Mit dem Heimkino in eine Fachzeitschrift

Wer ein eigenes Heimkino zu Hause hat, in dem kam bestimmt schon einmal die Frage auf, wie man mit seinem Heimkino in einer Heimkino-Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Jeden Monat sehen wir die schönen Heimkinos in den Fachzeitschriften und sind begeistert von den Ideen, die die Leute so haben. Oft denkt man, dass das eigene Heimkino bestimmt nicht gut genug dafür ist, um in einer renommierten Zeitschrift abgedruckt zu werden, denn die Hürden sind bestimmt viel zu hoch und man muss sich schon lange vorher dafür bewerben.

Ein Heimkino-Artikel in den beiden führenden deutschen Heimkino-Fachzeitschriften "Heimkino" und "AudioVision".

Unsinn, kann ich da nur sagen. Jeder der sich den Traum eines eigenen Kinos erfüllt hat, hat ja auch eine Geschichte dazu zu erzählen. Auf diese Geschichte kommt es den meisten Redaktionen an. Wenn man sich mit viel Elan einen Herzenswunsch erfüllt hat und sich in einem eigenen Raum ein Kino einrichten darf, dann ist das schon einmal ein ganz besonderes Privileg für jeden engagierten Filmfan.

Begeisterung für das Heimkino wecken

Was gibt es schöneres als sich die neuesten Kinoblockbuster oder sensationelle Klassiker der Kinofrühzeit im eigenen Heimkino auf einer riesigen Leinwand mit authentischem Surround-Sound ansehen zu können? Was gibt es schöneres als das Erstaunen der Gäste zu erleben, die so etwas nicht für möglich gehalten hatten und vorher auch teilweise etwas geschmunzelt haben?

Die Front des Heimkinos "VIP Lounge".Erst vor kurzem ist es mir wieder einmal so gegangen. Ich hatte schon lange vor, ein paar meiner besten Kollegen zu einem Filmevent einzuladen. Mehrmals mussten wir es verschieben. Aber dann war es soweit. Nach einer kurzen Einstimmung mit Kaffee und Kuchen, ging es in den Keller, die Tür ging auf und es herrschte zunächst einmal vollkommene Ruhe. Dann ein Staunen und der Ausdruck, „nein, so etwas haben wir nicht erwartet.“

Wir hatten uns schon vorher für Valerian in 3D entschieden und — was soll ich sagen? — der Filmabend mit anschließendem Abendessen war ein großer Erfolg. Denn die Gäste waren so geflasht, das sie sogar vergessen hatten, im Kino etwas zu essen und zu trinken. Sie konzentrierten sich nur auf das riesige Bild. Meine Frage nach ihrer Meinung zum Sound konnte niemand so richtig beantworten, denn es war für sie der Gefühls-Overkill. Sicher, ich übertreibe an dieser Stelle vielleicht etwas. Jedoch eines ist klar: So etwas hatten meine Kollegen bisher auch in einem Kino in dieser Qualität noch nicht gesehen. Jetzt konnten sie auch gut nachvollziehen, dass ich im Kino öfter die Nase rümpfe und mich über die nicht so gute Qualität von Bild und Ton beschwere.

An dieser kleinen Anekdote kann man sehen, das das Hobby eine wahre Freude ist. Man kann damit auch Menschen glücklich machen und begeistern, die vorher nie so richtig an den Sinn eines Heimkinos glaubten.

Filme in dieser Größe sieht man einfach anders. Im Zusammenspiel mit Bild und Ton, ist ein gut ausgelegtes Heimkino den meisten kommerziellen Kinos aufgrund der Raumdichte und dem Bild-/Tonverhältnis einfach prinzipiell überlegen.

Für die Bewerbung zählt das Konzept

Genau so hatte ich mir das damals auch gedacht und mir Gedanken darüber gemacht, wie die Kinos eigentlich in die Zeitschriften kommen. Es ist ja nicht so, dass die Redaktionen überall klingeln und fragen, ob man ein Kino im Keller habe.

So hatte ich mir nach der Fertigstellung im Sommer 2015 in der Urlaubssonne liegend gedacht, dass ich mich einfach einmal bei den Redaktionen von AudioVision und Heimkino bewerbe. Denn ich war schon ein wenig stolz auf das was ich da erreicht hatte.

