Den Nachbarn zuliebe: Schallisolierung

Wenn es um die Eindämmung von Schall im Heimkino geht, gibt es zwei wichtige Themen: Raumakustik und Schallisolierung. Raumakustik umfasst Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik innerhalb des Raums. Schallisolierung soll hingegen verhindern, dass Geräusche aus dem Raum nach außen dringen. Diese beiden Ziele werden häufig miteinander verwechselt. In diesem Artikel soll es darum gehen, was du unternehmen kannst, um deine Nachbarn weniger zu stören.

Bunte Ohrenschützer hängen an einer Stange.
Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

Dabei bewegst du dich von vorneherein auf wackeligem Terrain. Die Schallisolierung eines Heimkinos in einem gewöhnlichen Wohnhaus nach außen hin ist unter normalen Umständen praktisch nicht möglich. Immer wieder höre ich die Idee, den Raum von innen mit Dämmung auszukleiden, damit die Bewohner oben drüber nichts vom Kino mitbekommen. Aber diese Dämmung hat nur einen Effekt auf die Raumakustik, jedoch so gut wie keinen auf die Schallisolierung.

Besonders Schallwellen im tiefen Frequenzbereich gehen gerne durch Wände. Hohe Töne dagegen lassen sich leicht im Raum einsperren, weil die Wände sich von den Frequenzen nicht zum Mitschwingen anregen lassen. Deshalb klingen Geräusche aus der Nachbarwohnung dumpf.

Die Höhen sind also nicht das Problem, solange du keine Lautstärke einstellst, die nahe der Schmerzgrenze ist. Nachbarn freuen sich stattdessen über den Bass. Der breitet sich nämlich ungehindert im Haus aus, weil er von Wänden, Decken und Böden bestens übertragen wird.

Massive Wände

Massive Betonwände sind das einzige effektive und realisierbare Mittel zur SchallisolierungWenn du die Möglichkeit hast, einen Kinoraum im Keller einzurichten, solltest du keinen Moment zögern. Die Keller von halbwegs modernen Wohnhäusern sind für gewöhnlich komplett aus Beton gegossen. Etwas besseres kann dir im Hinblick auf die Schallisolierung nicht passieren. Je massiver eine Wand ist, desto schwerer ist es für die Schallenergie, diese zum Mitschwingen anzuregen. Und eine Wand, die nicht mitschwingt, bringt logischerweise auch die Luft im nächsten Raum nicht zum Schwingen.

Deshalb: Je mehr Beton, desto besser. Bei gemauerten Wänden sollten die Ziegel so massiv und dick wie möglich sein. Du wirst daran wahrscheinlich nichts ändern können. Aber für den Fall, dass du gerade ein Haus baust und noch eingreifen kannst, ist Beton ein wichtiger Bestandteil des optimalen Kinoraums.

Doppelwände zur Schallisolierung

Schall wird schneller reduziert, wenn er von einem Medium in ein anderes Medium unterschiedlicher Dichte übergeht. Die Schallwellen im Kinoraum regen die Wände an und bringt sie zum Schwingen. Die Schwingungen gehen anschließend von der Wand wieder in die Luft des dahinter gelegenen Raums über. Das sind zwei Übergänge, bei denen der Schall jedes Mal kräftig abnimmt.

Doppelwände sind daher eine hervorragende Lösung zur Schallisolierung. Der Hohlraum zwischen den beiden Wänden wirkt wie ein zusätzlicher Raum. Dummerweise sind Doppelwände nicht gerade üblich – schließlich muss gespart werden. Mit etwas Glück werden sie zum Trennen von Doppelhaushälften eingesetzt.

Aber auch mit Doppelwänden wird der Schall — insbesondere der Bass — immer noch über den Boden und die Decke übertragen. Du müsstest einen schwimmenden Raum im Raum bauen, um diesen völlig entkoppeln zu können. Das ist die einzige wirklich wirksame Maßnahme zur vollständigen Schallisolierung. Ein Raum im Raum ist nur mit extremem Aufwand und immensen Kosten zu schaffen und scheidet daher in den meisten Wohnhäusern aus.

Schallschutztüren

Gelegentlich werden zur Schallisolierung auch Schallschutztüren eingesetzt. Diese Türen sind besonders massiv oder haben einen speziellen Aufbau. Es ist unbestritten, dass eine Schallschutztür einen spürbaren Effekt hat.

Dennoch haben die Hersteller in der Regel nicht das volle Frequenzspektrum im Hinterkopf, wenn sie diese Türen konstruieren. Sie konzentrieren sich vielmehr auf übliche Störfaktoren wie lärmende Kinder oder Straßenlärm. Dass sich der Tiefbass über Wände, Böden und Decke fortsetzt, kann auch eine Schallschutztür nicht verhindern.

