Der erste Schritt zum Profi-Heimkino

PA-Endstufen für mehr Leistung im Heimkino

Wer nicht nur im Wohnzimmer bei sprichwörtlicher „Zimmerlautstärke“ Filme anschaut, sondern im Kellerkino laut aufdreht, kommt früher oder später auf die Idee externe Endstufen zu verwenden. Hohe Leistung für wenig Geld bieten PA-Endstufen aus dem Bereich der Veranstaltungstechnik.

Vier PA-Endstufen mit LED-Festbeleuchtung. In Leinwandnähe eher ungeeignet.

Ob eine PA-Endstufe für dich das Richtige ist und auf welche Einschränkungen du dich dabei einstellen musst, erklärt dieser Artikel.

Warum externe Endstufen verwenden

Selbst Einstiegs-AV-Receiver werben mit hohen Wattzahlen pro Kanal – 200 W und mehr sind keine Seltenheit. Eigentlich vollkommen ausreichend, auch für hohe Lautstärken, oder nicht?

Ähnlich einem Autoquartett geht es leider bei den AVR-Herstellern vorrangig darum, möglichst hohe Zahlen zu Papier zu bringen und dafür diverse Rechentricks anzuwenden. Die Höchstleistung pro Kanal ist nur möglich, wenn gleichzeitig alle anderen Kanäle stumm bleiben. Das erklärt, warum ein Gerät 11 × 200 W Ausgangsleistung (= 2.200 W) haben kann bei einer maximalen Leistungsaufnahme von nur 300 W inklusive Videosektion.

Bei dauerhaft lauten Krawallszenen brechen so die 200 W Leistung schnell auf unter 50 W zusammen. Das kann zwar immer noch sehr laut klingen, allerdings nicht mehr schön. Ein subjektives Empfinden „jetzt wird es mir zu laut“ bedeutet in so einem Fall häufig eigentlich „jetzt wird es der Anlage zu laut“ und es klingt unangenehm.

So ziemlich jede Endstufe arbeitet am besten im unteren und mittleren Leistungsbereich, also nicht bei voller Auslastung. Bei Spitzenlautstärke beginnt das Signal zu verzerren und wird komprimiert. Zum „entspannten Lauthören“ bieten sich also externe Endstufen an.

Zu den AVRs passende HiFi-Endstufen gibt es von allen Herstellern. Stereo, also zweikanalig gibt es in endloser Auswahl, aber auch 3, 5 oder 7 Kanäle sind erhältlich. Anbieter von Heimkino-Mehrkanal-Endstufen sind u.a.:

  • Yamaha
  • Marantz
  • Rotel
  • IOTAVX
  • Emotiva

Für die schicke Wohnzimmer-Anwendung und auch für viele Kellerkinos ist das sicher die beste und unkomplizierteste Wahl. Wer etwas experimentierfreudiger ist, ein Kellerkino mit Technikraum hat oder für weniger Geld hohe Leistung möchte, für den sind PA-Endstufen eine interessante Alternative.

Eine PA-Anlage (auch Public Address, kurz PA oder PA-System genannt) ist eine Beschallungsanlage, die der Wiedergabe von Sprache oder Musik an ein Publikum dient. Sie werden überall dort eingesetzt, wo es nötig ist, große Flächen möglichst gleichmäßig zu beschallen.

Wikipedia.de

Damit wäre schon angedeutet, wo die Stärken und Schwächen einer PA-Endstufe liegen.

Die Stärken sind:

  • für hohe Lautstärken ausgelegt, oberhalb „Zimmerlautstärke“
  • robust, zu häufigem Auf- und Abbau geeignet
  • kompatibel zu anderem Profi-PA-Equipment

Typische Einschränkungen einer PA-Endstufe im Heimbetrieb sind:

  • rustikale 19“-Optik mit hellen LEDs, kein schickes HiFi-Format
  • mehr Nebengeräusche, Brummen und Rauschen, die bei niedriger Lautstärke stören könnten
  • häufig sehr laute Lüfter, die einen Betrieb nahe dem Hörplatz unmöglich machen
  • nur eingeschränkt zu HiFi-Komponenten und AV-Receivern kompatibel (fehlende Cinch-Anschlüsse, höherer Eingangspegel)

Wo sind PA-Endstufen im Heimkino sinnvoll?

