Heimkino-Automatisierung mit dem Yamaha RX-V775

In den letzten Wochen war es hier verdächtig ruhig. Das lag unter anderem daran, dass ich gezwungen war, einen neuen AV-Receiver anzuschaffen. Der alte hat den Geist aufgegeben. Kommt vor.

Der neue Yamaha RX-V775 ist spürbar einige Entwicklungsstufen weiter. Es liegen ja auch gut 10 Jahre Entwicklung dazwischen. Damals war an HDMI noch nicht zu denken – jetzt ist das die Hauptsignalquelle für jeden Receiver. Analoge Eingänge und optische und koaxiale Digitalverbindungen sind zwar noch vorhanden, dienen aber fast nur noch zur Sicherung der Kompatibilität mit älteren Geräten.

Yamaha RX-V775 Ansicht von rechts unten

Der AV-Receiver ist sowas wie das Gehirn eines Heimkinos. Alles läuft hier zusammen – inzwischen auch das Bild, nicht nur der Ton. Mit einem Wechsel des Receivers ändern sich einige eingespielte Dinge im Kino. Besonders die Steuerung wird komplett umgekrempelt: Die Universalfernbedienung muss zu großen Teilen neu programmiert werden. Das Gerät verhält sich beim Umschalten zwischen den Quellen anders oder führt neue Bedienkonzepte ein, die erlernt (und automatisiert) werden müssen.

In diesem Beitrag gehe ich darauf ein, welche Verhaltensweisen und Einstellungsmöglichkeiten ich bei einem Heimkino-Receiver wichtig finde und was deren Fehlen gegebenenfalls für Auswirkungen hat. Auch wenn ich mich nur auf diesen Yamaha-Receiver beziehe, dürften die Problemstellungen doch auf fast jedes Heimkino übertragbar sein. Die Unterschiede zwischen dem RX-V775 und meinem alten RX-V670RDS sind teilweise gravierend. Einige lang ersehnte Funktionen sind endlich mit drin, anderes hätte ruhig etwas besser anpassbar ausfallen dürfen.

Dieser Beitrag darf also gleich als Bewertung des Yamaha RX-V775 in Sachen Einstellungsmöglichkeiten gesehen werden. Die Qualität in Klang und Verarbeitung bewerte ich nicht, denn hier erreicht das gute Stück die volle Punktzahl. In dieser Preisklasse findet man meiner Meinung nach so schnell nichts besseres.

Lautstärke pro Eingang wählbar

Wer vor dem Film Pausenmusik wiedergeben will, ist damit konfrontiert, wie die Lautstärke zwischen Musik und Film eingestellt wird. Die Musik soll recht leise sein, der Film dagegen ordentlich laut. Erschwerend kommt hinzu, dass Filme größere Unterschiede in der Lautstärke vorweisen und daher im Durchschnitt leiser abgemischt sind, als Musik. Es muss also ein weg gefunden werden, den Eingang für Musik deutlich herunter zu regeln.

Yamaha RX-V775 Ansicht von linksDer Yamaha bietet hier eine Signalkorrektur von -6 bis +6 dB. Das reicht bei Weitem nicht aus, selbst wenn man den Filmeingang voll nach oben und Musik voll nach unten korrigiert. Alternativ wäre es doch nicht so schwer gewesen, dem Receiver beizubringen, sich die Lautstärke-Einstellung für jeden Eingang separat zu merken.

So muss ich dummerweise weiter auf die Möglichkeit meines in die Jahre gekommenen CD-Players bauen, das Ausgangssignal stark zu verringern (Lautstärke-Regelung am Player). Mit neuen Quellen ist das nicht so einfach, außer man nimmt sie schon leise auf.

Freie Konfiguration von Audio- und Video-Eingängen

Das Videosignal von HDMI lässt sich durch den Verstärker durchschleifen. Das hat zum einen den Zweck, dass der Verstärker das Audio-Signal daraus extrahieren und wiedergeben kann. Weiterhin kann er so seine eigenen Menüs über das Bild legen und andere Dinge manipulieren.

