Tonsysteme im Heimkino

Für Surround-Sound im Heimkino gibt es verschiedene Tonsysteme. Diese werden üblicherweise bei Verstärkern bzw. Receivern sowie auf DVDs und Blu-rays angegeben. Dieser Artikel soll das nötige Hintergrundwissen zu Tonsystemen und Kanälen vermitteln, bevor ich in späteren Artikeln weiter ins Detail gehe.

Tonsysteme

Dolby Digital und DTS

Die beiden gängigen Tonsysteme für Kinosound sind Dolby Digital und DTS. Das Tonsystem bestimmt das digitale Speicherformat des Tons.Die Systeme unterscheiden sich im Wesentlichen darin, wie die Audio-Daten gespeichert werden. Dafür sind die sogenannten Audio-Codecs zuständig. Dolby Digital verwendet zum Beispiel den Codec AC-3.

In Kinos sind weitere Systeme, wie zum Beispiel SDDS oder Datasat, häufiger anzutreffen. Zudem verbreiten sich unkomprimierte Daten (PCM) immer mehr. Auf DVD und Blu-ray haben sich aber nur Dolby Digital und DTS durchgesetzt.

Welches der Systeme besser ist, hängt wohl vom persönlichen Geschmack ab. Ich bevorzuge stets DTS, weil es einfach dynamischer klingt. Gelegentlich wird behauptet, der Ton würde bei DTS einfach nur mit mehr Bass abgemischt. Tatsächlich verwendet DTS aber von Haus aus eine höhere Datenrate und gibt somit zumindest theoretisch mehr her.

Varianten der Tonsysteme

Sowohl Dolby Digital als auch DTS können mit unterschiedlich vielen Kanälen ausgestattet sein. Diese werden üblicherweise mit Zahlen wie 5.1 oder 7.1 angegeben. Um die Verwirrung für den Anfang perfekt zu machen, zähle ich kurz ein paar sprechende Bezeichnungen auf, die für die jeweiligen Kombinationen aus Systemen und Kanälen gängig sind:

  • Dolby Digital / DTS (5.1,1990er Jahre)
  • Dolby Digital EX / DTS-ES (6.1, ca. 2000)
  • Dolby TrueHD / DTS HD (meist 7.1, seit Blu-ray)

Während sich die ersten beiden Bezeichnungen historisch bedingt auf die Anzahl der Kanäle beziehen, muss die Bezeichnung HD im Namen nicht unbedingt ein Indiz für 7.1-Sound sein. Sie stehen vielmehr für die höhere digitale Auflösung der Audio-Daten, die dadurch mehr Feinheiten im Klang zulassen. Erst die Blu-ray als Speichermedium hat Tonspuren in dieser Qualität möglich gemacht.

Die Namen der Systeme haben also eher eine Bedeutung zu Marketing-Zwecken. Es ist daher nicht sicher, dass eine Tonspur eines Films mit 5.1 oder mehr Kanälen ausgestattet ist, nur weil Dolby Digital dahinter steht. So kann auch eine Stereo-Tonspur ohne weiteres in Dolby Digital oder DTS codiert sein.

Eine weitere Variante der Codierung, hinter der aber nicht der Name einer Firma steht, ist PCM. Dabei handelt es sich um ein Rohformat ohne Komprimierung. Durch die fehlende Komprimierung kommt es zu relativ großen Datenmengen, weshalb es üblicherweise nur für ergänzende Stereo-Tonspuren eingesetzt wird.

Kanäle, Kanäle, Kanäle

Im Heimkino ist praktisch jede Kombination von Kanälen denkbar — wenn auch nicht unbedingt üblich. Die Zahl beschreibt die Anzahl der Lautsprecher — und zwar die normalen Lautsprecher vor dem Punkt und die Anzahl der Subwoofer nach dem Punkt. Hier ein paar mögliche Kombinationen:

  • 1.0 Mono
  • 2.0 Stereo (der Klassiker seit Jahrzehnten)
  • 2.1 Stereo mit Unterstützung durch einen Subwoofer für mehr Tiefbass
  • 3.1 linker, rechter und Center-Kanal mit Subwoofer (Kinosound ohne Surround)
  • 4.1 fast Kinosound, aber ohne Center (Phantom-Center)
  • 5.1 klassischer Kinosound mit separaten Kanälen links, rechts, Center sowie Surround links und rechts
  • 6.1 wie 5.1 mit einem zusätzlichen Center-Kanal hinten
  • 7.1 wie 5.1, aber mit zwei zusätzlichen mittleren Kanälen hinten

Der Kanal für den Tiefbass wird mit X.1 angegeben, weil er kein vollwertiger Kanal mit dem kompletten Frequenzspektrum ist, sondern nur tiefe Töne enthalten kann.