Mit einer Schallschutztür wirst du also bestenfalls die Geräusche reduzieren, die auf der selben Etage zu hören sind oder sich über das Treppenhaus verbreiten. Dafür lohnt sich diese Investition meistens gar nicht so richtig.

Du kannst stattdessen auch die vorhandene Tür etwas verbessern. Jede kleine Öffnung lässt Schall durch. Sämtliche Türdichtungen sollten vorhanden und intakt sein. Mit einer Gummilippe kannst du den Spalt unter der Tür abdichten, wenn nötig. Das Schlüsselloch wirst du los, indem du ein Schloss mit Drehknopf wie an einer Badezimmertür einbaust.

Entkoppelung vom Boden

Als nächstes kannst du versuchen, so wenig Schall wie möglich auf den Boden zu übertragen. Damit ist in erster Linie der Subwoofer gemeint, der starke Vibrationen verursacht. Stellt einen Subwoofer niemals direkt auf den Fußboden. Es gibt spezielle Füße für Subwoofer, die Schwingungen so weit wie möglich zurückhalten. Schallisolierung nach unten: der Subwoofer sollte unbedingt auf Füßen oder einer Gummiunterlage stehen

Sehr gut wirken auch dicke Gummimatten, wie es sie im Baumarkt für Waschmaschinen zu kaufen gibt. Besonders beliebt ist eine Sandwich-Bauweise – von unten nach oben:

  1. die besagte Gummimatte
  2. eine 3–4 cm starke, massive Steinplatte
  3. Spikes
  4. und darauf der Subwoofer

Die Spikes koppeln den Subwoofer an die Steinplatte an. Die Gummimatte entkoppelt hingegen die Steinplatte vom Boden, wodurch sie frei schwingen kann — so die Idee dahinter. Das ist aber auch ein wenig eine Glaubensfrage und es gibt verschiedene Rezepte dafür.

Es hat grundsätzlich einen positiven Effekt, den Subwoofer auf diese Weise zu entkoppeln. Oft macht sich das auch im Klang bemerkbar. Jedoch setzt sich auch der Bass in erster Linie durch die Luft fort und wird wie oben beschrieben von dort in die Bausubstanz gelangen. Die Nachbarn werden kaum einen Unterschied bemerken.

Auch für die normalen Lautsprecher gibt es Füße, die diese vom Untergrund entkoppeln. Der Sinn hiervon ist aber eher, dass der Untergrund — zum Beispiel ein Möbelstück — vom Lautsprecher nicht zum Mitschwingen angeregt wird. Das hätte unangenehme Resonanzen zur Folge. Für diesen Zweck musst du keine besonderen, magischen Füße kaufen – der Oehlbach Puck One-for-all genügt völlig.

Rücksicht nehmen

Du siehst also, dass es keine wirksamen Möglichkeiten gibt, die gefürchtete Ruhestörung mit vertretbarem Aufwand zu vermeiden. Wichtig ist vor allem die richtige Wahl der allgemeinen Lautstärke und die des Subwoofers.

Die allgemeine Lautstärke sollte so gewählt werden, dass Stimmen natürlich klingen — so als würde sich die Person im Raum befinden. Vertraue nicht auf den Testton des Verstärkers, wenn du den Subwoofer einstellst. Weil der Subwoofer kein Rauschen ausgeben kann, sondern nur ein Brummen, hast du keinen brauchbaren Vergleich zu den anderen Kanälen. Wenn du keine Messgeräte zur Verfügung hast, stelle den Subwoofer stattdessen lieber nach dem persönlichen Gefühl ein. Wenn bei jedem Ton ein zusätzliches Rumpeln zu vernehmen ist und jeder Schlag einer Explosion gleich kommt, ist er eindeutig zu laut.

Sprich mit deinen Nachbarn über dein Hobby und teile ihnen mit, dass es nicht dein Absicht ist, den Hausfrieden zu stören. Mach sie bei Inbetriebnahme des Kinos einmal darauf aufmerksam, wann du einen Film mit viel Gerumpel ansiehst und frage danach, ob sie viel davon mitbekommen haben. Auf diese Weise kannst du die für deine Nachbarn akzeptable Einstellung der Lautstärke herausfinden.

Wirksamer als Schallisolierung: gut planen

Es ist immer besser, rechtzeit über ein mögliches Problem zu reden, als es monatelang zu provozieren und so einen Streit hervorzurufen. Finde heraus, zu welchen Zeiten Nachbarn nicht zuhause sind oder ein wenig Krach akzeptabel ist. Eventuell kannst du deine Kinozeiten entsprechend verlegen. Sei überwiegend rücksichtsvoll, dann verzeiht man dir auch mal eine Bass-Orgie.

Natürlich kannst du deine Nachbarn auch dafür begeistern, ab und zu einen Film mit anzusehen. Wenn es ihnen gefällt, bringen sie wahrscheinlich auch mehr Verständnis dafür auf.

