Was ist ausschlaggebend für gute Klangqualität?

Es gibt gewisse Filme, die klingen einfach besser. Daraus werden schnell Referenzfilme, die überall empfohlen werden, um Heimkinos zu testen — zu zeigen, was man raus holen kann. Genauso verhält es sich bei Musik. So mancher hat schon seine Lieblingsmusik mit der neuen Anlage aufgelegt und war enttäuscht, weil irgendwie der Dampf fehlte. Andere Aufnahmen hingegen weisen eine umwerfende Klangqualität auf.

Marty McFly und Doc Brown mit einem Haufen Technik
Bild: themoviedb.org

Woran liegt das eigentlich? Warum hört sich das geliebte AC/DC-Album an wie Matsche, während bei Daft Punk richtig die Post abgeht? Ich betrachte das Thema mal aus den Augen eines Film- und Musikfans. Ich beschreibe meine Beobachtungen aus den letzten 20 Jahren und versuche, halbwegs fundierte Erklärungen zu finden — ohne jeglichen Anspruch auf technische und physikalische Korrektheit. Das macht es mir einfacher, diesen Artikel zu schreiben und dürfte Euch wahrscheinlich mehr nützen.

Grundvoraussetzungen

Damit etwas gut klingen kann, halte ich gewisse Grundvoraussetzungen für absolut erforderlich. Wie ich hier schon mehrfach schrieb, entsteht ein hervorragendes Hörerlebnis aus drei wesentlichen Faktoren:

  • Raumakustik
  • Qualität der Lautsprecher
  • Aufstellung der Lautsprecher

Ob eines davon wichtiger ist als das andere, wage ich nicht zu mutmaßen. Sicher ist jedoch, dass die Raumakustik der am häufigsten vernachlässigte Faktor ist. Immer wieder predige ich, dass die teuersten und tollsten Lautsprecher nichts bringen, wenn der Raum die Akustik einer Garage hat.

Ich gehe also davon aus, dass ein einigermaßen guter Hörraum vorhanden ist, bevor wir hier über Klangqualität reden. Das bedeutet nicht, dass der Raum mit Absorbern gedämmt sein muss oder sündhaft teure Diffusoren an der Rückwand hängen. Ein normaler Wohnraum ohne störenden Nachhall ist völlig ausreichend. Eine halbwegs sinnvolle Lautsprecheraufstellung setze ich ebenso voraus wie deren Qualität: Es sollten schon massive Lautsprecher sein, keine Brüllwürfel.

Damit sind die besonders wohnraumtauglichen Einsteiger-Systeme mit hohem WAF leider so gut wie ausgeschlossen — was nicht heißt, dass solche nicht gut klingen können. Ich versuche nur, vorab die Messlatte auf eine gewisse Höhe zu hängen, ab der die meisten bauart-bedingten Problem sich nicht mehr allzu sehr auswirken.

Lautsprecher-Setup und Surround

Einen sehr starken Einfluss auf die empfundene Klangqualität hat die Anzahl der verwendeten Lautsprecher und was aus diesen überhaupt heraus kommt. Im Filmbetrieb stellt sich die Frage weniger, da hier fast immer 5.1 oder 7.1 anzutreffen ist. Ob Subwoofer oder nicht, ist eher eine persönliche Präferenz: Will ich ein ordentliches Bassfundament oder reicht mir das, was die Hauptlautsprecher hergeben? Darüber hinaus können die DSP-Programme des AV-Receivers alles etwas breiter wirken lassen. Für Tests empfehle ich daher zunächst nur den normalen Modus ohne spezielle Klangprogramme zu verwenden.

Anders sieht es bei Musik aus (ausgenommen spezielle Mehrkanal-Abmischungen). Hört man diese in purem Stereo? Oder sollte ein Surround-Upmix erfolgen, um mehr Räumlichkeit zu erzeugen und die vorhandenen Lautsprecher auch wirklich zu nutzen? Auch hier sage ich: jedem wie es ihm gefällt! Beides hat durchaus seine Reize. Erlaubt ist, was gefällt. Musik höre ich meist über den Dolby ProLogic IIx Music Decoder, weil der bei der Verteilung des Stereo-Signals auf die verschiedenen Kanäle eine schöne breite Front erzeugt und den Surround-Bereich gut nutzt, ohne zu sehr vom ursprünglichen Stereo abzuweichen. Die Movie-Varianten aller Decoder meide ich, weil sie zu center-lastig sind.

