Darf man Filme von Blu-ray oder DVD rippen?

Nö. Als „rippen“ bezeichnet man das Kopieren bzw. Auslesen der Filmdaten einer DVD oder Blu-ray in eine Datei. Als Dateiformat eignen sich dafür besonders MKV und MP4, aber auch andere Formate. Diese Formate (die eigentlich nur Container für die darin eingeschlossenen Video- und Audio-Codecs sind) ermöglichen es, Blu-ray Kopierschutz Filme in höchster Auflösung mit dem dazugehörigen Mehrkanalton zu speichern (DTS oder Dolby Digital).

Technisch ist das heute alles kein Problem mehr. Daher hört man immer wieder mal die Frage und darauf entsprechend unqualifizierte Antworten, unter welchen Umständen das denn erlaubt sei. Vor jedem gekauften Film wird ein riesiger Hinweis eingeblendet, dass das Anfertigen von Kopien nicht erlaubt ist — und dazu gehören auch virtuelle Kopien in Form von Dateien. Warum stellt sich diese Frage also überhaupt? Hier die typischen Ausreden:

Das ist eine Grauzone!

Eine beliebte Antwort ist, dass man sich da in einer Grauzone bewege. Nein, falsch. Das ist keine Grauzone. Es wird eindeutig der Hinweis angebracht, dass das Anfertigen von Kopien nicht erlaubt ist. Ich meine, wie groß sollen die es denn noch drauf schreiben? Es ist unter keinen Umständen legal.

Aber man kann ja auch die Disc verleihen!

Ob man nun eine Datei weiter gibt oder man jemandem die Blu-ray fünf mal ausleiht, macht keinen Unterschied — auch eine beliebte Rechtfertigung. Aber der Vergleich hinkt. Wenn man eine Datei weitergibt, hat man keine Kontrolle darüber, wie oft sie vom Empfänger wiederum weitergegeben wird. Gibt man sie nur drei Bekannten, haben sie innerhalb eines Monats wahrscheinlich schon 30 Leute — gleichzeitig! Bei einer verliehenen Disc ist das erstmal nicht so. Die kann immer nur einer gleichzeitig ansehen.

Ich gebe die Dateien aber nicht weiter!

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man sich erst strafbar macht, wenn man die Datei(en) weitergibt. So lange man sie nur selbst nutzt, darf man sich persönliche Kopien erstellen, so die Rechtfertigung. Leider nein. Es ist ja ausdrücklich verboten, Kopien anzufertigen — für wen die sind, ist egal. Nichts desto trotz ist die Verbreitung solcher Filmdateien nicht erlaubt, auch wenn man sie nicht selbst erzeugt hat.

Aber ich mache nur von meinem Recht auf eine Sicherungskopien gebrauch!

Ja, das gibt es tatsächlich. Deshalb ist es ja zunächst mal auch nicht illegal, eine Musik-CD zu rippen. Sonst könnte seriöse Software wie iTunes das ja auch nicht so direkt unterstützen. Das Problem ist auch nicht das Anfertigen einer Kopie, sondern das Umgehen des Kopierschutzes. Über so einen verfügt nämlich so ziemlich jede Blu-ray und ein Großteil der DVDs. Illegal ist das Umgehen des Kopierschutzes — und damit ist automatisch jede Kopie ausgeschlossen, ganz gleich zu welchem Zweck.

Aber ich habe den Filme ja gekauft!

Schön, und das ist gut so. Das bedeutet aber nicht, dass einem der Film gehört. Man erwirbt nur den Datenträger und das Recht, den Film im privaten Rahmen unentgeltlich beliebig oft vorzuführen. Die Rechte daran verbleiben beim Filmverleih.

Digital Copy

Zuletzt bleibt die Frage offen, was mit der Digital Copy ist, die mit vielen Filmen erhältlich ist. Die darf nämlich ebenfalls nicht weitergegeben werden — weder die heruntergeladene Datei, noch der Code, mit dem man einmalig an den Download heran kommt. Ebenso ist es nicht erlaubt, den Code zu verkaufen. Die Digital Copy ist dafür gedacht, dass man den Film auch auf Geräten wiedergeben kann, die nicht über ein entsprechendes Laufwerk verfügen — zum Beispiel auf einem Tablet. Sie bleibt im rechtlichen Sinne an den Besitzer der Disc gebunden.


