Streulicht auf der Leinwand verhindern

Bei der Projektion kommt es sehr darauf an, dass ausschließlich das Licht des Projektors auf die Leinwand fällt. Alles andere ist Streulicht und damit unerwünscht — denn Streulicht sorgt dafür, dass Bildstellen, die eigentlich schwarz sein sollten, tatsächlich eher dunkelgrau sind. Wir sehen uns hier einmal an, was man dagegen tun kann.

Eine dunkel verkleidete Wand verhindert Reflexionen und damit Streulicht.
Dunkle Wände sind der Schlüssel zu wenig Streulicht auf der Leinwand

Zusammenfassung für schnelle Leser

Im Zusammenhang mit der Bildqualität spricht man häufig vom Kontrast. Kontrast ist der Helligkeitsunterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle im Bild. Die hellste Stelle kann weiß sein, aber wie hell das wirklich ist, wird von der Helligkeit der Beamer-Lampe bestimmt. Ich gehe hier nur auf die dunkelste Stelle im Bild ein — und darauf, wie man diese möglichst dunkel bekommt.

Was beeinflusst das Schwarz im Bild?

Genau genommen gibt es 3 wesentliche Störeinflüsse, die das Schwarz im Bild aufhellen:

  • der mehr oder weniger gute Schwarzwert des Projektors
  • die Grundhelligkeit des Raums, die durch einfallendes Tageslicht oder eingeschaltete Lampen entsteht
  • Streulicht vom Raum selbst

Die letzten beiden haben dabei eine große Ähnlichkeit, obwohl letzteres erheblich schwerer zu beseitigen ist.

Der Schwarzwert des Projektors

Bei der Auswahl eines Projektors werdet Ihr schnell mit dem Schwarzwert konfrontiert. Da ein Projektor mit einer Lampe Licht auf die Leinwand projiziert, wird diese zwangsläufig beleuchtet. Ein guter Schwarzwert bedeutet dabei, dass die dunklen Bildstellen trotzdem möglichst schwarz bleiben.

Das ist für den Projektor gar nicht so einfach, da er die Lampe nicht einfach für die betreffenden Bildstellen abschalten kann. Er kann nichts weiter tun, als mit seinem Panel die schwarzen Bildstellen möglichst gut zu verdunkeln und das Licht der Lampe dadurch abzuschirmen. Je nach verwendeter Technologie gelingt das besser oder schlechter. Bei einem schlechten Schwarzwert wirkt das Schwarz eher grau.

Aus diesem Grund setzt man bei Heimkino-Projektoren andere Prioritäten. Weil der Raum verdunkelt werden sollte, ist die maximale Helligkeit nicht das wichtigste Kriterium. Stattdessen ist ein guter Schwarzwert bzw. ein hohes Kontrastverhältnis wünschenswert. Weniger benötigte Lichtleistung bedeutet auch, dass die Lampe weniger gekühlt werden muss, was wiederum ein geringeres Lüftergeräusch zur Folge hat.

Grundhelligkeit des Raums senken

Wer den Projektor anwirft, schaltet meistens auch gleich das Licht aus oder verdunkelt die Fenster. Klar, sonst sieht man nicht viel vom projizierten Bild.

Ansicht eines Projektors von schräg vorne.Viele Projektoren sind besonders teuer, weil sie für den Gebrauch in hellen Räumen entwickelt wurden. Zu ihren wichtigsten Eigenschaften zählt eine starke Lampe, die gegen einfallendes Tageslicht ankommt, um trotz Restlicht ein möglichst kontrastreiches Bild darstellen zu können. Wenn man das Schwarz schon nicht retten kann, soll wenigstens das Weiß richtig hell sein. Diese Projektoren findet man oft in Büros.

Ein heller Raum bedeutet, dass auch die Projektionsfläche — also die Leinwand — vom Umgebungslicht beleuchtet wird. Schwarze Bildstellen können also höchstens so dunkel sein, wie der Raum oder die Leinwand selbst. Der Kontrast im Bild sinkt mit zunehmender Umgebungshelligkeit. Der Effekt fällt nicht immer sofort auf, weil unser Gehirn die unterschiedlich hellen Bildstellen relativ zueinander interpretiert. Man könnte sagen, dass einfach die dunkelste Bildstelle als schwarz angesehen wird, egal, wie hell sie tatsächlich ist.

