecher schon mal 20 Jahre oder länger haben, ohne dass sie deshalb so viel schlechter sein müssen. Die reduzierten Modelle von vor zwei Jahren sind wahrscheinlich genauso gut, wie der letzte Schrei aus diesem Jahr.

Damit du den Besuch bei einem Fachhändler besser planen kannst, habe ich dir hier eine Liste der im deutschsprachigen Raum verfügbaren Fachhändler zusammengestellt.

Wann suchst du einen Fachhändler auf?

Gewisse Teile des Heimkino-Equipments solltest du vor dem Kauf zur Probe gehört bzw. gesehen haben. Besonders wichtig ist das bei folgenden Produktkategorien:

  • Lautsprecher – Diese musst du unbedingt hören, bevor du dich für eine Marke und Serie entscheidest. Nicht jeder Lautsprecher gefällt jedem Ohr …
  • Beamer – … und nicht jedes Bild gefällt jedem Auge. Vielleicht weißt du zum Beispiel noch nicht, ob du den Regenbogeneffekten eines DLP-Beamers wahrnimmst.
  • Leinwände – Auch hier ist es eher schwierig, eine Entscheidung nur anhand der technischen Daten zu treffen. Eine Leinwand musst du sehen und erleben, sofern du noch keine nennenswerte Erfahrung damit gesammelt hast.
  • Sitzmöbel – Auch weniger technisches Equipment sollte dir ganz persönlich gefallen. In diesem Fall nur nicht unbedingt den Augen und Ohren.

Verlasse also ruhig mal das Haus, informiere dich bei einem Fachhändler vor Ort, genieße den Service und den Kaffee – und dann kaufe die Produkte deiner Wahl bitte auch dort!

Hörproben mitnehmen

Meist kannst du für deinen Besuch beim Fachhändler auch eigene Musik oder Filme mitbringen, die du zum Probehören auflegen lässt. Verlass dich aber auch auf die Hörproben des Händlers: Oft glaubt man, ein System mit seiner Lieblingsmusik testen zu müssen, leider sind das aber nicht selten ganz bescheidene Aufnahmen ohne jegliche Dynamik. Wirkliche Klangqualität zum Testen bekommt man aber nur von Aufnahmen, die du wahrscheinlich nicht im Schrank hast. Besteh also bitte nicht auf deine liebsten Rock-Klassiker — die meisten davon klingen eher unterdurchschnittlich.

Die gesunde Mischung macht’s. Der Vorteil an mitgebrachter Musik ist ganz klar, dass du sie gut kennst. Achte mal darauf, ob du etwas neues hörst, was dir vorher noch nie aufgefallen ist. Das ist meistens ein gutes Zeichen: Dann sitzt du vor einer Anlage, die mehr kann, als das was du gewohnt bist.

Lautsprecher zuhause testen

Ein Hörstudio beim Fachhändler ist ja schön und gut, aber zuhause klingen Lautsprecher immer nochmal ganz anders. Die Größe des Raums, die Aufstellung und akustische Maßnahmen machen den wesentlich größeren Teil des Klangs aus.

Wann immer du die Möglichkeit hast, solltest du Lautsprecher also bei dir zuhause testen — an ihrem zukünftigen Platz. Verlässlicher geht es nicht mehr.

Rede mit dem Fachhändler, ob das möglich ist. Auch stationäre Händler reagieren mittlerweile auf den Druck durch den Online-Handel. Dort ist es gerade im Direktvertrieb durch viele Hersteller ganz normal, dass du online bestellst. Am gesetzlichen Rückgaberecht von 14 Tagen führt für keinen Online-Händler ein Weg vorbei. Deshalb setzen viele gleich noch eins drauf und gewähren 30 Tage oder mehr. Das ist auch sinnvoll, denn du brauchst eine Weile, bis du dich an neue Lautsprecher gewöhnt und dich auf sie eingeschossen hast.

