Die letzte Online-Videothek per Postversand

Videobuster: Filme per Post leihen

Videobuster stellt eines der letzten Angebote dar, Filme als physikalische Medien zu leihen: auf Blu-ray, UHD oder DVD. Dabei überrascht die letzte Hochburg der entleihbaren Silberscheiben mit einer äußerst reichhaltigen Auswahl und hervorragender Abwicklung. Ich nehme das Angebot des Dienstes seit einiger Zeit wahr und habe es auf Herz und Nieren getestet.

Videobuster-Versandumschlag

Es dürfte keinem entgangen sein, dass die Videothek im Land reihenweise schließen, weil sie dem Streaming zum Opfer fallen. Zuletzt hat Amazon angekündigt, ihren erst vor drei Jahren aufgekauften Dienst LoveFilm auf Ende Oktober 2017 einzustellen. Das war zweifellos eine lange geplante, strategische Entscheidung, um den eigenen Streamingdienst als letzten Ausweg weiter nach vorne zu bringen.

Dummerweise hat man als Heimkino-Besitzer gewisse Ansprüche an die technische Qualität der Filme. Streaming kann das im Moment noch nicht ausreichend erfüllen. Zwar haben Apple und Amazon gerade damit begonnen, Filme in 4k-Auflösung und HDR anzubieten, aber bis das jeder nutzen kann und bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Bis dahin ist Videobuster sowas wie die letzte Oase in der kargen Welt des Filmverleihgeschäfts.

Ablauf: Liste füllen und abwarten

Wer von Amazon LoveFilm zu Videobuster wechselt, wird sich gleich heimisch fühlen. Im Grunde funktioniert alles genau gleich, ist aber in fast jedem Detail besser. So viel sei für den Anfang gesagt.

Nach der Registrierung findet Ihr eine leere Wunschliste vor und könnt diese nach Herzenslust mit Filmen füllen. Einen gewissen Füllstand sollte die Liste immer haben, damit es nicht zu Verzögerungen kommt. Eine auffällige Anzeige weist bestens darauf hin, ob die Filme auf der Liste ausreichen, um einen zügigen Versand zu gewährleisten.

Versandumschlag, Blu-ray und Hülle von Videobuster
Der Versandumschlag von Videobuster

Alsbald geht es los: der erste Film wird je nach Verfügbarkeit ausgewählt und für den Versand vorbereitet. Das wird — meist am frühen Abend — auch nochmal per E-Mail angekündigt. Am nächsten Tag befindet sich der Film schon im Briefkasten. Habt Ihr ihn gesehen, werft Ihr ihn einfach im selben Umschlag wieder in den Briefkasten ein. Ein bis zwei Tage später ist er zurück bei Videobuster und das Spiel beginnt von vorne.

Das Angebot von Videobuster

Eine Videothek steht und fällt mit ihrem Angebot. Was das angeht, hat mich Videobuster sofort überzeugt. Ich ziehe mal den direkten Vergleich zu LoveFilm:

  • aktuelle Filme werden deutlich früher zugeschickt (bei LoveFilm hatte ich immer den Eindruck, die seien froh, dass ich ein paar alte Schinken auf der Liste habe)
  • bisher habe ich nahezu jeden Film gefunden, den ich gesucht habe
  • auch ältere und weniger bekannte Filme sind verfügbar (bei LoveFilm landeten viele davon erstmal auf einer Liste, die man am besten mit „schaffen wir vielleicht irgendwann mal an“ beschriften könnte)

Die Medien erstrecken sich von der klassischen DVD über die Blu-ray sowie Blu-ray 3D bis hin zu UHD-Scheiben. Alle Formate sind mit dem Monatsbeitrag abgedeckt. Auch nicht selbstverständlich: was jemals als Blu-ray produziert wurde, ist fast immer auch als Blu-ray erhältlich, und nicht manchmal nur als DVD.

Darüber hinaus gibt es viele Filme auch als Streaming-Angebot, worauf ich hier aber nicht weiter eingehe.

FSK 18

FSK ab 18Sehr erfreulich ist es, dass Videobuster auch den Verleih von Titeln mit FSK 18 anbietet. Bei LoveFilm wurde diese Möglichkeit irgendwann abgeschafft, angeblich weil die Altersprüfung nicht mehr gesetzeskonform sichergestellt werden konnte. (Ich behaupte, das war nur ein erster Schritt, die Leute zum Streaming zu bewegen, aber gut.)

Um zu beweisen, dass Ihr volljährig seid, werdet Ihr durch das PostIdent-Verfahren geschleust. Hier hat sich in den letzten Jahren auch einiges getan. Mit Hilfe einer App geht das heute mit dem Smartphone sehr zügig. Im Wesentlichen müsst Ihr nur Euren Ausweis von beiden Seiten fotografieren und ein kurzes Video von Euch machen. Die Bestätigung an Videobuster erfolgt zügig.

Sehr schnell ist dann also das ebenfalls gute Angebot an blutigen Filmen verfügbar. Wollen wir hoffen, dass das noch lange so bleibt.

Versand: die Post als Flaschenhals

Die größte Schwachstelle an Postversand-Videotheken ist und bleibt die Post. Wenn bei Videobuster ein zurückgeschickter Film eingeht, wird normalerweise noch am selben Tag ein neuer auf den Weg gebracht. Will man für seinen Monatsbeitrag möglichst viele Filme haben, weil dadurch der Preis pro Film sinkt, wird man stets versuchen, einen Film am Tag seiner Ankunft zu schauen und ihn am nächsten Morgen gleich wieder auf den Weg zu bringen.

