Serie Heimkino-Finanzierung (Teil 1 2 3 4)

Kosten eines Heimkinos planen und im Blick behalten

Dein Sparschwein ist hoffentlich darauf vorbereitet, geschlachtet zu werden. Dass ein richtiges Heimkino nicht billig wird, wusstest du bestimmt schon vorher. Aber gerade für Einsteiger ist es schwer, abzuschätzen, welche Investitionen sie tätigen müssen. Hier soll es darum gehen, wie du alle Kosten unter einen Hut bekommst und ein fertiges Heimkino hast, bevor dir finanziell die Puste ausgeht.

Die Kosten im Blick behalten – damit am Ende noch etwas im Sparschwein übrig bleibt

Das schöne am Hobby Heimkino ist ja, dass du praktisch jeden denkbaren Geldbetrag darin versenken kannst. Schließlich kaufst du nicht nur Technik, sondern oft auch neue Möbel. Du hast eine Renovierung anstehen und wirst Stammkunde im örtlichen Baumarkt.

Was kostet ein Heimkino?

Das ist eine oft gestellte Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Ich könnte dir jetzt Beispiele nennen, was du für wie viel Geld bekommst. Wirklich weiter helfen würde dir das aber nicht, weil alles von deinen persönlichen Vorlieben und Umständen abhängt — und von den aktuellen Marktpreisen.

Einige Komponenten wirst du wahrscheinlich sogar schon besitzen und weiter verwenden wollen. Die musst du bei der Kalkulation nicht mehr berücksichtigen.

  • Fest steht, dass du ein Heimkino für 1.000 € bauen kannst, wenn du keine allzu großen Ansprüche hast.
  • Eher wahrscheinlich sind Kosten um die 3.000 € für solide Technik aus dem Einsteigersegment.
  • Wenn du Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik ergreifst und einen separaten Kinoraum anpeilst, wirst du die 5.000-€-Grenze sehr schnell überschreiten.
  • Spätestens ab einer Größenordnung von 10.000 € lässt sich ein Kino zaubern, das allen Besuchern die Kinnlade runterfallen lässt.

Nach oben gibt es keine Grenze. Natürlich spielt auch die Größe des Raums und die Anzahl der Sitzplätze eine Rolle. Bedenke jedoch, dass auch hier das gute, alte Paretoprinzip gilt: Mit 20 Prozent des Aufwands (und der Kosten) erreichst du 80 Prozent vom Gesamtergebnis. In den letzten 20 Prozent des Ergebnisses stecken 80 Prozent des Aufwands, vor allem aber der Kosten. Sei daher nicht allzu perfektionistisch. Das lohnt sich nicht für jeden.

Kostenkontrolle

Wenn es um Geld geht, gilt es zunächst zwei Dinge zu überlegen:

  1. Wie stellst du sicher, dass dein Konto nicht überstrapaziert wird, du aber trotzdem am Ende ein fertiges Kino hast?
  2. Welche Argumente für eine derartige Investition kannst du gegenüber Skeptikern aufbringen?

Der zweite Punkt, wie du Argumente für dein Heimkino findest, ist ein Thema für sich. Hier beschäftigen wir uns genauer mit den Finanzen.

Budget festlegen

Zu allererst solltest du dir unbedingt ein Budget für das Projekt festlegen. Wie hoch das Budget ist, spielt zunächst keine Rolle. Du willst etwas erreichen, etwas verändern – und du hast irgend einen Geldbetrag dafür zur Verfügung. Der ist vielleicht auch ein wenig dehnbar, aber an irgend einer Größenordnung wirst du dich orientieren wollen.

Sicher willst du vermeiden, dass dir auf halbem Weg das Geld ausgeht. Ein vorab festgelegtes Budget ist dein Spielraum und zugleich die Grenze für deine Heimkino-Planung.

Kostenaufstellung

Viel mehr noch brauchst du aber eine halbwegs verbindliche Aufstellung der voraussichtlichen Kosten, um den Überblick zu behalten. Während der Planung wirst du immer wieder neue Ideen haben und alte verwerfen. Änderungen in deinem Heimkino-Bauplan müssen sich sofort in der Kostenaufstellung widerspiegeln. Ohne eine verlässliche Auflistung wird es schwer, alles zu koordinieren. Möglicherweise kaufst du sonst Dinge, die du am Ende doch nicht brauchst.

