Serie Die Entstehung des Code Red (Teil 1 2 3 4)

Stillstand ist Rückschritt: Erweiterungen des Code Red

Man ist nie fertig, heißt es immer so schön. Nachdem das Code Red etwa 100 Filme hinter sich hatte, kamen die ersten Verbesserungen auf. Ob die Planung funktioniert hat und ob alles bedacht wurde, merkt man meistens erst nach einer Weile im regelmäßigen Betrieb. Über die folgenden Jahre gab es also immer wieder ein paar Updates, die ich hier zusammenfassen möchte.

Die Front des Code Red

Das meiste davon waren technische Ergänzungen oder kleine Verbesserungen an der Einrichtung. An manches denkt man eben erst hinterher. Einige Dinge waren ohne Probleme nachzurüsten. Bei anderen wünsche ich mir aber, ich hätte sie von Anfang an bedacht.

Deckenspots nachgerüstet

Zu diesen Dingen, die von Anfang an besser in die Planung eingeflossen wären, gehören Deckenspots. Ich merkte schnell, dass zwei Halogenstrahler an jeder Seitenwand zu wenig Licht für den Raum waren. Die vielen dunklen Flächen schluckten dermaßen viel Helligkeit, dass es nicht mal etwas brachte, sie zwecks Reflexion gegen die Leinwand zu richten.

Deckenspots vor den Vorhängen nachgerüstetDie Langeweile in der Ausleuchtung machte sich besonders vorne und hinten im Raum bemerkbar. Die roten Vorhänge sind eigentlich richtige Blickfänger, die zudem eine ordentliche Portion Kino-Atmosphäre verbreiten. Die wurden zwar auch angestrahlt, aber typischerweise macht man das bei Vorhängen anders.

Ein paar Deckenspots direkt vor den Vorhängen mussten her. Dummerweise kann man sowas in einer Betondecke nicht mal eben nachrüsten. Die Auswahl von Aufsatz-Spots ist äußerst begrenzt. Und letztendlich musste das auch noch in das aufgebrauchte Budget passen.

Da kamen mir die IKEA Dioder LED-Spots genau recht. Gut, schön ist was anderes. Eigentlich sind die ja auch für die Beleuchtung von Regalfächern gedacht. Aber im dunklen Kino sieht man nicht viel davon, schon gar nicht, wenn sie eingeschaltet sind. Kurz die ersten 10 cm des Kabels mit Edding schwarz angemalt, über den Vorhangschienen eingefädelt und mit Heißkleber angepappt — hält und kann sich sehen lassen. Bis ich irgendwann Lust habe, die Beleuchtung nochmal komplett zu überarbeiten, ist das eine brauchbare Lösung.

Getränkehalter an den Sesseln

Ein Fahrrad-Getränkehalter an einem IKEA-Sessel, Ansicht von schräg vornIrgendwie gehört das ja zum Kino dazu: an jeden Sitz musste ein Getränkehalter. Gläser oder Flaschen im dunklen auf den Teppich zwischen den Sitzen zu stellen hätte früher oder später zu einer größeren Sauerei geführt.

In den ersten zwei Jahren hatte ich eine Lösung aus Fahrradflaschen-Halterungen in Verwendung. Die wurden seitlich mit einer Schraube des Sessels gehalten und zusätzlich mit Kabelbinder gesichert. Das war schon ganz in Ordnung, hatte aber mehrere Nachteile:

  • die Schraube war nicht mehr ganz fest und der Sessel dadurch leicht instabil
  • die seitliche Position erforderte relativ viel Abstand zwischen den Sesseln
  • Gläser standen leicht schräg in den Halterungen
  • im Dunklen waren die Halterungen kaum zu finden, besonders für Gäste
  • der Kunststoff machte laute Geräusche, wenn man mit dem Glas dagegen stieß

Getränkehalter an IKEA Poäng Sessel verschraubtDer Vorteil, nicht in den Stuhl bohren zu müssen, konnte das nicht wirklich aufwiegen. Ich bemühe mich immer um Lösungen, die ein Ding nicht verändern — um den Wiederverkaufswert nicht zu senken. Aber in diesem Fall schien das keine Option zu sein.

Also holte ich mir später drei andere Getränkehalter, die eigentlich für Kinderwagen gedacht sind, präparierte sie ein wenig und spaxte sie vorne an die IKEA-Sessel dran. Das hält seitdem bombenfest und hat auf einen Schlag alle der genannten Nachteile beseitigt.

