Das kleine Einmaleins der Bildeinstellung

Bildeinstellungen für Beamer und TV richtig anpassen

Wie stelle ich das Bild richtig ein? Auf der Suche nach Antworten zu dieser Frage hast du sicher auch schon das Menü des Beamers oder Fernsehers nach den Bildeinstellungen durchkämmt. Gewappnet mit der Bedienungsanleitung gerät der Versuch, das Bild einzustellen, schnell zur niemals enden wollenden Odyssee.

Menü für Bildeinstellungen eines Beamers

Dabei sind die wesentlichen Bildeinstellungen bei allen Anzeigegeräten gleich. Wer das kleine Einmaleins der Bildeinstellung beherrscht, kann mit wenigen gezielten Änderungen zu einer ordentlichen Bildqualität kommen. Hier erkläre ich, wie du in fünf Schritten zu einem guten Heimkino-Bild kommst.

Kalibrierung vs. Einstellung

Beamer, TV-Geräte und Monitore lassen sich nicht nur wie hier beschrieben grob, frei nach Auge einstellen, sondern auch kalibrieren. Mit Hilfe eines Messgerätes werden sie dabei in vielen manuellen Schritten so gut wie möglich normgerecht eingestellt: zum Beispiel für den HD-Farbraum BT.709 oder den UHD-Farbraum BT.2020. Neuerdings gibt es auch Geräte, die dies vollautomatisch mit einem Messgerät durchführen können („Autocal“), was aber noch die Ausnahme ist.

Außerdem gibt es Beamer, die vom Händler oder Hersteller fertig kalibriert verkauft werden. Für hochwertige Geräte ist das absolut sinnvoll und führt zur korrektest möglicher Darstellung aller Farben und Graustufen. Wurde dein Gebrauchtgerät einmal vor mehreren tausend Betriebsstunden oder vor dem Lampenwechsel kalibriert, so ist diese allerdings ziemlich sicher mittlerweile nicht mehr korrekt.

Außerdem gibt es fehlerhafte Zuspielgeräte, die z. B. zu helles Schwarz liefern oder fehlerhafter Content, also Filme, die z. B. zu helles Schwarz liefern. Wenn du dein Heimkino mit einem günstigen Neu- oder Gebrauchtgerät betreibst so kann es natürlich auch sein dass eine professionelle Kalibrierung wirtschaftlich wenig sinnvoll ist.

Manuelle Bildeinstellung für Beamer und TV

Eine einfache Vorgehensweise zur manuellen Bildeinstellung ohne komplizierte Kalibrierung erkläre ich im Folgenden und lasse dabei bewusst die unzähligen anderen, weniger wichtigen Einstellungen, außen vor.

Wichtig: Bevor du ans Einstellen gehst, lasse dem Beamer etwas Zeit zum Warmlaufen, da er in der ersten halben Stunde noch heller wird. Zumindest 10 Minuten solltest du ihm geben. Dabei gewöhnst du am besten auch deine Augen an die Lichtsituation.

Schritt 1: Kinomodus auswählen

Als Grundsetting haben alle Beamer diverse Modi, die sich vor allem in der Farbdarstellung (und damit auch Helligkeit) unterscheiden. Manche sind maximal hell um auf die beworbene Lumen-Zahl zu kommen, andere knallbunt, andere wiederum neutral. Einen „Kino“ oder „Cinema“ Modus gibt es immer. Dies ist in der Regel der neutralste und meist beste Modus für den Heimkinobetrieb. Ähnlich gut ist oft ein als „Natürlich“ betitelter Modus. Bei der Farbtemperatur ist 6000K ein guter Standardwert. die Farbtemperatur ist aber meist Bestandteil des (Kino-)Modus und muss nicht unbedingt separat eingestellt werden.

Schritt 2: Bildverbesserer ausschalten

Bei diesem Punkt handelt es sich um meine persönliche Vorliebe, die wie mir scheint bei „Bildprofis“ (zu denen ich mich als isf-zertifizierter Kalibrierer zählen darf) weit verbreitet ist. Auch namhafte Regisseure sehen das so und versuchen gerade einen dedizierten „Filmmaker-Mode“ ohne „Verschlimmbesserer“ in neuen TV-Geräten zu verankern (hier ein deutschsprachiger Artikel darüber).

