Den Nachbarn zuliebe: Schallisolierung

Die Verbesserung der Raumakustik dient im Heimkino üblicherweise dem Klang im Inneren. Wenn das alles gut klingt, können wir zuletzt an die lieben Nachbarn denken. Zuletzt? Das ist ja nicht sehr nett. Macht aber nichts, denn die Nachbarn haben sowieso schon verloren. Die Schallisolierung eines Heimkinos in einem gewöhnlichen Wohnhaus nach außen hin ist unter normalen Umständen praktisch nicht möglich.

Schallisolierung
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Immer wieder hört man Geschichten von Eierkartons an den Wänden oder Schallschutztüren. Das vergesst Ihr besser gleich wieder. Besonders Schallwellen im tiefen Frequenzbereich gehen gerne mal durch Wände. Hohe Töne dagegen lassen sich leicht im Raum einsperren, weil die Wände sich von den Frequenzen nicht zum Mitschwingen anregen lassen. Deshalb klingen Geräusche aus der Nachbarwohnung dumpf.

Die Höhen sind also nicht das Problem, solange Ihr keine Lautstärke einstellt, die nahe der Schmerzgrenze ist. Nachbarn freuen sich stattdessen über den Bass. Der breitet sich nämlich ungehindert im Haus aus, weil er von Wänden, Decken und Böden bestens übertragen wird.

Massive Wände

Massive Betonwände sind das einzige effektive und realisierbare Mittel zur SchallisolierungWer die Möglichkeit hat, einen Kinoraum im Keller einzurichten, sollte keinen Moment zögern. Keller sind für gewöhnlich komplett aus Beton gegossen. Etwas besseres kann einem im Hinblick auf die Schallisolierung nicht passieren. Je massiver eine Wand ist, desto schwerer ist es für die Schallenergie, diese zum Mitschwingen anzuregen. Und eine Wand, die nicht mitschwingt, bringt logischerweise auch die Luft im nächsten Raum nicht zum Schwingen.

Deshalb: Je mehr Beton, desto besser. Bei gemauerten Wänden sollten die Ziegel so massiv und dick wie möglich sein. Ich weiß, dass sich daran meistens nichts ändern lässt. Aber für den Fall, dass Ihr ein Haus baut, und noch eingreifen könnt, wisst Ihr jetzt, worauf zu achten ist.

Doppelwände zur Schallisolierung

Schall wird schneller reduziert, wenn er von einem Medium in ein anderes Medium unterschiedlicher Dichte übergeht. Die Luft im Kinoraum regt die Wände an und bringt sie zum Schwingen. Die Schwingungen gehen anschließend von der Wand wieder in die Luft des dahinter gelegenen Raums über. Das sind zwei Übergänge, bei denen der Schall jedes Mal kräftig abnimmt.

Doppelwände sind daher eine hervorragende Lösung zur Schallisolierung. Der Hohlraum zwischen den beiden Wänden wirkt wie ein zusätzlicher Raum. Dummerweise sind Doppelwände nicht gerade üblich — schließlich muss gespart werden. Mit etwas Glück werden sie zum Trennen von Doppelhaushälften eingesetzt.

Aber auch mit Doppelwänden wird der Schall — insbesondere der Bass — immer noch über den Boden bzw. die Decke übertragen. Man müsste einen Raum im Raum bauen, um diesen völlig entkoppeln zu können. Unter den in Wohnhäusern üblichen Bedingungen ist das meist nur mit erheblichem Aufwand zu schaffen.

Entkoppelung vom Boden

Versucht stattdessen, so wenig Schall wie möglich auf den Boden zu übertragen. Damit ist in erster Linie der Subwoofer gemeint, der starke Vibrationen verursacht. Stellt einen Subwoofer niemals direkt auf den Fußboden. Es gibt spezielle Füße für Subwoofer, die Schwingungen so weit wie möglich zurückhalten. Schallisolierung nach unten: der Subwoofer sollte unbedingt auf Füßen oder einer Gummiunterlage stehenZusätzlich (oder alternativ) kann man einen Subwoofer auf eine dicke Gummimatte stellen, wie es sie im Baumarkt für Waschmaschinen zu kaufen gibt.

