Heimkino-Burnout: Wie man mentalen Verschleiß verlangsamt

Ein Heimkino nutzt sich mit der Zeit ab. Wie bei einem Auto gibt es Verschleißteile, von der Projektor-Lampe bis hin zu den Batterien der 3D-Brillen. Andere Teile können auch nach Jahrzehnten noch ihren Dienst tun, zum Beispiel die Lautsprecher. Die Raumausstattung nutzt sich ab oder altert sichtbar, etwa Sitzbezüge oder der Teppich.

Filme – dafür werden Kinos gemacht

Heute soll es aber um eine ganz andere Art der Abnutzung gehen, die ich „mentalen Verschleiß“ nenne. Mentaler Verschleiß führt früher oder später zu „Heimkino-Burnout“. Gemeint ist die Tatsache, dass ein Heimkino nichts besonderes mehr ist, wenn man es allzu oft nutzt. Dieser Effekt stellt sich zwangsläufig irgendwann ein. Wie er etwas später auftritt und wie man sein Heimkino möglichst sinnvoll nutzt, darum soll es hier gehen.

Mentaler Verschleiß vs. Häufigkeit der Nutzung

Der mentale Verschleiß des eigenen Heimkinos, also die „Abnutzung im Geiste des Besitzers“, erhöht sich ähnlich der Lampenlaufzeit eines Projektors. Je mehr Filme man pro Tag oder Woche anschaut, desto mehr Stunden sammeln sich auf der Lampe an — und desto mehr Stunden werden von dem Konto abgebucht, das unser Kino zu etwas besonderem macht. Hat man eine gewisse Anzahl Filme gesehen, erreicht die Lampe ihre maximale Lebensdauer. Das Heimkino ist dagegen irgendwann nicht mehr als ein gewöhnlicher Zeitvertreib.

Anders als die Projektorlampe, die man beim Durchbrennen einfach ersetzen kann, lässt sich der mentale Verschleiß nicht einfach durch ein Ersatzteil auf Null zurück setzen. Wie man aber beim Projektor die Lebenszeit der Lampe verlängern kann, lässt sich auch das Heimkino-Burnout verzögern. Während die Stunden der Projektorlampe aber bestenfalls langsamer ansteigen können, lässt sich der Füllstand des mentalen Verschleißes bewusst reduzieren — etwa durch eine längere Abstinenz.

Es gilt also Maßnahmen zu ergreifen, um das eigene Heimkino möglichst lange als das besondere Erlebnis zu erhalten, das es ganz am Anfang nach seiner Fertigstellung ist.

Lebenszeit und Gegenwert

Bei der Beurteilung von Filmen hört man gelegentlich, ein Film sei die 2 Stunden Lebenszeit nicht wert. Ich mag den Gedanken nicht, Filme in Lebenszeit aufzuwiegen, denn dann müsste ich so konsequent sein, das Hobby ganz an den Nagel zu hängen.

Bei einer Diskussion kam kürzlich die Frage auf, womit man Filme (etwa als Digital Copy oder per Streaming) am besten auf Geschäftsreisen im Hotel ansehen kann. Als Film-Fan habe ich mir diese Frage auch schon gestellt, aber als Heimkino-Besitzer widerstrebt es mir zutiefst, mir einen Film auf einem Tablet oder Hotel-Fernseher anzuschauen.

Da kommt dann der Gedanke von Lebenszeit und Gegenwert doch wieder durch. Ich „opfere“ 2 Stunden für einen Film, also will ich den so gut wie möglich sehen. Wenn ich zwar Zeit hätte, einen Film zu sehen, aber gerade keinen Zugriff auf mein Kino, dann verbringe ich die Zeit lieber anders. Und das gilt nicht nur für laute Actionfilme, bei denen die Anlage richtig gefordert wird. Auch sprachlastige Filme kommen ja im Heimkino deutlich besser rüber.

Wenn schon Filme ansehen, dann richtig. Ich opfere aber nicht nur Lebenszeit für einen Film, sondern nehme auch den mentalen Verschleiß meines Heimkinos dafür in Kauf.

Filme – dafür werden Kinos gemacht

Mit dieser kleinen Abwandlung eines allseits bekannten Werbespruchs ist eigentlich alles gesagt. Der erste und zugleich wichtigste Schritt, Heimkino-Burnout zu vermeiden, ist es, die Kino-Nutzung auf die wirklich lohnenden Dinge zu beschränken.

Das sind zunächst einmal Filme, und zwar solche, die auch für das Kino gedreht wurden. Und auch wenn ich weiß, dass es viele Fans da draußen gibt: der „Tatort“ gehört meiner Meinung nach nicht dazu. Fernsehfilme erweisen sich allgemein nur sehr selten als würdig.

