Elektronik im Kühlschrank

9 Fragen an Holger Franz

Wer sein Heimkino nicht selbst bauen will, der kann es bauen lassen. Dienstleister, die sich auf Heimkinos spezialisiert haben, gibt es nicht gerade wie Sand am Meer, aber im deutschsprachigen Raum findet man doch ein paar. Holger Franz ist einer davon. Seine Kinos zeichnen sich vor allem durch ansprechende Optik und akustische Perfektion aus.

Ich habe Holger ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt und sehr detaillierte, aufschlussreiche Antworten bekommen.

Wie alt bist Du und was machst Du beruflich?

Als Inhaber des Unternehmens Akustik4All berate ich Kunden und Interessenten in den Bereichen Stereo, Heimkino, Raumakustik, Akustikoptimierung und Heimkinobau und optimiere in diesem Zusammenhang auch bestehende Kundenräume (Stereo, Mehrkanal, Heimkino). Weiterhin baue ich zusammen mit meinem technischen Partner Grobi TV ca. 10–15 Kundenkinos im Jahr, beginnend von der akustischen Planung im leeren Raum über die optische Planung bis hin zur handwerklichen Realisierung vor Ort.

Mit aktuell nun 47 Jahren darf ich mich täglich darüber freuen, meine Leidenschaft und mein Hobby vor einigen Jahren zum Beruf gemacht zu haben und meine Kunden auf ihrem Weg zum perfekten Klang oder perfekten Heimkino begleiten zu dürfen.

Wie hast Du das Heimkino für Dich als Hobby entdeckt?

Wie bei vielen Jugendlichen vor 30–40 Jahren stand in den 80ern das Thema Stereomusik im Vordergrund, mit dem Tenor: “Hauptsache laut muss es sein!” Mitte der 90er Jahre fing dann langsam das Thema Heimkino an, da die damaligen Fernseher noch recht kleine Bildschirmdiagonalen aufwiesen und der Wunsch nach einem großen Bild in mir aufkam.

Zuerst habe ich dann mit einem in der Firma ausgeliehenen Präsentations-Beamer auf eine nackte weiße Wohnzimmerwand Premiere Fußball Bundesliga an die Wand geworfen und mit meinen Freunden über zwei Stereo-Lautsprecher allsamstaglich die Bundesliga live auf einem großen Bild gesehen. Irgendwann reichte das nicht mehr und es musste ein besserer Beamer, eine richtige Leinwand und vor allem eine kleine Surround-Anlage her, um auch Mehrkanal gescheit hören zu können.

So wurde aus dem Wunsch nach einem großen Bild irgendwann die Leidenschaft für das Thema Heimkino geweckt. 10 Jahre lang musste ich das Heimkino in einem Wohnzimmer realisieren, bevor nach einem neuerlichen Umzug ein separater Raum für das Thema Heimkino bereit stand und ich so mein erstes richtiges Heimkino bauen konnte. Mittlerweile habe ich mein viertes eigenes Heimkino im Keller meines aktuellen Hauses realisiert, welches auch gleichzeitig als Vorführkino für Interessenten und Kunden dient.

Die Leidenschaft nach einem großen Bild und einem guten Ton besteht ununterbrochen – und das seit nun mehr als 20 Jahren.

Was macht für Dich ein Heimkino aus?

Das Wort Heimkino wird für mich vom eigentlichen Begriff Kino abgeleitet. Im Kino werden seit jeher Bilder und Filme mittels Projektion auf eine Leinwand geworfen und das nehme ich auch als Maßstab für ein Heimkino.

Sprich, für mich macht vor allem das große Bild das klassische Heimkino aus, in Kombination mit einer Leinwand und einem Projektor und Bildschirmbreiten von 2 Metern und mehr. Ob das ganze dann in einem Wohnzimmer oder in einem separaten Raum umgesetzt wird, spielt dabei für mich keine große Rolle. Es gibt auch fantastische Heimkinos in einem Wohnzimmer, es muss nicht immer ein separater Raum sein. Der Ton spielt im Heimkino natürlich auch eine große Rolle, allerdings würde ich die Begrifflichkeit des Heimkinos nicht an der Anzahl oder Art der Lautsprecher oder der Subwoofer festmachen.