Eine Material- und Kostenübersicht ist neben dem Bauplan daher das wichtigste Hilfsmittel bis zur Fertigstellung des Heimkinos. Die folgenden Informationen sollten daraus hervorgehen:

  • Was benötigst du?
  • Wo kaufst du das?
  • In welcher Menge benötigst du es?
  • Was wird es voraussichtlich kosten?
  • Wie viel bist du bereit, dafür auszugeben?

Als Werkzeug verwendest du am besten eine Software zur Tabellenkalkulation (Google Tabellen, Excel oder OpenOffice). So kannst du dir besonders von den Preisangaben auch immer gleich die Summe berechnen lassen. Im Grunde ist das so, als würdest du dir vorab selbst eine Gesamtrechnung schreiben.

Das folgende Beispiel zeigt einen Ausschnitt so einer Tabelle. Die eben genannten Punkte finden sich darin als Spalten wieder.

EinrichtungHändlerMengeEinheitEinzelpreisGesamtpreis
3109,68
Technik
ProjektorNubert1Stück2200,002200,00
Blu-ray PlayerNubert1Stück400,00400,00
Logitech Harmony 900Amazon1Stück176,92176,92
HDMI-Kabel 5 mAmazon1Stück18,9918,99
Projektor DeckenhalterungAmazon1Stück23,2923,29
Frontlautsprecher FüßeAmazon12Stück1,3215,84
Wände
Schlitze FräsenElektriker1Stunde50,0050,00
Spachtelmasse (3 kg)Baumarkt2Packungen2,595,18
SpachtelBaumarkt1Stück6,496,49
LeerrohrBaumarkt1Rolle8,998,99
Boden
TeppichTTL18,410,00184,00
Fußboden GrundierungBaumarkt1Flasche6,996,99
Doppelseitiges KlebebandBaumarkt1Rolle12,9912,99

Wie du siehst, habe ich die Tabelle in mehrere Bereiche unterteilt, um die notwendigen Komponenten grob zu kategorisieren. Die Angabe, wo du etwas kaufen wirst, ist später sehr nützlich, um unnötige Wege zu sparen. So hast du immer gleich eine Einkaufsliste griffbereit.

Menge und Preis sprechen wohl für sich. Die Preisspalte ist diejenige, an der du viel “arbeiten” wirst. Informiere dich gründlich, wo etwas wie viel kosten wird. Wenn es nicht anders geht, genügen vorläufig auch ungefähre Angaben. Die Summe der Preisspalte zeigt letztendlich immer genau an, wie viel du von deinem Budget bereits vollständig verplant hast.

Das Budget ergibt sich aus der Summe der letzten Spalte. Diese kannst du ausfüllen, noch bevor du tatsächliche Preise einholst. Gib in jeder Zeile an, was diese nach deinen Vorstellungen kosten darf. Die Summe dieser Spalte entspricht dem Gesamtbudget für das Heimkino.

Mit Budget und Kosten spielen

Spiele am Ende mit den einzelnen Werten, bis das Budget deinen Vorstellungen entspricht. Vielleicht merkst du an diesem Punkt schon, dass du dich von einigen Wünschen verabschieden musst. Was beim besten Willen nicht ins Budget passt, stellst du auf einer separaten Liste zurück (für später, um es sich schenken zu lassen).

Wenn du später die tatsächlichen Preise ermittelst bzw. diese durch den Kauf eines Teils fixiert werden (markiere sie dazu zum Beispiel grün), kannst du das Budget natürlich immer noch nachträglich anpassen. Wenn du weniger bezahlt hast, kannst du so den verbleibenden Betrag noch auf andere Posten verteilen. Wenn du aber mehr bezahlen musstest, als ursprünglich vorgesehen, solltest du die Mehrkosten irgendwo abziehen.