Neuer AV-Receiver

Irgendwann verabschiedete sich dann mein alter AV-Receiver von 2001. Er schaltete sich immer sofort von selbst wieder aus. Seine Zeit war wohl einfach gekommen.

Er hatte sowieso schon länger ein paar Macken. Zum Beispiel war der Center nach dem Einschalten immer ganz leise, bis man ihn im Setup kurz minimal angepasst hat. Wahrscheinlich waren da während meiner längeren Heimkino-Pause vor dem Code Red ein paar Kondensatoren eingetrocknet — wer weiß.

AV-Receiver und Blu-ray-Player in einem HiFi-RackZudem unterstützte das alte Modell ja auch noch kein HDMI und damit auch noch keine HD-Tonformate. Auch eine vernünftige Raumkorrektur gab es noch nicht, geschweige denn ein Einmesssystem. Sehr nervig war für mich als 6.1-Fanatiker auch, dass man den Upmix von 5.1 auf 6.1 nach jedem Einschalten manuell aktivieren musste.

Auch ohne den Defekt durch Altersschwäche gab es also genug Gründe für was neues. So hielt also Ende 2013 der Yamaha RX-V775 Einzug in das Code Red. Obwohl alt und neu von der Preisklasse her nicht weit auseinander lagen, war das doch ein Unterschied wie Tag und Nacht. Rund 12 Jahre Entwicklung machen dann doch ein bisschen was aus.

Auch neu: Blu-ray-Player

Mein Yamaha BD-A1010 fing irgendwann 2016 an, sich daneben zu benehmen. Ich hatte die ganze Zeit schon den Eindruck, dass ich ein Montagsgerät erwischt hatte. Der erste aus dieser Reihe hatte schon ziemlich viele Macken. Wie ich später erfuhr, werden die Player bei Yamaha wohl nicht nach den selben Qualitätsstandards produziert, wie die AV-Receiver.

Jedenfalls fing er damit an, nicht mehr alle Blu-rays auf Anhieb einzulesen. Ein bisschen langsam war er ja schon immer, aber immer öfter ging gar nichts mehr voran. Oft wurde der Versuch nach einiger Zeit mit einem Fehler abgebrochen. Beim zweiten oder dritten Versuch funktionierte es dann irgendwann.

Bald merkte ich dann auch, dass DVDs überhaupt nicht mehr erkannt wurden. „No Disc“ war grundsätzlich die Antwort. Irgendwas stimmte da nicht. Der Support bestätigte mir, dass da wohl das Laufwerk und eventuell die Steuerplatine hinüber sind. Noch besser: Ersatzteile gibt es nicht mehr. Nun ja. Ein Montagsgerät eben.

Bis dahin bin ich von Yamaha noch nie enttäuscht worden, aber das ließ mich schon zweifeln, ob die Sparte der BD-Player die richtige Wahl ist. Ich hätte wirklich Lust gehabt, zu einer anderen Marke zu greifen. Selbst die uneinheitliche Optik hätte ich in Kauf genommen.

Warum ich trotzdem zu einem Yamaha BD-S677 griff? Naja, ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Netzwerksteuerung meines gesamten Heimkinos realisiert. Ein Wechsel zu einem anderen Hersteller hätte bedeutet, mich in eine komplett andere Schnittstelle einzuarbeiten und möglicherweise Einbußen bei der Automatisierung zu machen.

NAS – Datenspeicher nicht nur für das Heimkino

Mit der Pausenmusik war ich auch nicht so ganz zufrieden. Anfänglich kam diese von CD, wie in der alten Zeit. Mit dem neuen AV-Receiver war ein Ausweichen auf USB möglich, was für mehr Variation sorgte. Aber die MP3-Files mussten leiser gerechnet werden, um beim Filmstart die Lautstärke nicht verändern zu müssen (vorher hatte das der CD-Player übernommen).

Synology NAS in einem ServerschrankDas war alles nicht so toll. Langfristig wollte ich eine Lösung mittels Kodi und einem zentralen Datenspeicher schaffen. Der sollte dann auch gleich für weitere Zukunftspläne dienen: ein Vorprogramm mit Werbung und Trailern. Aber der Reihe nach.

Als NAS entschied ich mich für eine Synology Disk Station 215j. Die günstigeren Alternativen schienen mir nicht vielseitig genug. Ich wusste zwar noch nicht, was ich mit den ganzen Möglichkeiten anfangen sollte, aber inzwischen haben sich dann doch einige Anwendungsfälle gefunden.