Ob pur oder künstlich verbessert: Bedenkt immer, dass Ihr für Vergleiche zwischen verschiedenen Quellen die selben Einstellungen verwenden solltet. Selbst eine etwas höhere Lautstärke kann den Eindruck von besserem Klang entstehen lassen. Deshalb ist es auch nicht ganz unwichtig, etwas lauter als normale Zimmerlautstärke aufzudrehen.

Die Tonquelle

Sind Euch schon Leute begegnet, die auf klassische Schallplatten schwören? Sie haben allen Grund dazu. Die verschiedenen Tonträger der letzten Jahrzehnte unterscheiden sich teilweise drastisch in ihrer Klangqualität. Mit der Erfindung der CD und damit dem Einstieg in das digitale Zeitalter ist nicht alles besser geworden.

Foto: birgitH / pixelio.de
Foto: birgitH / pixelio.de

Bedingt durch das technische Verfahren bei einer Vinyl-Schallplatte entwickelt diese zwangsläufig einen anderen Klang bei der Wiedergabe. Alles klingt etwas wärmer und weniger perfekt. Genau das ist es, was Fans der schwarzen Scheiben diese immer noch einer CD vorziehen lässt.

Ähnlich verhält es sich mit Tonbändern und ihren späteren, kompakteren Ablegern, der Kassette. Die Magnetbandtechnik hat ebenfalls besondere Klangeigenschaften, wie man sie nur bei analogen Medien vorfindet.

Das heißt nicht, dass mit den analogen Tonträgern früher™ alles besser war. Nur eben anders. Man könnte auch sagen, dass diese Medien das Gute-alte-Zeit-Gefühl hervorragend transportieren konnten. Rein technisch gesehen gab es bisher nichts besseres als die digitale Aufnahmetechnik. Wäre da nicht …

Der Loudness-War

Scherzhaft bezeichnet man als Loudness-War („Lautheitskrieg“) eine Unsitte der Tontechniker, die mit der Einführung der CD begonnen hat. Warum? Weil sie es konnten.

Mit Loudness, also Lautheit, ist hier nicht die Lautstärke einer Aufnahme gemeint. Es ist zwar kein Geheimnis, dass jeder am lautesten klingen will. Wer sich mal daran gestört hat, dass die Werbung im Fernsehen immer lauter ist, als der Film, weiß das.

Der Loudness-War bezieht sich auf eine Anhebung der Lautstärke in den leisen Passagen eines Musikstücks, sozusagen einer Angleichung der leisen Stellen an die lauten. Dadurch wird der Dynamikumfang (die Differenz zwischen der leisesten und lautesten Stelle) stark reduziert. Alles klingt wie ein einheitlicher Musikbrei, der einen 5 Minuten lang mit voller Kraft anschreit. Das mag toll sein, wenn man Musik im Autoradio hört, weil leise Passagen so nicht im Motorengeräusch untergehen. Für den Musikgenuss zuhause ist es pures Gift.

Das Thema kam deshalb mit der CD auf, weil dort aufgrund der digitalen „Auflösung“ überhaupt erstmal die Möglichkeit geschaffen war. Bei Schallplatten mussten sich die Tontechniker einfach technisch bedingt immer zurückhalten. Da das mit der Erfindung der CD kein Problem mehr war, kam dann irgend ein Schlaumeier auf die Idee, dass die Leute lautere Musik offenbar besser finden als zurückhaltendere. Und schon begann ein Wettstreit um die „lauteste“ Aufnahme. Ein Großteil aller CDs, die seit den 1980er Jahren verkauft wurden, haben dieses Problem. Das Album (What’s the Story) Morning Glory? von Oasis ist sehr bekannt dafür, dass es den Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute nur anbrüllt. Im Internet werden ganze Datenbanken geführt, die den Dynamikumfang von CDs und Vinyl-Schallplatten darstellen. Fast immer kommt die Vinyl-Ausgabe einer Veröffentlichung dabei um Längen besser weg. Das ist wohl einer der Hauptgründe für den besseren Klang der Schallplatte.

