Warum HDMI die schlechteste Schnittstelle aller Zeiten ist

HDMI ist seit über 10 Jahren der Standard unter den Schnittstellen für Unterhaltungselektronik. Bild und Ton mit nur einem Kabel — das war doch mal ein Fortschritt. Blödsinn, sage ich! Hier kommt meine ganz persönliche Abrechnung mit dem vielleicht größten Fehler der Kabelgeschichte.

Zwei HDMI-Stecker

Bevor es HDMI gab, wurde der Ton via TOSLINK übertragen — also auch schon digital, aber per Lichtleiter. S/PDIF nennt sich die Signalart, die damit übertragen wird und genauso gut in einem herkömmlichen Cinch-Kabel fließen kann. Das Bild hingegen wurde bis zur Einführung von HDMI noch per SCART und damit im Idealfall als RGB-Signal übertragen. In manchen Fällen kamen S-Video oder Component-Video zum Einsatz.

HDMI – unsere Rettung!

Es war schon allerhöchste Eisenbahn, eine Möglichkeit zur digitalen Bildübertragung zu schaffen. Die FullHD-Auflösung, die mit der Blu-ray erstmals möglich war, passte nicht mehr zu den alten, analogen Signalen. Ein neuer Standard musste her, und was lag da näher, als den Ton gleich mit in das selbe Kabel zu pressen?

Tja, und dann kam jemand auf die Idee, das ganze in herkömmlichen Kabeln unterzubringen. Frei nach dem Motto: nur wenn Strom fließt, ist das ein richtiges Kabel. Dass diese Art der Übertragung bei Kabellängen ab 10 Metern zunehmend Probleme machte (und bis heute noch macht) schien niemanden zu interessieren. Wer verlegt schon mehr als 10 Meter Kabel in seinem Heimkino!? Im Prospekt stehen Beamer doch immer auf dem Tisch.

Und nun haben wir den Kabelsalat. Jeder Anfänger, der sich nichts dabei denkt, wundert sich, warum sein Beamer mehr Signalstörungen als Bild anzeigt. Dann geht es los: zwei kürzere Kabel kaufen und einen Repeater dazwischen hängen. Na danke.

Was wäre denn bitte so schlimm gewesen, die bereits verbreiteten Lichtleiter weiterhin zu verwenden? Okay, die heutigen Formate haben weit höhere Datenraten als es bei DTS-ES 6.1 anno 2001 der Fall war (die so ziemlich größte Datenmenge, die bisher per S/PDIF übertragen wurden). Aber mal ehrlich — in der heutigen Zeit kann mir keiner mehr erzählen, es wäre nicht möglich, auch aktuelle Datenraten optisch zu übertragen! Verlustfrei über lange Strecken!

Kompatibilität zu DVI

Ein Grund für den Rückschritt zum elektrischen Übertragungsweg war der Wunsch nach Abwärtskompatibilität. Geräte die über einen DVI-Anschluss verfügen, sollten auch mit den neuen HDMI-Kabeln klar kommen und umgekehrt.

Das ist ja nett gemeint, aber was hat es am Ende gebracht? Immer dann, wenn ein System versucht, kompatibel zu einem unterlegenen System zu sein, nimmt man damit Einbußen in Kauf. Das ältere System bremst das neue aus oder sorgt für Probleme, die sich nicht jedem sofort erschließen.

So bringt es zum Beispiel nichts, wenn ich meinen Blu-ray-Player per HDMI-zu-DVI-Adapterkabel an den alten PC-Monitor anschließen kann, wenn letzterer nicht mit dem HDCP-Kopierschutz umgehen kann. Ähnliche Späße werden wir in Zukunft erleben, wenn HDMI über USB-C Kabel übertragen werden kann. Sämtliche Schnittstellen werden immer mehr miteinander vermischt, weil man sich dann vielleicht einen zusätzlichen Anschluss oder Adapter spart. Am Ende haben wir 10 verschiedene Stecker, bei denen es eigentlich egal ist, welchen ich nehme, weil sowieso immer das selbe Signal fließt. Aber dann ist es doch wieder nicht egal, weil zwar die Stecker passen, aber das Kabel nicht leistungsfähig genug ist.