Versuche in jedem Fall, dein festgelegtes Gesamtbudget zu halten. Wenn es am Ende günstiger wird, ist das ja nicht so schlimm — teurer dagegen schon. Die Summe der tatsächlichen Kosten hingegen wird mit der Zeit immer genauer, je mehr Preise du genau kennst oder bereits bezahlt hast.

Fremde Hilfe

Für einige Arbeiten wirst du möglicherweise Leute vom Fach brauchen. Im Interesse eines guten Endergebnisses machst du nur diejenigen Dinge selbst, die du dir ohne größere Zweifel zutraust. Alles andere überlässt du besser den Profis.

Sehr wahrscheinlich bist du ausreichend handwerklich begabt, um einen Pinsel zu schwingen und eine Bohrmaschine zu bedienen. Für ein Kino ohne großen Schnickschnack reicht das meistens auch schon.

Dein bester Freund: der Elektriker

Überleg dir ggf. gleich, wer später dein Elektriker sein wird. Mit dem solltest du dich unbedingt anfreunden, denn er wird wahrscheinlich noch die eine oder andere spezielle Aufgabe für dich durchführen müssen. In einem Heimkino gibt es gelegentlich Installationen vorzunehmen, die für einen Elektriker eine gute Abwechslung zum alltäglichen Strippenziehen sein können.

Sofern du nicht selbst ausgebildeter (und zugelassener) Elektriker bist, brauchst du für derartige Arbeiten in jedem Fall jemanden vom Fach. Wenn du Steckdosen und derartiges ohne entsprechende Zulassung selbst verdrahtest und das Kino später abfackelt, zahlt keine Versicherung der Welt auch nur einen Cent dafür. Dabei spielt es im ungünstigsten Fall keine Rolle, ob die Ursache eine andere war. Spare also nicht an der falschen Stelle.

Dienstleistungen sind Teil der Kostenaufstellung

Auch die Kosten für Handwerker oder sonstige Dienstleistungen vermerkst du auf deiner Kostenaufstellung. Sie sind weniger gut kontrollierbar und benötigen daher unter Umständen einen etwas größeren Puffer, bis sie endgültig ausgeführt wurden und eine Rechnung vorliegt.

Wenn du unentgeltliche Hilfe bekommen kannst, vermerke diese ruhig auch mit 0 Euro im Budget. Die Liste dient nicht nur zur Kostenkontrolle, sondern auch als Merkzettel für alles, was noch zu tun ist.

Haushaltsplan für das Heimkino

Mit einem Heimkino ist es nicht viel anders als mit einem gewöhnlichen Haushalt. Du kannst daher auch so weit gehen, ein Haushaltsbuch für dein Heimkino zu führen.

Du hast Einnahmen auf der einen Seite:

  • monatliche Ersparnisse
  • Geldgeschenke
  • Verkäufe alter Komponenten
  • freiwillige, private “Ticketverkäufe” (Gäste drängen dir ein Eintrittsgeld auf)

Und natürlich gibt es jede Menge Ausgaben auf der anderen Seite:

  • neue Technik
  • Veränderung der Raumgestaltung
  • Filme
  • Accessoires
  • Snacks

Das alles kannst du gegenüberstellen und eine monatliche Bilanz errechnen, inklusive Sparplan, Zielen und so weiter. Du könntest sogar so weit gehen, ein eigenen Konto für dein Heimkino zu führen, um das alles klar voneinander zu trennen und ein Stück weit zu automatisieren.

Diese Vorgehensweise bietet sich besonders dann an, wenn du bereits ein fertiges Heimkino hast und über die Finanzierung nachträglicher Erweiterungen entscheiden willst.

Wie du siehst, ist ein Heimkino im Grunde nichts anderes als ein wirtschaftliches Unternehmen. Es gibt Einnahmen und Ausgaben – nun ja, meistens mehr Ausgaben. Du musst kein Mathegenie sein oder BWL studiert haben, um den Überblick über die finanzielle Lage zu behalten. Es genügt eine simple Tabellenkalkulation.

In weiteren Artikeln werde ich auf verschiedene Finanzierungsstrategien eingehen sowie die typischen Fallstricke bei der Heimkino-Finanzierung ansprechen.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hinweise zur Verarbeitung Deiner Angaben und Widerspruchsrechte: Datenschutzerklärung