Filmkritiken und Filmkritiker

Erst neulich fiel mir auf, dass ich Filmkritiken meistens erst lese, nachdem ich den Film gesehen habe. Dabei Stelle ich oft fest, dass das wohl auch besser so ist. Ich traue Filmkritiken nicht mehr so richtig. So manchen unterhaltsamen Film hätte ich mir wohl nicht angesehen, wenn ich zuerst die Kritiken dazu gelesen hätte.

Tomate

Bevor ein Film überhaupt anläuft, schreiben bekannte Kritiker für ebenso bekannte Magazine darüber. Die Quintessenz davon kann man später oft bei Wikipedia nachlesen. Sobald der Film dann angelaufen ist, folgen tausende Bewertungen von ganz normalen Leuten bei diversen Filmportalen im Internet. Beiden vertraue ich nicht mehr blind, sondern habe meine eigene Strategie entwickelt, die Informationen zu verwerten.

Kritiker

Bei Berufskritikern habe ich immer das Gefühl, das eigentliche Anliegen der Damen und Herren ist es, allen zu zeigen, wie toll sie schreiben können. Geschwollene Sätze sollen einen Eindruck von einer eigentlich einfachen Sache vermitteln. Je mehr Worte aus dem nicht ganz alltäglichen Sprachgebrauch darin vorkommen, desto besser. Im schlimmsten Fall weiß man danach nicht, ob die Kritik gut oder schlecht sein sollte. Das hilft doch keinem weiter.

Je mehr „professionelle“ Kritiken ich lese, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, die Kritiker seien erstmal grundsätzlich dagegen. Es gibt kaum einen Film, der nicht in vielen Punkten schlecht weg kommt. Das ist aber auch kein Wunder, denn schließlich ist es ja auch die Aufgabe eines Kritikers, kritisch zu sein. Irgendwie muss man seinen Arbeitsplatz ja erhalten.

Bewertung der Massen

Große Filmportale wie IMDB oder Rotten Tomatoes bieten jedem die Möglichkeit, Filme zu bewerten. Nicht zu vergessen sind auch kommerzielle Plattformen wie Amazon, auch wenn es hier eher um die Bewertung eines Produktes geht, zum Beispiel der Kaufversion eines Films.

Die Bewertungen werden hier aus dem Durchschnitt aller Hobby-Kritiker berechnet. Das finde ich grundsätzlich aussagekräftiger als die Bewertung eines selbsternannten Experten.

Allerdings ist die Art, wie die Informationen teilweise komprimiert werden, eher irreführend. Bei Rotten Tomatoes kann man einen Film beispielsweise nur positiv oder negativ bewerten. Zwar ergibt sich daraus bei vielen Bewertung eine deutliche Tendenz, jedoch finde ich das ein bisschen zu schwarz-weiß. Ein Film ist niemals in allen denkbaren Bereichen nur gut oder nur schlecht. Selbst der schlechteste Film ist meistens so schlecht gemacht, dass er schon wieder lustig ist.

Bei dem häufig anzutreffenden System mit 5 Sternen gibt es ähnliche Probleme. Im Durchschnitt kommt ein Film kaum höher als 4 Sterne, selbst wenn er ein Kandidat für die volle Punktzahl ist. Ein eher platter Film kann dagegen immer noch mit einem Schnitt von 3 Sternen davon kommen, obwohl er bestenfalls 2 verdient hätte.

Hier spielen viele Phänomene eine Rolle, unter anderem, dass Menschen eher dazu neigen, zu meckern als zu loben. Schließlich geht es bei Filmen ja auch nur um Geschmack und Gefallen – und darin unterscheiden sich Menschen bekanntlich erheblich. Was nützt mir also der Durchschnitt von 200 Bewertungen, wenn diese Leute nicht alle meinen Geschmack haben?

Daraus schlau werden

Meine zwei Wege, mit Filmkritiken umzugehen, will ich Euch nicht vorenthalten. Beide sind recht einfach.

Wenn ihr den Senf von Berufskritikern lest, denkt Euch die Bewertung einfach ein bis zwei gefühlte Sterne besser, als sie sich liest. Kritiker übertreiben oft ins Negative. Last euch nicht davon abhalten, euch selbst eine Meinung zu bilden.

Bei Community-Bewertungen achtet ihr am besten darauf, ob die Bewertungen sehr gemischt sind. Wenn es fast nur Bewertungen im Mittelfeld gibt, ist der Film wahrscheinlich wirklich mittelmäßig. Gibt es dagegen viele sehr gute und ebenso viele sehr schlechte Bewertungen, gehen die Meinungen offenbar auseinander. Das deutet darauf hin, dass ihr es mit etwas außergewöhnlichem zu tun habt, was eben nur nicht jedem einfachen Geist gefällt. Das funktioniert übrigens nicht nur bei Filmen.

Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist Cloud Atlas (2012). Ein genialer Film, wenn man sich darauf einlässt. Viele vergeben die volle Punktzahl dafür – ebenso viele finden den Streifen offenbar nur schlecht. Das schiebe ich mal auf andere Erwartungen oder niedrigere Ansprüche an einen Film, den viele offenbar mitbringen. Und das mit Recht. Manchmal will man sich eben nur berieseln lassen, anstatt zum Nachdenken angeregt zu werden.

Lässt Euch also bloß nicht von einer Filmkritik abhalten, einen Film anzusehen – schon gar nicht, wenn etwas schlecht geredet wird, auf das Ihr Euch eigentlich gefreut habt. Selber gucken macht schlau. Hinterher könnt Ihr Euch immer noch über die verschwendete Lebenszeit ärgern. Das ist auch nicht schlimmer, als seine Zeit mit dem Lesen fremder Meinungen zu verbringen.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

Ein Gedanke zu „Filmkritiken und Filmkritiker

  1. Ich nutze meist mehrere Quellen zu einem Film, hauptsächlich aber einen youtube Kanal von DVDKritik. Dort werden Trailer und Kritik meist kombiniert und in recht einfachen Worten die Kritik erläutert. Zwar bin ich auch nicht immer der gleichen Meinung aber man kann gut abschätzen wie der Film sein kann. Entsprechend ist meine Erwartungshaltung.

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