Überall dort, wo hohe Leistung verlangt wird: also zuerst bei Front- und Center-Lautsprechern. Danach die Surrounds, dann Back Surrounds und zuletzt auf den Höhenkanälen. Du kannst also auch nur einen Teil deiner Lautsprecher extern verstärken und den Rest weiterhin über den nun entlasteten AV-Receiver laufen lassen.

Im Sinne einer gleichen Klangcharakteristik sind gleiche Endstufen für alle Kanäle natürlich das Optimum, aber nicht ganz so wichtig wie gleiche Lautsprecher bzw. Lautsprecher der gleichen Serie mit gleichen Chassis.

PA-Endstufen anschließen

XLR-Stecker oben, unten Cinch auf XLR adaptiert

(Fast) alle PA-Endstufen verfügen über professionelle XLR-Buchsen als Signaleingang. Eine sogenannte „symmetrische“ Signalübertragung mit drei Adern über XLR ist viel robuster gegenüber Störsignalen (z.B. parallel laufenden Netzleitungen) als das im Heimbereich übliche zweiadrige Cinch-Kabel. Reine AV-Vorstufen verfügen aus diesem Grund neben den Consumer-Cinch-Ausgängen auch über Profi-XLR-Ausgänge. Außerdem ist XLR mechanisch stabiler als Cinch und wird per Klick verriegelt. Für Endstufen die nur XLR-Eingänge haben gibt es günstige Adapter auf Cinch. Die Vorteile der Unempfindlichkeit gegenüber Störungen fallen damit natürlich weg.

Vorverstärker Marantz 7702 mit Endstufen per XLR verbunden

Am AV-Receiver lässt du die entsprechenden Lautsprecheranschlüsse frei und verbindest stattdessen den Cinch-Ausgang mit der Endstufe (und diese mit den Lautsprechern). Bei der Einrichtung bzw. Einmessung des AV-Receivers wird diese Konfiguration in der Regel automatisch erkannt. Auch ein „Mischbetrieb“ ist möglich, bei manchen AV-Receivern sogar Voraussetzung, um die volle Kanalzahl nutzen zu können. Schlimmstenfalls musst du im AVR-Menü noch die entsprechenden Einstellungen vornehmen.

Zu leise – was läuft schief?

Wenn du eine PA-Endstufe erstmals an deinen AV-Receiver anschließt, wirst du wahrscheinlich verwundert feststellen, dass du sie sehr weit aufdrehen musst um auf eine passable Lautstärke zu kommen, bzw. dass der AV-Receiver beim Einmessen den Pegel extrem anhebt. Das liegt daran, dass im Profi-Bereich höhere Signalpegel üblich sind (1,55 V). Das Cinch-Signal deines AV-Receivers ist also zu schwach.

Viele PA-Endstufen lassen sich auf den niedrigen Consumer-Pegel von 0,775 V umstellen. Das bringt schon einmal eine höhere Lautstärke. Aber auch die ist oft noch zu niedrig.

Es ist keine Schande, wenn du die Endstufe mehr als die Hälfte, oder sogar voll aufdrehst. Ziel ist, dass der AV-Receiver nach dem Einmessen nicht mehr allzu viel verstärken muss. Unter 10 dB Abweichung ist akzeptabel. Ob es sinnvoll ist runter auf 0 dB beim AVR zu kommen musst du ausprobieren. Ziel ist das, „was weniger rauscht“ und dass der AV-Receiver noch Reserven hat. Wenn alle Stricke reißen, gibt es noch zum Zwischenschalten „Aufholverstärker“.

Crown XLS-1002, Eingangsempfindlichkeit auf Consumer-Pegel 0,775 V eingestellt. Ab Werk leise, temperaturgeregelte Lüfter.

Der Hubschrauber im Wohnzimmer

Ja, Lüfter können so laut sein. Bei Discobeschallung ist das kein Problem. Wer seine Heimkinotechnik im separaten Technikraum unterbringen kann hat damit ebenfalls kein Problem. Fairerweise muss man sagen, dass nicht alle PA-Endstufen laut sind und einige sogar über temperaturgeregelte Lüfter verfügen, z.B. die Crown-XLS-Endstufen, die ich derzeit verwende. Wer einem etwaigen Garantieverlust entspannt entgegensieht, kann die Endstufe modifizieren, also leiser machen.

