The Legend of Tarzan (2016)

Zur Demonstration von Dolby Atmos wird gerne auf Regen zurückgegriffen, am liebsten in einem Dschungel mit vielen Tierlauten. Da Demo-Trailer auf Dauer aber irgendwie langweilig sind, gibt es mit The Legend of Tarzan endlich einen richtigen Film, der diese Effekte bietet — und das sogar mit deutschem Atmos-Ton.

Referenz in Dolby Atmos und 3D: The Legend of Tarzan (2016)

In den letzten Jahren hat Disney damit begonnen, eine Reihe von Neuverfilmungen seiner alten Zeichentrick-Klassiker in die Kinos zu bringen. Man könnte daher denken, The Legend of Tarzan gehöre auch dazu. Dem ist aber nicht so, der Film erschien bei Warner. Es handelt sich tatsächlich um eine Fortsetzung der ursprünglichen Geschichte, die mit wenig Hintergrundwissen auch alleinstehend funktioniert.

Das erklärt auch gut, warum dieser Film deutlich erwachsener daher kommt. Auf die Darstellung von Blut wird dennoch weitestgehend verzichtet. Tarzans tierische Ziehfamilie legt zwar großen Wert auf Machtdemonstrationen, was man dem Film auch abkauft; dennoch geht die wirkliche Brutalität hier wie so oft von den menschlichen Eindringlingen aus.

Ein wirkliches Meisterwerk darf man trotzdem nicht erwarten. Zwar wurden einige hochkarätige Schauspieler aufgefahren, und auch der weniger bekannte Alexander Skarsgård meistert seine Hauptrolle ausgesprochen gut. Auch die Rolle des Bösewichts ist mit Christoph Waltz ausgezeichnet besetzt und gespielt, dennoch wird hier viel Potenzial vergeudet, weil Herr Waltz einfach nicht von der Leine gelassen wird.

Der Film will einfach nicht richtig zünden. Die Hintergründe und Motive der verschiedenen Figuren wirken zu undurchsichtig — wer jetzt eigentlich warum und in wessen Auftrag in den afrikanischen Dschungel will, wird nicht so richtig klar. Was bleibt ist ein unmotiviertes Wettrennen vor der Kulisse der Kolonialisierung und Ausbeutung des Kongo. Man wird gut unterhalten, aber sicher nicht vom Hocker gerissen.

An Effekten mangelt es dem Film nicht. Diverse Tiere sind ausgezeichnet animiert und wirken äußerst glaubwürdig. Das kann sich locker mit The Jungle Book (2016) messen. Mit fortschreitendem Filmverlauf geht den CGI-Künstlern zwar etwas die Luft aus und das Finale wirkt allzu künstlich, dennoch sind viele Schauwerte vorhanden.

Wirklich interessant wird der Film hingegen auf der technischen Seite. Die 3D-Fassung ist unbedingt zu empfehlen! Die Tiefe des Dschungels und der Steppe ist gigantisch. Mit Popout-Effekten wurde weder gespart noch übertrieben. Das ganze ist eingebettet in sehr gute Bildqualität, der es weder an Schärfe noch an Farben oder Kontrast mangelt.

Der wahre Star des Films ist jedoch der Ton in Dolby Atmos — auch auf der deutschen Tonspur. Der Dschungel wirkt unheimlich realistisch und räumlich. Aus jeder Ecke pfeift irgendwas. Die Umgebung hüllt den Zuschauer komplett ein. So wird die Wildniss gleich viel realer und man ist froh, dass man diesen Tarzan dabei hat, der einem die Affen vom Hals hält.

Auch an Bassattacken fehlt es dem Film nicht. Bei jeder Gelegenheit rumpelt es ordentlich, wird aber nie aufdringlich. Gleichzeitig geht auch die Präzision nicht verloren. Kleine Details wie das Maschinengewehr fügen sich knochentrocken in die Klangkulisse ein. The Legend of Tarzan ist etwas lauter abgemischt als die meisten anderen Filme, man registriert aber auch einen deutlich höheren Dynamikumfang.

Insgesamt ist dieser Film eine klare Empfehlung für jeden, der sein System mal richtig ausfahren möchte. An tonaler Vielseitigkeit mangelt es sicher nicht. Das entschädigt auch für die kleinen Schwächen in der Handlung, die aber auch deutlich schlimmer sein könnten.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

7 Gedanken zu „The Legend of Tarzan (2016)

  1. Hallo Bert,
    vielen Dank für deinen wirklich tollen Bericht. Habe davon inspiriert mir den Film gekauft und im eigenen Dolby Atmos Heimkino getestet.
    Jetzt habe ich ihn neben Kong Skull Island als zweiten „Testfilm“ für Dolby Atmos auf meiner Homepage http://www.heimkino-atmos.de eingebettet.
    Wäre es für dich okay, wenn ich von meiner Seite einen Link auf deinen Artikel erstelle?
    Grüße Philipp Heister

  2. Danke für die Empfehlung! Werde ich mir dann demnächst mal zu Gemüte führen 🙂 Wie ist es eigentlich mit Material in DTS:X? Hast Du da auch einen Tipp? Habe mir Fast and Furious 8 im Urlaub zugelegt, der hat die englische Spur in dem Format. Aber sonst sieht es da eher spärlich aus, oder?

      1. Danke – aber dann bin ich erst mal raus. Die Umstellung auf UHD wird es bei mir wohl nicht so schnell geben (hauptsächlich wegen des Projektors).

        Hab noch mal ein bisschen recherchiert und eine Website gefunden, wo sage und schreibe 14 Titel gelistet sind (unter anderem Jason Bourne, Crimson Peak und eben Fast and Furious 8), aber meistens liegt DTS:X nur für die englische Tonspur vor (mir egal, gucke eh meist auf englisch – aber weit verbreitet bekommt man es so wohl nicht). Und in der Tat Harry Potter sowie ein paar andere Filme, allerdings zumeist nur auf UHD. Schade, dass man als Bluray-Kunde da in diese Richtung gedrängt wird. Aber so ist das ja oft bei neuer Technik (Software sells Hardware, vor allem bei Spielkonsolen auch ein bekanntes Thema). Andererseits meine ich, dass z.B. Denon und Marantz früher Dolby Atmos auf ihren Geräten laufen hatten, das DTS:X Update kam deutlich später, so es denn schon verfügbar ist.

          1. Ja, da hast Du vollkommen Recht. Das habe ich damals schon beim Lesen dieses Artikels gedacht. Oblivion (da isser wieder :-)) klang auch deutlich besser – nachdem ich etwas an der Raumakustik verändert hatte (in Form von Absorbern)! Und nicht wegen eines anderen Receivers etc. Genauso Adele in der Royal Albert Hall. Und ja, da liegt es in der Tat auch an der Abmischung. Die Star Wars Filme könnten meiner Meinung nach zum Beispiel auch deutlich besser abgemischt sein, als sie es sind. Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau.

            Ich genieße einfach gute Filme – wenn sie mein Equipment ausreizen, schön. Aber wenn der Film nur Stereo (oder gar Mono) hergibt, dann ist das eben so (die Neuvertonung vom „weißen Hai“ in 5.1 kann ich zum Beispiel wegen der neuen Sprecher gar nicht leiden ;-)).

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