Kosten eines Heimkinos planen und im Blick behalten

Ich hoffe, Euer Sparschwein ist darauf vorbereitet, geschlachtet zu werden. Dass ein richtiges Heimkino nicht billig wird, wusstet Ihr bestimmt schon vorher. Das schöne an dem Hobby Heimkino ist, dass man praktisch jeden denkbaren Geldbetrag darin versenken kann. Schließlich kauft man nicht nur Technik, sondern hat gleich noch eine Renovierung anstehen, neue Möbel und eine Menge Einrichtungsgegenstände. Was Ihr davon anschaffen müsst, hängt nur von Euren Ansprüchen ab. Eine gewisse Untergrenze setze ich voraus, denn sonst würdet Ihr diesen Artikel nicht lesen.

Die Kosten im Blick behalten – damit am Ende noch etwas im Sparschwein übrig bleibt

Ich könnte Euch jetzt Beispiele nennen, was Ihr für wie viel Geld bekommt. Wirklich aussagekräftig wäre das aber nicht, weil alles von Euren persönlichen Vorlieben und Umständen abhängt — und von den aktuellen Marktpreisen. Einige Komponenten werdet Ihr wahrscheinlich sogar schon besitzen und weiter verwenden wollen.

Fest steht aber, dass Ihr ein Heimkino für 1000 € bauen könnt, wenn Ihr keine Ansprüche habt. Eher wahrscheinlich sind Kosten um die 4000 €. Wenn Ihr Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik ergreift und einen separaten Kinoraum anpeilt, werdet Ihr die 10000-€-Grenze sehr schnell überschreiten. Spätestens ab dieser Größenordnung lässt sich ein Kino zaubern, das allen Besuchern die Kinnlade runterfallen lässt.

Nach oben gibt es keine Grenze. Natürlich spielt auch die Größe des Raums und die Anzahl der Sitzplätze eine Rolle. Bedenkt jedoch, dass auch hier das gute, alte Paretoprinzip gilt: Mit 20 Prozent des Aufwands (und der Kosten) erreicht Ihr 80 Prozent vom Gesamtergebnis. In den letzten 20 Prozent stecken 80 Prozent des Aufwands, vor allem aber der Kosten. Seid  daher nicht allzu perfektionistisch. Es lohnt sich meistens nicht.

Kostenkontrolle

Wenn es um Geld geht, gilt es zunächst zwei Dinge zu überlegen:

  1. Wie stellt Ihr sicher, dass Euer Konto nicht überstrapaziert wird, Ihr aber trotzdem ein fertiges Kino habt?
  2. Welche Argumente für eine derartige Investition könnt Ihr gegenüber Skeptikern aufbringen?

Auf den zweiten Punkt gehe ich mal in einem separaten Artikel näher ein. Heute beschäftigen wir uns daher genauer mit den Finanzen. Ihr solltet unbedingt ein Budget für das Projekt festlegen, denn eine der ersten Fragen wird immer sein, was das alles kostet. Sicher wollt Ihr auch vermeiden, dass Euch auf halbem Weg das Geld ausgeht.

Viel mehr braucht Ihr aber eine halbwegs verbindliche Aufstellung, um den Überblick zu behalten. Während der Planung werdet Ihr immer wieder neue Ideen haben und alte verwerfen. Änderungen in Eurem Bauplan müssen sich sofort in der Kostenaufstellung widerspiegeln. Ohne eine verlässliche Auflistung wird es schwer, alles zu koordinieren. Möglicherweise kauft Ihr sonst Dinge, die Ihr am Ende doch nicht braucht.

Eine Material- und Kostenübersicht ist neben dem Bauplan daher das wichtigste Hilfsmittel bis zur Fertigstellung des Heimkinos. Die folgenden Informationen sollten daraus hervorgehen:

  • Was benötigt Ihr?
  • Wo kauft Ihr das?
  • In welcher Menge benötigt Ihr es?
  • Was wird es voraussichtlich kosten?
  • Wie viel seid Ihr bereit, dafür auszugeben?

Als Werkzeug verwendet Ihr am besten eine Software zur Tabellenkalkulation (Excel oder OpenOffice). So könnt Ihr Euch besonders von den Preisangaben auch immer gleich die Summe berechnen lassen. Im Grunde ist das so, als würdet Ihr Euch vorab selbst eine Gesamtrechnung schreiben.

Das folgende Beispiel zeigt einen Ausschnitt so einer Tabelle. Die eben genannten Punkte finden sich darin als Spalten wieder.

EinrichtungHändlerMengeEinheitEinzelpreisGesamtpreis
3109,68
Technik
ProjektorNubert1Stück2200,002200,00
Blu-ray PlayerNubert1Stück400,00400,00
Logitech Harmony 900Amazon1Stück176,92176,92
HDMI Kabel 5 mAmazon1Stück18,9918,99
Projektor DeckenhalterungAmazon1Stück23,2923,29
Frontlautsprecher FüßeAmazon12Stück1,3215,84
Wände
Schlitze FräsenElektriker1Stunde50,0050,00
Spachtelmasse (3 kg)Baumarkt2Packungen2,595,18
SpachtelBaumarkt1Stück6,496,49
LeerrohrBaumarkt1Rolle8,998,99
Boden
TeppichTTL18,410,00184,00
Fußboden GrundierungBaumarkt1Flasche6,996,99
Doppelseitiges KlebebandBaumarkt1Rolle12,9912,99

Wie man sieht, wird die Tabelle in mehrere Bereiche unterteilt, um die notwendigen Komponenten grob zu kategorisieren. Die Angabe, wo Ihr etwas kaufen werdet, ist später sehr nützlich, um unnötige Wege zu sparen. So habt Ihr immer gleich eine Einkaufsliste griffbereit.