Der Sitzbereich des Heimkinos "VIP Lounge" mit rotem Sofa und Filmsammlung im Hintergrund.Mit meiner besonderen Beschallungstechnik, den alten, ehrwürdigen Braun-Lautsprechern, die noch phonetisch erbaut wurden, hebe ich mich doch schon etwas von den nach neusten akustischen Berechnungen entwickelten Lautsprechersystemen ab. Ich dachte mir, dieses Konzept, das alleine auf den smarten Klang und nicht auf die fetteste Technik setzt, könnte durchaus für die Redaktionen interessant sein. Denn ein Kino muss Emotionen verbreiten. Deshalb ist das Gesamtkonzept wichtig bei der Erstellung. Alle Sinne sollten bei mir bedient werden und das Kino sollte zum Verweilen einladen und gemütliche Filmabende möglich machen.

Ein Heimkino lebt natürlich von der Illusion, dass man sich wirklich in einem Kino befindet. Sobald das Licht aus geht, sollte möglichst nichts mehr vom Filmgenuss ablenken. Bequeme Sitze und guter Sound sowie ein gutes Getränk runden das Ganze ab.

Das Bewerbungsverfahren bei einer Fachzeitschrift

Nachdem ich mich also im Spätsommer 2015 aus einer Urlaubslaune heraus bei den Zeitschriften AudioVision sowie Heimkino für die Präsentation meines Heimkinos beworben hatte, glaubte ich eigentlich nicht wirklich daran, dass es einmal dazu kommen könnte. Ich erwartete eher ein paar gut gemeinte Tipps, um mein Kino noch zu verbessern und dann später evtl. noch einmal vorstellig werden zu können.

Denn es gibt wirklich eine Vielzahl grandioser, mit viel Geld erbauter Kinos in den Heften, die darauf warten in den Zeitschriften veröffentlicht zu werden. Dafür werden teilweise sogar Häuser umgebaut, Keller vergrößert, ja sogar tiefer gelegt und mit Leinwänden in Kinogröße bestückt. Im Garten werden große Kinosäle in eigens dafür gebauten Gartenhäusern errichtet. Garagen werden umgebaut, auf Garagen werden ganze Kinos gesetzt und mit dem Haus verbunden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Bei solcher Konkurrenz sollte ausgerechnet mein Kino eine Chance haben? Schließlich schaffen es ja auch nur maximal 12 Kinos pro Jahr in eine Zeitschrift.

Also habe ich einen Bewerbungstext verfasst, der Aufmerksamkeit erzeugen sollte, ohne jedoch zu übertreiben. Die wichtigsten Elemente meines Heimkinos waren darin beschrieben: meine Technik, meine Besonderheiten und — das Wichtigste — dass ich im Wesentlichen alles selbst errichtet und entworfen habe. Ein paar schöne Fotos kamen auch noch dazu.

Diesen Text verschickte ich per E-Mail an verschiedene Redaktionen und wartete auf die Rückmeldungen.

Die „AudioVision“

Bereits nach relativ kurzer Zeit bekam ich eine Mail von der zuständigen Redaktion der Zeitschrift AudioVision. Meine Bewerbung sei auf reges Interesse gestoßen und man würde sehr gerne mein Kino in einer der nächsten Ausgaben vorstellen.

Wow, dachte ich so bei mir, damit hast Du nun aber gar nicht gerechnet.

Die AudioVision ist seit langer Zeit mein ständiger Begleiter in Fragen Heimkino und Technik. Die Redaktion der AudioVision fährt jedoch nicht raus zu den Kinos. Hierdurch wird viel Zuarbeit des Kinoinhabers benötigt. Das hat mir, der ich sowieso gerne über solche Dinge schreibe, viel Spaß gemacht. Die AudioVision legt zudem Wert darauf, dass das Heimkino vorher nicht schon in einer anderen Zeitschrift abgedruckt wurde, sonst wird es nichts mit der Veröffentlichung.

Zuerst mussten also diese und ein paar andere Dinge geklärt werden. Es folgten einige Mails und am Anfang des Jahres 2016 bekam ich einen ausführlichen Fragebogen zugesandt. Daran zeigte sich, dass man sich wirklich vorher mit meinem Kino beschäftigt hatte. Denn der Fragebogen hatte es wirklich in sich.