Lüfter tauschen

Eine sehr gängige Endstufenmodifikation ist der Lüftertausch. Da das Ganze so vom Hersteller nicht vorgesehen ist, sei an dieser Stelle vor einem Garantieverlust gewarnt. Außerdem sollten Arbeiten an Elektronik grundsätzlich nur von qualifizierten Personen durchgeführt werden. Ich habe schon einige Geräte auf diese Weise modifiziert und würde den Schwierigkeitsgrad als niedrig einstufen. Durch einen leisen Lüfter kann die Gerätelautstärke in der Regel sehr stark gesenkt werden.

Zunächst wird der aktuell verbaute Lüftertyp am Bauteil abgelesen und gegoogelt. Passende Baugröße und Spannung, also Voltzahl, sind Minimalvoraussetzungen. Gleicher oder höherer Luftdurchsatz sind wünschenswert. Mit diesen Eckdaten macht man sich auf die Suche nach einem passenden Silent-Lüfter aus dem PC-Bereich. Da PA-Endstufen im Heimkino in der Regel lange nicht so hart rangenommen werden wie an ihrem eigentlichen Bestimmungsort, einer Dorfdisco, ist oft auch ein geringerer Luftdurchsatz vertretbar. Sollte der neue Lüfter nicht über den passenden Stecker verfügen, muss ggf. mit Lüsterklemmen oder ähnlichem gearbeitet werden.

Achtung: Lüfter richtig herum einbauen!

Wem das alles zu einfach ist, der kann natürlich auch das Gehäuse und den Luftstrom ändern oder eine Temperaturregelung einbauen. Dies erfolgt natürlich ebenso auf eigene Gefahr und wird hier nicht näher beschrieben. Auch eine Hushbox für Endstufen ist denkbar.

„Eisenschwein“ E4-250 aus dem Einsteiger-Segment von Thomann – vier Kanäle, hohe Leistung, robust, laute, ungeregelte Originallüfter

Welche PA-Endstufe ist geeignet

Geräte gibt es in unterschiedlichen Preis- und Qualitätsklassen. „You get what you pay for“ gilt natürlich auch hier. Für die Hauptlautsprecher sind 100 W / 8 Ohm gut geeignet. Das liest sich wenig, ist aber schon deutlich mehr als die schöngerechneten hohen Wattzahlen der AVRs. Über 300 W / 8 Ohm ist eher unnötig. Schwere „Eisenschweine“, also Geräte mit Ringkerntrafo, dürfen etwas weniger Leistung haben. Digitalendstufen benötigen für die gleiche Performance etwas mehr Leistung. Folgende Endstufen hatte oder habe ich im Einsatz bzw. werden häufig für Heimkinobetrieb empfohlen:

Die Verstärkung passiver (Eigenbau-) Subwoofer ist mit PA-Endstufen natürlich auch möglich. Diese brauchen mehr Leistung und sind hier nicht Thema.

PA-Endstufen sind eine günstige Möglichkeit deinem Heimkino zu besserem, dynamischerem, lauterem Klang zu verhelfen. Wer mit den genannten Einschränkungen leben kann findet in diesem Segment gute und günstige Produkte.

Über Florian Schäfer

Seit seiner Kindheit film- und technikbegeistert, später Fotograf, Kameramann, Musiker, Cineast und Audio-Video-Universaltechniker. Beruflicher Weg vom Mediengestalter Bild- und Ton über Medientechnik-Ingenieursstudium zu 3D-Filmkamera-Technik und medizinischen Kameras. Baut als DIY-Heimwerker u. A. Lautsprecher, Instrumente, Kamera-Spezialkonstruktionen, und natürlich ein eigenes Heimkino namens „Saal 3“.

7 Gedanken zu „PA-Endstufen für mehr Leistung im Heimkino

  1. Ich habe mehrere Behringer iNukes im Einsatz. Leistung ohne Ende, DSP für Anpassungen an den Raum, jetzt neu mit schwarzem Gehäuse (NX-Serie). Die kostengünstigste Variante vor allem als Subwooferverstärker, oder auch für Bass-Shaker.
    Wenn im gleichen Raum betrieben muss man den Werkslüfter gegen ein leiseres Modell tauschen, ist aber wie oben beschrieben einfach möglich.