Da ich nun Musik hören will, während ich den Film einrichte (Blu-ray Menü, Einstellungen), sollte ich die Möglichkeit haben, das Bild vom HDMI-Eingang zu zeigen und gleichzeitig den CD-Player als Audio-Quelle zu verwenden. Genau in dieser Konfiguration ist das mit dem Yamaha nicht möglich. Es gibt einerseits die Möglichkeit, dem Tuner als Audioquelle eine beliebige Videoquelle zuzuweisen. Andererseits kann man für jede Videoquelle einen beliebigen Audioeingang wählen. Klingt erstmal so, als würde das genügen. Die Zuweisung erfolgt aber umständlich im Menü, wird also fest hinterlegt. Ich müsste den Blu-ray Player zweimal per HDMI anschließen, um im Receiver einmal den Filmton und einmal die CD als Audioquelle dafür konfigurieren zu können.

Eine brauchbare Lösung habe ich dafür noch nicht. Es bliebe nur die Variante, den Player weiterhin direkt am Projektor anzuschließen und das Audio-Signal separat per optischem Kabel zu übertragen. Um Signale durchzuschleifen und die Menüs des Receivers darzustellen hat der Projektor zum Glück einen zweiten HDMI-Eingang. Leider lässt sich über das optische Kabel aber keines der neueren HD-Tonformate übertragen, was ein großer Verlust ist.

Decoder / Klangprozessor pro Eingang speicherbar

Gelegentlich muss der Ton noch decodiert werden, zum Beispiel wenn Stereo als Dolby ProLogic codiert ist. Ähnliches gilt, wenn Signale hochgerechnet werden sollen, wie etwa 7-Kanal-Stereo.

Beim Yamaha kommen außerdem die vielfältigen Klangprozessoren hinzu (Cinema DSP), die die Akustik von großen Kino- und Konzertsälen simulieren. Bei Mehrkanalquellen schalte ich das grundsätzlich ab, weil ich lieber pur höre. Bei alten Filmen, bei denen an 5.1 Sound noch nicht zu denken war, macht sich ein DSP-Programm aber nicht schlecht, um den Ton noch ein wenig zu „pimpen“.

Beide Einstellungen müssen pro Eingang einstellbar sein und gespeichert werden. Schließlich will man nicht jedes Mal nach der Eingangswahl noch dessen Verarbeitung wählen müssen. Das macht Yamaha vortrefflich. Alles bleibt so erhalten, wie es zuletzt eingestellt war.

Zusätzlich bietet Yamaha bei seinen Receivern sogenannte Szenen an (vier Stück in diesem Fall), die Eingang, Decoder und Prozessor gemeinsam speichern. Ein nettes Feature. Im Grunde ist es eine Art „Reset“ der Einstellungen, wenn man mal was verstellt hat. Wäre es zu viel verlangt gewesen, hier auch noch die Lautstärke mit zu speichern?

Dauerhafte Aktivierung der 6.1/7.1 Erweiterung (EX/ES)

Mein alter Receiver war aus einer Generation um 2001, als Dolby und DTS gerade mit ihrer EX- bzw. ES-Variante auf den Markt drängten – also vom Beginn des 6.1-Sounds. Da es damals aber fast nur 5.1-Quellen gab (was 12 Jahre später komischerweise nur ein klein wenig besser ist) blieb der hintere Center meistens still. Um das zu verbessern, konnte der hintere Center dynamisch aus den beiden hinteren Kanälen berechnet werden. In etwa so, wie das beim vorderen Center bei Dolby Surround gemacht wird. Bei seitlicher Sitzposition ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Yamaha RX-V775 Ansicht von schräg obenLeider musste man diese Berechnung nach jedem Start des alten Receivers neu aktivieren. Erschwerend kam hinzu, dass das nur möglich war, während eine 5.1-Quelle wiedergegeben wurde. Das konnte ganz schön nerven. Vor jedem Film musste man die Taste dafür zweimal drücken und dazu kurz den Film (mit Ton) anlaufen lassen. Unvorteilhaft, wenn Gäste anwesend sind.

Beim RX-V775 ist die Erweiterung auf EX/ES endlich eine globale Einstellung, die man einmalig vornimmt. Ab sofort werden alle 5.1-Quellen standardmäßig auf 6.1 (oder 7.1) erweitert, wenn sie selbst keinen solchen Kanal mitbringen. Perfekt gelöst.