Von diesem Wunsch zur Kompatibilität mit DVI hat in erster Linie die PC-Welt profitiert. Der Wechsel von DVI zu HDMI ging fließend voran. Zurückstecken musste die Unterhaltungselektronik, weil — siehe oben — optische Übertragungswege nicht weiterentwickelt wurden. Und was hat die Kompatibilität nun langfristig gebracht? Nichts, denn am PC war HDMI auch nicht mehr gut genug und man hat stattdessen den Display Port eingeführt. Zurück bleiben die dummen Heimkino-Besitzer, die sich nun ärgern, dass sie für ihren neuen 4k-Player komplett andere HDMI-Kabel kaufen müssen.

Versions-Chaos

Denn das ist ja gleich das nächste Problem. Für HDMI wurden Versionen eingeführt, die unterschiedlich viel können. Dass es neue Features gibt und dafür die Hardware Unterstützung bieten muss, ist ja klar. Aber warum zum Teufel braucht man dann neue Kabel? Warum kann man ein Kabel nicht einfach von Anfang an so konzipieren, dass es auch für zukünftige Erweiterungen vorgesehen ist? Geschäfte mit der Kabelindustrie?

Dabei wurde der Irrsinn ja schon erkannt und heimlich zurück gerudert. Mittlerweile ist es untersagt, die Versionsnummer auf die Kabel aufzudrucken. Ich hab zwar nicht verstanden, was das jetzt bringen soll, aber das macht es bestimmt gleich sooo viel besser.

Ein ähnliches Problem gab es ja auch mit Scart. Hier waren bei billigen Kabeln und Adaptern nicht alle Pins belegt, was dazu führte, dass man nur das schlechtere Composite-Signal übertragen konnte. Die erheblich bessere RGB-Übertragung, die spätestens mit der DVD gute Unterstützung fand, war nur mit besseren Kabeln möglich, die voll belegt waren. Da wurde offenbar nichts aus der Vergangenheit gelernt.

Das wäre mit Lichtleitern nicht passiert. Hier geht alles durch einen Schlauch. So müsste bei neuen Inhalten, wie etwa 4k und HDR, nur ein anderes Signal gesendet und am Ende verstanden werden. Dass die Signale inkompatibel sind, davor schützt ja auch das HDMI-Kabel nicht. Wohl aber der Handshake.

Der sagenhafte HDMI-Handshake

Der HDMI-Handshake schien zunächst mal eine gute Idee zu sein. Geräte sagen sich untereinander „Grüß Gott“ und smalltalken noch ein wenig, was sie so alles können. So kann sich ein Gerät auf die Fähigkeiten des anderen einstellen.

Nur leider ist das eher ein Nachteil, als ein Gewinn. Hängen nämlich Geräte mit unterschiedlichen Fähigkeiten am Ende der Kette, richten sich alle anderen Geräte nach dem technisch schwächsten Teilnehmer. Verbindet man zum Beispiel einen UltraHD-Fernseher und einen FullHD-Beamer mit dem AV-Receiver und spielt vorne eine UHD-BD ab, gibt der Player bereits nur FullHD aus. Die beiden Ausgabegeräte haben ihre maximale Auflösung gemeldet und die kleinere davon gewinnt.

Dummerweise passiert das nicht nur bei der Verwendung von „dummen“ Kleingeräten wie einem Splitter. Auch wenn der AV-Receiver, der an sich deutlich mehr Leistung zur Verfügung hätte, über zwei HDMI-Ausgänge verfügt, geben diese beide nur das selbe, schlechtere Signal aus.

Das ist besonders ärgerlich, wenn Features wie 3D beschnitten werden. So lange ein nicht 3D-fähiges Gerät in der Kette eingeschaltet ist, ist die gesamte Kette nicht 3D-fähig. Viele Blu-rays verweigern dann, abgespielt zu werden. Abhilfe schafft mit etwas Glück nur ein HDMI EDID Manager.