Bei Filmen hat sich dieser Trend zum Glück noch nicht durchgesetzt. Hier ist der Dynamikumfang — der Lautstärke-Unterschied zwischen dem leisesten Flüstern und der krachenden Action-Szene — teilweise so extrem, dass man sich überlegt, ihn vom Receiver reduzieren zu lassen, um im einen Moment noch etwas zu verstehen und im nächsten nicht das Haus zum Einsturz zu bringen.

Qualitätsstufen digitaler Signale

Die digitalen Tonformate sind inzwischen so vielfältig, dass man eine separate Einstufung alleine dafür vornehmen kann. Im Hinblick auf die Klangqualität unterscheide ich grob in drei Gruppen:

  • mit Qualitätsverlust komprimierte Formate: hierzu gehören unter anderem das verbreitete MP3-Format, die kaum noch genutzten älteren MPEG-Varianten und Apple’s AAC-Format
  • ohne Qualitätsverlust komprimierte Formate und Formate im Bereich der auf CDs üblichen Sampling-Raten von 44,1 kHz: dazu gehören Dolby Digital (AC3), DTS, Wave, Flac und Apple Lossless
  • Formate ohne Qualitätsverlust oder ohne Komprimierung und mit höheren Datenraten: Dolby TrueHD, DTS Master Audio und alles was sonst noch mit 96 kHz / 24 Bit und ähnlichen Werten unterwegs ist

An dieser Stelle beginnt der Voodoo. Es gibt nicht wenige Leute, die behaupten, den Unterschied zwischen einem verlustfreien Flac-File und dem selben Stück als MP3 mit 320 kb/s hören zu können. Ich lasse das mal so stehen und verweise auf den nächsten Abschnitt.

Klar ist: den Qualitätsverlust von komprimierten Formaten der ersten Gruppe kann man hören, wenn die Kompression zu stark ist. MP3-Dateien mit deutlich weniger als 256 kb/s laufen immer Gefahr, hörbare Komprimierungsartefakte zu beinhalten. Spätestens bei 128 kb/s hört das auch der Laie.

Sicher ist außerdem: Mit einfachen Ohrstöpseln für den Straßengebrauch hört man diese Probleme weitaus später als mit einer einigermaßen guten Anlage zuhause. Die Klangqualität der Aufnahme vom Vorabend sollte man also nicht am nächsten Tag im Zug auf dem Weg zur Arbeit beurteilen. Das gilt für die Qualität im Allgemeinen, nicht nur für die Kompression.

Was vor allem ein Thema für Musik ist, gilt aber auch für Filme. Was auf YouTube, Netflix & Co. läuft, wird mit den selben Algorithmen komprimiert, wie Musik. Die Qualität wird oft dynamisch je nach Bandbreite der Internetverbindung oder des WLAN-Netzwerks reguliert. Ist die Übertragungsgeschwindigkeit zu gering, wird die Datenrate reduziert, um das Video ohne Unterbrechungen wiedergeben zu können. Natürlich wird die Qualität nie besser sein, als die des ursprünglich hochgeladenen Videos war.

Voodoo

Mag sein, dass manch einer richtig gute Ohren hat oder einfach weiß, worauf er achten muss. Aber es gibt dann doch ein paar Dinge, die ich nicht platt reden, aber zumindest anzweifeln möchte. Hier eine Liste meiner liebsten Voodoo-Ideen, sortiert von nachvollziehbar bis völlig gesponnen:

