Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Extended Edition)

Normalerweise schreibe ich ja keine Reviews über Filme oder deren Veröffentlichungen. Da gestern aber etwas veröffentlicht wurde, was durchaus als Referenzfilm herhalten kann, will ich mich mal dazu hinreißen lassen. Die Rede ist von Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Extended Edition).

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Pappschuber)

Viele haben fast ein Jahr darauf gewartet und sogar darauf verzichtet, die Kinofassung des Films zu kaufen. Mit Recht, denn wer die Extended Editions von Der Herrn der Ringe kennt, weiß genau, dass er die Kinofassung nie wieder ansehen wird.

Der erste Teil der Hobbit-Geschichte ist nun in seiner Langfassung in verschiedenen Versionen erhältlich:

Ich beziehe mich hier auf die 3D-Fassung. Auf den Staubfänger verzichte ich, das ist es mir einfach nicht wert. Sehr nett fand ich von Amazon übrigens, dass sie den ursprünglichen Preis von knapp 40 € innerhalb der letzten paar Tage vor Veröffentlichung zweimal nach unten korrigiert haben. Ein Service, den Vorbesteller zu schätzen wissen.

Der (erweiterte) Hobbit

Über den Film selbst will ich nicht allzu viel sagen. Entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht – und wer ihn nicht mag, liest das hier wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Ich bin der Meinung, Peter Jackson macht auch mit dieser Filmtrilogie alles so gut es eben geht richtig. Irgendwer hat immer was zu meckern. Und üblicherweise erkennt man ja gute Werke vor allem daran, dass es nicht jedem ganz gut gefällt, sondern vielen sehr gut und fast genauso vielen gar nicht. Insofern sind die vielen negativen Kritiken am Hobbit eigentlich nur der Beweis, dass es sich um einen sehr guten Film handeln muss.

Die Extended Edition setzt hier nochmal eins drauf. Zuerst war ich etwas enttäuscht, als ich lesen musste, dass die Version nur 13 Minuten länger ist. Beim Herrn der Ringe brachte der erste Teil schon knapp 30 Minuten zusätzliche Szenen mit (Teil 2 dann 40 Minuten und Teil 3 fast eine Stunde). Aber wenn ich es recht überlege, reden wir ja hier auch vom Hobbit. Die Tatsache, dass ein Kinderbuch so dermaßen in die Länge gezogen wird, ist ja einer der Hauptkritikpunkte bei den Gegnern.

Viel mehr muss ich aber sagen: Die zusätzlichen 13 Minuten haben es echt in sich! Wer vorher wirklich gar nichts wissen will, liest jetzt am besten erst bei der nächsten Überschrift weiter.

Natürlich vertiefen einige der zusätzlichen Szenen sehr gut die Beziehungen der Charaktere untereinander, besonders die Feindschaft zwischen den Zwergen und Elben. Wie auch in Die Gefährten werden die Hobbits etwas genauer beleuchtet und es gibt einige Szenen, die einfach nur schön sind.

Einfach nur schön kann man auch einige zusätzliche Szenen in Bruchtal nennen. Die dürften nicht nur bei den Elben ein Kopfschütteln verursachen, sondern auch beim Zuschauer. Aus dem einen oder anderen Grund: Dass die Zwerge noch mehr für Spaß sorgen als Gimli und Legolas, gefällt vielleicht nicht jedem. Für mich sind das aber waschechte Zwerge.

Mein persönlicher Favorit ist eine Szene, in der deutlich wird, wie Bilbos besondere Beziehung zu Bruchtal entstanden ist. Eigentlich passiert da gar nichts, aber man kann durchaus mitfühlen, was den Hobbit später dort hin zurück zieht.

Schließlich dürfen zwei bis drei zusätzliche Gesangseinlagen nicht unerwähnt bleiben. Das sind mit Sicherheit auch die aufwendigsten Erweiterungen. Wer da singt, mag vielleicht etwas unerwartet sein – deshalb verrate ich mal nicht zu viel. Auch wenn das viele Singen vielleicht ein wenig an die heile Welt der Disney-Filme erinnern mag, finde ich es äußerst angebracht und kann nur hoffen, dass es in Teil 2 und 3 so bleibt. Man muss schließlich bedenken, wie viel in der Buchvorlage gesungen und getanzt wird. Beim Herrn der Ringe kam das ja leider etwas zu kurz.

Technische Umsetzung

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Pappschuber und Amaray)Ein paar Details für Filmvorführer: Die 3D-Version ist aus technischen Gründen auf 2 Discs verteilt, wie das auch schon beim Herrn der Ringe der Fall war. Die Umsetzung ist quasi identisch – Schnitt auf schwarz an einer gut geeigneten Stelle (der Ton hallt ein wenig nach, um keinen harten Abbruch zu haben). Nach ein paar Sekunden erscheint die Info, dass es auf Disc 2 weiter geht.

Disc 2 kann auch bei ausgeschaltetem Bildschirm blind vorbereitet werden. Einfach einlegen, kurz warten, OK drücken und schon geht es mit den alten Einstellungen weiter. An Position 0:00 ist das Bild schwarz, also perfekt für den Pause-Start. Besser kann man es wohl nicht lösen.

Die 2D-Fassung kommt mit einer Disc aus und benötigt daher keine Unterbrechung.

Einen 20-minütigen Fan-Abspann gibt es diesmal nicht. Das kommt einem sauberen Ende der Vorführung entgegen. Beim Herrn der Ringe ist das ja immer mit etwas musikalischem Krawall verbunden, wenn man nicht rechtzeitig abbricht. Andererseits kommt man so natürlich nicht in den Genuss eines Großteils des Soundtracks in 7.1-Abmischung. Naja, man kann nicht alles haben.

