Von Vorhang bis Plissee ‒ Tipps für den richtigen Sonnenschutz im Heimkino

Die Sonne knallt auf den Bildschirm — ein ganz alltägliches Problem im Heimkino. Spiegeleffekte können den Filmgenuss erheblich trüben und müssen deshalb so gut wie möglich reduziert werden. Der Raum muss abgedunkelt sein, schon alleine um Kino-Atmosphäre aufkommen zu lassen.

Plissee als Blendschutz

Neben Rollos und Jalousien sind Vorhänge ein gutes Mittel dafür. Aber gerade im Wohnzimmer-Heimkino sind blickdichte Vorhänge nicht immer erwünscht. Insbesondere in modern eingerichteten Wohnkinos muss eine weniger klassische und zugleich funktionalere Fensterdekoration her. Ein Plissee kann die Lösung für optimalen Blendschutz sein.

Was bei der Auswahl zu beachten ist und welche Besonderheiten es gibt, beantwortete mir Dagmar Pohland, Fachredakteurin für Sonnenschutz und Plissee-Anlagen von Plissee-Experte.de, in einem kurzen Interview.

Heimkino Praxis: Vorhänge sind die gängige Lösung zur Verdunkelung des Heimkinos. Welche Vorteile bieten denn Plissees gegenüber dem Klassiker?

Dagmar Pohland: Vorhänge haben natürlich den Vorteil, dass sie eine Atmosphäre wie in einem echten Filmtheater erzeugen. Allerdings wirken kleinere Heimkinos oder Wohnbereiche, in denen ferngesehen wird, durch einen Vorhang schnell überfrachtet. In diesem Fall sind „schlankere“ Lösungen schlichtweg platzsparender, wie eben Plissees oder Rollos. Wer über Außenrolläden verfügt, kann natürlich auch damit schnell die gewünschte Dunkelheit herstellen. Sie sind jedoch nicht besonders dekorativ und um Halleffekte im Raum vorzubeugen, kommt man um einen schallschluckenden, innenliegenden Sonnenschutz eigentlich gar nicht herum.

Heimkino Praxis: Auf was muss man denn bei der Auswahl eines Plissees besonders achten? Oder ist das, abgesehen von Platzgründen, einfach nur eine Geschmacksfrage?

Dagmar Pohland: Man muss da schon ein paar Dinge beachten, sonst wird der Kinospaß trotz Sonnenschutz-Kauf schnell zum Frusterlebnis. Grundsätzlich gilt, vorher unbedingt einen Blick auf den Transparenzgrad der Fensterdekoration zu werfen. Es ist natürlich klar, dass durchsichtige und halbtransparente Stoffe, egal ob bei Vorhang, Rollo oder Plissee, gar nicht in Frage kommen. Plissee als Verdunkelung im Wohnzimmer Auch blickdichte Stoffe, die gleichzeitig lichtdurchlässig sind, sind mit Vorsicht zu genießen – es sei denn der Hersteller hat auf dem Produkt ausdrücklich vermerkt, dass es sich auch als Blendschutz eignet. Am sichersten fährt man mit verdunkelnden Vorhang-, Rollo-, oder Plissee-Stoffen. Sie bieten zusätzlich tagsüber und am Abend bei eingeschaltetem Licht einen 100-prozentigen Sichtschutz. So kann man es sich dann auf dem Sofa auch noch richtig gemütlich machen, ohne dass der Nachbar gleich in den Popcorn-Eimer spickelt.

Heimkino Praxis: Bleiben dekorative Aspekte bei einem funktionalen Sonnenschutz nicht irgendwie auf der Strecke?

Dagmar Pohland: Überhaupt nicht. Was den Geschmack anbelangt, bieten verdunkelnde und Blendschutz-Fensterdekos eine große Bandbreite an Farben und Mustern – ob man sich seinen Kinoraum nun eher als mondänen Film-Salon in dunklen Rottönen, im Vintage-Stil der 20er Jahre, im französischen Film-Noir-Stil mit schwarzen Akzenten oder einfach nur hell und luftig einrichten möchte.

Heimkino Praxis: Gibt es ähnliche Möglichkeiten mit den bekannten Lamellen-Jalousien?

Dagmar Pohland: Solche würde ich als Blendschutz nicht unbedingt empfehlen. Sie lassen oft noch zu viel Licht herein, zum Beispiel durch die heruntergeklappten Lamellen, wenn die Sonne steil von oben kommt. Oder wenn an großen Fensterfronten der Abstand zwischen mehrere Jalousien nicht eng genug ist, dabei dürfen sich die Jalousien aber auch nicht bei der Bedienung behindern. Gegen Sonnenlicht von oben hilft manchmal, die Lamellen einfach nach oben statt nach unten zu klappen. Aber ganz ehrlich, die beste Lösung für einen Kino- oder Fernsehraum sind Lamellen-Jalousien nicht – auch weil sie kaum bis gar keine schalldämmende Eigenschaften haben.

Heimkino Praxis: Gibt es weitere Bereiche, in denen Plissees eine Verbesserung gegenüber herkömmlichen Methoden darstellen?

Dagmar Pohland: Das Raumklima. Wer sein Heimkino in einem hitzeanfälligen Wohnraum einrichten möchte, zum Beispiel im Dachbereich oder in großflächig verglasten Räumen, sollte unbedingt noch auf wärmereflektierende Merkmale beziehungsweise auf eine zusätzliche Hitzeschutz-Funktion achten. Ein Kinoabend bei Backofen-Temperaturen im Sommer bereitet ja nicht wirklich Freude. Gut geeignet sind zum Beispiel wärmeabweisende Vorhänge oder aber Plissees oder Rollos mit Perlmuttbeschichtung. Wer im Winter zusätzlich Kälteschutz haben und seinen Heizkosten reduzieren möchte, ist mit hitze- und kälteabweisenden Thermorollos und Wabenplissees gut beraten, da sie sehr nah am Fenster sitzen und verhindern, dass die Wärme durch das Fensterglas hinausgeheizt wird. Ein Wabenplissee bringt übrigens durch seine isolierenden Luft-Wabenkammern auch gleich noch einen kleinen Extra-Bonus in Sachen Schalldämmung mit.


An dieser Stelle vielen Dank an Dagmar Pohland.

Auch wenn Plissees in Sachen Schalldämmung gegenüber Vorhängen leicht im Nachteil sind, stellen sie eine sehr gute Alternative dar. Je nach Beschaffenheit wirken sie im Hochtonbereich wohl eher wie Diffusoren, als wie Absorber, und sind damit noch weitaus besser als eine blanke Fensterfront. Akustische Wunder darf man davon freilich nicht erwarten. Aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.

Als moderner Sonnenschutz eignen sie sich mindestens genauso gut. Ich denke hier besonders an den berüchtigten Akzeptanz-Faktor bei Freundin oder Ehefrau: Wenn klassische Vorhänge aus Stilgründen nicht in Frage kommen, können Plissees vielleicht auf Anhieb überzeugen.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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