  • Verstärker-Klang: manche Verstärker klingen anders als andere. Das ist schwierig zu belegen. Es ist viel wahrscheinlich, dass Verstärker aufgrund unterschiedlicher Software anders klingen, die die Konfiguration anders auswertet und eben nach ihren Vorgaben entsprechende Maßnahmen am Klang ergreift. Ich spreche hier natürlich nur von Verstärkern ähnlicher Bauart und Leistung — dass völlig unterschiedliche Geräte anders klingen, liegt auf der Hand. Man muss aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.
  • Kabelklang: ein teures Lautsprecherkabel klingt besser als ein schlechtes, so die Behauptung. Naja. Kabel haben unterschiedliche Widerstände, so viel ist sicher. Zu dünne oder minderwertige oder nicht richtig angeschlossene Kabel haben einen höheren Widerstand und damit mehr Verlust. Damit das hörbare Auswirkungen hat, muss das Kabel aber wirklich schon sehr dünn, schlecht oder lang sein.
  • Zuspieler-Klang: manche Blu-ray Player klingen angeblich anders. Mal ehrlich: die Signale werden heute so gut wie immer digital als Bitstream per HDMI zum Receiver übertragen. Was der dann daraus macht — siehe oben. Aber wenn ein Was-auch-immer-Player anders klingt, dann manipuliert er das Signal entweder aufgrund komischer Einstellungen oder er ist analog angeschlossen, sodass sein eingebauter D/A-Wandler die Signale decodiert.
  • Netzstecker umdrehen: Einige fanatische Zeitgenossen behaupten vehement, dass der Netzstecker in einer bestimmten Richtung eingesteckt werden muss, damit es besser klingt. Es gibt auch technische Erklärungen dafür, die Ihr selbst googeln könnt. Wer weiß… in einem Haus mit einer Verkabelung von 1926 vielleicht. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass man ein Brummen wahrnimmt, weil ein Stockwerk weiter oben ein Handy auf dem Tisch liegt.
  • Zwei HDMI-SteckerHDMI-Kabelklang (und ganz nebenbei auch HDMI-Bildqualität): Auch hier wieder die Behauptung, teurere HDMI-Kabel würden besser klingen als billige. Nein, definitiv nicht! Es ist ein digitaler Datenstrom, der kommt entweder an oder nicht. Bei langen Strecken allerdings (> 3 m) zahlt sich eine bessere Schirmung aus, damit es keine Störungen gibt. Digitale Störungen äußern sich aber nicht in schlechterer Tonqualität, sondern durch abgehackte, unterbrochene Wiedergabe.
  • Und hier der Vollständigkeit wegen noch das Dümmste, was ich je gehört habe: Eine Zeit lang gab es Leute, die die Ränder ihrer CDs schwarz angemalt haben. Weil dadurch Reflexionen des Lasers innerhalb der CD-Schicht unterbunden würden, sollte das besser klingen. Ja, alles klar.

Ganz gleich, was ihr glaubt oder nicht: Keine dieser angeblichen Ursachen hat annähernd so große Auswirkungen wie ein Klangprogramm des Receivers, ein falsch herum angeschlossenes Lautsprecherkabel oder eine vibrierende Vase im Schrank.

Eines halte ich für besonders wichtig zu bedenken: Wenn man einen Unterschied hören will, dann hört man ihn auch.

Das ist ein ganz einfaches Phänomen, das gerne mal ignoriert wird. Nehmen wir an, man will herausfinden, welches von zwei Lautsprecherkabeln besser klingt: Man müsste absolut identische Verhältnisse schaffen, unter denen man die Tests vornimmt. Das bedeutet, der selbe Zuspieler, die selben Lautsprecher und die selbe Lautsprecheraufstellung im selben Hörraum müssten gegeben sein. Das geht nicht mit zwei baugleichen Paaren Lautsprechern, weil diese zwangsläufig an unterschiedlichen Positionen stehen müssten — was wiederum den Klang wesentlich stärker beeinflusst, als es irgend ein Kabel je könnte. Es bleibt also nur die Möglichkeit, zwischen den Tests die Kabel umzustecken.

Letzteres wiederum führt dazu, dass man keine Möglichkeit mehr hat, übergangslos zwischen den beiden zu testenden Kabeln umzuschalten. Überhaupt ist es für solche Tests unumgänglich, dass man ohne Unterbrechung zwischen den getesteten Quellen umschalten kann. Wie sonst sollte man vergleichen können? Zudem müssten der Testperson jegliche Kenntnisse darüber entzogen werden, welche der beiden Quellen sie gerade hört. Das heißt, was auch immer gerade Probe gehört wird – Kabel, Lautsprecher, Receiver usw. – darf nicht zu sehen sein.

Klingt vielleicht ein wenig abgefahren, das aber aus gutem Grund. Denn wenn jemand absolut davon überzeugt ist, dass ein bestimmtes Kabel besser klingt, dann wird er bei Vergleichstests dieses Kabel immer besser finden, wenn er weiß, dass die Lautsprecher gerade darüber angeschlossen sind. Weiß er hingegen nicht, durch welches Kabel er gerade hört, kann er oft gar keinen Unterschied feststellen oder entscheidet sich sogar für das andere Kabel, weil er einfach nur geraten hat. Daran merkt man dann sehr schnell, ob es wirklich Unterschiede zwischen verschiedenen Kabeln, Geräten, Quellen oder Datenformaten gibt.

