Vor- und Nachteile von nur 2 Lautsprechern

Das Stereo-Heimkino: Reduktion auf das Wesentliche

Es ist ja so eine Sache mit unserem Hobby. Ein Heimkino braucht viel Technik. Technik kostet einen Haufen Geld. Technik kann kaputt gehen. Technik veraltet und will neu gekauft werden. So kommt schnell die Frage auf, ob man ein Heimkino nicht auch sinnvoll in Stereo betreiben kann. Weniger Technik — weniger Probleme.

Wohnzimmer mit Stereo-Lautsprechern und TV
Foto: Markus Greilinger

Vieles kann Anlass dafür sein, das Heimkino auf Stereo zu reduzieren. Jemand, von dem ich diesen Schritt als letztes erwartet hätte, ist Markus Greilinger. Er hat mit seiner Cinemascope-Leinwand und ausgefallener Front-Gestaltung eine gewisse Bekanntheit in diversen Heimkino-Gruppen im Internet erlangt. Ich habe mal nachgefragt, was ihn dazu bewogen hat, sich nun plötzlich auf das Wesentliche zu reduzieren.

Für jeden fängt Heimkino woanders an. Für den einen muss es durchschlagender Mehrkanalton sein, der andere ist mit einem großen Bildschirm zufrieden. Und doch macht die Gestaltung des Raums und die damit erzeugte Kino-Atmosphäre sehr viel aus.

Markus sagt selbst über seinen Rückbau zu Stereo: „Heimkino oder Wohnkino ist für mich zwingend mit einem Mehrkanalssystem (5.0 oder mehr) und einer Leinwand mit Beamer [verbunden].“ Und doch strahlt sein reduziertes Setup weit mehr von einem Wohnzimmer-Kino aus, als so manches 7.1-System.

Vorteile eines Stereo-Heimkinos

Das fängt mit ganz unscheinbaren Dingen wie den Kabeln an. Es ist schon ein Unterschied, ob ich 8 Kabel oder 2 verlegen, nein, verstecken muss. Gerade weil sich der Kabelsalat dann auf die Front beschränkt, macht das im Stereo-Setup einen großen Unterschied aus.

Weniger Lautsprecher bedeuten natürlich eine geringere optische „Belastung“ des Raums. Das kommt vor allem dem WAF zugute. Ein Wohnzimmer kann so immer noch ein Wohnzimmer bleiben, wenn das gewünscht ist. Konzentration auf das Wesentliche dürfte wohl der treibende Faktor sein. Gerade, wenn man mit Platzproblemen zu kämpfen hat, kann Stereo eine willkommene Erleichterung sein.

„Die Vorteile reduzieren sich auf die freiere Gestaltung des Raumes und den daraus resultierenden Gewinn an Lebensqualität.“

Interessant wird es natürlich, wenn wir einmal das Budget betrachten. „Der lange Traum einer hochwertigen Stereokombi war immer im Hinterkopf“, erinnert sich Markus. Wenn man entsprechende Prioritäten hat, kann man das Geld für bis zu 5 zusätzliche Lautsprecher, einen oder zwei Subwoofer und einen AV-Receiver mit 7 oder 9 Endstufen auch in zwei hochwertige Standlautsprecher und einen richtig guten Stereo-Verstärker stecken.

Nicht zuletzt bedeutet weniger Technik, dass weniger kaputt gehen kann. Auch die Aufstellung sowie Einstellung und Optimierung des Systems fällt ungleich einfacher aus.

Nachteile aufwiegen

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Mehrkanalton zum Heimkino gehört. Das ist zugleich der größte Nachteil, wenn man sich auf Stereo reduziert. Keine Effekte von hinten und die Probleme eines Phantom-Centers, wenn man nicht im „Sweet Spot“ sitzt. Wenn man kräftige Standlautsprecher verwendet, muss man immerhin nicht um den Bass fürchten.