Bild und Ton

Sowohl in 3D als auch 2D ist das Bild einfach nur perfekt. In nächster Zeit wird der Film wohl öfter als Referenz herhalten müssen. Klarer geht es eigentlich nicht mehr.

Bei einigen Szenen, in denen es sehr schnell zugeht, scheinen einige Dinge nur sehr kurz von einem Auge wahrgenommen zu werden, was für einen kurzen Moment etwas stören kann. Vielleicht liegt das aber daran, dass ich 3D mit Shutter-Technik sehe. Vermutlich wären hier 48 Bilder pro Sekunde doch keine schlechte Idee.

Ansonsten wird bei 3D offensichtlich Wert auf eine plastische Abbildung gelegt. Es gibt keinerlei Pop-ups oder andere Spielereien nur um des Effekts Willen. Und das finde ich genau richtig so. Man hat das Gefühl, mitten unter den Zwergen zu sitzen – was will man mehr?

Den gelegentlich bemängelten „Soap-Effekt“ (alles sieht wie aus einer Fernsehserie aus) hängt ja angeblich mit der Bildrate von 48 Frames zusammen, die im Kino teilweise gezeigt wurde. Auf Blu-ray dürfte das somit nicht der Fall sein. Dennoch habe ich bei manchen Szenen den Eindruck, etwas sehr künstliches vor mir zu haben. Das scheint aber eher daher zu kommen, dass durch den maßlosen Einsatz von Greenscreens das Größenverhältnis von Hobbit zu Zwerg zu Zauberer angepasst wurde. Ich schiebe es mal darauf, dass man naturgemäß seinen Augen nicht traut, wenn man ungewöhnliche Dinge sieht, und störe mich nicht weiter daran.

Die deutsche und englische Tonspur ist jeweils in 7.1 DTS Master Audio vorhanden. Spanisch habe ich jetzt nicht geprüft, hätte man von mir aus weg lassen können. Besser ginge es also nur noch mit reinem PCM, aber dafür war wahrscheinlich kein Platz mehr.

Laut manchen  Zeitgenossen ist die englische Tonspur mal wieder besser, habe ich jetzt aber nicht geprüft. Ich störe mich ja eher daran, dass die Stimmen im Original durch Verwendung des Set-Tons etwas dumpf klingen. An der deutschen Tonspur habe ich rein gar nichts zu bemängeln – und da bin ich normalerweise pingelig.

Der Sound ist durchgehend klar und knackig. Bass-Attacken werden gezielt eingesetzt. Es gibt kein stumpfsinniges Dauer-Brummen um eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, was am Ende nur die Raummoden auf den Plan ruft. Stattdessen rumpelt es ordentlich, wenn der Drache an die Pforten von Erebor klopft oder sich die Steinriesen im Gebirge prügeln. Zu keiner Zeit sind die Stimmen dabei schlecht zu verstehen. Mein persönliches Highlight sind die vielen kleinen Hämmer in der Zwergenstadt, wie sie in allen Ecken klopfen.

Ausstattung und Extras

Die Extras selbst habe ich noch nicht angesehen. Dazu brauche ich mal 500 ruhige Minuten. Ich vermute aber, dass allein durch die angegebene Spielzeit so viel Material enthalten ist, dass keine Wünsche offen bleiben.

Die Extras sind wieder auf zwei zusätzlichen Discs verteilt, die sich diesmal Die Anhänge Teil 7 und 8 nennen. Man knüpft hier also direkt an die Anhänge Teil 1 bis 6 der Herr der Ringe Trilogie an.

Besonders gut gefällt mir dieses Mal das Menü der Film-Discs. Hier bekommt man eine ausführliche Kamerafahrt durch Beutelsend spendiert und kann so als Einstimmung gleich mal in die Hobbithöhle eintauchen. Da würde ich sogar von meinem Prinzip abweichen, das Disc-Menü nicht anzuzeigen, bevor der Film beginnt.

Aufmachung

Hier und da wird die Verpackung etwas kritisiert, weil sie zu einfach gehalten ist. Die Amaray-Hülle ist zweckmäßig, so viel ist schon mal sicher. Sie steckt in einem Pappschuber sehr stabiler Art. Das Titelbild ist darin zurückgesetzt. Es sieht zwar recht edel aus, hat aber keinerlei 3D-Effekte.

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Discs)Für meinen Geschmack ist das ausreichend. Man muss sich deutlich weniger Gedanken machen als seinerzeit um die Extended Edition DVDs vom Herrn der Ringe. Ein wenig Lack oder eine Prägung hätten aber sicher nicht geschadet und wären bei dem Preis noch drin gewesen.

Ein Booklet gibt es nicht. Wozu auch? Alle Informationen, die man darin finden könnte, kann man auch deutlich ausführlicher im Internet nachlesen. Ich finde Booklets eher nervig, weil sie einem ständig um die Ohren fliegen, bis man die Disc endlich aus der Hülle gepopelt hat.

Das einzige, was mich wirklich stören könnte, ist das Fehlen eines Wende-Covers. Die Innenseite ist einfach nur leer und der FSK-12-Sticker ist aufgedruckt. Da die Hülle aber die meiste Zeit im Pappschuber zu sehen ist, kann man damit wohl noch leben.


Alles in Allem ist der Hobbit also wieder eine gelungene Extended Edition. Wichtig ist ja, dass der Film selbst keine Mängel aufweist. Der Rest findet auf lange Sicht ohnehin weniger Beachtung. Das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt. Jetzt muss ich ihn nur noch zehnmal ansehen, bevor Teil 2 in die Kinos kommt.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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