Einsteiger-Beamer im Test

Epson EB-U04: hell, flexibel und leicht einzurichten

Ich habe kürzlich die wichtigsten Merkmale eines Beamers näher beschrieben. Um sich für ein Modell zu entscheiden, sollte man dieses Wissen nun noch anwenden, wenn man vor der Qual der Wahl steht. Ich ziehe mir heute beispielhaft einen Beamer heran — nämlich den Epson EB-U04 — und gehe die einzelnen Merkmale nochmal durch. Ziel ist es, zu zeigen, wie man die Herstellerangaben und Tests beim Fachhändler auswertet oder interpretiert, um zu einer Kaufentscheidung zu kommen.

Epson EB-U04 Frontansicht

Wir versetzen uns dazu in jemanden aus der Zielgruppe Heimkino-Einsteiger. Vielleicht wollen wir im Wohnzimmer vom klassischen Fernseher auf einen Beamer umsteigen, weil das die Kino-Atmosphäre steigert. Da das Budget beschränkt ist, möchten wir ein günstiges Einsteiger-Modell finden, dessen Bildqualität aber trotzdem überzeugen kann.

Wenn man im Preissegment von deutlich unter 1.000 € sucht, kommt man fast zwangsläufig am Epson EB-U04 vorbei. Dieses preisgünstige Einsteiger-Gerät wurde für den Gebrauch im Wohnzimmer entwickelt, macht aber auch unterwegs und im geschäftlichen Umfeld eine gute Figur. Wir wollen einmal sehen, wie sich der Epson bei den wichtigsten Kriterien schlägt. Hier ein kleiner Überblick, was der Epson so alles kann:

Das Wichtigste zuerst

Wir fangen mit den Eigenschaften an, die im Heimkino am wichtigsten sind. Uns ist von vorneherein klar, dass wir nicht alles haben können, weil wir uns auf ein sehr niedriges Budget geeinigt haben.

Auflösung

Der getestete Epson-Beamer hat ein paar kleinere Geschwister, die sich im wesentlichen durch die Auflösung unterscheiden. FullHD ist dabei die größte Variante — womit die wichtigste Anforderungen erfüllt wäre. Der EB-U04 geht sogar noch etwas darüber hinaus und bietet ein Panel mit 1920 × 1200 Pixeln, was für das Heimkino aber nicht relevant ist. Die preisgünstigeren Modelle bieten WXGA- oder SVGA-Auflösung, die eher bei Anschluss an einen Computer oder Laptop üblich sind.

Ich finde es nur fair, das hier günstigere Modelle angeboten werden, für diejenigen, die keine höhere Auflösung benötigen. Im Heimkino kommt aber nur die FullHD-Version in Frage.

Bildhelligkeit

Der Epson bringt laut Herstellerangaben 3.000 Lumen mit, was für so ein kleines Gerät erstmal echt ordentlich ist! Damit ist auch die Projektion in nicht komplett abgedunkelten Räumen oder notfalls auch bei Tageslicht kein Problem. Gut für uns, da wir im nicht ganz abgedunkelten Wohnzimmer projizieren wollen.

Die Bildausleuchtung ist schön gleichmäßig, ich konnte keine Unregelmäßigkeiten erkennen. Einzig bei schräger Projektion ist eine Seite logischerweise minimal heller, wofür ja aber der Beamer nichts kann.

Schwarzwert und Kontrast

Der Epson EB-U04 wird mit einem Kontrastverhältnis von 15.000:1 beworben: Die hellste mögliche Bildstelle ist 15.000 Mal heller als die dunkelste. Verglichen mit anderen Modellen klingt das jetzt erstmal nicht so berauschend. Schon bei der ersten Sichtung merkt man schnell, dass die schwarzen Balken nur dunkelgrau sind.

In einem vollkommen dunklen Raum fällt das sofort auf — zumindest wenn man anderes gewohnt ist. In einem Wohnzimmer mit überwiegend hellen Farbtönen, wo es eine Menge Streulicht gibt, fällt es nicht ganz so ins Gewicht. Da wir einen Beamer für’s Wohnzimmer suchen und unsere bessere Hälfte es nicht erlaubt, dieses schwarz zu streichen, würde ich den EB-U04 deshalb aber nicht ausschließen.

Laufgeräusch

Im Normalbetrieb empfand ich den Epson EB-U04 ausgesprochen laut. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, da er bei der kompakten Bauweise nur einen kleinen Lüfter haben kann, der sich entsprechend schnell drehen muss. Im Eco-Modus wird das Geräusch gut erträglich und man nimmt es nur noch bei sehr leisen Passagen im Film wahr. Wenn man nicht die volle Helligkeit benötigt, kann man also noch gut damit leben.

