Viel zu oft unterschätzt

Nützliche Makros für die Universalfernbedienung

Eine der wichtigsten Funktionen einer Universalfernbedienung zur Steuerung eines Heimkinos sind Makros. Makros sind der Schlüssel zu einem ganz wichtigen Faktor für gute Kino-Atmosphäre: der Steuerung des Films ohne sichtbares DVD-Menü. Vielleicht ist Euch das egal, weil Ihr nicht so verrückt seid wie ich. Aber wer das Heimkino nicht nur als Zeitvertreib hat, sondern wirklich als Hobby, wird sich in diese Denkweise zumindest einfühlen können.

Universalfernbedienung mit dem Daumen auf dem Filmstart-Makro vor der Leinwand eines Heimkinos.

Zusammenfassung für schnelle Leser

Bevor der Film beginnt — und im besten Fall sogar bevor Gäste das Heimkino betreten — lege ich den Film ein, nehme im Menü alle Einstellungen vor und stelle den Player bei 0:00:00 auf Pause. Im Hintergrund läuft leise Pausenmusik. Was besseres könnt Ihr für die Atmosphäre kaum tun. Wie im echten Kino soll niemand etwas auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm sehen, das nicht zum Programmablauf gehört. Damit der Ablauf reibungslos funktioniert, kommen Makros ins Spiel.

Als Heimkinos noch aus Röhrenfernsehern und Videorekordern bestanden, gab es so gut wie keine Universalfernbedienungen. Jedes Geräte hatte seine eigene Fernbedienung und nur diese konnte man benutzen. Als die ersten Universalfernbedienungen aufkamen, wurde es zumindest möglich, alle Geräte über eine Fernbedienung zu steuern. Dennoch war das Umschalten zwischen den Geräten meistens umständlich gelöst, sodass es viele Tasten erforderte, um zum Beispiel von Musik auf Film zu wechseln.

Zum Glück ist das alles etwas einfacher, seit Universalfernbedienungen bezahlbar und reich an Funktionen geworden sind. Bei den besseren Modellen sind Makros – oder zumindest eine ähnliche Funktionalität – inzwischen Standard. Somit lassen sich umständliche Tastenkombinationen automatisieren und mit einem einzigen Befehl ausführen. Das sorgt für entspannte Filmvorführungen und somit auch für mehr Kino-Atmosphäre.

Die wichtigsten Makros im Heimkino

„Alles auf Anfang“ — ausgehend von diesem oben beschriebenen Szenario gibt es zwei wichtige Makros, die die Filmvorführung zum Erfolg werden lassen. Sie kommen in den Momenten zum Einsatz, in denen nichts schief gehen darf: beim Starten und Beenden des Films. Alles andere darf ruhig etwas umständlicher zu handhaben sein, aber der Start und möglichst auch das Ende müssen sitzen.

Natürlich sind die folgenden Makros nur einfache Beispiele, die jeder seiner individuellen Umgebung und seinen Gewohnheiten anpassen muss.

Filmstart

Wenn alles vorbereitet ist, steht der Film am Anfang auf Pause. Der Fernseher oder Projektor läuft und zeigt im Idealfall ein schwarzes Bild. Im Hintergrund läuft Pausenmusik von CD oder einem anderen Medium. Wir gehen außerdem davon aus, dass sich das Licht auf irgend eine Weise mit über die Universalfernbedienung steuern lässt, zum Beispiel per Funk über den Light-Manager.

Ein Filmstart-Makro könnte folgende Befehle nacheinander ausführen:

  • Licht: Dimmvorgang starten
  • Receiver: Eingang auf Blu-ray-Player stellen
  • Blu-ray Player: Film abspielen (Play)
  • 2 Sekunden warten
  • Licht: ganz ausschalten
  • 5 Sekunden warten
  • CD-Player: Stop

Während das Licht gedimmt wird, wird bereits der Eingang gewechselt und der Film gestartet. Das führt zu einem schönen, flüssigen Start in den Film. Wie das Makro dafür angelegt werden muss, hängt natürlich davon ab, welchen Dimmer Ihr verwendet und wie sich dieser steuern lässt. Vielleicht könnt Ihr auch nur einzelne Lichter der Reihe nach abschalten und baut stattdessen das eben in das Makro ein.

