Klangverbesserung: In die richtigen Maßnahmen investieren

Wer sich schrittweise dem Hobby Heimkino nähert, kann über die Jahre eine ganze Menge Geld verbraten. Hier ein Verstärker mit mehr Leistung, da ein paar neue Lautsprecher — da wird das Konto schnell mal leer geräumt. Dabei steht immer der Wunsch nach einer hörbaren Klangverbesserung im Vordergrund. Dazu möchte ich heute ein paar Denkanstöße geben.

Eine Klangverbesserung lässt sich nicht immer nur durch neue, teurere Lautsprecher erreichenWorauf sich jeder einstellen sollte, der gerade erst auf den Geschmack kommt, ist die Tatsache, dass die Ansprüche mit der Zeit steigen. Am Anfang genügt noch das kompakte Surround-Set und ein handelsüblicher Fernseher. Man freut sich über das gestochen scharfe Bild von einer Blu-ray und ist begeistert, dass man mitten im Geschehen sitzt. Doch irgendwann will man mehr: mehr Bass, mehr Bilddiagonale, mehr Dynamik, mehr Kino-Atmosphäre, eine bessere Integration der Komponenten in den Wohnraum.

Es ist grundsätzlich die richtige Entscheidung, mit günstigen Komponenten zu beginnen. Wenn man sich sicher ist, dass das Hobby Heimkino die richtige Wahl war, kann man schrittweise in Verbesserungen investieren. Das ist der passende Zeitpunkt, die Weichen zu stellen.

Lautsprecher

Lautsprecher sind eher eine langfristige Anschaffung. Die Entwicklung schreitet in diesem Gebiet eher langsam voran, sodass eine erneute Investition nach wenigen Jahren in der Regel nicht erforderlich ist. Man sollte sich für Lautsprecher entscheiden, mit denen man viele Jahre lang zufrieden sein kann.

Ich betrachte Lautsprecher stets als unabhängig von den restlichen Komponenten. Ein neuer Verstärker wird in der Regel ohne Probleme mit den vorhandenen Lautsprechern auskommen.

Bei der Planung sollte man darauf achten, möglichst alle Lautsprecher zusammen anzuschaffen, damit diese vom selben Typ sind. Ein Heimkino-System mit 5.1 oder mehr Kanälen profitiert im Klang sehr stark davon, wenn alle Lautsprecher perfekt aufeinander abgestimmt sind. Wenn eine Komplettanschaffung nicht möglich ist, achtet man am besten darauf, sich für ein System zu entscheiden, dessen Einzelkomponenten auch einige Jahre später noch erhältlich sind.

Verstärker und Zuspieler

Mit Zuspielern meine ich Geräte wie DVD- und Blu-ray-Player. Diese bilden in gewisser Weise eine Einheit. Zwar sind die Geräte verschiedener Hersteller miteinander kompatibel, weil die Schnittstellen genormt sind; trotzdem hat es viele Vorteile, alle Geräte vom selben Hersteller und sogar aus der selben Baureihe zu kaufen:

  • sie passen optisch perfekt zueinander
  • sie sind technisch vollständig aufeinander abgestimmt
  • das Bedienkonzept ist das selbe
  • oft ermöglicht die Fernbedienung des Verstärkers die Steuerung der anderen Geräte

Bei diesen Geräten gibt es etwa alle 10 Jahre einen größeren technischen Fortschritt, den man nach einiger Anlaufzeit der neuen Technologie mitgehen will. In den letzten Jahrzehnten waren dies

  • die ersten Mehrkanalton-Systeme (Dolby Surround)
  • die Einführung der DVD und damit verbunden der diskrete Mehrkanalton (Dolby Digital)
  • ebenso die Einführung der Blu-ray

Investitionen sind hier also weit weniger endgültig zu sehen, als bei Lautsprechern. Dennoch sollte jede Anschaffung gut überlegt werden.

Nicht nur Klangverbesserung: das Bild

Der Vollständigkeit halber möchte ich auch das Bild kurz ansprechen. Ob ein Fernseher oder ein Projektor die richtige Wahl ist, ist eine grundsätzliche Frage und hängt vornehmlich mit den räumlichen Bedingungen zusammen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je größer das Bild sein soll, desto günstiger ist es, sich für einen Projektor zu entscheiden. Fernsehgeräte mit entsprechenden Bilddiagonalen sind einfach wesentlich teurer als Projektoren.