Wer möchte, darf die Verbesserer natürlich auch angeschaltet lassen. Ich empfehle diese aber zumindest testweise zu deaktivieren und mit „Herumspielen“ an diesen Reglern bewusst zu sehen, was diese eigentlich bewirken. Die gängigen Bildverbesserer, die ich empfehle abzuschalten, sind:

  • FI (frame interpolation), auch Zwischenbildberechnung, Reality Creation oder CMD (clear motion drive) genannt
  • dynamische Blende
  • Schärfe auf null bzw. Linksanschlag (bei „weichen“ Beamern kann auch etwas Schärfeanhebung okay sein)
  • andere Funktionen die nach Verschlimmbesserung riechen und verdächtige Worte wie „enhancement“ oder „dynamisch“ enthalten

Schritt 3: Mittlere Helligkeit einstellen (Gamma)

Die mittlere Helligkeit sorgt maßgeblich dafür, wie hell das Bild insgesamt wirkt. Wenn dir das Bild insgesamt zu hell oder zu dunkel erscheint solltest du zuerst hier ansetzen. Zu dunkel ist selbsterklärend nicht schön, zu hell bedeutet ausgewaschene, blasse Farben, weniger Plastizität. Mit Blick auf Plastizität und Gesamthelligkeit wird dazu der Regler „Gamma“ benutzt. Manchmal versteckt sich der Gamma-Regler auf einer anderen Menü-Seite, ist aber meist irgendwo zu finden, ein typischer Wert in diesem Feld wäre „2,4“.

Eindruck mittlere Gesamthelligkeit über Gamma einstellen.
Oben zu dunkel, unten gut.
Bild: Die irre Heldentour des Billy Lynn (2016) · Sony Pictures Home Entertainment

Schritt 4: Dunkle Bereiche einstellen (Helligkeit)

Schwarz soll möglichst satt dunkel sein, aber dunkle Bereiche nicht absaufen und Details verschlucken. Mit Blick auf dunkle Szenen und Bildbereiche wird dazu der Regler „Helligkeit“ eingestellt.

Oben falsch: zu niedrige Helligkeit. Die Jacken wirken schwarz.
Unten richtig: grüne Jacke und schwarze Krawatte.
Bild: Die irre Heldentour des Billy Lynn (2016) · Sony Pictures Home Entertainment

Schritt 5: Helle Bereiche einstellen (Kontrast)

Helle Bereiche sollen nicht milchig grau, sondern mit „Punch“ strahlend hell erscheinen. Dabei sollen keine Details im Hellen ausbrennen. Mit Blick auf helle Szenen und Bildbereiche wird dazu am Regler „Kontrast“ der beste Kompromiss eingestellt.

Oben falsch: Kontrast zu hoch, große durchgehend weiße Flächen im Schnee.
Unten richtig: Schnee durchgehend mit Zeichnung (Helligkeitsunterschiede).
Bild: The Revenant (2016) · 20th Century Fox

Tipp: Da sich die Schritte 3–5 gegenseitig beeinflussen, kann es sinnvoll sein, diese nun zu wiederholen.

Fertig ist die Schnelleinstellung. Mit diesen wenigen Schritten kannst du auch „mal eben“ korrigieren, wenn ein Film z. B. einen unerwünscht flauen Schwarzwert hat, ohne dich nach dem Zufallsprinzip bei einem der vielen Regler aus dem Themenfeld „Helligkeit“ zu verlaufen. Wichtig ist es, die verschiedenen Bildeinstellungen nicht zu verwechseln, daher hier nochmals zusammengefasst:

  • Gesamthelligkeitseindruck → Gamma
  • Dunkle Bereiche → Helligkeit
  • Helle Bereiche → Kontrast

Testszenen zusammenstellen

Um das Heimkinobild beurteilen zu können, hilft es, sich eine kleine Auswahl an Filmszenen als „Testszenen“ zu definieren. Diese sollten für die jeweiligen Testzwecke gut geeignet sein, wobei eine Szene nicht alle Kriterien gleichzeitig erfüllen muss. Folgende Merkmale sollten die Testszenen aufweisen:

  • bunte Farben, stark gesättigt
  • natürliche Farben, Hauttöne
  • feine Abstufungen in dunklen Bereichen
  • feine Abstufungen in hellen Bereichen
  • Bilder mit hoher Dynamik, also hell und dunkel gleichzeitig
  • hohe Auflösung, feine Details

Ausschnitte aus folgenden Filmen nutze ich gerne zur Bildeinstellung:

  • Als UHD geht es nicht realistischer als Billy Lynn,
  • auch The Revenant mit dunklen und hellen Szenen,
  • sowie Joker mit tollen Nachtaufnahmen
  • oder Lucy begeistern mich.

