Serie Albernheiten im April (Teil 1 2 3)

Neuer HDMI-Standard erlaubt endlich Einfluss des Kabels auf die Bildqualität

Digitale Datenübertragung ist vielleicht die größte Errungenschaft unserer Zeit. Doch daran scheiden sich die Geister. Während Musikliebhaber zurück zu analogen Schallplatten wechseln, streiten sich Digital-Pioniere darüber, ob HDMI-Kabel Einfluss auf die Bildqualität haben können. Doch dieser Streit könnte bald beigelegt sein.

Ein HDMI-Kabel mit seeehr breitem Stecker.
Durchbruch in eine neue Ära? Das zwar nicht wirklich analoge, aber doch wesentlich analogere HDMI-Kabel.

Denn das HDMI-Konsortium ist im Begriff, eine Änderung des HDMI-Standards herbeizuführen, die diese Frage ein für allemal klärt. Um Kabelfetischisten endlich eine Argumentationsgrundlage zu geben, soll die digitale Datenübertragung etwas analoger werden. Unwissende Anfänger können dann mit ihren billigen Kabeln endlich einpacken.

Digital soll analoger werden

Die Grundidee digitaler Datenübertragung ist es, dass nur Einsen und Nullen hin und her geschickt werden. Strom an, Strom aus. Das sorgt für eine extreme Datensicherheit, da Schwankungen in der Signalqualität nicht weiter ins Gewicht fallen.

Nachteil der digitalen Technik: bei nur zwei möglichen Zuständen dauert es länger, alle Informationen zu übertragen. Wenn unser Alphabet nur 2 Buchstaben hätte, müssten zwangsläufig die Wörter länger werden, um das selbe Vokabular abzubilden. Um die gleichen Informationen in der selben Zeit zu übertragen, müssten wir schneller sprechen. Das ist aber nicht so einfach.

Die Idee der Experten ist daher, die Anzahl der Buchstaben wieder zu erhöhen. Statt nur 0 und 1 soll es nun auch 2, 3, 4 usw. geben. Bis zu 16 verschiedene Zustände sollen es für den Anfang sein – 32 oder 64 sind im Gespräch. Das ist der erste Schritt in die Richtung, digitale Daten ein Stück weit analoger zu machen.

Digilog oder Anatal?

Wie sich diese Mischung der digitalen und analogen Technik nennen soll, steht noch nicht endgültig fest. Klar ist nur, dass der eben beschriebene Wandel ein Wechsel von einem binären hin zu einem hexadezimalen System ist. Insofern ist weder digital noch analog zutreffend. In Gedenken an den lateinischen Ursprung von digital wäre „sedecimal“ passender.

Die hexadezimale Sicht auf Daten, wie sie in der IT seit Jahrzehnten üblich ist, vereinfacht sich damit drastisch. Künftig sind nicht mehr 4 Bits notwendig, um 16 verschiedene Zustände abzubilden, sondern nur noch eines. Die Wortlänge wird also geviertelt, was logischerweise viermal so schnelle Datenübertragungen zulässt. Bei 32 oder 64 verschiedenen Zuständen wäre der Zugewinn nochmals enorm.

Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind unglaublich! Schon hört man Rufe aus allen Ecken, dass nicht nur 8k-Auflösungen problemlos möglich sein werden, sondern auch 16k greifbar wird. Auch neue Soundformate, wie etwa das lange angekündigte Dolby Cosmos, das bisher wegen Schwierigkeiten im Signalweg nicht aus den Startlöchern kommen wollte, sind dann keine Herausforderung mehr.

Weniger Fehlertoleranz – für analogeren Klang

Das wird sich zwangsläufig auf die Fehlertoleranz von Datenübertragungen auswirken. Mehr Buchstaben zur Auswahl bedeutet wie gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, einzelne Buchstaben falsch zu verstehen. Konkret heißt das: Schwankungen in der Signalqualität künftiger HDMI-Verbindungen wird die Bedeutung der übertragenen Daten mit wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit verändern.

Damit kommen wir in eine Situation, die sich viele HiFi- und Heimkino-Enthusiasten seit Jahren wünschen: Die Qualität der Kabel wird zur Bildqualität beitragen. Ebenso wird die Klangqualität vom verwendeten Kabel beeinflusst werden.

Endlich sind die Zeiten vorbei, da sich Klangfanatiker haarsträubende Argumente aus den Fingern saugen mussten, um den Kauf sündhaft teurer Kabel zu rechtfertigen. In naher Zukunft werden wir mit Stolz sagen können:

Ich verlege meine Silberkabel auf frequenzneutralen Kabelbrücken und reibe sie mit Akustikpaste ein, während meine Klangkatze im Nebenraum einen Aluminiumhut trägt, um die Protonenfelder phasenrichtig zurückzuwerfen.

Bleibt zu hoffen, dass mit dieser Veränderung nur Gutes auf uns zukommt. Denn schon kommen Befürchtungen auf, dass etablierte Bestandteile der HDMI-Schnittstelle sich in die Klangqualität einmischen könnten – etwa der Kopierschutz. Dieser soll zwar separat übertragen werden – mit dem sogenannten „Bit of God“ – doch man weiß nie, welche Schwingungen da rüber wabern.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein. Was haltet Ihr von dieser bahnbrechenden Neuerung? Wird sich eine Mischung aus analoger und digitaler Technologie durchsetzen? Schreibt Eure Meinung in die Kommentare.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

Ein Gedanke zu „Neuer HDMI-Standard erlaubt endlich Einfluss des Kabels auf die Bildqualität

  1. Genial!!! Wieso ist da keiner früher drauf gekommen? 😀
    Gibts das auch in der Variante mit Buchstaben statt Zahlen? Dann könnte man den Digital-/Analogwandler ganz weg lassen! 😀

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