Menge und Preis sprechen wohl für sich. Die Preisspalte ist diejenige, an der Ihr viel „arbeiten“ werdet. Informiert Euch gründlich, wo etwas wie viel kosten wird. Wenn es nicht anders geht, genügen vorläufig auch ungefähre Angaben. Die Summe der Preisspalte zeigt letztendlich immer genau an, wie viel Ihr von Eurem Budget bereits vollständig verplant habt.

Das Budget ergibt sich aus der Summe der letzten Spalte. Diese solltet Ihr ausgefüllt haben, noch bevor Ihr tatsächliche Preise einholt. Gebt in jeder Zeile an, was diese nach Euren Vorstellungen kosten darf. Die Summe dieser Spalte entspricht dem Gesamtbudget für das Heimkino. Spielt am Ende mit den einzelnen Werten herum, bis das Budget Euren Vorstellungen entspricht. Vielleicht merkt Ihr an diesem Punkt schon, dass Ihr Euch von einigen Wünschen verabschieden müsst. Was beim besten Willen nicht ins Budget passt, stellt Ihr auf einer separaten Liste zurück (für später, um es sich schenken zu lassen).

Wenn Ihr später die tatsächlichen Preise ermittelt bzw. diese durch den Kauf eines Teils fixiert werden (markiert sie dazu zum Beispiel grün), könnt Ihr das Budget natürlich auch nachträglich anpassen. Wenn Ihr weniger bezahlt habt, könnt Ihr so den verbleibenden Betrag noch auf andere Posten verteilen. Wenn Ihr aber mehr bezahlen musstet, als ursprünglich vorgesehen, solltet Ihr die Mehrkosten irgendwo abziehen.

Versucht in jedem Fall, Euer festgelegtes Gesamtbudget zu halten. Wenn es am Ende günstiger wird, ist das ja nicht so schlimm — teurer dagegen schon. Die Summe der tatsächlichen Kosten hingegen wird mit der Zeit immer genauer, je mehr Preise Ihr genau kennt oder bereits bezahlt habt.

Eine ausführliche Auflistung aller Dinge, die Ihr — abhängig von Euren Wünschen — für ein Heimkino braucht, werde ich irgendwann mal nachliefern. Diese Liste könnt Ihr als Basis für Eure persönliche Kostenaufstellung nutzen.

Fremde Hilfe

Solltet Ihr einen separaten Kinoraum planen, werdet Ihr möglicherweise für einige Arbeiten Leute vom Fach brauchen. Im Interesse eines guten Endergebnisses macht Ihr nur diejenigen Dinge selbst, die Ihr Euch ohne größere Zweifel zutraut. Sehr wahrscheinlich seid Ihr ausreichend handwerklich begabt, um einen Pinsel zu schwingen und eine Bohrmaschine zu bedienen. Für ein Kino ohne großen Schnickschnack reicht das meistens auch schon.

Ohne Bohrmaschine kommt man bestenfalls im Wohnzimmer-Kino aus. Wenn Ihr eine braucht, nehmt besonders bei Betonwänden und -decke ein größeres Modell — leiht Euch bei Bedarf etwas passendes aus. Es lohnt sich, hier nicht zu sparen.

Überlegt Euch auch gleich, wer später Euer Elektriker sein wird. Mit dem solltet Ihr Euch unbedingt anfreunden, denn er wird wahrscheinlich noch die eine oder andere spezielle Aufgabe für Euch durchführen müssen. In einem Kino gibt es gelegentlich Installationen vorzunehmen, die eine gute Abwechslung zum alltäglichen Strippenziehen sein können.

Sofern Ihr nicht selbst ausgebildeter (und zugelassener) Elektriker seid, braucht Ihr für derartige Arbeiten in jedem Fall jemanden vom Fach. Wenn Ihr Steckdosen und derartiges ohne entsprechende Zulassung selbst verdrahtet und das Kino später abfackelt, zahlt keine Versicherung der Welt auch nur einen Cent dafür. Dabei spielt es im ungünstigsten Fall keine Rolle, ob die Ursache eine andere war. Spart also nicht an der falschen Stelle. An die Versicherung Eures Heimkinos solltet Ihr in jedem Fall auch noch denken.

Auch die Kosten für Handwerker oder sonstige Dienstleistungen vermerkt Ihr auf Eurer Kostenliste. Wenn Ihr unentgeltliche Hilfe bekommen könnt, vermerkt diese ruhig auch mit 0 Euro im Budget. Die Liste dient nicht nur zur Kostenkontrolle, sondern auch als Merkzettel.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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