Ausgabe-Auflösung bei Quellen ohne Video wählbar

Normalerweise sehe ich Filme in FullHD (1080p), also die derzeit gängige höchste Auflösung. So lange keine Videoquelle aktiv ist, zeigt der Receiver ein Hintergrundbild an oder man ist in seinen Menüs unterwegs. Dabei liefert er eine Auflösung von 576p. Das reicht zwar für die Menüs aus, ist qualitativ aber nicht mehr zeitgemäß.

Ungünstig ist aber vor allem, das ein Wechsel der Auflösung erfolgen muss, sobald ich eine andere Quelle wähle. Das quittiert der Projektor dann mit einem Bildausfall, weil er „umdenken“ muss. Somit sieht man erstmal ein paar Sekunden lang gar nichts, höchstens Geflacker.

Am Receiver sollte man jede gängige Auflösung wählen können, mit der das neutrale Hintergrundbild angezeigt wird, um diesen Wechsel zu verhindern. Hier kann der Yamaha leider nicht punkten. Das wäre ein Grund mehr, den Blu-ray Player direkt am Projektor anzuschließen.

Wiedergabe von USB-/Netzwerkquellen ohne Bildschirm-Menü

Um Musik von einem USB-Stick als Pausenmusik zu verwenden, sollte es möglichst einfach und ohne hinzusehen möglich sein, irgend einen Titel wiederzugeben, ohne dafür in einem Bildschirmmenü zu blättern. Schließlich muss der Start der Musik in ein Makro der Universalfernbedienung passen. Das gleiche gilt für Netzwerkquellen.

Zumindest bei USB scheint der Yamaha das zu ermöglichen. Damit kommt es auch in Frage, Pausenmusik vom USB-Stick wiederzugeben. Bei Netzwerkquellen ist das so eine Sache. Hier ist mit Wartezeiten zu rechnen, die ein gewisses Feedback benötigen. Die Ausgabe am Bildschirm ist dabei fast unerlässlich.

Im Übrigen unterstützt der RX-V775 auch AirPlay. Damit kann Musik von iTunes irgendwo im Netzwerk an den Receiver gestreamt werden. Die Steuerung ist aber nur über iTunes möglich. Sobald man zwischendurch eine andere Quelle einstellt, bricht iTunes die Übertragung ab.

Abschalten der Bildschirmausgabe

Beim Umschalten von Quellen, Decodern und DSP-Programmen sowie beim Regeln der Lautstärke und anderen kleinen Einstellungen blendet der Receiver standardmäßig kleine Infofenster auf dem Bildschirm ein. Während einer Filmvorführung ist das natürlich höchst unerwünscht. Schließlich soll nicht jeder Zuschauer über jede minimale Lautstärkeanpassung informiert werden. Beim RX-V775 lässt sich diese Ausgabe in den Einstellungen dauerhaft abschalten. Sehr gut, denn das ist unbedingt erforderlich.

Große Auswahl an neutralen Hintergrundbildern

Wenn keine Videoquelle ausgewählt ist, zeigt der Receiver ein Hintergrundbild an. Bei normaler Verkabelung kommt man nicht umhin, dieses Bild zu sehen, so lange die Pausenmusik läuft. Durch die niedrige Ausgabeauflösung des Geräts ist die Qualität des Bilds nicht die beste. Es gibt drei Bilder zur Auswahl, die allesamt nicht das gelbe vom Ei sind. Alternativ kann man einfach einen neutralen grauen Hintergrund auswählen.

Das Grau ist die einzige Möglichkeit, nichts zu sehen. Aber auch wenn der Raum beleuchtet ist, wirft das immer noch ein unnatürliches Licht auf die Leinwand – eine Beleuchtung, die man so nicht erwartet. Spätestens, wenn auf den HDMI-Eingang gewechselt wird, erkennt man, dass das Bild davor nicht wirklich dunkel war. An einem Fernseher sieht man es natürlich sofort.

Wäre es denn so schwer gewesen, hier auch noch schwarz als Hintergrundfarbe wählbar zu machen? Ich finde es einfach nur schade, wenn man sich wegen solchen Kleinigkeiten irgend einen umständlichen Weg für eine saubere Filmvorführung ausdenken muss. Da man ja auch USB Laufwerke anschließen kann, wäre es doch auch ein Leichtes gewesen, den Benutzer ein eigenes Hintergrundbild auswählen zu lassen.


