Die Schöne und das Biest (2017)

Ich stehe den Neuverfilmungen der alten Disney-Zeichentrickklassiker allgemein eher skeptisch gegenüber. Bisher hat mir keiner davon so richtig gefallen. Bei Die Schöne und das Biest ist das irgendwie anders. Ein paar Gedanken dazu habe ich in diese Kritik verpackt.

Die Schöne und das Biest (2017)

Cinderella und Das Dschungelbuch mussten schon dran glauben. Zuletzt hat Die Schöne und das Biest eine Neuauflage in Form einer Realverfilmung bekommen. Ich habe den Zeichentrickfilm in meiner Kindheit einige male gesehen und zuletzt nach vielen Jahren Pause mal wieder in meinem Heimkino in 3D. Es ist erstaunlich, wie viele Details in irgend einer dunklen Ecke meines Verstands hängen geblieben waren: Dialoge, Songtexte, ja sogar einzelne Szenenbilder oder nur die Betonung einzelner Satzteile waren sofort wieder da. Ich kenne den Zeichentrickfilm praktisch auswendig, ohne mich über Jahre auch nur einmal daran erinnert zu haben.

Besonders interessant war das nun bei einem Blick auf die Neuverfilmung. Ich hatte eine leicht abgewandelte Geschichte erwartet, die um viele Szenen und mehr oder weniger nützliche Hintergründe erweitert wurde. Ähnlich wie das bei Cinderella der Fall war. Aber es kam anders. Die zusätzlichen Szenen in Die Schöne und das Biest beschränken sich auf einige kurze, nette Begebenheiten und die Erklärung, warum Belle mit ihrem Vater alleine lebt. An Charakteren sind nur einige wenige verzauberte Bedienstete hinzugekommen.

Auch sonst hält sich der Film erstaunlich nah am Original. Die Gesangseinlagen sind inklusive aller Gespräche und kurzen Unterbrechungen fast identisch mit dem Zeichentrickfilm. Schon ab dem Prolog gibt es wahnsinnig viele Übereinstimmung. Das tut dem Film meiner Meinung nach sehr gut! Das Original steht ja so ziemlich unverändert unter den Top 3 der schönsten Disney-Filme aller Zeiten. Allzu große Abwandlungen konnte sich Disney hier nicht erlauben.

Die Gesangseinlagen sind gewohnt hochwertig. Einige neue Lieder sind auch dabei, wären aber aus meiner Sicht nicht notwendig gewesen und kommen qualitativ nicht an die Originalsongs ran. Die Synchonisation mit den Lippenbewegungen der singenden Stars wirkt bisweilen etwas unpassend.

Dafür wurden nahezu alle wichtigen Rollen mit hochkarätigen Stars besetzt, was man weitestgehend aber erst gegen Ende des Films bemerkt (nicht weil die nicht besser spielen, sondern weil die meisten davon die ganze Zeit über verzauberte Haushaltsutensilien sind). Ein Mangel an Stars in tragenden Rollen war immer einer meiner größten Kritikpunkte bei den vorangegangenen Realverfilmungen von Disney.

Natürlich ist der Film auch eine riesige Schnulze! Wer hätte es gedacht!? Es ist ja auch ein Märchen und da gibt es ganz viel Magie. Die wurde aber hervorragend umgesetzt. Für über 2 Stunden werden wir zum Träumen auf höchstem Niveau eingeladen. Die Alterseinstufung ab 6 ist im Grunde in Ordnung, auch wenn ich aufgrund der teilweise sehr düsteren Stimmung vielleicht bis 8 warten würde.

Alles in allem kann man den Film als Kenner des Zeichentrickfilms ansehen, ohne befürchten zu müssen, sich etwas von der alten Magie kaputt zu machen. Im Gegenteil, man geht nochmal auf die selbe Reise, aber in neuem Gewand. Zwar hat es auch dieser Film geschafft, an einigen Stellen etwas unbeholfen, befremdlich oder beinahe schon peinlich zu wirken. Aber das macht die Umsetzung der alten Songs in Verbindung mit der fast exakten Kopie der alten Szenen locker wieder wett.

Auch in Sachen Bild und Ton muss sich Die Schöne und das Biest nicht verstecken. Der Sound wirkt wunderbar räumlich und bietet eine breite Bühne. Das Bild ist scharf, klar und frei von jeglichem Rauschen. Insbesondere die 3D-Fassung ist zu empfehlen. Zwar fehlt es manchmal etwas an Tiefe, aber dafür gibt es einige sehr schöne Popout-Effekte.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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