Serien sind der Renner seit einigen Jahren und kaum noch aus der Medienwelt wegzudenken. Es gibt ein paar wenige, die gut genug gemacht sind, um im Heimkino gezeigt zu werden. Aber meistens ist das doch eher was für das normale Wohnzimmer.

Spiele sind so eine Sache, schon alleine wegen der teilweise sehr langen Spielzeit. Bei manchen Spielen lohnt es sich wirklich, sie auf die Leinwand zu bringen, weil Grafik, Atmosphäre und Gameplay einfach dafür gemacht sind. Sehr viele Titel sind dann aber am PC-Monitor doch besser aufgehoben.

Zudem setzt bei Spielen ein Effekt ein, der in der nächsten Kategorie, nämlich Musik, noch stärker ausgeprägt ist: der Hintergedanke, mit dem man „ins Kino geht“ ist schon ein ganz anderer. Dadurch nutzt sich das Kinoerlebnis meiner Erfahrung nach von vorneherein nicht so schnell ab.

Bei Musik kann man grob zwischen reinen Audio-Aufnahmen in Stereo oder Mehrkanalton sowie Konzerten oder Musikfilmen unterscheiden. Da Heimkino-Equipment meist schon etwas hochwertiger ist, wäre es Unfug, das nicht auch für Musik zu nutzen.

So bleibt zuletzt noch klassisches Fernsehen übrig — und das ist aus meiner Sicht im Heimkino überhaupt nicht drin. Nicht für eine Minute würde ich mein Heimkino mit diesem geistigen Dünnpfiff quälen, der heute gesendet wird. Das Kino-Erlebnis leidet eindeutig zu stark darunter.

Letzteres gilt auch für Kinofilme, die über herkömmliches TV ausgestrahlt werden. Im Fernsehen werden Filme gekürzt, klangtechnisch beschnitten und mit Werbung und Senderlogo verseucht. Das ist es nicht wert, sein Heimkino damit zu „verbrauchen“.

Es gilt also zu überlegen, welche Arten von Medien den mentalen Verschleiß des Heimkinos wert sind. Hierfür die richtigen persönlichen Prinzipien zu finden, ist der wichtigste Schritt, um dem drohenden Heimkino-Burnout entgegen zu wirken.

Man ist nie fertig

So heißt es immer, wenn schon nach Fertigstellung des Heimkinos das nächste Update geplant wird. Gäbe es keinen mentalen Verschleiß, so wären wir bis in alle Ewigkeit mit Version 1.0 unseres Heimkinos zufrieden. Auch nach Jahren wäre jede Vorstellung noch so toll wie die erste.

Drohendes Heimkino-Burnout treibt uns an, weiter zu machen, etwas besseres zu schaffen, alles zu optimieren. Veränderungen sind also ein weiterer wichtiger Faktor, das Heimkino immer wieder neu zu erleben.

Das ist eine Art Wechselwirkung: Wir brauchen den mentalen Verschleiß, um voran zu kommen, und gleichzeitig bringt jede Veränderung frischen Wind in die an Reiz verlierenden Kinovorstellungen.

Diese Überlegung hat mich zu dem Schluss gebracht, dass drohendes Heimkino-Burnout nicht gänzlich schlecht ist. Problematisch ist es nur, wenn die Mittel für gelegentliche Erweiterungen fehlen.


Ihr merkt vielleicht schon, dass sich meine Überlegungen stark auf Kinos mit Projektor und in separaten Räumen beziehen. Bei reinen Wohnzimmer-Kinos mit TV stellen sich einige dieser Fragen gar nicht erst. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Arten der Nutzung sind hier oft deutlich fließender.

Als Besitzer eines separaten Kinoraums, in dem die Kino-Atmosphäre oft schon von vorneherein in einer ganz anderen Liga spielt (auch wenn Kino-Atmosphäre kein bisschen von einem eigenen Raum abhängig ist), sollte man sich aber wirklich gut überlegen, ob man ein Heimkino-Burnout riskieren will. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen — auch ich kämpfe gelegentlich dagegen an.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

7 Gedanken zu „Heimkino-Burnout: Wie man mentalen Verschleiß verlangsamt

  1. Hallo Bert,

    ein wirklich guter Artikel. Ich frage mich, wie vielen Leuten das so geht.