Hier gibt es einen sehr interessanten Bericht, der einen Beweis für genau dieses Phänomen liefert. Doch nun genug mit Voodoo. Dieses Thema wird viel zu oft und viel zu heiß diskutiert.

Klangqualität der Aufnahme und Abmischung

Kommen wir zu dem, was ich für besonders ausschlaggebend für guten Klang halte. Man könnte sagen, es ist der vierte extrem wichtige Punkt nach Lautsprechern, deren Aufstellung und der Raumakustik:

  • Aufnahmequalität und Tonmischung

Alles, was seit dem zweiten Absatz genannt wurde, hat nicht annähernd so große Auswirkungen auf guten Klang, wie die Tonmischung der Quelle — dessen, was man anhört. Ob 2.0 oder 7.1 — natürlich macht das einen Unterschied im Klang — aber noch viel mehr merkt man den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Stereo-Aufnahme. Ob Vinyl oder CD, MP3 oder Dolby TrueHD — alles hat seine Klangeigenschaften, die man durchaus unterscheiden kann — aber eine richtig gute Aufnahme im MP3-Format klingt trotzdem besser als eine mittelmäßige Aufnahme als FLAC. Kabelklang und richtig herum reingesteckte Stecker spielen eine lächerlich kleine Rolle im Vergleich zur Aufnahmequalität.

Vor einiger Zeit ging eine Welle durch das Internet, als sich herumgesprochen hatte, dass man eine Auro 3D Demo Blu-ray kostenlos im Internet bestellen kann. Kaum jemand, der diese Disc daraufhin bestellte, verfügte wohl über das entsprechende Lautsprecher-Setup, geschweige denn einen Auro-3D-fähigen AV-Receiver (weil es schlicht und einfach keine gibt bzw. gab, zumindest nicht für jedermann bezahlbar). Trotzdem war jeder ganz wild auf diese Demo Disc. Klar, wenn’s auch nichts kostet. Ich gebe zu, ich habe sie mir auch bestellt, weil ich eine Vorahnung hatte, was mich darauf erwartete. Spielt man die Auro-3D-Tonspur über einen halbwegs modernen Receiver ab, gibt dieser nur das darin enthaltene DTS-HD MA 7.1 Signal aus. Von den zusätzlichen Decken-Kanälen ist nichts zu hören. Trotz fehlender Auro-3D-Hardware klingt die gesamte Disc einfach unglaublich gut! Das ist auch kein Wunder, denn die Tontechniker wussten, dass sie eine Demo-Disc für guten Sound produzieren. Das muss einfach gut klingen, also wird es entsprechend abgemischt und Demo-Material ausgewählt, das von vorne herein dafür gemacht ist, gut zu klingen. Gleiches gilt beispielsweise für die bekannten und beliebten Lichtmond-Discs.

Und genau das ist der Grund, weshalb manche Filme, Konzertmitschnitte oder Alben besser klingen, als die meisten anderen. Sie wurden einfach besser aufgenommen und gemischt. Diesen Unterschied hört auch der Laie, selbst wenn er nicht sagen kann, was die Ursache dafür ist.

Elektronische Musik hat es dabei übrigens etwas einfacher, gut zu klingen, als mit konventionellen Musikinstrumenten aufgenommene Musik. Der Grund ist einfach der, dass hier meistens die Aufnahme mit einem Mikrofon umgangen wird. Alle Töne werden direkt digital erzeugt und sind somit durchgehend perfekt. Es gibt nichts, was die Aufnahme beeinflusst oder Qualitätsunterschiede erzeugt.

Der Versuch einer Bewertung

Immer wieder tauchen im Internet Kuchendiagramme auf, die versuchen, den Einfluss der vielen Faktoren guten Klangs in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Jetzt will ich endlich auch mal mein eigenes Kuchendiagramm machen!

Aber Moment mal, das ist doch völliger Quatsch! Die Akustik ist ein so kompliziertes physikalisches Feld, dass es unmöglich ist, einzelne Bestandteile einer Wiedergabekette annähernd realitätsnah zu bewerten. Man kann nur grob schätzen, wie viel Prozent ein Faktor am guten Klang ausmacht. Zudem sind diese Diagramme meistens nicht neutral: jemand, der Lautsprecherkabel verkaufen will, wird dem Faktor Lautsprecherkabel natürlich gleich mal 20% einräumen (was völlig an der Realität vorbei ist).