Der technische Fortschritt findet hier am rasantesten statt. Ständig gibt es Weiterentwicklungen in allen Bereichen: Bildqualität, Lichtstärke, Größe der Geräte und so weiter. Allein im letzten Jahrzehnt gab es mehrere große Sprünge:

  • der Übergang von Röhrenfernsehern zu Flachbildschirmen
  • die ersten HD-Geräte mit einer vertikalen Auflösung von 720 Pixeln
  • Full HD mit einer vertikalen Auflösung von 1080 Pixeln
  • brauchbare 3D-Technologien
  • die 4k-Auflösung mit 2160 Pixeln Bildhöhe

Besonders in den Bereichen 3D und 4k ist in den nächsten Jahren mit massiven Fortschritten zu rechnen. Ganz nebenbei ist auch schon 8k angekündigt. Eine Anschaffung sollte hier also besonders gut überlegt werden. Sucht Euch am besten einen Händler, bei dem Ihr einige Geräte ausprobieren könnt (und dann auch dort kauft).

Größere Schritte nach vorn

Aber zurück zum Thema Klangverbesserung. Ich möchte einmal auf einen häufig gemachten Fehler hinweisen. Angenommen, die ersten „richtigen” Lautsprecher sind seit ein paar Jahren im Einsatz. Im Großen und Ganzen ist man zufrieden, wünscht sich aber doch irgendwie mehr. Die Möglichkeit zum Probehören im Laden oder bei Freunden hat gezeigt, dass es auch noch besser gehen kann. Besonders, wenn man einmal sündhaft teure High-End-Lautsprecher gehört hat, wird der Wunsch wach, dieses Klangerlebnis auch in den eigenen vier Wänden möglich zu machen.

Es liegt nun nahe, ein ordentliches Sümmchen in neue Lautsprecher zu investieren. Teurer muss ja schließlich auch besser sein. Zuhause stellt man ernüchternd fest, dass der angenehme Klang aus dem Hörraum beim Händler sich einfach nicht einstellen will. Es klingt anders, vielleicht auch besser als mit den alten Lautsprechern — aber es klingt nicht nach einer so großen Investition.

Ich versuche das Problem mal so zu erklären: Wenn der perfekte Ton 100% sind, dann erreicht man

  • 30% durch die Lautsprecher,
  • 30% durch die Aufstellung und
  • 30% durch akustische Maßnahmen im Raum.

Den Rest erreichen nur Leute mit zu viel Geld – oder Tonstudios. Wenn eines der drei Hauptkriterien – Lautsprecher, Aufstellung und Raumakustik – ganz und gar nicht passt, ist es egal, zu wie viel die anderen 30% jeweils erreicht werden – es wird immer etwas wichtiges fehlen.

Angenommen durch einen ungünstig eingerichteten Raum werden nur 5% der Möglichkeiten in Sachen Raumakustik ausgeschöpft. Die Aufstellung der Lautsprecher ist aufgrund der Möbel nicht sehr vorteilhaft und man erreicht nur 10% in diesem Bereich. Jetzt kann man sich da die ultimativen THX-Lautsprecher reinstellen, kommt damit aber trotzdem nur auf einen Gesamtwert von 45% des perfekten Tons.

Die Prozentwerte sind natürlich frei erfunden und haben nichts mit der tatsächlichen Wertigkeit der Faktoren zu tun. Dieses Beispiel sollte das Problem aber verständlich machen. Eine Investition von mehreren tausend Euro in neue Lautsprecher kann völlig für die Katz’ sein, wenn Raumakustik oder Aufstellung nicht stimmen.

Oftmals ist es wesentlich günstiger, stattdessen das Wohnzimmer umzuräumen, Elemente zur Verbesserung der Akustik zu kaufen oder sogar neue Möbel anzuschaffen. Die wenigsten von uns werden über einen perfekten Hörraum verfügen. Der Effekt auf den Klang ist bei einer Optimierung des Raums und der Lautsprecheraufstellung meistens viel größer, als er es durch neue, teurere Lautsprecher je sein könnte.

Investitionen gut überlegen

Um in Sachen Klang größere Schritte nach vorn zu machen, ist es nicht alleine mit neuem technischem Equipment getan. Raumakustik und Lautsprecheraufstellung sind ebenfalls überaus wichtig. Ebenso sind sie sehr komplex. Wer es richtig machen will, kann in einen guten Kinoraum genauso viel Geld stecken, wie in die Technik, die darin spielt.

Zuletzt darf man nicht vergessen, dass eine Klangverbesserung nicht alleine am eigenen Equipment zu suchen ist. Ich greife das Thema im Artikel Was ist ausschlaggebend für gute Klangqualität? nochmal auf und gehe dort näher darauf ein, dass auch die wiedergegebene Tonquelle erheblich auf den Klang einwirkt.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

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