Sehr beliebt ist auch eine Sandwich-Bauweise: (von unten nach oben) Gummimatte, massive Steinplatte, Spikes und darauf den Subwoofer. Die Spikes koppeln den Subwoofer an die Steinplatte an, die Gummimatte entkoppelt die Steinplatte vom Boden — so die Idee dahinter. Dabei gibt es aber auch verschiedene Rezepte.

Auch für die normalen Lautsprecher gibt es Füße, die diese vom Untergrund entkoppeln. Der Sinn hiervon ist aber eher, dass der Untergrund — zum Beispiel ein Möbelstück — vom Lautsprecher nicht zum Mitschwingen angeregt wird. Das hätte unangenehme Klangverfärbungen zur Folge. Alleine durch die Schwingungen des Lautsprechergehäuses wird aber kein Nachbar gestört werden.

Rücksicht nehmen

Ihr seht also, dass es nicht viele Möglichkeiten gibt, die gefürchtete Ruhestörung zu vermeiden. Wichtig sind vor allem die richtigen Einstellungen der allgemeinen Lautstärke und die des Subwoofers. Die allgemeine Lautstärke sollte so gewählt werden, dass Stimmen natürlich klingen — so als würde sich die Person im Raum befinden.

Vertraut nicht auf den Testton des Verstärkers, wenn Ihr den Subwoofer einstellt. Da dieser kein Rauschen ausgeben kann, sondern nur ein Brummen, hat man keinen Vergleich zu den anderen Kanälen. Stellt den Subwoofer stattdessen lieber nach dem persönlichen Gefühl ein. Wenn bei jedem Ton ein zusätzliches Rumpeln zu vernehmen ist und jeder Schlag einer Explosion gleich kommt, ist er eindeutig zu laut.

Sprecht mit Euren Nachbarn über Euer Hobby und teilt ihnen mit, dass es nicht Eure Absicht ist, den Hausfrieden zu stören. Teilt ihnen bei Inbetriebnahme des Kinos einmal mit, wann Ihr einen Film mit viel Gerumpel anseht und fragt danach, ob sie viel davon mitbekommen haben. Auf diese Weise könnt Ihr die für Eure Nachbarn akzeptable Einstellung des Subwoofers herausfinden.

Es ist immer besser, rechtzeit über ein mögliches Problem zu reden, als es monatelang zu provozieren und so einen Streit hervorzurufen. Findet heraus, zu welchen Zeiten Nachbarn nicht zuhause sind oder ein wenig Krach akzeptabel ist. Eventuell könnt Ihr Eure Kinozeiten entsprechend verlegen. Seid überwiegend rücksichtsvoll, dann verzeiht man Euch auch mal eine Bass-Orgie.

Natürlich könnt Ihr Eure Nachbarn auch dafür begeistern, ab und zu einen Film mit anzusehen. Wenn es ihnen gefällt, bringen sie wahrscheinlich auch mehr Verständnis dafür auf.

Zu ungünstigen Zeiten kann ein Film auch mit wenig Bass gut sein. Viele Geräte haben einen Mitternachtsmodus, der laute Stellen im Film etwas abschwächt. Manche Receiver bieten alternativ die Möglichkeit, den Dynamikumfang zu reduzieren. Das ist im Prinzip das selbe: der Lautstärkeunterschied zwischen lauten und leisen Geräuschen wird verringert. Man kann dann insgesamt etwas leiser hören, wobei Stimmen trotzdem noch verständlich bleiben.

Zudem kann Eure Filmwahl auch berücksichtigen, ob etwas Lärm gerade ungünstig ist. Schaut doch spät abends mal wieder eine Komödie an.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.