Was spricht dagegen, dass ein leistungsfähiges Gerät in der Mitte die besseren Signale „entschärfen“ muss. Warum nicht bei 3D das zweite Bild ignorieren? Warum nicht die UHD-Auflösung zu FullHD herunterrechnen?

Ja, ich weiß, das ist nicht Aufgabe eines funktionsfremden Geräts. Aber verdammt nochmal, bei Audio-Signalen wird das auch gemacht! Wenn ich nur 2 Lautsprecher an den AV-Receiver anschließe, rechnet der auch 7.1-Signale auf Stereo runter! Warum nicht 2160p auf 1080p runter rechnen?

Ethernet – wir betreten Neuland

Aber was rege ich mich auf. Es gibt auch tolle Dinge an HDMI. Zum Beispiel Ethernet over HDMI. Schonmal davon gehört?

Die Idee dahinter ist, dass zum Beispiel der AV-Receiver per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden wird. So kann er auf Medien im Netzwerk oder dem Internet zugreifen und sich Updates herunterladen. Will man nun auch den Blu-ray-Player, Fernseher, Beamer und die Spielekonsole per RJ45 oder WLAN ans heimische Netz und die Welt anbinden, braucht man weitere Netzwerkkabel und ggf. einen kleinen Switch vor Ort.

Mit Ethernet over HDMI ist das überflüssig. Der AV-Receiver teilt seine Netzwerkverbindung einfach mit allen anderen per HDMI angeschlossen Geräten. Toll, oder?

Zu blöd, dass so gut wie kein Gerät diese Funktion unterstützt.

CEC und ARC

Nein, jetzt mal ernsthaft. Es gibt wirklich tolle Features an HDMI. HDMI-CEC zum Beispiel, die Möglichkeit, andere Geräte über das HDMI-Kabel zu steuern. Früher war dafür ein separates Klinke-Kabel nötig. Das funktionierte aber auch nur zwischen Geräten des selben Herstellers verlässlich.

Heute kann ich den TV, die Spielekonsole und den Player über die Fernbedienung vom AV-Receiver steuern und teilweise auch umgekehrt. Optional schaltet sich der TV automatisch mit ein, wenn ich eine Blu-ray einlege. All das in einem schon ganz brauchbaren Umfang — keine Spezialfunktionen wie etwa Sony’s PS-Taste, aber doch zumindest die häufigsten Befehle. Das ist echt mal eine Erleichterung und noch dazu Geräte übergreifend möglich.

Auch ARC, der Audio Return Channel, ist eine praktische Sache. Nur ein Kabel zwischen AV-Receiver und TV, und man überträgt sowohl das Bild diverser Quellen vom AV-Receiver zum TV, als auch den Ton vom TV zur besseren Wiedergabe an den AV-Receiver. Dank CEC wird auch der Lautstärkeregler synchronisiert. Das ist schon echt gut. So lange man keine speziellen Anforderungen hat, erleichtert es die Steuerung im Alltagsgebrauch erheblich.

Aber HDMI macht alles einfacher!

Zur Verteidigung wird oft angeführt, dass HDMI ja viel leichter zu verstehen ist. Nur noch ein Kabel für Bild und Ton! Ja, das stimmt schon. Dennoch ist das Kabelgewirr hinter meinen Geräten größer als je zuvor.

Nichts ist einfacher geworden. Eine der häufigsten Frage zu HDMI in verschiedenen Communities ist, wie man ARC zum Laufen bekommt. Das ist also offensichtlich nicht selbsterklärend. Vielleicht erscheint es vielen Nutzern einfach nicht logisch, dass ein Kabel in zwei Richtungen überträgt?

Auch eine schöne Rechtfertigung für HDMI: Lichtleiterkabel gehen ganz leicht kaputt, wenn man sie knickt. Echt jetzt? Kabel knickt man generell nicht, egal was es für welche sind! Wer Kabel knickt kommt in die Kabelhölle.