Im Heimkino legt man aber Wert auf gute Bildqualität — eine Korrektur durch das Gehirn, frei nach dem Motto „Hauptsache man erkennt, worum es geht“, ist hier nicht akzeptabel. Deshalb muss der Raum verdunkelt werden. Das kann bei Abwesenheit eines Rollladens ganz klassisch mit Vorhängen geschehen, oder eher modern mit Plissees.

Streulicht von der Leinwand

Der dritte Faktor, der den Kontrast selbst in einem völlig verdunkelten Raum beeinflusst, ist das eigentliche Streulicht. Wenn das Licht auf der Leinwand auftrifft, wird es von dieser reflektiert. Das ist auch gut so, denn sonst könnte es nicht zu unseren Augen gelangen.

Die Leinwand strahlt also das Licht in den Raum zurück. Dort trifft es vielleicht auf eine weiße Wand und wird von dieser ebenfalls reflektiert. Und dann auf die nächste weiße Wand oder auf eine Glasfläche, und so weiter. Stellt Euch vor, Ihr strahlt mit einer Taschenlampe gegen die weiße Zimmerdecke: dafür, dass Ihr eigentlich punktuell nur die Decke anleuchtet, wird dennoch der gesamte Raum mehr oder weniger hell erleuchtet. Diesen Effekt nennt man Streulicht.

Früher oder später fällt das Streulicht wieder auf die Leinwand zurück. Dort erhellt es wahllos alles — auch die dunklen Bildstellen. Der Effekt ist der selbe, wie wenn nicht alle Lichter ausgeschaltet oder alle Fenster verdunkelt sind. Es herrscht eine gewisse Grundhelligkeit im Raum, die das Schwarz im Bild in ein Dunkelgrau verwandeln.

Besonders stark fällt der Effekt bei Bildern aus, die sehr viele hellen Stellen haben (die in den Raum reflektiert werden und damit Streulicht verursachen) und gleichzeitig auch einige sehr dunkle (die durch das Streulicht aufgehellt werden). Ein Schachbrett wäre ein banales Beispiel dafür. In allgemein düsteren Szenen fällt der Effekt weniger auf, weil hier die hellen Bildstellen fehlen, die das Streulicht überhaupt erst verursachen können.

Maßnahmen gegen Streulicht

Der einzige Weg, Streulicht so gut wie möglich zu verhindern, ist es, die Reflexionen im Raum zu unterbinden. Das Licht soll zwar von der Leinwand reflektiert werden — anschließend soll es der Raum aber möglichst vollständig verschlucken. Das lässt sich erreichen, indem der Raum mit möglichst vielen dunklen Oberflächen ausgestattet wird.

  • schwarze oder zumindest dunkelgraue Wände
  • eine dunkle Decke und dunkler Fußboden
  • keine reflektierenden sondern matte Oberflächen
  • Teppich statt Laminat oder Fliesen
  • Vorhänge vor den Fenstern
  • dunkle Möbel, Sessel und Einrichtungsgegenstände

Jetzt dürfte auch klar sein, warum Kinos stets sehr dunkel eingerichtet sind. In Wohnzimmer-Kinos wird sich um des häuslichen Friedens Willen vieles davon kaum realisieren lassen. Wer will schon immer zwischen schwarzen Wänden sitzen? Wenn Ihr aber einen separaten Heimkinoraum zur Verfügung habt, solltet Ihr keinesfalls auf die durchweg dunkle Einrichtung verzichten.

Prioritäten

Dennoch hilft jede dunkle Fläche weiter, das Streulicht zu reduzieren. Und das kann, richtig eingesetzt, auch zum Wohnen sehr schick aussehen.

Am wichtigsten ist der Bereich um die Leinwand herum. Wände und Decke sollten mindestens 1, besser 2 Meter vor der Leinwand so dunkel wie möglich gehalten werden. In diesem Bereich sind Reflexionen besonders kritisch, weil sie von dort mit hoher Intensität gleich zurück auf die Leinwand geworfen werden.