Alles in allem ist der Yamaha RX-V775 ein solider Receiver, dessen wesentliche Funktionen überzeugen können. Insbesondere der Klang muss sich in dieser Preisklasse nicht verstecken. Darauf kommt es ja schließlich an.

Nur in den kleinen, feinen Details, auf die man erst stößt, wenn man versucht, ein vorzeigbares Kinoprogramm zu gestalten, zeigt er versteckte Schwächen auf. Einige fehlende Einstellmöglichkeiten lassen einen ziemlich alt aussehen, wenn man das Gerät wie vorgesehen nutzt. Ich würde das für mich gerne lösen, indem ich den Blu-ray Player wieder direkt am Projektor anschließe. Das würde aber eine optische Übertragung der Audio-Signale erfordern, was — wie oben beschrieben — keine HD-Tonformate zulässt. Von daher werde ich mit diesen Schwächen wohl leben müssen.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

2 Gedanken zu „Heimkino-Automatisierung mit dem Yamaha RX-V775

  1. Hallo

    und vielen Dank für die vielen tollen Berichte und Beiträge.

    Ich bin im Besitz des Yamaha RX-V773(also dem Vorgänger) und habe für die Sache mit dem Hintergrund-Bild eine Lösung gefunden. Dieses ist nicht optimal, aber erträglich. Mein Vorteil ist, dass ich mein (noch) Wohnzimmerheimkino auch für Videospiele benutze und eine Playstation 3 stehen habe.

    Nun ist es so, dass ich Musik über den Netzwerkdienst, also meinen NAS höre. In den Einstellungen ist es möglich festzulegen, dass das Bild der PS3 ausgegeben wird und parallel dazu der Ton vom Netzwerkdienst, sprich: NAS.

    Das ist möglich, indem man im OnScreen-Menü auf die Soundprogramme wechselt. Bei den meisten Soundprogrammen kann man dann PfeilNachOben-Drücken und weiterführende Einstellungen zu dem Soudprogramm auswählen, unter anderem auch den Bild und Ton Eingang.

    Somit habe ich dann in der Regel bei Musik im Hintergrund eine Bilderplaylist der Playstation 3 laufen, mit Stimmungsvollen Bildern. So könnte man also auch ein reines Schwarzes-Hintergrund-Bild simulieren. Ich persönlich finde aber die wechselnden Bilder in zufälliger reihenfolge sehr schön und habe damit meine Lösung gefunden.

    Vielleicht hilft das ja weiter 🙂

    1. Danke für die Rückmeldung dazu! Ich hätte nicht gedacht, dass gerade zu dem Thema mal jemand was schreiben würde. 😀

      Die Lösung ist tatsächlich gar nicht mal so schlecht. Leider sind die Kombinationsmöglichkeiten von Video- und Audio-Quellen sehr beschränkt. Im Großen und Ganzen kann man nur entweder analoge Audio-Quellen mit HDMI-Videoquellen oder alternativ HDMI-Videoquellen mit analogen Audioquellen mischen. Zwei HDMI-Quellen, von einer das Bilder, von der anderen den Ton, geht nicht.

      Ich nutze genau diese Vorgehensweise seit einiger Zeit, um Pausenmusik über einen analogen Eingang vom Raspberry Pi 2 (Kodi) wiederzugeben, während ich gleichzeitig den Blu-ray-Player sehe, um den Film zu laden. Wenn der Film dann startet, wechsle ich gar nicht mehr den Eingang, sondern nur noch die Audio-Quelle. Möglich macht das aber erst meine selbst entwickelte App, die die notwendige Einstellung auf einen einzelnen Tastendruck (bzw. in ein Makro) verlegt. Damit wäre der Punkt „Freie Konfiguration von Audio- und Video-Eingängen“ von oben zumindest für mich erledigt.

      Das schwarze Bild ist für mich auch überflüssig geworden, da ich am Projektor eine versteckte Funktion entdeckt habe, um das Bild schwarz zu schalten („Video Mute“). Das löst so manches Problem sehr effizient. Eine kleine Diashow ist natürlich auch elegant, wenn das ins Konzept des Heimkinos passt. Bei mir bringt das nichts, weil ich die Leinwand direkt anleuchte, um mehr Helligkeit durch Reflexion im Raum zu haben.

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