Wie bist Du dazu gekommen, Heimkinos zu planen und zu bauen?

Nach 20 Jahren als leitender Angestellter in der IT-Branche brauchte ich vor einigen Jahren einfach mal eine neue Herausforderung und wollte dabei vor allem unabhängig und frei in eigener Verantwortung handeln und arbeiten können. Aus diesem Wunsch heraus ist der Weg in die Selbständigkeit entstanden, mit allen Chancen und vor allem mit allen Risiken. Da zu dieser Zeit das Thema Heimkino gerade erst richtig los ging und langsam auch eine etwas breitere Masse an Menschen neben uns “Freaks” ansprach, lag es auf der Hand, mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Beruf kommt von Berufung – das habe ich mir damals zum Motto gemacht und mich mit Begeisterung in die Selbständigkeit gestürzt.

Beginnend mit der Optimierung der Raumakustik von bestehenden Räumen fragte mich vor einigen Jahren ein Kunde, ob ich ihm nicht auch ein Kino in einen leeren Raum hinein planen könne, mit Berücksichtigung und Planung der Raumakustik.

Einige Monate später fragte mich ein anderer Kunde dann, ob ich nicht jemanden wüsste, der ihm das Kino nach meinen Plänen auch komplett bauen könne. Und so kam eines zum anderen, bis ich dann selber anfing, Kinos für Kunden zu bauen und mein junges Unternehmen um diesen Bereich zu erweitern. Etwa zur gleichen Zeit entstand der geschäftliche Kontakt zu Patrick Schappert von Grobi TV. Nach dem ersten Treffen war klar, dass wir beide gleich ticken und dass wir das gleiche Ziel verfolgen: Kunden ihre Wünsche vom eigenen Heimkino erfüllen. So entstand eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die letztendlich darin mündete dass wir seit einiger Zeit gemeinsam Kinos bauen. Aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit ist die Seite heimkinobau.de entstanden, die sich nur um den Bau von Heimkinos dreht.

Bereut habe ich es bis heute nicht, das Risiko einer Selbständigkeit auf mich zu nehmen. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Emotionen man bei Kunden weckt, denen man gerade ihren Traum vom eigenen Heimkino verwirklicht hat.

Wie laufen Deine Projekte üblicherweise ab?

Im Prinzip ist es relativ simpel, da die Projekte immer gleich ablaufen: Im ersten Kontakt werden die Wünsche des Kunden mit unseren Möglichkeiten und Dienstleistungen abgeglichen.

Wenn der Kunde sich dann für eine Zusammenarbeit entscheidet und eventuell sogar hier vor Ort mein Vorführkino besucht, werden erst einmal die Rahmenparameter wie Raumgröße, technische Ausstattung, optische Wünsche und natürlich auch das Budget besprochen. Danach werden die ersten Planungen in Angriff genommen, in der sowohl die Raumakustik als auch die gewünschte Optik mit berücksichtigt werden. Die Pläne werden digitalisiert in einem CAD-Programm erstellt, die Raumakustik entsprechend berechnet und die Bilder der Planung dann gerendert mit allen Einrichtungsgegenständen und Lichteffekten dem Kunden zur Verfügung gestellt.

Der Kunde hat dann Zeit, diese Pläne zu begutachten und eventuell Änderungswünsche zu äußern, sollte ihm etwas nicht gefallen oder sich in der Zwischenzeit anders ergeben haben. Irgendwann ist dann ein Punkt erreicht, wo der Kunde rundherum zufrieden mit der Planung und der Optik ist und auch die Raumakustik entsprechend berechnet ausreichend mit berücksichtigt ist.