HDMI-SteckerNein, die Einfachheit ist kein Vorteil von HDMI. Das wäre mit Lichtleitern genauso möglich gewesen. Und wenn wirklich die Übertragungsraten so extrem limitiert sein sollten, hätte sich wohl auch niemand beschwert, wenn Bild und Ton weiterhin über zwei Kabel gelaufen wären. Das hat nämlich wirklich Vorteile, wie etwa die Mischung verschiedener Bild- und Tonquellen (aktuelle AV-Receiver können nur Bild und Ton einer HDMI- und einer herkömmlichen Quelle mischen; zwei HDMI-Quellen geht nicht, weil die HDMI-Boards auf die Verarbeitung eines einzigen Signals ausgelegt sind).

An erster Stelle der häufigsten Fragen steht übrigens, welches HDMI-Kabel man bedenkenlos kaufen kann. Bei einer digitalen (!) Verbindung ist das schon ein Armutszeugnis, finde ich.


Bei all dem Gejammer darf man aber nicht vergessen, dass es am Ende dann ja doch irgendwie funktioniert. Zwar will HDMI doch ein bisschen zu intelligent sein und schränkt uns damit manchmal unschön ein, aber grundsätzlich läuft die Übertragung (kurze Wege vorausgesetzt).

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich in diesem kurzen Text alleine 4 Produkte rund um HDMI-Verbindungen verlinkt habe. Das ist nur die Splitze des Eisbergs. Alle diese Produkte müssen nur deshalb hergestellt und gekauft werden, weil HDMI von vorneherein schlecht durchdacht ist.

Ich genieße trotzdem immer wieder das leise Klicken, wenn ich eine TOSLINK-Verbindung einstecke, und freue mich über den rot leuchtenden Punkt am Ende der Leitung. Was kaum zu glauben ist, wird hier greifbar: man kann die Daten förmlich sehen. Aber vermutlich werden wir darüber bald reden wie über Tonbänder und Kassetten.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

4 Gedanken zu „Warum HDMI die schlechteste Schnittstelle aller Zeiten ist

  1. Hi Bernd ! Ich will zuerst vorneweg sagen das ich jetzt kein Kabel Voodoo hier betreiben möchte ich rede aus eigener Erfahrung !! Ich habe einen Beamer eigentlich alles um mein Heimkino fertig zu stellen, leider habe ich im Moment noch nicht meinen eigenen Raum dafür dieser wird aber noch kommen 🙂 Da ich in erster Linie auf Qualität achte habe ich mir ein Oehlbach HDMI Kabel aus der XXL Serie geholt das Made in Blue und ich kann sagen einfach Mega Top und mehr als zufrieden !! Der Ton wird mit übertragen. Da ich mein Hifi Rack hinten stehen habe brauch ich nur max. 2 Meter Länge da ich von dort aus alles so verlegen kann das es passt, ausser die Lautsprecher Kabel die von hinten nach vorne gehen. Somit ist dies die beste Lösung 🙂 Wie schon beschrieben das Oehlbach HDMI Kabel kann ich nur wärmstens empfehlen mittlerweile bekommt man nur noch das XXL Series Made in White. Beide Kabel sind 1080p Full HD und 3D fähig funktioniert tadellos einwandfrei !

    Somit kann ich mir eigentlich ein Toslink Kabel sparen denn das HDMI überträgt ja Bild und Ton.

    LG Oliver

    1. Hi Oliver,

      wenn Dir die sündhaft teuren Oehlbach-Kabel aus Gründen der Optik oder Verarbeitung besser gefallen, ist das doch völlig in Ordnung. Jede weitere Diskussion wäre tatsächlich Quatsch, denn auf kurzen Strecken geht mit Bits und Bytes nichts schief.

      Es ging mir hier auch mehr um das Drumherum von HDMI. Die Kabel sind letztendlich noch das kleinste Übel.

  2. Habe den Tux-Server und AV-Receiver im Keller, Lautsprecher und beamer im Wohnzimmer.
    Das war schon ein rechtes Gewürge, den HDMI-Stecker vom Tux durch das 50er Leerrohr zum beamer zu bekommen und 8m sind’s auch. Warum nicht auch Video zukünftig über Glasfaser? Da gibt es keine Störeinflüsse. Ach so, der AV-Receiver bekommt seinen Ton natürlich per TOS-Link vom Tux und das „A“ vom AV, na ja war halt dabei. 😉

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