Warum der Test zuhause überbewertet wird

Allerdings muss ich an dieser Stelle auch dagegen halten, dass der Lautsprecher-Test in den eigenen vier Wänden häufig stark überbewertet wird. Diese Vorgehensweise ist nicht für jeden geeignet.

  • Für den Test musst du die Lautsprecher bereits so aufstellen können, wie sie später dauerhaft stehen würden. Du kannst sie nicht einfach in einem anderen Raum testen, weil dieser anders klingt.
  • Du solltest auch die zukünftige Kette aus AV-Receiver und eventuellen zusätzlichen Verstärkern bereits in Betrieb haben. Kabel und Verstärker wirken sich zwar so gut wie nicht auf den Klang aus, aber der digitale Prozess, den ein Signal durchläuft, und die abgegebene Endstufenleistung machen einen großen Unterschied aus.
  • Insbesondere die Raumakustik sollte bereits optimiert sein, damit du beurteilen kannst, wie ein Lautsprecher dauerhaft in deinem Raum klingen wird.

Gerade der letzte Punkt wurde von Einsteigern zum Zeitpunkt des Lautsprecherkaufs meist noch nicht berücksichtigt. Du testest also nicht, wie die Lautsprecher klingen, sondern wie dein Raum den Klang vermurkst.

Deshalb rate ich Einsteigern, lieber den Gang zum Fachhändler mit Hörstudio anzutreten. Wenn du die Raumakustik in deinen vier Wänden später verbesserst, wird der Klang der neuen Lautsprecher ja nur noch besser.

Der Test zuhause ist hingegen sehr gut geeignet, wenn dein Heimkino längst fertig ist – etwa wenn du bereits gute Lautsprecher hattest und jetzt auf bessere umrüsten willst.

Gleiches gilt übrigens für Beamer und Leinwände, deren Zusammenspiel und Endergebnis auch maßgeblich vom Raum abhängt.

Wann kaufst du Heimkino-Technik im Internet?

Online kaufen kannst du immer noch bei unkritischen Produktkategorien, für die ein vorheriger Test nicht zwingend erforderlich ist:

  • AV-Receiver – Unterschiede im Klang lassen sich hierbei auch im Vorführraum nur so gut vergleichen wie Äpfel mit Birnen. Du kannst hier nach Anzahl unterstützter Kanäle und sonstigen Wunsch-Features gehen.
  • Player – Ob Blu-ray, UHD oder Streaming-Box – auch hier entscheiden meist persönliche Neigungen, Testberichte, Empfehlungen und technische Angaben.
  • TV / Bildschirm – Zwar sind Zahlen und Fakten nicht alles, jedoch musst du für den Kauf eines Fernsehers aus einem anderen Grund nicht zwangsläufig gleich einen Händler aufsuchen: In jedem Haushalt steht mindestens ein Testgerät. Es dürfte nicht schwer sein, jemanden zu finden, bei dem du deinen möglichen Favoriten ansehen kannst.

Ganz allgemein kannst du also online kaufen,

  • wenn technische Daten für die Auswahl genügen,
  • wenn es nur um ergänzende Produkte geht, etwa um Kabel,
  • wenn du ohne Beratungsbedarf weißt, was du willst,
  • wenn für dich schon jetzt feststeht, dass du online kaufen wirst,
  • wenn Beratung online oder telefonisch ausreicht, um eine Entscheidung zu treffen.

Versand und Rückgaberecht: die Umweltbilanz

Natürlich ist es schön und praktisch, dass wir mittlerweile so viele (teils auch sperrige) Dinge online kaufen können. Das ist auch in Ordnung, so lange man zuvor keinen „Beratungsdiebstahl“ im Laden begangen hat. Aber wenn keine Beratung notwendig ist, bringt es auch nichts, einem Berater seine Zeit zu stehlen.