Auf Grundlage dieser Planung erhält der Kunde dann eine Kalkulation für die Realisierung des Projektes. In der Kalkulation sind alle Kosten für Material, Bau etc. mit berücksichtigt, so dass der Kunde eine relativ gute Planungssicherheit für sein Budget hat. Die reine Technik wie Lautsprecher, Beamer etc. ist hier nicht mit berücksichtigt, da der Kunde diese separat einkaufen kann (ich selber verkaufe keine Elektronik, das übernimmt immer Grobi TV).

Wenn dann alles steht und auch ein Zeitfenster mit dem Kunden besprochen ist, fahren wir zum vereinbarten Zeitpunkt mit allen Materialien und einem Haufen Werkzeug zum Kunden und realisieren ihm in 7–10 Arbeitstagen (je nach Größe und Umfang der Kinos) seinen Traum vom eigenen Heimkino.

Was war bisher die ausgefallenste Anforderung, mit der Du in einem Projekt konfrontiert wurdest?

Wenn man schon so viele Kinos besucht oder geplant oder gar gebaut hat wie ich, dann gibt es eigentlich keine ausgefallenen Anforderungen mehr. Egal wie groß die Leinwand sein soll, egal wie viele Subwoofer verbaut werden sollen, egal wie der Raum optisch aussehen soll – so wirklich ausgefallene Überraschungen sind da eigentlich nicht mehr zu erleben.

In diesem Jahr hat mich ein Kunde gebeten, einen roten Kühlschrank mit in die Planung einzubauen, welcher in der Rückwand stehen sollte. Auf Rückfrage kam dann heraus, dass wir dort die ganze Elektronik (Vor- und Enstufe, BD-Player, Mediaplayer, Sat-Receiver) einbauen sollen. Gesagt, getan – nach Fertigstellung des Projektes hat der Kunde nun einen roten Kühlschrank in seiner Rückwand stehen, in welchem die ganze Elektronik eingebaut ist. Das war schon relativ ausgefallen und neu – sieht aber sensationell gut aus und die Besucher des Kunden bekommen immer große Augen, wenn der Kunde den Kühlschrank aufmacht und dort keine kalten Getränke, sondern Elektronik zu sehen ist.

Eine weitere ausgefallene Anforderung war die Anfrage eines Kunden mit einem Highend-Kino, ihm doch bitte bei der Optimierung der Raumakustik zu helfen. Das Kino war mir schon aus einem Video von Grobi bekannt und hatte nur die beste und feinste Technik verbaut. Neben einem Barco 4k Beamer der Professional-Reihe mit einer knapp 7 m breiten Leinwand fand man in dem Kino beispielsweise auch eine Trinnov 32-Kanal Vorstufe und ein 17.4.11 Lautsprecher-Setup vor. Nach zwei Besuchen, mehreren Messreihen im Kino des Kunden und einiger Stunden Planung ist es uns dann gelungen, sowohl die Optik als auch die Raumakustik im gewünschten Maße zu optimieren und so auch diese anspruchsvolle Anforderung erfolgreich zu erfüllen. Das Video zeigt noch den alten Zustand vor Optimierung der Raumakustik.

Gibt es eine witzige Anekdote oder etwas unvorhergesehenes, das bei der Umsetzung eines Projektes passiert ist?

Hier muss ich leider passen. Aufgrund der engen Abstimmung im Vorfeld mit dem Kunden und der detaillierten Planung gibt es eigentlich keine Überraschungen während der Umsetzung. Die Räume sind manchmal nicht so wie in den Bauplänen zuvor angegeben, die Decke fällt mal hier oder da etwas ab, die Wände stehen nicht rechtwinklig – aber das sind alles kleine Details, die man vor Ort dann anpassen und in den Bau mit einbeziehen kann.

Ansonsten ist bislang tatsächlich noch nie irgendetwas witziges oder unvorhergesehenes passiert.

Welchen allgemein eher unbekannten Film gibt es, den Du als Deinen persönlichen Geheimtipp weitergeben würdest?

Es kommt immer darauf an, was man beim Filmgenuss erwartet und welche Ansprüche man selber hat. Deswegen tue ich mich schwer mit Geheimtipps, da ich mit dem Hollywood-Mainstream nicht viel anfangen kann.