Kodi und der Raspberry Pi

Nun musste nur noch Kodi her. Hier wollte ich zunächst eine sehr günstige Lösung testen. Mir ging es ja nicht um die Wiedergabe von Filmen, sondern um eine praktische Lösung für Musik und eine Trailershow.

Kodi Medienansicht

Der Raspberry Pi kam mir da gerade recht. Ich bastelte mir also für knapp 100 € ein Media Center im Taschenformat zusammen. Von der Performance war ich mehr als überrascht. Zwar fehlte die Möglichkeit, HD-Ton wiederzugeben, aber das war auch nicht mein primäres Ziel.

Seitdem übernimmt der kleine Pi die Pausenmusik und wählt selbstständig die passenden Titel vom NAS aus. Auch zum Musik hören in hoher Qualität nutze ich die Lösung: Kodi versteht das Flac-Format und gibt dieses über HDMI sauber aus. Mit der offiziellen Kodi-App Kore ist auch das Stöbern in der Musiksammlung deutlich komfortabler geworden.

CinemaVision

Als ich wieder etwas mehr Zeit für Experimente hatte, ging ich die letzte noch nicht realisierte Idee an, die mir seit Jahren vorschwebte: ein komplettes Kino-Vorprogramm mit Werbung, Trailern, Dolby Teaser und — Kinogong!

CinemaVision ProgrammansichtJa, es gab tatsächlich mal Zeiten, in denen der Hauptfilm im Kino mit einem Gong eingeleutet wurde. Alte Kino-Hasen kennen das noch. Selbst ich kenne das, und so alt bin ich nun auch noch nicht.

Ich werde zwar von etwa 70% der Leute für bekloppt gehalten, dass ich mir freiwillig Werbung im Heimkino ansehe — aber es ist halt auch so, dass 70% der Leute sich jeden Abend weitaus größere und belanglosere Werbeblöcke im Fernsehen ansehen.

Ich zieh mir ja auch nicht vor jedem Film eine halbe Stunde Werbung rein. Vielmehr lasse ich das Vorprogramm nur ab und zu als Test laufen, damit es noch funktioniert, wenn mal Gäste da sind.

Die Werbespots sind sehr gut ausgesucht und allesamt lustig oder wenigstens cool. Auch Filmtrailer werden nicht völlig willkürlich eingespielt, sondern haben Bezug zu meinen Vorlieben. Offenbar kann ich ja nicht der einzige Verrückte sein, der sowas macht. Denn sonst würde es das Kodi-Addon CinemaVision ja nicht geben, mit dem ich das realisiert habe.

Auf zur Automatisierung

Alle weiteren Veränderungen, die ich in den ersten 5 Jahren des Code Red vornahm, dienten eigentlich nur noch der fortschreitenden Automatisierung. Darüber berichte ich im nächsten Teil mehr.

Ergänzend zur letzten Auflistung waren bisher also folgende Komponenten hinzugekommen oder ausgetauscht worden:

  • AV-Receiver: Yamaha RX-V775
  • Player: Yamaha BD-S677
  • Media Center: Kodi auf Raspberry Pi 2
  • NAS: Synology DS215j
  • Lichtsteuerung: Light-Manager Air

Kleine Details habe ich hier auch mal weggelassen. Wie zum Beispiel, dass ich schon zwei Generationen Kopfstützen-Schoner über die Sitze gehängt habe. Zuletzt eine Variante mit dem Logo des Kinos. Solche kleinen Details müssen einfach hin und wieder mal sein.

Ende 2014 klopfte dann auch die AudioVision an meine Tür und wollte das Code Red als Leserkino in ihrer Zeitschrift vorstellen. Wie nett! Okay, solche Artikel sind aufgrund der Kürze immer holprig geschrieben und beleuchten wesentliche Details nicht richtig. Aber trotzdem ist das schon so eine Art Sonderpreis, wenn man ein paar Seiten einer Ausgabe gewidmet bekommt.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

Ein Gedanke zu „Stillstand ist Rückschritt: Erweiterungen des Code Red

  1. Wow. Das sieht ja mal super aus! 🙂
    Habe für einen 4K Beamer gestimmt. Ich glaube ein super Bild kann nie schaden.
    Achja und Eintritt würde ich auch verlangen, um bei dir einen Film zu sehen 🙂

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