Unscheinbare Funktion mit versteckten Fallstricken

Energie! Mit einem Hauptschalter das gesamte Heimkino aktivieren

Als ich einen separaten Kinoraum im Keller aushandeln konnte, habe ich gleich eine besondere Spezialität vorgesehen: einen Hauptschalter, der alle Geräte im Heimkino ausschalten konnte. Damit kann ich das gesamte Kino bei Nichtgebrauch stromlos machen und mir so die Standby-Kosten sparen. Zugegeben, so viel ist das nicht, aber die Masse der Geräte macht dann schon ein paar Kilowattstunden aus.

Ein Hauptschalter an Stelle des gewöhnlichen Lichtschalters neben der Tür

Mein Hauptschalter befindet sich im Kino neben der Tür, genau dort, wo man normalerweise einen Lichtschalter erwarten würde. Das war im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht die beste Idee, aber dazu später mehr. Einen Lichtschalter brauche ich nicht, da es keine klassische Deckenleuchte gibt und die Lichtsteuerung ohnehin über den Light-Manager läuft. Über dem Hauptschalter befindet sich noch die Steuerung für die Fußbodenheizung, wie in allen anderen Räumen.

Ein paar kleine Tücken hatte der Hauptschalter dann schon. Ich möchte ihn aber nicht mehr hergeben. Auf was Ihr im einzelnen achten solltet, darauf will ich im Folgenden näher eingehen.

Was läuft alles über den Hauptschalter?

Da ich während der Planung des Hauses noch keine Nerven für das Heimkino übrig hatte, habe ich nur die wichtigsten Grundlagen für den späteren Ausbau gelegt. Von der Tür, wo sich der Hauptschalter befindet, verläuft eine Leitung zu den zentralen Steckdosen an einer Wand. Die Steckdosen lassen sich teilweise mit dem Hauptschalter aktivieren, ein anderer Teil hat immer Strom.

Das ist meine Ausgangslage — wie das bei Euch im einzelnen aussieht, ist aber egal. Wichtig ist nur, dass der Hauptschalter irgendwo in die Zuleitung des Kinos eingesetzt wird und bei Bedarf noch eine Leitung mit „Dauerstrom“ drum herum geht.

Die Stromversorgung verteilt sich dann in diverse Steckdosen im Raum — einige abschaltbar, andere nicht. Die nicht abschaltbaren Steckdosen fand ich ganz wichtig, da es Geräte gibt, die man aus praktischen Gründen besser durchlaufen lässt. Dazu gehört zum Beispiel der Light-Manager, ohne den man das Licht nicht mehr einschalten kann.

Was für einen Schalter Ihr einsetzt, bleibt auch Euch überlassen. Ich fand es ganz praktisch, den normalen Lichtschalter an der Tür dafür zu verwenden. Richtig cool wäre aber natürlich so ein richtiger Schalter für große Maschinen im Nebenraum.

Sicherheitsmaßnahme: Nachlaufschalter

Nun haben wir also einen Kinoraum mit diversen Geräten, die wir alle mit einem Schalter stromlos machen können. Praktisch. Aber Moment — was passiert, wenn wir mitten im Betrieb einfach den Hauptschalter betätigen, obwohl noch alles läuft?

Klar, alles aus. Das war ja so gewollt, oder? Nicht ganz denn wenn Ihr einem Projektor einfach so den Saft abdreht, habt Ihr alsbald ein kostspieliges Problem. Eine Projektor-Lampe wird sehr heiß und muss deshalb ständig gekühlt werden. Auch nach dem Ausschalten ist sie noch heiß, weshalb der Lüfter noch 2 bis 3 Minuten nachläuft.

Während dieser Zeit darf der Projektor nicht vom Stromnetz getrennt werden, sonst riskiert Ihr eine Überhitzung der Lampe. Vor allem wenn mitten im Betrieb einfach der Strom ausfällt, lässt das Eure Lampe in wenigen Sekunden erheblich altern. Ungefähr so, wie Ihr als Heimkinobesitzer innerhalb weniger Sekunden extrem altert, wenn jemand eine Katze und fünf Hunde in Eurem Kino freilässt. Ja gut, alle Bemühungen zur Verlängerung der Lebensdauer Eurer Lampe könnt Ihr dann getrost vergessen.

Ein Schaltkasten mit eingebautem NachlaufschalterDie Lösung ist jedenfalls relativ simpel. Ein Nachlaufschalter, wie man ihn aus Badezimmer-Lüftungen kennt, verzögert das Abschalten des Stroms durch den Hauptschalter.