  2. Moin, ich habe dazu eine Frage.
    Ich selber habe über 20 Jahre im Veranstaltungstechnik Bereich gearbeitet, aber immer Nebenberuflich und im Lichtbereich. Da ich es wie gesagt immer nur Nebenberuflich gemacht habe, hab ich mich mit Ton nie ernsthaft beschäftigt.

    Nun zur Frage: In wie weit macht es sich bemerkbar, das Basschasis im Veranstaltungstechnikbereich in der Regel extrem hart aufgehängt sind aber im Heimbereich meistens sehr weich. Wie kommen die PA-Endstufen damit zurecht?

    Außerdem verstehe ich persönlich nicht, wie Behringer und T-Amp ersthaft empfohlen werden können. Ich habe oft genug erlebt, wie schlecht diese Geräte sind und wie negativ sie den Klang einer Anlage beeinflussen. Das habe sogar ich als Nichttontechniker auf Anhieb gehört.

    1. Hallo Volker. Das mit den Chassis ist mir bekannt. Das führt zu unterschiedlichen klanglichen Eigenschaften (Tiefgang, Dynamik) stört aber die Endstufen nicht weiter.

      Zu deinen Vorbehalten gegen Behringer und t.amp. Sogar deren 100€-Endstufen können Heimkinos aufwerten. Gerade AVRs der Einsteigerklasse. Hochwertige Geräte haben die beiden auch im Programm. Auch mein damaliger Denon x4300 wurde von e4-250 und iNuke für Sub deutlich aufgewertet. Besser geht immer, worauf mein Satz „you get what you pay for“ Bezug nimmt. Besser als 9 Endstufen eines 500€ AVR geht es mit PA Endstufen allerdings auch problemlos. Selbst mit Behringer, der zudem von der Empfehlung her als Einsteigergerät relativiert wird.

      PS. Mein nächster Bassamp wird wohl ein t.amp Proline 3000.

  3. Hallo,
    wie immer ein sehr schöner Bericht.
    Allerdings Inhaltlich nicht ganz korrekt!

    Bei Herstellern wie z.B. Denon, Marantz und Yamaha ist die Leistungsaufnahme hinten auf dem Gerät KEINE maximale Leistungsaufnahme !

    Beispiel:
    Messungen Zeitschrift Heimkino:
    Yamaha RX-A3080 – 5x166W an 4Ohm gleichzeitig = 830W – Leistungsaufnahme hinten am Gerät aber „NUR“ 490W
    Marantz SR7013 – 5x152W an 4Ohm gleichzeitig = 760W – Leistungsaufnahme hinten am Gerät aber „NUR“ 710W
    Denon AVR-X2500H – 5×116 an 4Ohm gleichzeitig = 580W – Leistungsaufnahme hinten am Gerät aber „NUR“ 500W

    Hier wird es vom Produktmanager Roland Kröger auch mal erklärt!
    https://youtu.be/9829CHWG2Ms?t=2095

    Negativ beispiel:
    Onkyo TX-RZ820 – 5x29W an 4Ohm gleichzeitig = 145W – Leistungsaufnahme hinten am Gerät aber 710W

    1. Hallo Andreas, danke für deinen Kommentar. War mir so im Detail nicht bekannt. Leistungsangaben zu Marketingzwecken oder Erfüllung von Normen sind eine Wissenschaft für sich. Scheinleistung, Wirkleistung, Sinus, Peak, Crest, Impuls, bei Klirr XY, bei Frequenz XY,… Auf jeden Fall sollte man skeptisch werden wenn eine kleine Büchse ohne Lüfter, mit dünnem Netzkabel 11x 200W im Werbetext stehen hat.

      1. Noch ein Beispiel gefunden:

        Messungen Zeitschrift Audiovision:
        Yamaha MX-A5200 – 7x155W an 4Ohm gleichzeitig = 1085W – Leistungsaufnahme hinten am Gerät aber „NUR“ 650W

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