Dass man nicht völlig vom Sound umschlossen wird, halte ich allerdings für ein Gerücht. Gut aufgestellte Stereo-Lautsprecher verteilen den Sound so im Raum, dass er den Hörer sehr wohl einhüllt.

Wichtig ist dafür, dass die richtigen Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik getroffen werden. Der hintere Bereich des Raums darf dafür nicht stark absorbieren. Stattdessen sollten Diffusoren eingesetzt werden, um für eine gleichmäßigere Verteilung des Schalls zu sorgen. Erstreflexionen an Boden, Decke und eventuell den Seitenwänden sollten dennoch durch Absorber behandelt werden.

Nutzungsverhalten berücksichtigen

Kritisch hinterfragen solltet Ihr den Schritt zu einem Stereo-Heimkino in jedem Fall. Klar ist es toll, sich nicht ärgern zu müssen, wenn ein Film statt in Dolby Atmos nur mit einfachem 5.1-Ton erhältlich ist. Trotzdem fehlt gerade bei Filmen eben das gewisse Etwas.

Rückseite eines Verstärkers mit wenigen aufgeräumten Kabeln
Kann sich sehen lassen: bei Stereo herrscht Ordnung hinter dem Verstärker.
Foto: Markus Greilinger

„Wenn ich mal einen Film schaue oder ein Konzert, dann fehlt natürlich schon sehr viel“, gibt Markus auf die Frage zu, ob er den Mehrkanalton sehr vermisst. „Aber mein Filmkonsum war so verschwindend gering, das es bis jetzt noch nicht zum tragen kommt.“

Das ist ein entscheidender Punkt. Zu schätzungsweise 70% nutzt Markus sein neues Stereo-System für Musik. Ein Viertel der Nutzung fließt in Dokumentationen und Serien. Irgendwo dazwischen hat dann ab und zu auch noch ein Film Platz. Das rechtfertigt den Rückbau seines ursprünglichen Heimkinos natürlich voll und ganz.

Nutzt man sein Heimkino dagegen mehr als die Hälfte der Zeit für Filme, muss der Wunsch nach perfektem Musikgenuss in der übrigen Zeit schon recht groß sein. Es hängt eben völlig von den persönlichen Vorlieben ab. „So einen Schritt muss jeder selber entscheiden. Man sollte sich nicht von anderen dazu überreden lassen“, merkt Markus an.


Ich finde die Vorteile eines Stereo-Heimkinos durchaus überzeugend und eine Überlegung wert. Gerade, wenn man großen Wert auf Musik legt oder oft auch ältere Filme ansieht, kann es eine willkommene Vereinfachung sein.

Hier nochmal die Vor- und Nachteile eines Stereo-Heimkinos in Kürze:

Vorteile

  • weniger Technik
  • Geld kann gespart oder in höherwertige Komponenten gesteckt werden
  • mehr Spielraum für Raumgestaltung
  • einfache, übersichtliche Verkabelung
  • einfachere Einstellung und Optimierung
  • kein Ärger wegen dem Tonformat des Quellmaterials

Nachteile

  • keine ortbaren Effekte von hinten
  • Phantom-Center, ungünstig für seitliche Sitzpositionen
  • akustische Optimierung des Raums braucht besondere Beachtung

Was haltet Ihr davon, das Heimkino auf Stereo zu reduzieren? Fallen Euch weitere Vor- oder Nachteile ein? Ab in die Kommentare damit.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

2 Gedanken zu „Das Stereo-Heimkino: Reduktion auf das Wesentliche

  1. Zum einen: Hierbei handelt es sich mMn. nicht um ein Heimkino, sondern um ein Wohnzimmer mit TV und hochwertigen Lautsprechern sowie Verstärker. Zum anderen: Ein Heimkino ohne Surrounds und somit ohne die wichtigen Effekte, die ein Kino bzw einen Film ausmachen, ist kein Heimkino.

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