Auffällig sind auch die 5 Sekunden Pause, bevor der CD-Player gestoppt wird. Die sind natürlich nicht notwendig, in meinem Fall erfüllen sie aber einen Zweck: mein CD-Player hat ein relativ lautes Laufwerksgeräusch, sodass man das Stoppen der CD hört (daran, dass man nichts mehr hört). Deshalb wird das um 5 Sekunden verzögert, weil bei vielen Filmen bis dahin das Intro der Produktionsfirma alles übertönt.

Daran seht Ihr sehr gut, dass es kein Patentrezept für ein Makro gibt. Es hängt alles von der eingesetzten Technik und den persönlichen Vorlieben ab.

Wichtig ist aber: das Makro wird mit nur einem Tastendruck ausgeführt — und mehr ist nicht nötig, um den Film zu starten. Das ist ganz großes Kino!

Filmende

Zum Ende des Abspanns, bevor wieder das Menü erscheint, muss im richtigen Moment das Filmende-Makro aktiviert werden. Es ist meist etwas knifflig, den richtigen Moment zu treffen, damit es einen sauberen Übergang zurück zur Pausenmusik gibt, ohne dass noch was vom Menü zu sehen oder zu hören ist. Aber den Dreh hat man schnell raus.

  • Receiver: Eingang auf CD stellen
  • Projektor: ausschalten
  • 1 Sekunde warten
  • Projektor: ausschalten bestätigen
  • CD-Player: Zufallswiedergabe

Die meisten Projektoren müssen durch zweimaliges betätigen der entsprechenden Taste ausgeschaltet werden. Hier ist die Verzögerung von einer Sekunde unbezahlbar.

Ton und Bild abschalten hat oberste Priorität, damit nicht noch irgendwas vom Menü kurz aufblitzt. Mit der Zufallswiedergabe der CD wird diese bei einem zufälligen Titel gestartet, was etwas Abwechslung in die Pausenmusik bringt.

Aber Moment, fehlt da nicht etwas? Ach ja, das Licht. Nun, Ihr werdet es Euch und Euren Gästen sicher nicht antun wollen, im Dunklen zu sitzen, bis der Abspann durchgelaufen ist. (Und ja, den lasst Ihr durchlaufen, Ihr Banausen!) Deshalb muss das Licht mit einer geeigneten Taste (die auch ein Makro sein kann) schon vorher wieder eingeschaltet werden. Ein guter Moment dafür ist, wenn im Abspann die Laufschrift beginnt. Das kann auch in mehreren Schritten erfolgen.

Praktische Helfer für den Heimkino-Alltag

Wenn Ihr diese beiden wichtigsten Makros gemeistert habt und Euer Filmstart perfekt ist, solltet Ihr auf den Geschmack gekommen sein. Weitere Makros können sinnvoll sein, um immer wiederkehrende Tätigkeiten im Heimkino zu automatisieren.

Vorbereitung

Ich verwende ein Makro, wenn ich das Heimkino betrete und einen Film so weit vorbereiten möchte, dass es losgehen kann. Dabei wird hauptsächlich der Projektor und die Pausenmusik eingeschaltet. Weiterhin könnten aber die richtigen Eingänge an allen Geräten gewählt und einige Grundeinstellungen vorgenommen werden.

Bei den meisten Modellen der verbreiteten Logitech Harmony sind Makros beim Starten der sogenannten Aktivitäten möglich. Eine Aktivität „Vorbereitung“ bietet sich also an. Die Tastenbelegung für diese Aktivität könnt Ihr dann so wählen, dass Ihr alles zur Verfügung habt, um die notwendigen Einstellungen an den Geräten vornehmen zu können. Hauptsächlich muss das Menü bedienbar sein. Einige Einstellungen müssen am Receiver vorgenommen werden.

Filmpause

Ein Makro für eine Filmpause könnte das selbe machen, wie jenes für das Filmende – mit einem Unterschied: der Projektor wird nicht ausgeschaltet. Was sich zuerst so anhört, als wäre es für eine kurze Filmunterbrechung gedacht, hat eigentlich einen anderen Sinn: Ich nutze dieses Makro zum Ende eines Films, wenn ich danach noch einen weiteren Film sehen will. So spare ich mir das überflüssige Ausschalten des Projektors, was nur auf Kosten der Lampe gehen würde.