Wer mal etwas mehr Tiefe in den Filmen haben möchte, wer hervorragende Regiearbeit verbunden mit sehr gutem Drehbuch, pointierten Dialogen und guten Schauspielern sehen möchte, dem kann ich nur die ganze Filmreihe von Stanley Kubrick nahelegen.

In letzter Zeit hat mich der Film Whiplash aus dem Jahr 2014 enorm begeistert, weil auch dieser Film inhaltlich eine tolle Tiefe hat und die beiden Protagonisten die Vorgaben des Regisseurs hervorragend umsetzen und in Szene setzen konnten.

Abschließend sollte man noch den Filmen des Regisseurs Denis Villeneuve besondere Aufmerksamkeit schenken. Alle seine Filme sind wirklich toll gemacht und umgesetzt, fern ab vom üblichen Popcorn-Mainstream aus Hollywood. Seine letzten Titel wie Prisoners, Enemy, Sicario oder Arrival kann man sich jederzeit sehr gut anschauen – auch mehrmals – und wird immer wieder neue Kleinigkeiten entdecken, die einem zuvor entgangen waren.

Was sind die wichtigsten Tipps, die Du Heimkino-Einsteigern mit auf den Weg geben würdest?

Da gibt es ganz viele Tipps, die ich hier unsortiert und ungefiltert einmal lose erwähnen möchte:

  • Hört nicht auf die ganzen Internet-Mythen und Geschichten, die so erzählt werden (beispielsweise dass Standlautsprecher immer auf „large“ betrieben werden müssen oder dass man Stereomusik nur ohne Subwoofer hören darf – alles grober Unfug).
  • Fragt nicht in den Foren oder im Social Media, welche Lautsprecher ihr kaufen sollt. Jeder empfiehlt immer das, was er selber zuhause stehen hat (oder gerne hätte). Letztendlich müssen euch die Lautsprecher gefallen, daher hilft hier nur eines: hören, hören, hören.
  • Kauft nicht das erstbeste und ärgert euch hinterher, sondern informiert euch einmal ausführlich bei Händlern, in den Facebook-Gruppen oder in den entsprechenden Foren.
  • Beachtet, dass die Raumakustik einen sehr großen Anteil am Klangerlebnis in einem Raum hat. Daher macht es viel mehr Sinn, lieber 500 Euro in Raumakustik zu investieren als 5.000 Euro mehr in bessere Lautsprecher. Der beste Lautsprecher der Welt klingt in einem leeren, nackten Raum einfach nur schlecht, während ein 1.000-Euro-Lautsprecher in einem gut optimierten Wohnzimmer oder Heimkino schon sehr viel besser klingen kann.
  • Kauft nicht einfach irgendwas und stellt es irgendwo ins Wohnzimmer, sondern erstellt euch vorher einen Plan wo alles hin soll, wie groß der Sitzabstand ist, wie groß die Leinwand werden darf etc. Das erspart euch viel Geld und Zeit und schont eure Nerven.
  • Wenn ihr euch ein eigenes Heimkino in einem separaten Raum bauen wollt und auch ein wenig Budget dafür bereitgestellt habt, dann geht zu einem Profi und lasst euch beraten. Viele Fehler in der Bauphase können vermieden werden, wenn man vorher mit einem Profi spricht und sich eventuell sogar den Raum planen lässt. Auch das spart im Endeffekt Geld, Zeit und Nerven und das Endergebnis ist in der Regel deutlich besser, als wenn man einfach getreu dem Motto „trial & error“ viel Geld in die falschen Dinge investiert.

Das könnte nun so weitergehen und könnte ganze Bücher füllen, daher höre ich jetzt mal auf und rate abschließend nur noch: Hört auf euch selber und euer Bauchgefühl und schert euch nicht darum, was andere sagen, raten, empfehlen oder haben!


Vielen Dank, Holger, für das sehr interessante und aufschlussreiche Interview!

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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