Deshalb hier mein Versuch einer tollen Torte — und ich bitte darum, diese mit einem Augenzwinkern zu betrachten:

Die Klangqualität-Torte

Ein paar Empfehlungen

Die Kernaussage dieser kleinen Abhandlung sollte sein, dass neben den drei Hardware-Faktoren — Raumakustik, Lautsprecheraufstellung und Lautsprecherqualität — ein wesentlicher Software-Faktor existiert: die Qualität der Aufnahme und Mischung. Alle weiteren Faktoren, vom Kabel über die Elektronik bis zum Voodoo, sind zwar vorhanden und spielen (fast) alle ihre Rolle — sie haben aber einen wesentlichen geringeren Stellenwert, als ihnen manchmal beigemessen wird.

Deshalb gibt es hier zum Abschluss einige Empfehlungen an Filmen und Musik, die für ihren guten Klang bekannt sind.

Filme

Musik

Nach Interpret und Album ist in Klammern jeweils ein Titel als Anspieltipp angegeben.

Konzerte

Die Listen könnte man noch deutlich verlängern. Als kleine Auswahl soll das aber erstmal reichen. Viel Spaß beim Reinhören und Ausprobieren!

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

17 Gedanken zu „Was ist ausschlaggebend für gute Klangqualität?

  1. Ganz nette Ideen, die du da einbringst, recht plausibel erklärt – aber Vorsicht! Zu sehr solltest du deinen Voodoo- Theorien nicht anheim fallen, denn es ist ebenso klar, daß eine 10.000€ Linn/ Naim/ whatever- Anlage besser klingt, als eine JVC oder Medion-
    Raffl… Warum? Weil die Materialien, Chips, Kabelverbindungen, Schaltungen etc. besser sind, und dasselbe gilt natürlich auch für Kabel, ja sogar für Netzstecker und die Stromversorgung. Du hörst es nicht? – Zeit nehmen und vorallem auf eine entsprechende Anlage wechseln – glaubst du nicht? Mal ein einfacher Vergleich: Den Unterschied zwischen 2 Reifen merkst du wo eher, am Golf mit 110 Sachen auf der Autobahn, oder am Formel 1 Boliden mit 280 Sachen in Monte Carlo?…
    Das schwierigste im High End Bereich ist es wahren Voodoo von echter Klangverbesserung zu unterscheiden, aber es gibt vieles, was wirklich was bringt und ziemlich verrückt anmutet!

    1. Du hast Recht, dass hochwertige Materialien an der richtigen Stelle verbaut auch einen Gewinn an Klangqualität bringen. Die Frage ist nur, ob der Unterschied so gewaltig ist, dass er den Preis rechtfertigt. Wie fast überall gilt auch hier das Paretoprinzip. Gerade bei Kabeln werden die Käufer reihenweise verarscht.

      Wer das Geld für sowas hat — wer das letzte herauskitzeln will — bitte schön. Ich kann das gut verstehen. Aber auch im High-End-Bereich gelten die Gesetzte der Physik. Und auch dort gilt, dass die Raumakustik wesentlich mehr Einfluss auf den Klang hat als ein kleines, feines aber vor allem teures Detail. Wer also 10.000 € in eine Anlage steckt, dem sei geraten, auch mindestens den selben Betrag in die Raumakustik zu stecken.

  2. Ich freue mich, dass ich heute auf diese Internetseite gestoßen bin. Habe ich gleich als Favorit abgelegt.
    Endlich mal ein gesunder Menschenverstand, der die Sache (Dinge) auf den Punkt bringt.
    Auch die Aufteilung der Anteile im Tortendiagramm finde ich 100 % gut getroffen.

  3. Hallo, ich wünschte ich hätte diesen besonders gut gelungene Artikel vor zig hundert Euro gefunden! Leider musste ich viel Lehrgeld zahlen, um auch auf diesen Wissensstand zu kommen. Trotzdem war der Weg schön, denn das ganze Gebastle und Probieren hat auch viel Spaß gebracht. Vielen Dank für diesen tollen Artikel!