Farbliche Gestaltung

Es muss nicht immer schwarz sein. Auch dunkle Farben vermeiden Streulicht schon sehr gut. Denkt nur an rote oder blaue Sitzbezüge und Vorhänge in Kinos. Übertreiben sollte man es damit aber nicht, da Farben immer noch bestimmte Teile des Lichts reflektieren. Das kann unter Umständen bewirken, dass im Raum und letztendlich auch im Bild ein Farbstich entsteht.

Besser sind also neutrale Grautönen. Auch diese helfen schon sehr gut und wirken in modernen Wohnzimmern sehr gut.

Eine gute Möglichkeit, eine dunkle Wandverkleidung zuhause anzubringen, ist Baumwollputz. Dieses Material ist relativ unbekannt und von daher vielleicht mal einen Blick wert.

Maskierung der Leinwand

Eine störende Konstante gibt es zudem bei den meisten Filmen: das Cinemascope-Format, in dem ca. 80 % aller Filme vorliegen, sorgt auf 16:9-Leinwänden für schwarze Balken oben und unten. Da diese Balken konstant schwarz sind, fällt Streulich hier natürlich extrem auf.

Kinoraum mit Blick zur Front. Die Leinwand wird durch eine Maskierung abgegrenzt.
Eine Maskierung schränkt den sichtbaren Bereich der Leinwand ein.
Foto: Tobias Dambacher

Im schlimmsten Fall treten sogar vermehrt Reflexionen von der Decke und den Seitenwänden auf. Dadurch erscheinen der obere Balken und die seitlichen Bereiche ungleich heller.

Abhilfe schafft hier eine Maskierung der Leinwand. Der Bereich der Balken wird dabei mit einer schwarzen, Licht schluckenden Fläche abgehängt, wodurch das Bild eingegrenzt wird. Zwar ändert sich dadurch an der Bildqualität rein gar nichts, der wahrgenommene Kontrast steigt aber erheblich.

Es gibt verschiedene Arten von Maskierungen in allen Preisklassen. Im einfachsten Fall kannst du dir eine Maskierung selbst bauen.

Variable Verdunkelung

Wenn dunkle Wände absolut nicht möglich sind, habt Ihr noch ein Ass im Ärmel. Mit Hilfe eines Vorhangsystems könnt Ihr die Seitenwände und — etwas kniffliger — sogar die Decke bei Bedarf schwarz verkleiden.

Die Vorhänge werden dabei an der Front links und rechts neben (und ggf. über) der Leinwand gerafft. An seitlich verlaufenden Vorhangschienen können Sie über 2 Meter oder mehr ausgezogen werden. So entsteht eine Art schwarzer Tunnel, wenn Ihr in Richtung Leinwand schaut.

Wichtig ist hierbei, einen eher dünnen Stoff zu verwenden, damit die Vorhänge nicht so schwer werden und sich leicht ziehen lassen. Zudem greift leichter Stoff nicht so stark in die Akustik ein. Der Stoff sollte außerdem so reflexionsarm wie möglich sein. Sehr beliebt ist hierfür Triple Black Velvet, der aber umständlich importiert werden muss. Wer es ganz perfekt haben will, motorisiert den Vorhang sogar noch.


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Kurz zusammengefasst

  • Wie schwarz die dunkelsten Bildstellen sein können, hängt von 3 wesentlichen Faktoren ab: dem Schwarzwert des Projektors, dem Restlicht im Raum und dem Streulicht von der Leinwand.
  • Der Schwarzwert des Projektors ist technisch bedingt und kann nur durch den Kauf eines hochwertigen Heimkino-Projektors beeinflusst werden.
  • Der Raum sollte komplett verdunkelt werden, um Restlicht zu beseitigen.
  • Streulicht entsteht durch Reflexionen des Lichts, das auf der Leinwand auftrifft, auf allen hellen Flächen im Raum. Es lässt sich nur reduzieren, indem möglichst viele Flächen dunkel gestaltet werden.
  • Besonders wichtig ist der Bereich 1 bis 2 Meter vor der Leinwand, weil hier das meiste Licht direkt auf die Leinwand zurück geworfen wird.
  • Um den Raum wohnlich zu halten, sind Vorhänge eine gute Wahl, die bei Bedarf an den Seitenwänden und der Decke entlang nach hinten gezogen werden.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