Einen Nachlaufschalter kann man so konfigurieren, dass er den Strom erst nach einer bestimmten Zeit nach Betätigen des Schalters einschaltet, und ihn nach dem Ausschalten erst nach einer bestimmten Zeit wieder abstellt.

Die Einschaltverzögerung stellt Ihr natürlich auf 0, denn Ihr wollt ja sofort Strom haben. Die Ausschaltverzögerung stellt Ihr auf mindestens 3 Minuten. Am besten stoppt Ihr mal, wie lange Euer Projektor nach dem Ausschalten noch nachlüftet. Dann noch eine Minute Puffer oben drauf und Ihr habt die perfekte Ausschaltverzögerung.

Nun könnt Ihr den Hauptschalter direkt nach dem Ausschalten des Projektors betätigen. Der Strom bleibt lange genug aktiv, damit der Projektor noch bis zur vollständigen Abkühlung den Lüfter laufen lassen kann.

Kontrollleuchte: Ist der Strom an?

Und schon komme ich zum nächsten Problem. Das habe ich aber wirklich der ungünstigen Platzierung meines Hauptschalters zu verdanken.

Gelegentlich bekomme ich Kino-Gäste, die schon oft genug da waren, um selbstständig ins Kino zu finden, aber noch nicht oft genug, um zu wissen, wie man das Licht einschaltet. Sie betreten den dunklen Raum und suchen den Lichtschalter … natürlich innen neben der Tür!

Da sie also nur den Hauptschalter betätigen, aber deshalb noch lange kein Licht an geht, drücken sie ihn vielleicht noch ein paar mal mehr oder auch nicht. Der ursprüngliche Zustand des Schalters ist bedeutungslos, weil der Nachlaufschalter den Strom in jedem Fall für mindestens 3 Minuten aufrecht erhält.

Hauptschalter am Eingang zum HeimkinoDas führt dazu, dass ich in Ruhe alle Geräte aktiviere — auch den Projektor — aber mit etwas Pech nach ein paar Minuten der Strom ausfällt. Und schon habe ich genau den Fall, den ich mit dem Nachlaufschalter eigentlich verhindern wollte.

Denn ich habe vielleicht gar nicht mitbekommen, dass meine Gäste den Schalter betätigt haben. Oder ich habe es mitbekommen, weiß aber gerade auch nicht so genau, in welcher Schalterstellung er eigentlich an ist. Wie sollte ich es auch prüfen? Der Nachlaufschalter verhindert jede direkte Rückmeldung!

Deshalb muss eine Kontrollleuchte her. Am besten in rot, die immer dann leuchtet, wenn der Schalter aus ist (auch wenn der Nachlaufschalter den Strom noch aufrecht erhält). So sieht man ziemlich schnell, ob der Schalter in der falschen Position steht.

Zum Glück gibt es von den meisten Schaltersystemen Kontrollleuchten als LEDs zum Nachrüsten. Von Jung gibt es zum Beispiel einen LED-Einsatz, der einfach in einen beliebigen Schalter eingeschoben wird. Dazu benötigt man noch eine neue Wippe mit Ausschnitt für die LED (das ist der Deckel). In der Standard-Ausführung leuchtet die LED bereits im ausgeschalteten Zustand des Schalters, wie wir es wollen. Diese zwei Bauteile nachzurüsten ist zwar relativ teuer (wenn man bedenkt, wie wenig man dafür bekommt), aber bezahlbar.

Wenn Ihr einen anderen Schalter verwenden wollt, solltet Ihr entsprechend auf das Vorhandensein einer Kontrollleuchte achten, oder darauf, dass die Schalterpositionen deutlich gekennzeichnet sind.


Auf diese Weise könnt Ihr Euch einen Hauptschalter mit zwei echt coolen Features in Euer Heimkino holen: der Nachlaufschalter, der das Überleben der Projektor-Lampe sichert, und die Kontrollleuchte, die im Grunde auch dazu beiträgt, aber obendrein noch schick aussieht.

Für die ganze Verdrahtung kann ich nur immer wieder sagen: Holt Euch einen zugelassenen Elektriker für alle Arbeiten am Strom! Wer mit Halbwissen selbst herum schraubt, riskiert sein Leben. Und ganz nebenbei reden sich Versicherungen im Schadensfall sehr gerne aus der Zahlungspflicht, wenn auch nur der leiseste Verdacht aufkommt, dass die Arbeit eines Laien den Brand ausgelöst haben könnte.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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