Epson EB-U04 Lüfter
Aus irgend einem Grund leuchtet der Lüfter lila. Irgendwie cool.

Wenn die Iris-Blende arbeitet, tritt ein sehr deutliches Kratzen oder Klappern auf. Das ist zudem nicht mit dem Wechsel der Bildhelligkeit synchron, sondern tritt etwa um eine oder zwei Sekunden verzögert auf. Hier hat man sich offenbar gedacht, dass eine Verzögerung besser wäre, weil die Iris dann in Szenen mit starkem Bildflackern nicht permanent arbeitet.

Es gibt drei Einstellungen für die automatische Iris:

  • schnell
  • normal
  • aus

Bei schnell hätte ich eigentlich mit einer sofortigen Änderung gerechnet. Bei normal konnte ich erstmal keinen großen Unterschied feststellen. Letztendlich habe ich die adaptive Iris-Blende, wie sie hier heißt, ausgeschaltet, weil es im Filmbetrieb zu sehr gestört hat.

Lens Shift

Der keine Epson hat keinen Lens Shift an Bord, was ich zuerst schmerzlich vermisst habe. Wenn man die Nachteile der Keystone-Korrektur nicht in Kauf nehmen will, bleibt so nur die Aufstellung im exakt passenden Winkel zur Leinwand, was in den seltensten Fällen machbar ist. Der Beamer müsste dann zum Beispiel an der Rückwand über dem Sofa montiert werden. Dadurch fällt das Lüftergeräusch natürlich wesentlich stärker ins Gewicht, als wenn er an der Decke hängen würde.

Andererseits ist Lens Shift aber auch eine Funktion, die man meist erst in der Preisklasse ab 1.500 € findet. Angesichts des Preises kann man das dem EB-U04 also kaum übel nehmen. Dennoch macht ihn das für eine Festinstallation in vielen Heimkinos genau genommen ungeeignet. Da wir uns preislich aber auf das Einsteiger-Segment festgelegt haben, müssen wir wohl oder übel ohne Lens Shift zurecht kommen und versuchen, durch eine optimale Aufstellung die Notwendigkeit der Keystone-Korrektur zu vermeiden.

Noch mehr Entscheidungsgrundlagen

Bis dahin gibt es keinen Grund für uns, den Epson EB-U04 auszuschließen. Zwar könnte der Schwarzwert besser sein und eine Lens-Shift-Funktion uns die Positionierung erleichtern — aber wir wollen erstmal sehen, was noch so in der kleinen Kiste steckt.

Technologie

Der Epson wird als 3LCD-Beamer („Triple-LCD“) angepriesen. Das ist jetzt erstmal nicht so toll, wie es klingt, weil seit Jahren eigentlich alle LCD-Beamer mit 3 LCD-Panels gebaut werden. Der wesentliche Vorteil ist einfach, dass die Lichtausbeute recht hoch ist und es keine Probleme mit der Farbwiedergabe gibt. Das macht der kleine auch richtig gut: die Farben überzeugen auf Anhieb. Dafür ist der Schwarzwert eben nicht ganz optimal — was soll’s, irgend einen Nachteil gibt es bei jeder Technik.

Anschlüsse

Der Epson hat zwei HDMI-Eingänge, womit er die Mindestanforderung für’s Heimkino erfüllt. Ansonsten gibt es den typischen VGA-Anschluss für ältere PCs und den guten alten AV-Eingang. Für die Multimedia-Funktionen stehen zwei Arten von USB-Anschlüssen zur Verfügung, von denen der eine für USB-Sticks und Festplatten gedacht ist, der andere wohl eher für die Beamer-Steuerung per PC-Software oder für die Nutzung als USB-Monitor.

Epson EB-U04 RückansichtEiner der HDMI-Eingänge unterstützt MHL, was speziell für Mobilgeräte gedacht ist. Das ist nett, wenn man Präsentationen von seinem Tablet oder Smartphone direkt auf dem Beamer wiedergeben will. Hier zeigt sich erstmals, dass der EB-U04 stark auf Multimedia ausgerichtet ist.

Maximale Lampenlaufzeit

Die Lampenlaufzeit des Epson EB-U04 wird mit 5.000 Stunden im Normalmodus und 10.000 Stunden im Eco-Modus angegeben — das ist echt anständig! Er ist damit ausgesprochen langlebig für einen Beamer mit klassischer Lampe.

Das ist besonders im geschäftlichen Umfeld wichtig, da er an einem langen Konferenz-Tag im Büro ja schnell mal 8 Stunden am Stück durch läuft. Im Heimkino ist uns das aber auch nicht unrecht, da wir dann nicht so schnell eine Ersatzlampe kaufen müssen.

