Planung eines Heimkinos

Bevor es mit dem eigenen Heimkino losgehen kann, gibt es viele Überlegungen anzustellen. Ein guter Plan ist die halbe Miete. Wer es überstürzt, riskiert, eine Menge Geld in eine Sache zu investieren, die am Ende nicht aufgeht.

Kinoraum oder Wohnzimmer?

Leinwand und Boxen an der Front eines HeimkinosAm Anfang steht die Frage nach den räumlichen Möglichkeiten. Hat man einen eigenen Raum für das Kino zur Verfügung? Oft kann diese Frage nur mit Nein beantwortet werden, sei es weil

  • man beim besten Willen nicht den nötigen Platz hat,
  • man in Miete wohnt und sich deshalb größere Umbauten nicht lohnen
  • oder der Lebenspartner mit einer derartigen Platzverschwendung nicht einverstanden ist.

Gerade der letzte Punkt ist natürlich ein heikles Thema, wenn man den häuslichen Frieden nicht gefährden will. Mal ehrlich, es muss natürlich eher Lebenspartnerin heißen – Kinos sind wie Autos: es sind meistens Kerle, die daran herum schrauben und eine Menge Geld darin versenken. Aber meistens findet es die Freundin oder Frau am Ende doch ganz schön toll.

Aber zurück zum Thema. Wenn kein Kinoraum zur Verfügung steht, bleibt meistens nur, das Wohnzimmer entsprechend auszustatten. Auch das hat Vorteile und sollte deshalb nicht als zweite Wahl verstanden werden.

→ Im Artikel Wohnzimmer oder Kinoraum gehe ich näher auf das Thema ein.

Das Budget festlegen

Ein Heimkino kann so ziemlich jeden denkbaren Preis ab 1000 € kosten. Einen kleinen Fernseher und das Surround-Set aus dem Wühltisch würde ich aber nicht als Heimkino bezeichnen. Der Einstiegspreis für etwas Richtiges liegt daher wohl eher bei mindestens dem Vierfachen.

Wer finanziellen Einschränkungen unterliegt, steckt sich am besten einen maximalen Betrag ab, der ausgegeben werden darf. Das beste Hilfsmittel ist dann eine Excel-Tabelle, in der alle geplanten Anschaffungen für das Kino aufgelistet werden. Damit meine ich nicht nur Technik, Möbel und Einrichtungsgegenstände. Jeder Gang zum Baumarkt kostet ein kleines Vermögen, weshalb ich sogar eine Schachtel Schrauben für 3 € mit in die Liste aufgenommen habe. Kleinvieh macht auch Mist.

Zu jedem Eintrag – oder zumindest zu jeder Gruppe (Technik, Akustik, Einrichtung, Baumarkt usw.) – wird dann das maximale Budget eingetragen. Das Gesamtbudget ergibt sich aus der Summe aller Punkte. Anschließend kann man damit beginnen, die tatsächlichen Preise zu recherchieren. Das vorgegebene Budget darf nur dann überschritten werden, wenn es bei einem anderen Punkt deutlich unterschritten wird.

Wichtig: Spielraum nach oben lassen! Wenn es dem Ende entgegen geht, werden unerwartete Kosten entstehen. Die Planung sollte also immer ein paar hundert Euro unter der Höchstgrenze bleiben.

→ Im Artikel Kosten eines Heimkinos erläutere ich die finanzielle Planung genauer.

Schrittweise Erweiterung

Auch mein Kino ist nicht von heute auf morgen entstanden. Die Technik habe ich über ein Jahrzehnt oder sogar länger nach und nach angeschafft. Vieles davon wurde auch schon wieder mehrfach ausgetauscht.

Wer nicht jahrelang auf ein Kino sparen will, nur um das Geld dann kurz vor dem Ziel doch für etwas anderes zu benötigen, sollte auf jeden Fall schrittweise aufrüsten. Zuerst kommt die Technik ins Haus, schließlich kann man die auch schon im Wohnzimmer nutzen. Ein eigener Kinoraum ist ein größerer Block, den man ein paar Jahre später angehen kann. Zum Schluss kommen Optimierungen wie Licht, Steuerung oder Raumakustik ins Spiel, auch wenn alle – besonders die Akustik – von Anfang an zumindest bedacht werden müssen.

Dem gegenüber steht eine komplette Umsetzung auf einen Schlag, einschließlich Anschaffung der Technik. Natürlich muss man das finanziell stemmen können. Ein Vorteil ist aber unschlagbar: Man kann alle Komponenten optimal aufeinander abstimmen, weil man nicht hier und da das nehmen muss, was man hat.