Neben persönlichen Angaben, gab es auch Fragen zur

  • Kinobau-Motivation
  • Filmsammlung
  • Namen des Kinos
  • Nutzung
  • besonderen Merkmalen
  • Planung, Bau und allen Nebenaspekten
  • Technik im Raum und der Anlage
  • Projektor und 3D
  • Lautsprechersystem
  • meinen Zukunftsplänen für das Kino

Insgesamt 38 Fragen, die mit Leben gefüllt werden mussten. Eine kleine Mammutaufgabe wartete auf mich. Als geübter Schreiber haute ich in die Tasten und so konnte ich schon nach etwa 2 Wochen ein 60 seitiges Paket an die Redaktion senden. Eine CD mit insgesamt knapp 100 Fotos packte ich noch oben drauf und hoffte nun, dass mein Kino die Voraussetzungen zur Präsentation erfüllen würde.

Nach wiederum relativ kurzer Zeit bekam ich eine Antwort. Mit so viel Text habe man gar nicht gerechnet — damit könne man ja zwei Kinos beschreiben. Sie waren begeistert.

Nun hieß es warten. So schnell ich den Text auch an die Redaktion gesendet hatte, so lange musste ich dann doch noch auf die Veröffentlichung warten. Im Laufe der Monate blieben wir im regen Kontakt. Ein paar Aktualisierungen fügte ich ebenfalls noch den jeweiligen Mails bei.

Dann war es soweit. Von meiner Bewerbung bis zur Veröffentlichung sind knapp 1 Jahr vergangen, sodass in der Ausgabe 9/2016 endlich mein Kellerkino auf 4 Heftseiten ausführlich vorgestellt und wirklich wunderbar beschrieben wurde. Genauso hatte ich mir das vorgestellt.

Die „Heimkino“

Das sollte es eigentlich gewesen sein. Denn wer rechnet schon damit, dass eine weitere Redaktion sich nach so langer Zeit noch melden würde? Aber im Januar 2018 klopfte die Zeitschrift Heimkino bei mir an und fragte, ob man kurzfristig einen Besichtigungstermin vereinbaren könne. Etwas verdutzt musste ich den Termin aber leider erst einmal absagen.

In einem Telefonat teilte man mir dann mit, dass der Aufbau des Kinos und die vielen Retro-Lautsprecher der Marke Braun auf besondere Aufmerksamkeit gestoßen sei. Ich war natürlich überrascht und gleichzeitig erfreut, kommt es scheinbar doch nicht nur auf die neuste Technik an. Auch andere Dinge können den Ausschlag geben.

Ich kann es somit als eine ganz besondere Ehre ansehen, das mein bescheidenes Heimkino, neben so vielen wirklich grandiosen, mit sehr viel Geld ins Leben gerufenen Heimkinos nunmehr auch noch in der Ausgabe 6/7 2018 der Fachzeitschrift Heimkino erscheinen durfte.

Ende Februar 2018 hatte es dann geklappt. Für diesen Tag hatte ich mir extra Urlaub genommen. Pünktlich trafen dann zwei sehr nette Mitarbeiter der Redaktion, Jochen und Philipp, bei mir ein. Zunächst haben wir uns bei einem kleinen Frühstück um 9 Uhr in kinotechnischen Fachfragen sehr ausführlich ausgetauscht. Hierbei habe ich auch einiges hinsichtlich der Redaktion und dem Testkinoraum bei der Zeitschrift Heimkino erfahren dürfen. Jochen überreichte mir ein Buch von Heimkino mit den schönsten von der Redaktion besichtigten Heimkinos. Ein prachtvolles Buch, mit wirklich tollen Kinos.

Dann gingen wir nach unten. Nachdem ich einiges über mein Kino erzählt hatte nahm sich der Fotograf Philipp meines Kinos bildtechnisch an.

Danach ging es an die Präsentation des Kinos. Hierfür hatte ich mir ein paar Titel vorher zurecht gelegt, von denen ich glaube, dass sie im Moment mein Kino sehr gut darstellen können.

  • Die Anfangssequenz von Spectre machte den Anfang, denn hier kann man zum einen die Tiefbassgenauigkeit als auch die Surroundqualität eines Lautsprechersystems kurz und knackig testen.
  • Interstellar ist mein Präsentationsliebling, denn auch hier gibt’s mächtig was auf die Ohren und aufs Zwerchfell. Der Start der Weltraumrakete zeigt hier, das man bei geschlossenen Augen quasi im Raumschiff sitzt.
  • Hans Zimmer als der Grand Senior des Film-Soundtracks ist auch ein Vertreter für eine Präsentation. Auch hier zeigt der sensationelle Opener, das auch ohne Dolby Atmos und Höhenlautsprecher ein raumfüllender Sound möglich ist, wenn man seine Hausaufgaben richtig gemacht hat.