Zwischenbildberechnung

Der Epson EB-U04 hat keine Zwischenbildberechnung, was mich angesichts der Preisklasse nicht weiter wundert. Damit entfällt die Diskussion bei diesem Gerät. Wenn man keinen anderen Beamer gewohnt ist, stellt das kein Problem dar — wenn man aber eine gute Zwischenbildberechnung kennt, tut man sich gelegentlich doch mal etwas schwer.

Die kleinen Details des EB-U04

Bisher konnte der Epson EB-U04 innerhalb seiner Preisklasse gut punkten. Zwar fehlen ihm ein paar Features, die im Heimkino wünschenswert wären, aber das was an Bord ist, macht einen guten Eindruck. Werfen wir noch einen Blick auf einige Details.

Keystone-Korrektur

Der Epson hat nicht nur eine vertikale, sondern auch eine horizontale Keystone-Korrektur: Es wird ja auch deutlich beworben, dass der Beamer äußerst flexibel im Aufstellungsort ist. Da der Lens Shift fehlt, setzt Epson hier offenbar vollständig auf die Keystone-Korrektur: man kommt nicht ohne aus, außer man kann den Beamer exakt an der richtigen Position aufstellen.

Keystone-Korrektur Epson Quick Corner
„Quick Corner“ zur einfachen Einstellung der Keystone-Korrektur.

Lobend muss ich aber erwähnen, dass die Keystone-Korrektur dafür sehr anwenderfreundlich umgesetzt wurde. Neben den üblichen zwei Skalen für vertikale und horizontale Korrektur (wobei vertikal automatisch durch die Neigung des Beamers und horizontal praktisch durch einen Hebel am Objektiv eingestellt wird — beides abschaltbar) gibt es ein kleines Killer-Feature: Quick Corner bietet die Möglichkeit, jede der vier Bildecken direkt zu bearbeiten und dort hin zu ziehen, wo man sie haben möchte. So lässt sich das Bild sehr schnell und einfach innerhalb gewisser Grenzen perfekt auf eine vorhandene Leinwand anpassen.

Menüführung

Epson EB-U04 Rückansicht von oben
Die wichtigsten Funktionen stehen auch am Gerät selbst zur Verfügung.

Das Menü ist grundsätzlich in Ordnung. Es wird vermutlich keinen Innovationspreis gewinnen, aber man findet sich gut zurecht. Einzig die Netzwerkeinstellungen finde ich nicht ganz durchdacht — die Verbindung mit einem WLAN ist nicht so einfach aufgebaut, wie man es heute von diversen anderen Geräten kennt. Ein Blick in die Bedienungsanleitung wird hier schnell erforderlich.

Zusätzlich gibt es ein recht hübsches Home-Menü, in dem man nochmal alle Quellen auswählen und die wichtigsten Einstellungen direkt ansteuern kann. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man sich nicht merken will, welche Quelle wo angeschlossen ist.

Audio-Ausgabe

Der EB-U04 verfügt über einen eingebauten Lautsprecher, um den Ton der Eingangsquelle wiedergeben zu können. Es ist schön, dass er das kann, und das klingt den Umständen entsprechend auch gar nicht mal schlecht. Im Heimkino hat man dafür aber keine Verwendung.

Den einzigen Nutzen sehe ich für die vielfältigen Multimedia-Funktionen, die auch ohne externen Player eine Tonausgabe benötigen. So kann man den Beamer in einer Präsentation auch gleich den Ton wiedergeben lassen, ohne sich um den Anschluss an ein eventuell verfügbares Soundsystem kümmern zu müssen.

Statt nur einem Mono-Brüllwürfel im Gehäuse verbaut hätte ich mir hier aber auch noch einen oder zwei Kopfhörer-Ausgänge gewünscht. Das hätte in Sachen Klangqualität tatsächlich einen Vorteil (man denke an die Überlagerung des Lüftergeräuschs) und wäre eine Verbesserung für den Anwendungsfall, der hier ja deutlich beworben wird: wenn der Beamer direkt vor einem auf dem Tisch steht.

Was passiert nun, wenn ich die zahlreichen Multimedia-Funktionen nutze, auf die ich gleich zu sprechen komme? Man bedenke: es gibt keinerlei Audio-Ausgänge am Gerät.

  • Amazon Fire TV Stick via HDMI
  • Google Chromecast
  • Smartphone per MDL anschließen
  • Übertragung durch das Netzwerk

Alles möglich — aber der Ton kommt ausschließlich über den kleinen Beamer-Lautsprecher! Mangels Audio-Ausgang habe ich keine Chance, ihn irgendwie abzugreifen, um ihn wenigstens an einen Stereo-Verstärker weiterzuleiten.