9 Gedanken zu „Streulicht auf der Leinwand verhindern

  1. Mir ist es leider strengstens verboten das Wohnzimmer in irgendeiner Form abzudunkeln 😉 und da bin ich auf ■■■■■■■-leinwand.de gestoßen. (Ich hoffe ich darf das hier posten) Funktioniert das was die dort versprechen wirklich, oder geht es ohne abdunkeln nicht? Ich überlege mir so eine Leinwand zu kaufen und ein Rat von einem Experten kann ja nicht schaden.

    1. Hallo Malte,

      das kann ich nicht wirklich empfehlen. Diese grauen oder beinahe schwarzen Leinwände sollen bewirken, dass dunkle Bildstellen wirklich dunkel aussehen, obwohl sie vom Restlicht des Raums erhellt werden. Wie wird dann weiß dargestellt? Indem die Leinwand extrem stark reflektiert. Das resultiert in erster Linie in einem hellen Spot im Bild, dort wo sich der Beamer „spiegelt“. Mit Heimkino-Bildqualität hat das nicht mehr viel zu tun. Sowas ist ganz ok im Umfeld von Präsentationen, wo es nicht auf Qualität sondern Lesbarkeit ankommt.

      Wenn Du nicht verdunkeln darfst, spar Dir das viele Geld und kauf Dir einen ordentlichen, großen Fernseher dafür.

  2. Naja, vielleicht muss es ja nicht sofort ein Fernseher sein. Mit einer sehr guten Kontrastleinwand erreicht man schon ein exzellentes Ergebnis. Ich empfehle dazu den Artikel von Ekki Schmidt:

    https://www.heimkinoraum.de/tests/kontrast-und-spezial-highgain-etc-leinwaende-eine-uebersicht-und-kaufempfehlungen-134

    Ich selbst habe mich für eine Thor von Draper Euroscreen entschieden. Und habe als erste Maßnahme einen schwarz melierten Florteppich vorgelegt. In ei er Zeit planen wir noch einen Vorhang an der Fensterseite. Das Bild hat aber schon jetzt eine sehr anständige Präsenz…

    1. Die Leinwand spielt dann natürlich nochmal eine ganz andere Rolle bei der Bildqualität. Aber unabhängig davon schadet es ja nicht, Streulicht so gut es geht einzudämmen. Einen Unterschied macht es auch bei einer Hochkontrastleinwand.

  3. Hast du mal eine Link wie man die Decke im Bedarfsfall mit Vorhängen abdeckt. Ich betreibe ja auch ein Wohnzimmerkino. Decke weiss und dunkel so gut ich kann ab. Werde jetzt renovieren und mich vergrössern. Habe mich wieder für eine Spalutto mit Vollmaskierung entschieden. Einige sind der Ansicht eine Hochkontrastleinwand wäre in meinem Fall besser. Leider konnte ich mir keinen Vergleich anschauen. Man sagt ja das bei Hochkontrast bei Cinemascope Format die grauen Balken auch verschwinden. Bin mir da nicht sicher ob das mit meinem Epson 7300 funktionieren würde. Hoffe Spalutto war die richtige Wahl mit Vollmaskierung.

    Grüße
    Rolf

    1. Hallo Rolf,

      einen Kommentar weiter oben findest du ein Video, wo sowas ziemlich cool realisiert ist. Kommt ja ansonsten auch ganz darauf an, was du umsetzen kannst und willst. Da gibt es kein Patentrezept.

      Die Leinwand war auf jeden Fall eine gute Wahl. Wenn du grundsätzlich abdunkelst und auch gewillt bist, den Raum nach Möglichkeit dunkel zu gestalten, brauchst du keine Hochkontrast-Leinwand.

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