  4. Hallo Bert,
    baue mir gerade ein 5.1 System auf und habe mit ganz „tolle“ Bananenstecker gekauft.

    Nun habe ich diese ausprobiert und festgestellt, dass meine Kupferlitze vom 2,5 qmm Lautsprecherkabel kaum Kontakt mit der vergoldeten Spitze (24 karat) des Bananensteckers haben, sondern eher mit dem silberfarbenen Metall , welches evtl. nicht so lautfähig ist!?.
    Hat dies tatsächlich klangliche Auswirkungen und ich sollte auf die Nakamichi Bananenstecker (komplett vergoldete Kontaktflächen) umschwenken!?

    Vielen Dank für Deinen Rat.
    Gruß Thomas

    1. Hi Thomas,

      sofern Du sie Kabel wie vorgesehen richtig in den Steckern verschraubst, solltest Du keine Nachteile haben. Gut möglich, dass die relevanten Kontaktflächen innen trotzdem vergoldet sind. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Die Veredelung wird auch manchmal ein bisschen überbewertet. Das macht sich — wenn überhaupt — erst nach einigen Jahren bemerkbar, und das meist auch nur dann, wenn Du die Stecker ungenutzt herumliegen hattest. Und ob Du den Unterschied dann hörst, steht noch auf einem anderen Blatt geschrieben.

      Viele Grüße
      Bert

  5. Hallo Bert,
    ich habe eine Frage zur Raumakustik. Genauer gesagt, geht es um einen LS. Der rechte LS steht ohne Rückwand dar. Meine Fernesehecke beginnt links mit einer Glasfront, dann der linke LS, gefolgt vom TV-Rack und Schluß. Hinter dem rechten LS ost das Eßzimmer. Meine Frage, macht es Sinn hinter den freistehenden LS eine Box o.ä. zu stellen, als Wandersatz quasi? Es handelt soch um einen Standlautsprecher mit rückwärtigem Bassreflektor.
    Viele Grüße
    René

    1. Hallo René,

      das würde ich lassen. Wenn der eine gut ist und der andere schlecht, verändert man nicht etwas am guten, damit der auch schlecht klingt. 😉

      Am besten besorgst Du Dir eine 5 cm dicke Platte aus Basotect und stellst (hängst, klebst) die hinter den anderen Lautsprecher an die Wand. Je größer und dicker desto besser, aber eben so, dass es noch nach was aussieht. Die schluckt dann ein wenig Schall, so dass der linke Lautsprecher vom Klang her eher an den freistehenden ran kommt. Wird er zwar nie schaffen, aber zumindest ein Stück. Falls Du ein Dröhnen oder Scheppern hast, hilft manchmal eine Socke in der Bassreflexöffnung.

      1. Hallo Bert,
        danke für die prompte Antwort. Ich bin davon ausgegangen, dass der freistehende LS Rückendeckung benötigt um den Schall in den Raum zu werfen. Wie du dir sicher schon denkst, bin ich ganz neu in diesem Thema. Zum Beispiel habe ich erst seit einigen Tagen einen AV-Receiver und staune, was der für eine Klang produziert.
        Viele Grüße
        René

  6. Hey, schöner Beitrag.

    Ich hätte eine Frage zum DAC (nehme ich an):
    Ich besitze momentan einen Denon PMA 715-R Verstärker mit Heco Celan XT 301 Lautsprechern.

    Als Quelle dient mir momentan aber immer nur Smartphone, Laptop, oder Fernseher.

    Ich dachte ehrlich gesagt, dass es kaum eine Rolle spielen wird, welche ich da verwende, weil DACs sich heute nicht mehr viel nehmen. Aber am Handy (Nexus 6P) klingt die gleiche Musik wesentlich „flacher“ als mit dem Laptop.

    Macht das ganze wirklich so einen Unterschied, oder .. was könnte die Ursache sein?

    Am Computer selbst hab ich z.B. auch einen SoundBLaster X7 mit USB angeschlossen. In dem Gerät selbst findet doch dann jetzt quasi die Umwandlung ins analoge Signal statt, oder?

    Bin da etwas neu auf dem Gebiet und konnte auch nichts so wirklich darüber finden.