Medienwiedergabe

Ich muss gestehen, dass ich beim Testen der Funktionen schon irgendwie Lust hatte, den handlichen Epson in einem Hotelzimmer auszupacken, kurz das Smartphone anzustöpseln und so eine Digital Copy abzuspielen, von denen sich immer jeder fragt, wozu die eigentlich gut sind. Auf den mobilen Einsatz wurde scheinbar besonderes Augenmerk gelegt: Das Gerät wird mit einer praktischen Tragetasche geliefert (die meiner Meinung nach besser gepolstert sein dürfte, weshalb ich ihn dann vielleicht doch lieber zwischen meine T-Shirts und Socken stecken würde).

Dank der vielfältigen Anschlussmöglichkeiten kann der Epson so ziemlich jedes Quellmaterial wiedergeben. Einzig Videos von USB-Stick oder -Festplatte scheinen nicht möglich zu sein. Von diesen Medien werden nur Bilder dargestellt. Der USB-Speicher muss in FAT oder FAT32 formatiert sein, was Dateien über 2 GB ohnehin ausschließt.

Netzwerkfähigkeit

Epson EB-U04 Ansicht von obenDer Epson bringt aber auch die Möglichkeit mit, sich mit einem WLAN zu verbinden. Aber halt — was finde ich bei einem Blick in die Bedienungsanleitung heraus? Man benötigt ein separates WLAN-Modul, damit die Funktion aktiviert werden kann. Dieses wird in den vorhandenen USB-A Anschluss gesteckt und zur Sicherheit verschraubt. Damit belegt es den einzigen USB-A-Anschluss — also entweder WLAN oder USB-Stick. Das WLAN-Modul kostet rund 100 € extra, was mich jetzt nicht so fürchterlich begeistert. Hätte man das gleich eingebaut, wären die Kosten für den Beamer wahrscheinlich höchsens um 50 € gestiegen. Nun gut, welche Entscheidung seitens des Herstellers auch immer dahinter stecken mag — WLAN ist möglich, und das ist gut so.

Leider vermisse ich einen RJ-45-Anschluss für Ethernet. Aber auch hier zeigt sich eben, dass das Gerät den durchschnittlichen Digital Native als Zielgruppe hat: alles schön drahtlos verbinden. Immerhin ist das auch konsequent, da sich eine möglichst freie Wahl des Aufstellungsorts nicht unbedingt mit einem Netzwerkkabel vertragen würde.

App-Steuerung

Für die meisten Epson-Beamer gibt es die App Epson iProjection für Android und iOS. Die App ist nicht nur für die reine Steuerung gedacht, sondern auch für die direkte Übertragung verschiedener Dateien vom Smartphone oder Tablet direkt zum Beamer. Auch hier zeigt sich, dass vor allem die Nutzung in Präsentationen im Vordergrund steht. Mit der App kann man zum Beispiel PDF-Dateien direkt vom Smartphone auf den Beamer übertragen.

Neben der App bietet der Epson EB-U04 auch eine Web-Oberfläche, die man direkt im Browser eines beliebigen Gerätes aufruft. Sehr praktisch in Firmen, damit der Administrator das Gerät verwalten kann.


Den Epson EB-U04 haben wir hier als preisgünstige Option für Projektions-Einsteiger kennen gelernt. Besonders wenn man Wert darauf legt, das Gerät mal eben unter den Arm klemmen und mitnehmen zu können, ist man damit bestens beraten.

Epson EB-U04 CoverInsgesamt liegt der Fokus aber sehr stark auf Präsentationen im geschäftlichen Umfeld (einige coole Features wie einen Pointer im Bild habe ich hier gar nicht weiter erwähnt) und auf spontane „Gelegenheitsprojektion“ für Fußball oder Spiele. Das Gerät baut man schnell mal bei einem Kumpel auf. Oder man nutzt ihn einfach als besseren Diaprojektor: die tatsächliche vertikale Auflösung von 1200 Pixeln kommt Foto-Formaten entgegen.

Was ihn aber für mich als fest installierten Heimkino-Beamer eher ungeeignet macht:

  • das Fehlen von vertikalem Lens Shift und dem damit verbundenen Zwang, die Keystone-Korrektur zu nutzen
  • der gerade noch akzeptable Schwarzwert, der in völlig dunklen Räumen auffällt
  • das Fehlen einer Zwischenbildberechnung

Die Nachteile wiegt er durch eine verhältnismäßig helle Lampe, deren lange Laufzeit und sehr einfache Einrichtungen wieder auf. Angesichts des Preises kann man aber definitiv nicht meckern!

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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