Wireless – Useless?

Warum kabellose Lautsprecher nicht für Heimkinos gemacht sind

Manchmal höre ich den Wunsch nach kabellosen Lautsprechern. Meistens sollen diese als Surround-Lautsprecher in einem 5.1-System dienen. Der Wunsch ist nachvollziehbar: In manchen Räumen kann es wirklich umständlich sein, Lautsprecherkabel zu verlegen. Warum ich kabellose Lautsprecher trotzdem nicht empfehle, will ich hier mal näher erläutern.

AV-Receiver und kabellose Signalübertragung zum Lautsprecher (Symbole)

Vorweg muss ich das aber etwas abgrenzen: Es geht hier ausschließlich um kabellose Lautsprecher als Teil eines in sich geschlossenen Stereo- oder Mehrkanal-Systems. Separate Mono- oder Stereo-Lautsprecher zur beiläufigen Musikbeschallung von Küche, Balkon oder Garten haben einen ganz anderen Zweck und müssen sich meine Kritik nicht gefallen lassen.

Technik und Signalqualität

Während kabellose Lautsprecher früher™ noch mit analogen Funksignalen arbeiteten, wurde die Übertragungstechnik mittlerweile durch Bluetooth oder vergleichbare Techniken ersetzt. Die Anfälligkeit gegen Störungen ist damit heute kein nennenswertes Problem mehr.

Gegen die berüchtigten „Handygeräusche“ sind kabelgebundene Übertragungen auch keine Lösung. Im Gegenteil, das kann bei kabellosen Lautsprechern sogar deutlich besser oder gänzlich unproblematisch sein.

Worauf man sich jedoch nicht verlassen kann ist, dass wirklich die vollständige Audio-Qualität der Quelle übertragen wird. Je nach Hersteller oder verwendeter Übertragungstechnik kann es sein, dass das Audiosignal komprimiert wird und damit an Qualität verliert. Damit sollen Daten gespart werden, um Probleme bei der Übertragung von vorneherein auszuschließen. Eventuell kann diese Qualitätsverminderung auch nur bei Bedarf dynamisch erfolgen, wenn das System erkennt, dass die Verbindung zu schlecht ist, zum Beispiel durch eine zu große Entfernung.

Hinzu kommen typische Kinderkrankheiten, die kabellose Verbindungen bis heute haben, etwa kurze Aussetzer und Knacken. Selbst wenn das nur alle paar Minuten oder deutlich seltener vorkommt, ist das sehr störend.

Insgesamt empfinde ich es als äußerst inkonsequent, das Heimkino in jeder erdenklichen Weise zu optimieren, dann aber solche Einbußen hinzunehmen. Selbst wenn es sich „nur“ um die Surround-Kanäle handelt.

Sind kabellose Lautsprecher wirklich kabellos?

Kabellose Lautsprecher kann es nur als Aktivlautsprecher, das heißt mit integriertem Verstärker geben. Der Verstärker braucht Strom, und den bekommt er entweder aus der Steckdose oder von Batterien.

Batterien? Für Lautsprecher? Na ich weiß nicht. Abgesehen davon, dass diese Kombination rar ist, würde ich nicht andauernd neue Batterien einsetzen oder mit einem Ladekabel an die Lautsprecher ran wollen. Wahrscheinlich müsste man sie auch immer einzeln einschalten. Und wenn sie mal leer sind, merkt man das erst mitten im Film, wenn von hinten rechts nur Stille kommt.

Das größte Manko ist aber wohl, dass Batterien in vernünftiger Anzahl trotzdem nicht genügend Leistung über einen angemessenen Zeitraum liefern können. Batteriebetriebene Lautsprecher könnten für ein Heimkino einfach nicht genug Dampf machen. Selbst wenn es ein passendes Produkt gäbe, wäre das keine Alternative.

Also benötigen aktive Lautsprecher einen richtigen Stromanschluss und somit ein Kabel zur nächsten Steckdose. Die wunderschöne Produktpräsentation des Herstellers, bei deren Erstellung das Kabel wundersamerweise unsichtbar hinter der Wand zu verlaufen schien, hielt das offenbar nicht für erwähnenswert. Schließlich darf man kein Kabel zeigen, wenn man kabellose Lautsprecher verkaufen will.

Ihr spart Euch also keineswegs den Kabelkanal an der Wand oder den Aufwand, die Stromzufuhr unter Putz zu verlegen. Der Unterschied ist nur, dass besonders letzteres unter Umständen sogar schwieriger wird, wenn das Stromkabel fest am Lautsprecher hängt. Ein normales Lautsprecherkabel ist dagegen universell einsetzbar.


Ihr müsstet eigentlich längst überzeugt sein, weshalb ich dieses Thema nicht länger breit treten will. Von der schlechteren Austauschbarkeit der Lautsprecher fange ich lieber gar nicht erst an; ebenso wenig davon, dass Ihr den Aufwand, Lautsprecherkabel zu verlegen, am Ende doch in Kauf nehmt, wenn Ihr merkt, dass vermeintlich kabellose Lautsprecher irgendwie… Mist sind.

Natürlich will man gerade in einer Mietwohnung keine Lautsprecherkabel unter Putz verlegen. Dafür gibt es aber sehr elegante Lösungen mit Kabelkanälen, die sich sehen lassen können. Oder vielleicht ist für Euch die beste Lösung, die Lautsprecherkabel zu verstecken, indem Ihr sie einfach allen zeigt.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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