    Vor kurzem war ich knapp zwei Wochen alleine zu Hause, weil der Rest der Familie schon vorher in den Urlaub fahren konnte. „Toll, dann kann ich jeden Abend einen Film gucken!“ dachte ich so bei mir. Am ersten Wochenende habe ich das auch sehr intensiv genossen. Aber danach wurde es mir echt zu viel! Habe dann lieber im Wohnzimmer geguckt oder was anderes gemacht, wobei ich schon darauf geachtet habe, was ich dort schaue (also Deine Empfehlung von neulich hätte da ja keinen Sinn gemacht – danke übrigens, Legend of Tarzan war ganz gut ;-)). Da war es nicht so duster und so 🙂 Aber ich wurde des Kinos echt überdrüssig. Hätte ich nicht gedacht! Am Wochenende ging es dann wieder, aber weit weniger exzessiv als vorher. Und hat auch wieder Spaß gemacht. Jetzt, nach zwei Wochen Abstinenz, habe ich es wieder richtig genossen, eben mit Tarzan, in 3D und mit Atmos.

    Kann also sehr gut nachempfinden, was Du schreibst.

    Ein Heimkino ist was besonderes und das sollte man sich vor Augen führen. Damit man lange den Spaß daran behält! 🙂

      1. Das ist sicher ein ganz zentrales Thema. Mich hat das bisher noch nicht so sehr betroffen, da ich unsere Wohnzimmerlösung erst seit letzten Winter gestartet habe.

        Dabei gab es so viele Punkte auf eine vernünftiges Niveau zu heben (Verstehen der Leinwandeigenschaften, finetuning Beamereinstellungen, die Bassresonanzen eliminieren, Wechsel auf den richtigen Mediaplayer, die Kodiwelt hochfahren, die fehlende Maskierung für nicht 16:9 Inhalte kompensieren, u.v.m.), dass ich erst jetzt ganz langsam auf das erste Plateau komme.

        Ich bin auch sehr gespannt, wie sich das Thema für mich in den nächsten Jahren entwickelt (mit gelegentlichen Verbesserungsmaßnahmen)…

  2. Ich selber betreibe meim eigenes 40qm Kellerkino nun schon seit 7 Jahre. Habe bestimmt schon > 35.000 € und viel Zeit reingesteckt. Gucke mir mit meiner Frau oder auch Freunden regelmäßig Filme an. Ich denke wenn man wirklich schon immer so viel Spass am Filme gucken ansich hatte, wird der Burnout lange auf sich warten lassen. Hab schon zu Video 2000 und VHS Zeiten sehr viel geguckt :-). Will damit sagen, wer das Hobby nur der Technik und handwerklichen Arbeiten wegen betreibt, wird nach einiger Zeit den Spass dran verlieren. Man muss schon Filme lieben.

    VG Stephan.

    1. Hallo Stephan,

      ich liebe Filme und das auch nicht erst seit gestern 🙂

      Was heißt bei Dir regelmäßig? Bei mir war das einfach sehr intensiv in sehr kurzer Zeit. Regelmäßig schau ich sonst auch, aber das ist dann zwischen ein und drei Mal die Woche, bei zwei noch recht kleinen „Hobbies“ 😉 und ein bisschen Sport und so reicht mir das dann auch.

      Ich habe mein Kino bestimmt nicht nur wegen der Technik aufgebaut, sondern wegen des Vergnügens am Filme gucken (was mir allerdings mit der Technik und dem Kinofeeling noch mehr gefällt). Kino und Film war schon immer meine große Leidenschaft, angefangen mit dem kleinen Pantoffelkino in der Stadt über VHS-Recorder, usw. bis zum heutigen Heimkino.

      Ich wünsche Dir auf jeden Fall weiterhin viel Vergnügen und dass Dich nie ein Überdruss ereilen möge 😀 Und mir auch und allen anderen, die unser Hobby teilen 😉

      Viele Grüße,
      Marco

      PS: 40 qm ist ne Hausnummer 🙂

  3. Moin aus dem Norden,

    ich kann diese Meinung nicht ganz teilen. Ich war früher regelmäßiger Kinogänger. Da war nichts von „BurnOut“ zu spüren.
    Aus der Liebe zum Film entstand das Heimkino. Aus Gründen der Einfachheit ins Wohnzimmer integriert. Und ja, nur gute Filme schaffen es auf die Leinwand. Vorzugsweise welche, die auch einen guten Ton haben.

    Mentale Abnutzung konnte ich bislang nicht feststellen. Vielleicht liegt es auch daran, das ich für einen Kinobesuch ca 70 km (hin und zurück) fahren muss, und ein Kinobesuch für 2 das gleiche kostet wie 2-3 BDs. Zuzüglich Parkkosten.

    Zudem ist es praktisch, alle Lieblingsgetränke im eigenen Kino zu bekommen. 😉

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