Nachdem wir also alles angehört und verarbeitet hatten, wollte ich natürlich gerne einen Kritikpunkt hören um meine Kino noch weiter verbessern zu können. Dieser bleib aber im Wesentlichen aus. Nur dass das Bild einen Tick heller sein könnte, wurde gesehen. Leider hatte ich vergessen, den für mich wichtigen Graufilter von der Linse zu nehmen, der für lange Filmabende das Bild etwas dunkler macht und somit die Augen schont und nur bei 3D Filmen abgenommen wird.

Somit kann ich nach dem Besuch, der um 15:30 Uhr endete also mehr als zufrieden sein, mit dem was mir da gelungen zu sein scheint. Natürlich kann jedes Heimkino technisch noch verbessert werden. Hier muss man aber den Kosten-Nutzen-Vergleich ziehen und für sich ausloten, was wirklich notwendig ist.

Die Redaktion der Zeitschrift Heimkino kommt also mit einem eigenen Fotografen und lichtet das Kino selbst ab. Die Bilder darf man später für private Zwecke benutzten. Hier ist es egal, ob das Kino vorher schon einmal in einer anderen Zeitschrift veröffentlicht wurde. Es muss nur zum Veröffentlichungskonzept der Zeitschrift passen.

Die Heimkino kann ich nach dem Besuch von Jochen und Philipp wirklich jedem, der sich mit dem Thema Kino beschäftigt, nur ans Herz legen. Die Diskussion mit den beiden hat mir gezeigt, dass da ein Team steht, das ehrlichen Fachjournalismus betreibt und deren Rat und Tipps jeden weiter bringen.

Die Fachzeitschrift "Heimkino" und "AudioVision" mit ihrer jeweiligen monatlichen Heimkino-Vorstellung.

4 Gedanken zu „Mit dem Heimkino in eine Fachzeitschrift

  1. Hallo Charly,

    den Bericht über Dein Heimkino in der Heimkino habe ich noch in guter Erinnerung – gerade auch wegen der Braun-Lautsprecher 🙂 Aber auch wegen der geschmackvollen Einrichtung und der Liebe zum Detail.

    Die Heimkino ist auch mein ständiger Begleiter, ich habe unterem anderem von Jochen, Michael und Thomas (Nachnamen sind dem Autor bekannt :-)) schon gute und hilfreiche Tipps bekommen. Dass sie sich die Zeit nehmen, finde ich auch super.

    Und die Heimkinos sind regelmäßig für mich das Highlight, wegen der Inspirationen, wegen der Geschichten, wegen der Akribie mancher Heimkino-Enthusiasten. Und am meisten Spaß machen wir dabei die, wo die Besitzer das meiste oder alles selbst gemacht haben. Hut ab! Das treibt mich auch immer wieder an.

    Viel Spaß noch mit Deinem Kino!

    Viele Grüße,
    Marco

    PS: Schönen Gruß an Bert 🙂

    1. Hallo Marco,
      vielen Dank für die Blumen. Ich habe versucht Heimkino und Wohnlichkeit in einem Kino zu vereinen. Die Jungs waren wirklich gut drauf bei mir und sind nicht mal schnell durchgaloppiert, sondern sie nehmen jeden Kinofan ernst mit seinem persönlichen Projekt.

  2. Hallo Charly,

    mein Kino ist eine Ausgabe nach dir in der Heimkino, also 7/8 2018 und ich kann das also alles genauso bestätigen was du geschrieben hast. Finde dein Kino wirklich klasse, sehr viel Liebe zum Detail. Immer wieder schön so etwas zu sehen. Werde mir eine Präsentationstips (Spectre / Interstellar) heute abend direkt nochmal anschauen:).

    Gruß
    Peter

    1. Hallo Peter,
      Ja, das habe ich gesehen und bin auch von Deiner Herangehensweise begeistert. Wie man sieht hat jeder so seine Vorstellungen und gerade diese unglaubliche Vielfalt in diesem Hobby macht es so toll.
      Ich hoffe die Filmtipps haben Dir gefallen.
      Viele Grüße
      Charly

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