Außerdem ist dieses Makro sehr praktisch bei jenen Filmen, die auf zwei Scheiben verteilt sind (wie etwa die Extended Editions von Der Herr der Ringe).

Unterbrechung

Das ist eine nützliche Sache, wenn Ihr die Möglichkeit habt, das Licht zu steuern. Man stellt den Blu-ray Player auf Pause und schaltet gleichzeitig ein passendes Licht an. Jetzt kann jemand zur Toilette gehen, ohne gleich im Dunkeln irgendwo hängen zu bleiben. Ein weiteres Makro sorgt genau für den umgekehrten Fall, wenn es weiter geht.

Geräte-Einstellungen vornehmen

Bei manchen Geräten sind einige Funktionen sehr umständlich aufzurufen. Bei meinem Player ist zum Beispiel die Anzeige der Restspielzeit des Films recht tief in einem Menü versteckt. Wenn ich das abfragen will, muss ich immer ziemlich viele Tasten drücken.

Für derartige Fälle können Makros angelegt werden, die selbstständig das Menü durchblättern, bis der richtige Eintrag ausgewählt ist, und dort zum Beispiel Einstellungen vornehmen. Das richtige Timing dafür erfordert ein paar Versuche. Einerseits müssen die Abstände zwischen den einzelnen Befehlen groß genug sein, damit man sicher am richtigen Menüpunkt ankommt. Andererseits sollte die Ausführung des Makros nicht allzu lange dauern.

Natürlich muss während dem Ablauf eines Makros die Fernbedienung die ganze Zeit auf die Geräte gerichtet sein. Fest installierte Infrarot-Sender, durch die das nicht mehr notwendig ist, machen sich hier also bezahlt.

Makros nicht möglich?

Ihr seht also, dass Makros unglaublich praktisch sein können. Sie machen die Bedienung des eigenen Heimkinos einfach so viel angenehmer. Aber was könnt Ihr tun, wenn Eure Universalfernbedienung keine Makros unterstützt?

Als Abhilfe gibt es eine einfache Lösung, die sehr gut funktionieren kann. Die meisten Fernbedienungen haben irgendwo mehrere gleichartige Tasten in einer Reihe. Ich verwende dazu gerne die Farbtasten (rot, grün, gelb, blau). Jeder Befehl, den man eigentlich in ein Makro packen würde, wird nun auf eine dieser Tasten gelegt.

Somit könnt Ihr die Tasten einfach nacheinander drücken und die Befehle werden ausgeführt. Für den zeitlichen Versatz seid Ihr selbst verantwortlich, aber es muss zumindest nicht mehr nach der richtigen Taste gesucht werden. Zudem könnt Ihr das mit etwas Übung auch im Dunkeln oder ohne hinzusehen machen. Zumindest der Filmstart lässt sich so retten.

Kurz zusammengefasst

  • Wenn Ihr auch nur ein bisschen Wert auf eine saubere Filmvorführung legt, ist ein ordentlicher Filmstart Pflicht. Damit wird aus der Glotze ein Heimkino und die Kino-Atmosphäre steigt erheblich.
  • Um Filmstart und -ende sauber auszuführen sind Makros ein ungemein nützlicher Helfer der Universalfernbedienung.
  • Makros müssen immer individuell auf das jeweilige System abgestimmt werden. Überlegt Euch, was Ihr der Reihe nach von Hand ausführen würdet und legt die Befehle mit zeitlichem Versatz in einem Makro ab.
  • Wenn Filmstart und Filmende sitzen, gibt es noch reichlich andere Möglichkeiten, Makros sinnvoll einzusetzen — zum Beispiel für Filmunterbrechungen oder um häufig benötigte Menüpunkte anzuspringen.
  • Selbst bei Fernbedienungen, die keine Makros zulassen, findet sich oft noch ein Weg, die Bedienung etwas flüssiger über die Finger gehen zu lassen.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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