Warum ich selbst auf meinem HD-Beamer bevorzugt UHD-Scheiben anschaue, erkläre ich in einem anderen Artikel. Aber auch als Blu-ray lohnen sich die genannten Filme sehr. Außerdem bieten die Scheiben von Sony versteckte Testbilder.


Wer sich weitergehend mit dem Thema Bildeinstellungen beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Suchbegriffe „Beamer Kalibrierung“, sowie die sehr schöne Anleitung dazu vom Bildprofi Michael B. Rehders.

Zum „Sehen lernen“ empfehle ich das Spiel mit den RGB-Reglern. Dabei immer auf alle Farben achten: Achte also beim Verstellen des Rot-Reglers nicht nur auf Rottöne, sondern auf alle Farben. Wie sieht ein Gesicht mit zu viel Grün aus? wie kann ein Lila-Farbstich beseitigt werden? Du kannst das auch zu zweit als Quiz üben. Einer verstellt den Pegel einer Farbe, Farbtemperatur, Helligkeit, Kontrast etc., der andere versuchst zu sehen, was verstellt wurde. Oder du verwendest die auf Sony-Blurays verstecken Testbilder zum Einstellen.

Über Florian Schäfer

Seit seiner Kindheit film- und technikbegeistert, später Fotograf, Kameramann, Musiker, Cineast und Audio-Video-Universaltechniker. Beruflicher Weg vom Mediengestalter Bild- und Ton über Medientechnik-Ingenieursstudium zu 3D-Filmkamera-Technik und medizinischen Kameras. Baut als DIY-Heimwerker u. A. Lautsprecher, Instrumente, Kamera-Spezialkonstruktionen, und natürlich ein eigenes Heimkino namens „Saal 3“.

2 Gedanken zu „Bildeinstellungen für Beamer und TV richtig anpassen

  1. Hm… Meiner Meinung nach kann es sinnvoll sein, nach dem Neukauf eines TVs oder Projektors „zu Fuss“ die Bildeinstellungen zu checken und ggf. einzustellen. Es liegt einfach auch an dem Qualitätslevel, auf dem ich mich bewege.

    Wenn ich mit einem günstigen TV oder einem 1000 Euro Beamer arbeite, können Testbilder (zb von Burosch) helfen, mit Anwendung von einfachen workflows die Bildparameter einzustellen.

    Auch kann es ja für den ein oder anderen eine Option sein, einen 300 Euro Colorimeter anzuschaffen und sich mit Basis Kalibrierung zu befassen. Kostet überschaubares Geld und viel Zeit. Aber wenns spass macht…

    Nutze ich aber eine saubere Leinwand amtlicher Grösse und einen Proektor in etwa oberhalb der 3000 Euro Klasse, geht kaum ein Weg an einer professionalen Kalibrierung vorbei, die auch die Helligkeitsbereiche unterhalb vonn 30% weiss sauber bewerten kann.

    Ich selber nutze einen JVC X7900. Wenn der ein Jahr lang gelaufen ist und ich eine Nachkalibrierung machen lasse, ist es ein Genuss und eine Freude zu sehen, wie die Bildtiefe, die Farbdarstellung und die Bildpräzision einen dicken Schritt nach vorn machen, für SDR und HDR. Und das kriegst du nur mit professionellem Equipment hin…

    Ist natürlich nur meine Meinung…

    1. Hallo Holger,
      Je teurer der Beamer, desto eher sollte man sich eine Kalibrierung gönnen, da stimme ich absolut zu. Dass es für einen Beamer unter 1000€ weniger Sinn macht ist auch klar. So oder so denke ich ist es nicht verkehrt die beschriebenen Basics zu kennen. Grob eingestellt ist allemal besser als „so wie vom Vorbesitzer hinterlassen“ oder nach dem Zufallsprinzip „eingestellt“.
      Viele Grüße

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