Nun sind die gesetzlichen 14 Tage Rückgaberecht oder eine erweiterte Frist für Lautsprecher und dergleichen ja sehr willkommen. Es spricht auch gar nichts dagegen, davon Gebrauch zu machen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass du die Produkte behalten wirst. Aber es spricht auch manches gegen diese Praktiken.

  • Sinnloses Kaufen und Zurückschicken erzeugt unsinnige Versandaufwände, die den Hungerlohn der Paketdienste nur noch mehr bestärkt.
  • Zeug sinnlos in der Gegend herum zu fahren ist schlecht für die Umwelt.
  • Auch die Händler haben nichts davon, weil sie zurückgeschickte Ware nicht mehr einfach so als Neuware verkaufen können. Das bedeutet Verlust und man muss sich nicht wundern, wenn Händler vom Markt verschwinden.
  • Im Falle von Direktvertrieb besteht das gleiche Problem für den Hersteller. Hier entstehen hohe Aufwände, die Retouren auf Herz und Nieren zu prüfen, um sie doch noch als Neuware verkaufen zu können.

Durch häufiges Aus- und Einpacken sowie Versenden werden technische Geräte in der Regel nicht besser. Ich finde, hier sollte jeder sein Ego im Griff haben und sinnvoll agieren. Auch wenn der Kunde König ist, gibt ihm das nicht den Freifahrschein, sich dumm zu verhalten.

Es spricht also so einiges für beide Möglichkeiten. Der Online-Kauf mit Test zuhause hat genauso seine Vorteile wie der klassische Besuch beim Fachhändler. Was richtig ist, hängt im Wesentlichen von der Produktkategorie und deiner persönlichen Erfahrung ab. Nicht zu vergessen ist der dritte Weg, Heimkino-Technik gebraucht zu kaufen, der ganz eigenen Gesetzen folgt.

Und an dieser Stelle nochmal die Bitte: Wenn du einen Händler in deinem Umkreis gefunden hast und dort gut beraten wurdest, kaufe die Geräte auch dort, und nicht etwa im Internet, wo sie ein paar Euro billiger sind. Das ist einfach nur fair. Der zusätzliche Service ist es fast immer wert.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Zu Besuch beim Heimkino-Fachhändler

  1. Hallo Herr Kößler,
    erstmal vielen Dank für Ihre umfangreichen Informationen und Ideen auf Ihrer Hompage.
    Ich bin auf der Suche nach einem neuen Receiver, was sich aber bei dem riesigen Angebot sehr schwer gestaltet. Was sollte bei der Auswahl beachtet werden, 5.1, Anzahl der Pre Outs, Einmessung, Atmos???
    Zurzeit verwende ich einen Harman/Kardon AVR 130 Receiver. Lautsprecher: Magnat Monitor Supreme, Front 2x 802, Center 252, Subwoofer 202A, Surround 2×202.
    Das es sich hier um kein High End Equipment handelt bin ich mir bewusst aber eine neuer Anfang sollte mit dem Receiver beginnen, oder?
    Über ein paar Anregungen und Tips zu einem neuen Receiver wäre ich dankbar.
    Vielen Dank.
    MfG Thomas

    1. Hallo Thomas,

      die Abhandlung über AVRs muss ich erst noch schreiben. 😉

      Für 5.1 kannst du im Grunde alles nehmen. Die aktuellen Modelle bieten alle Späße, die man sich wünschen kann. Kein Hersteller kann es sich leisten, hier hinterher zu hinken.

      Harman/Kardon ist jetzt nicht mehr wirklich hipp. Aktuell greift man zu Yamaha, Onkyo, Denon oder Marantz. Vereinfacht gesagt kannst du dich an der Preisklasse orientieren. Der AVR sollte ungefähr ⅓ des 5.1-Lautsprechersystems kosten.

      Wenn du langfristig in was qualitativ hochwertiges investieren willst und nicht über 5.1.2 oder 7.1 hinaus musst, würde ich jetzt mal den Yamaha RX-A1080 in den Raum werfen.

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