Tja, schade, oder? Egal welche Ausrede man sucht: Es ist unter keinen Umständen erlaubt, Filme zu rippen. Das hat auch nichts mit Auslegungssache, Grauzonen oder ähnlichem Wunschdenken zu tun. Was auch immer Ihr da also tut oder vielleicht zu tun gedenkt: seid Euch bewusst, dass Ihr Euch auf ein mehr oder weniger heißes Pflaster begebt.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

4 Gedanken zu „Darf man Filme von Blu-ray oder DVD rippen?

  1. Hi,
    naja also rippen darf man einen Film ja schon. Der Strafbarepunkt ist und bleibt, das umgehen des Kopierschutzes. Weder darf ich solch eine Software besitzen noch darf ich den Kopierschutz damit umgehen. Somit sollte der Punkt mit der Sicherungskopie ganz oben stehen. Es hat nämlich auch keine rechtliche Bedeutung ob jemand schreibt, man darf einen Film nicht kopieren. Schreiben kann man bekanntlich viel. Einziges Auschlusskriterium für das man auch belangt werden kann ist das umgehen des Kopierschutzes.

    Im Irrglauben ist man auch, wenn man sagt, Filme downloaden sei illegal. Hier wird ja auch darauf von den Verleihern hingewiesen. Das stimmt aber so nicht. Warum dann Leute verknackt werden die Lieder oder Filme illegal runterladen? Nun die verwenden p2p Programme die beim Herunterladen den Film gleichzeitig wieder hochladen. Und das ist der Knackpunkt. Die werden wegen des Hochladens belangt….

    Du hast im Gesamten vollkommen recht. Nur sollte die Formulierung oder die Reihenfolge geändert werden.

    1. Da hast du völlig Recht. Nach offizieller Auffassung ist tatsächlich das „versteckte“ Hochladen die strafbare Handlung, derer man sich oft gar nicht bewusst ist. Ich habe aber auch schon mehrfach von Urteilen gehört, die weiter gegangen sind und das Herunterladen bzw. den Besitz als Rechtsverstoß gewertet haben. Eine Weitergabe kann zudem ja auch anders als per Upload erfolgen.

      Hinzu kommt, dass man ja unter Umständen nicht nach deutschem oder europäischen Recht „verklagt“ wird, sondern die Interessen gerne mal von amerikanischen Firmen verteidigt werden.

      Wie sich das genau verhält, kann und will ich hier nicht festnageln, da ich zum Glück kein Anwalt bin. Deshalb ist dieser Artikel auch keine Rechtsberatung und ebenso keine Verurteilung von wie auch immer gearteten Verstößen. Viel mehr möchte ich einfach darauf hinweisen, dass das Eisen mehr oder weniger heiß sein kann, wenn man es anfasst.

      Die Sache mit dem Recht auf eine Sicherungskopie steht übrigens aus rein dramaturgischen Gründen so weit unten. 😉

    1. Danke für die Ergänzung!

      Ich würde mich bei sowas aber nicht auf ein finnisches Gerichtsurteil verlassen. Es ist auch immer so: Leute, die gerne und viel raubkopieren, stürzen sich auf jede noch so kleine Möglichkeit der Legalität. Wenn irgendwo in Timbuktu ein Gericht ein Urteil zugunsten der Raubkopierer fällt, wird das gleich in den Himmel gehypt. Das ist genau wie mit dem Umgehen der GEZ-Gebühren durch das Bestehen auf Barzahlung.

      Aber Du sagst ja schon, dass es eine Grauzone ist. Das wird auch immer so bleiben, so lange auch nur ein Filmverleih ein Interesse daran hat, seine Filme für Geld zu verkaufen (also für immer).

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