Den größten Nachteil der Sofort-Umsetzung will ich nicht unerwähnt lassen: Man hatte eventuell nie die Gelegenheit, eigene Erfahrungen zu sammeln. Viele Komponenten eines Heimkinos hängen sehr stark von persönlichen Vorlieben ab:

  • Klang und Aufstellung der Lautsprecher
  • Bedienkomfort der Geräte
  • das akustische Klangbild verschiedener Räume
  • die Sitzposition
  • … und viele weitere kleine Details

Der Vorteil, alle Komponenten aufeinander abstimmen zu können, ist also möglicherweise nur dann etwas Wert, wenn man schon über gesammelte Erfahrungen verfügt. Sonst muss man sich auf die Beratung anderer verlassen und übernimmt vielleicht deren persönliche Vorlieben.


Im Hinblick auf den Geldbeutel passt eine schrittweise Erweiterung besser zu einem Wohnzimmer-Kino. Die Einrichtung eines Kinoraums hingegen erfordert einen größeren Batzen Geld in kurzer Zeit. Schließlich hat wohl kaum jemand die Geduld, so ein Projekt Jahre dauern zu lassen. Irgendwann will man ja mal gucken.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

5 Gedanken zu „Planung eines Heimkinos

  1. Ich finde ein weiterer Vorteil einer schrittweisen Austattung ist, dass ich eigentlich schnell immer auf dem aktuellen Stand sein kann. Die Technik entwickelt sich ja immer schneller. Zum Beispiel wenn ich jetzt ein gut ausgestattetes HK mache und dafür 6000 Euro in die Hand nehme bekomme ich aktuell gute Technik. Allerdings ist die Technik bis spätestens in 2 Jahren wieder veraltet. Ausserdem entwickelt man ja im laufe der Zeit eigene Ansprüche und muss hier wieder aufrüsten und dann vielleicht doch mehr erneuern.

    Bei einem Schrittweise Aufrüstung hab ich zwar vielleicht einen 3 Jahre alten AVR und kann in 2 Jahren dann aktuell Aufrüsten und hab nicht ganz einen so großen Verlust gemacht und kann meine gemachten Erfahrungen besser mit einfliesen lassen.

    Auch ist es vielleicht besser der Lebenspartnerin zu vermitteln eine Anschaffung zu tätigen z.B. vom Beamer für ein HK wenn der Großteil schon da ist. So 1500 Euro für nen Beamer hören sich einfach anders an als 5 oder 6000 Euro für das HK auf einmal.

    Ansonsten kann ich den Artikel hier nur so unterschreiben. Ich selbst bin jemand der Schrittweise dann vom Multimedia Wohnzimmer mit TV irgendwann beim Keller Kino landet.

    1. Das stimmt natürlich. Zum Glück muss man bei einem Heimkino aber nicht immer sofort auf dem neuesten Stand sein. Die Technik entwickelt sich deutlich langsamer als PCs oder besonders mobile Geräte es zur Zeit tun. Es gibt höchstens etwa alle 10 Jahre mal einen Sprung. Der letzte war Blu-ray und HDMI. Hat man den geschafft, gibt es erstmal nichts mehr aufzuholen. Jede weitere Investition würde nur die Qualität und den Komfort steigern. Und da kommt man besser, wenn man gleich etwas richtiges kauft.

      Besonders Boxen halten ja praktisch eine Ewigkeit. Wenn man da schon etwas gutes hat, investiert man lieber ein wenig in die Raumakustik. Der Gewinn an Klangqualität ist deutlich höher. Dazu schreibe ich demnächst noch mehr.

  2. Ich habe mein Heimkino auch schrittweise aufgebaut.
    Erst ganz billig mit nem Schrottbeamer, dann kam der nächste in schon ganz guter Quali damals.
    Diesen habe ich fast 7 Jahre gehabt. Zu Weihnachten gab es vor 12 Jahren dann eine der ersten guten Surround Anlagen – Diese habe ich sogar immer noch 🙂
    Nur bin ich mittlerweile bei LED Pocket Beamern gelandet, weil Lampenersatz überflüssig und Preis / Leistung einfach unschlagbar geil.
    Als Player nutze ich die PS 3 und werde in naher Zunkunft mal nen neuen AV holen mit aktuellen Features.

      1. Zumindest die sogenannte „Fat Lady“ ist sehr laut. Auch ich hab diese Zuhause und bei einem längeren Film so ab 80min ist die dann schon deutlich hörbar. Zur aktuellen kleinen kann ich nichts sagen da ich sie nicht testen konnte.

        Ich bin schliesslich von der PS3 zum Yamaha BD-S 673 gewechselt. Passend dazu habe ich mir jetzt den Yamaha RX-V575 AVR gegönnt damit ich Soundtechnisch etwas aktueller werde. Meine Lautsprecher tun es aktuell noch fürs Wohnzimmer. Erst wenn mal der Umzug in den Keller stattfindet wird hier nachgelegt.

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