Dolby Surround

Der in den frühen 1990er Jahren übliche Sound im Heimkino und vielen öffentlichen Kinos war Dolby Surround. Dolby Surround ist eigentlich nur gewöhnliches Stereo und konnte deshalb mit den damals längst verbreiteten stereo-fähigen Geräten und Tonträgern genutzt werden. Ein spezieller Decoder berechnet aus dem Stereo-Signal drei zusätzliche Kanäle:

  • Center: die gleichen Tonanteile zwischen links und rechts (was übrig bleibt, wird nach links und rechts verteilt)
  • Surround: ein Tonsignal mit umgekehrter Phase, das technisch bedingt nicht das volle Frequenzspektrum abbilden kann
  • Subwoofer: alle Signale unterhalb einer bestimmten Frequenz

Die beiden hinteren Lautsprecher geben das selbe Surround-Signal aus. Dolby Surround rechnet also die 2.0 Kanäle von Stereo auf 4.1 Kanäle für eine 5.1 Lautsprecheraufstellung hoch. Später kam noch die Weiterentwicklung Dolby Pro Logic II hinzu, bei der auch eine Unterscheidung von links und rechts bei den Surround-Kanälen möglich ist.

Natürlich ist durch die Codierung in nur zwei Kanälen keine so detaillierte Wiedergabe möglich, wie mit 5.1 diskreten Kanälen. Diskret wird das genannt, weil jeder Lautsprecher sein eigenes, unabhängiges Signal von der Tonquelle bekommt. Bei Dolby Surround bleiben technisch bedingt immer Anteile der anderen Kanäle in jedem Kanal übrig. Deshalb klingt das auch immer ein wenig ungenau, besonders was die Surround-Kanälen angeht. Darüber wurde man meist mit der Ausrede hinweg getröstet, der Mensch könne Geräusche, deren Quelle hinter ihm liegt, sowieso nicht genau orten. Dolby Digital hat bewiesen, dass es eben doch einen Unterschied macht.

Dieser kleine historische Ausflug sollte zwei Dinge zeigen:

  1. Die Anzahl der Kanäle kann sowohl für die Tonquelle (DVD, Blu-ray) als auch für die Lautsprecher in einem Heimkino bezeichnend sein.
  2. Verstärker für Heimkinos sind in der Lage, die Anzahl der Kanäle in gewissen Grenzen umzurechnen – sowohl nach oben, als auch nach unten.

So kann eine 7.1-Quelle zum Beispiel auch auf einem 5.1-System wiedergegeben werden. Die zusätzlichen hinteren Kanäle werden dazu in die beiden anderen Kanäle hinein gemischt. Ebenso kann eine 5.1-Quelle auf einem 6.1- oder 7.1-System wiedergegeben werden, indem die gleichen Anteile der beide hinteren Kanäle dem hinteren Center zugeschoben werden. In etwa so, wie das mit dem Front Center bei Dolby Surround gemacht wurde.

In weiteren Artikeln gehe ich näher darauf ein, welche Lautsprecher-Aufstellung sich zuhause empfiehlt und was es mit dem Phantom-Center auf sich hat.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

3 Gedanken zu „Tonsysteme im Heimkino

  1. Mein Nachrüsten steht im Keller (noch) und ist auch von Yamaha. Wie kommt das wohl 😉

    Nee aber mal ganz im Ernst. OK man könnte verschiedene Dinge Probehören, aber das ist ja am wichtigsten bei den Boxen. Bei einem AVR verlass ich mich doch auch gerne auf Erfahrung anderer und schau mich da um.

    Und dank dir wurde es ein Yamaha RX-V575. Wie meine Erfahrungen dann sind, werde ich dich wissen lassen.

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