Zu ungünstigen Zeiten kann ein Film auch mit wenig Bass gut sein. Viele Geräte haben einen Mitternachtsmodus, der laute Stellen im Film etwas abschwächt. Viele AV-Receiver bieten alternativ die Möglichkeit, den Dynamikumfang zu reduzieren. Das ist im Prinzip das selbe: der Lautstärkeunterschied zwischen lauten und leisen Geräuschen wird verringert. Du kannst dann insgesamt etwas leiser hören, wobei Stimmen trotzdem noch verständlich bleiben.

Nicht zuletzt kann deine Filmwahl auch berücksichtigen, ob etwas Lärm gerade ungünstig ist. Schau doch spät abends mal wieder eine Komödie an, statt einen Actionfilm.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

8 Gedanken zu „Den Nachbarn zuliebe: Schallisolierung

  1. Hallo Bert,

    mein „Problem“ ist in dem Fall tatsächlich die Tür. Das ist ein Leichtgewicht und ziemlich hohl, im wahrsten Sinne des Wortes. Da stellt sich die Frage, was man tun kann. Überlegt habe ich, einen etwas schwereren Vorhang außen anzubringen, was auch der Atmosphäre Richtung altes Kino zuträglich sein könnte. Ansonsten eventuell eine massivere einsetzen, denn das sollte ja weniger mitschwingen. Akustikschaumstoff auf der Innenseite hat für die Akkustik im Raum was gebracht, aber nichts für die Lautstärke draußen.

    Und Schallschutztüren, nun ja. Keine Ahnung ob es hilft und obendrein auch ganz schön teuer.

    Aber sehr guter Artikel, vor allem finde ich es gut, dass Du den offenen Umgang und das Zugehen auf die Nachbarn förderst 🙂

    Gruß,
    Marco

    1. Schallschutztüren bringen abgesehen vom Preis leider meistens mehr optische Nachteile mit sich. Wenn die Tür wirklich nur Marke „klapprig“ ist, würde ich sie gegen was brauchbares austauschen. Am besten ohne Schlüsselloch (Garnitur einer Badtür verwenden). Unten am Boden kann eine Gummilippe helfen. Das Problem bei Türen sind die ganzen Spalten, weniger die Fläche der Tür.

      1. Danke für den Tipp mit der Badezimmer-Tür, das werde ich mir mal anschauen! Gummilippe könnte wegen Teppich schwierig werden, aber zumindest eine schwerere Tür muss sein. Vielleicht auch noch Dichtungen in die Tür?

  2. hallo herr kößler,

    ich plane in das wohnzimmerkino eine front mit teils bis zu 60 cm dämmung. die front geht zum treppenhaus, erst oben im eck schließt es an etwas empfindlichere nachbarn darüber an. gegenüber kommen u.a. eckabsorber mit 50 cm tiefe. die nachbarn darüber sind tolerant, aber auch diese hofte ich zu verschonen. in einem optimierten raum fährt man ja automatisch etwas höheren pegel.

    ist der effekt einer isolierten deckenabhängung sowie teils gedämmten wänden gleich null oder hat man zumindest einen reduzierenden effekt. darauf hatte ich stark gehofft, bis ich heute eine ausführung eines akustikers auf youtube gesehen habe.

    grüße

  3. Hallo Herr Kößler,

    Wir planen nächstes Jahr einen Neubau.
    Das Kino soll im Keller sein.
    Ist es ein Wunschtraum, im Keller einen Film in Kinoüblicher Lautstärke zu gucken, während im 1. OG ein Baby schläft?
    Oder lässt sich das (auf aufgrund des Puffers in Form des Erdgeschosses) realisieren?

    1. Hallo Sebastian,

      das ist in einem Neubau kein Problem. Bei mir im Code Red läuft es auch so, da ist oben noch nix aufgewacht. 🙂

      Du solltest nur schauen, dass der Kinoraum so geplant wird, dass er nicht nur durch eine einzelne Tür zum Treppenhaus abgetrennt wird. Bei mir geht’s vom Treppenhaus erst in den Hobbyraum / Vorraum und von dort ins Kino. Zwei Türen dämpfen den Schall erheblich stärker als eine einzelne.

      Der Bass ist kein allzu großes Problem. Der überträgt sich zwar nach wie vor über das Mauerwerk, aber bei den heute üblichen Beton-Bunkern hört bzw. fühlt man das nur noch im EG ein wenig. Achte ggf. aber auch darauf, dass der Kamin falls vorhanden sich nicht direkt im Kino befindet – über den geht der Bass richtig schön bis ganz nach oben. Zwar auch noch erträglich, aber muss ja nicht sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hinweise zur Verarbeitung Deiner Angaben und Widerspruchsrechte: Datenschutzerklärung