    Grüße
    Joscha

    1. Hallo Joscha,

      bevor sich das „Warum?“ beantworten lässt, müssen wir uns erstmal ansehen, wie denn die Daten übertragen werden. Über welche Kabel oder drahtlose Schnittstellen wird die Musik übertragen, wenn Du sie von Smartphone, Tablet oder Laptop abspielst? Außerdem: in welchem Format liegt die Musik vor? MP3?

      1. Hi Bert,

        also die Musik ist entweder direkt über ein Cinch zu Klinke Kabel. Dieses hier: https://www.thomann.de/de/cordial_cfy_3_wcc.htm

        Oder über Bluetooth, wenn ich vom Esstisch aus bedienen will. Dazu verwende ich das hier: https://www.amazon.de/gp/product/B01LB0FEB2/ref=oh_aui_detailpage_o09_s00?ie=UTF8&psc=1

        Die Musik wird entweder in MP3 mit 320kbit/s abgespielt, oder über Spotify Premium mit der „hohen Qualität“ am PC und „Extreme Qualität“ am Smartphone.

        Also wie gesagt, das gleiche Lied über Handy Spotify klingt weniger dynamisch verglichen mit meinem Laptop (Macbook Pro 2012) über das gleiche Kabel (oder eben Bluetooth).

        Grüße

        1. Ok, also den Übertragungsweg würde ich dann mal ausschließen. Zwar ist ein analoges Kabel und Bluetooth was völlig anderes, aber dabei scheint es ja keinen allzu großen Unterschied zu geben.

          Die genaue Ursache lässt sich so nicht ermitteln, aber eine Vermutung liegt nahe: Wahrscheinlich hat entweder das Smartphone oder der Laptop irgend einen Equalizer laufen, der den Sound nur „dynamischer“ wirken lässt (was auch immer das heißt) als er eigentlich ist. Umgekehrt kann ein Equalizer am Smartphone natürlich alles schlechter machen, als es sein müsste.

          Das muss nicht heißen, dass Du etwas davon weißt bzw. bewusst installiert oder verstellt hast. Oft geschehen solche Klangverbiegungen tief im System verankert und völlig im Hintergrund. Was liegt für einen Hersteller näher, als mittelmäßige Sound-Hardware durch einige fest hinterlegte Klangparameter zu „korrigieren“? Deine Hörgewohnheiten erledigen dann den Rest. Schonmal daran gedacht, dass der „schlechte“ Sound vielleicht gar nicht schlecht ist, sondern normal, und der „gute“ Sound einfach nur über Gebühr verbessert wurde?

          1. Hey,
            Also einen eq haben beide Geräte meines Wissens nach nicht eingebaut und auch Google ist nicht der Meinung.

            Also der Klang ist einfach .. weniger lebendig. Ich weiß nicht wie man sowas am besten beschreibt. Ich spiele gute Aufnahmen ab und die Klingen einfach etwas flach. Als würde was fehlen. Ich hab das auch festgestellt, ohne überhaupt den Vergleich gehabt zu haben.
            Habs erst am Handy getestet und gemerkt, dass es irgendwie nicht so gut klingt.
            Danach hab ich Internet Radio über den Fernseher gehört und das klang schon direkt viel schöner.

          2. Ja, nur wie gesagt handelt es sich dabei möglicherweise um einen „inoffiziellen“ Klangverbieger, von dem nur der Hersteller weiß.

            Was noch sein könnte: Wie kommen denn die MP3s auf’s Smartphone? Manche Programme rechnen die vor der Übertragung runter. Außerdem auch mal verschiedene Player probieren.

  7. Hey,
    Achso ja gut das weiß ich nicht aber das müsste doch jemandem aufgefallen sein, oder?

    Ich spiele die Lieder direkt über Spotify ab, wie gesagt in „extremer“ Qualität aber ich habe das auch erst im Nachhinein auf extrem geändert, evtl sind die Lieder noch in normaler Qualität auf dem Handy gespeichert. Das müsste ich mal schauen.

    Aber wie ist das denn mit dem DAC, spielt das eine Rolle?

    1. Klar kann der D/A-Wandler schon auch Mist bauen. Du kannst ja die Möglichkeiten ganz einfach einschränken und Dich so an die Ursache heran tasten. Klingt es vom Smartphone per Bluetooth auch schlecht? Dann kann es kaum der D/A-Wandler im Smartphone sein.

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