Daraus ergeben sich zwei mögliche Postumläufe für die Filme, mit denen man zwei Filme pro Woche erhält:

  • Film 1 am Dienstag, Mittwoch zurück — Film 2 am Freitag, Samstag zurück
  • Film 1 am Mittwoch, Donnerstag zurück — Film 2 am Samstag, Montag zurück

Variante 2 hat den Vorteil, dass man am Wochenende etwas mehr Spielraum hat, weil man den Film nicht noch am selben Abend konsumieren muss. Variante 1 hingegen hat einen Sicherheitspuffer: kommt man mal einen Abend nicht dazu oder gibt es Verzögerungen bei der Post, verschiebt sich der Umlauf automatisch zu Variante 2.

Einwurf eines Videobuster-Films in den Briefkasten
Und weg damit: zügiger Rückversand garantiert den nächsten Film innerhalb kürzester Zeit

Wichtig ist, einen Briefkasten für den Rückversand zu finden, der am Tag des Einwurfs noch geleert wird. Ideal sind stark frequentierte Briefkästen, weil diese wirklich täglich geleert werden.

So kann man mit etwas Glück 8 oder sogar 9 Filme pro Monat schaffen. Sobald aber ein Feiertag in den Weg kommt, verzögert sich der Ablauf und es findet ein Wechsel zwischen Variante 1 und 2 statt. Wenn von 2 zu 1 gewechselt wird, kommt in dieser Woche ein Film weniger an.

Das System ist lange erprobt und geht davon aus, dass Ihr es wirklich darauf anlegt, möglichst viele Filme zu bekommen und diese auch immer sofort ansehen könnt. Wenn Euch das nicht so wichtig ist, könnt Ihr das alles ignorieren und Euch den Flatrate-Tarif sparen. Stattdessen reichen dann die 4 Filme pro Monat für weniger Geld. Dann sind auch die Umlaufzeiten sehr entspannt. Mehr zu den Tarifen gleich weiter unten.

Derweil habe ich Gerüchte gehört, die Post plane eine Einschränkung der Tage, an denen normale Post zugestellt wird. Man solle sich wohl drei Tage pro Woche raussuchen, an denen man Post erhalten will. Wenn das wahr ist, wird es immer bunter in der tollen Frechheitenwelt der Briefzustellung. Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen das ggf. hat.

Prioritäten setzen

Die Auswahl des als nächstes zugeschickten Films erfolgt nach einem Algorithmus, der die Wunschlisten aller Videobuster-Kunden berücksichtigt. Ihr bekommt also irgend einen Film von Eurer Wunschliste. Das ist wohl der größte Nachteil des Postverleihs — lässt sich bei Videobuster aber durch ein spezielles Angebot umgehen (gleich mehr dazu).

Beeinflussen könnt Ihr die Auswahl durch die Priorität in der Wunschliste. Für jeden Film könnt Ihr eine hohe, mittlere oder niedrige Priorität festlegen. Videobuster wird bei der Auswahl des nächsten Films immer versuchen, einen mit höchster Priorität zu bekommen.

Bis dahin ist das nichts, was es bei LoveFilm nicht auch schon gegeben hätte — auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Priorität deutlich genauer befolgt wird.

Filmreihen in der richtigen Reihenfolge

Ein richtig cooles Feature ist in diesem Zusammenhang allerdings die automatische Sortierung von Filmreihen. Setzt man mehrere Filme aus einer Reihe auf die Liste, sorgt Videobuster automatisch dafür, dass diese in der richtigen Reihenfolge zugeschickt werden.

Serienfunktion in der Videobuster-Leihliste
Die Serienfunktion sorgt für die richtige Reihenfolge

Bei LoveFilm musste man sich da immer mit hohen und niedrigen Prioritäten behelfen. Hatte man aber mal vergessen, den nächsten Teil auf hohe Priorität zu setzen, war er gleichwertig mit allen anderen Teilen, wodurch möglicherweise ein späterer Teil vorher zugeschickt wurde.

Das ist bei Videobuster unproblematisch und ermöglicht es die Priorität für die gesamte Filmreihe zu nutzen. So könnt Ihr Euch alle Teile von Star Trek auf die Liste setzen und bekommt sie garantiert in der richtigen Reihenfolge.

Tarife und Kosten pro Film

Kommen wir zu den Tarifen und Kosten. Hier zeigen sich auf den ersten Blick zwei wesentliche Unterschiede:

  • Videobuster bietet verschiedene Tarife an, die sich in der Anzahl der zugeschickten Filme pro Monat unterscheiden. Ziemlich genau so, wie es bei LoveFilm mal war, bevor es von Amazon aufgekauft wurde.
  • Videobuster ist etwas teurer als LoveFilm, aber bei näherer Betrachtung der Leistung immer noch günstig genug.

Die Tarife beinhalten unterschiedliche Mengen an Filmen pro Monat, wobei jeder etwas passendes finden dürfte. Ab den Flatrate-Tarifen werden beliebig viele Filme zugeschickt, was nur durch die Transportzeiten der Post eingeschränkt wird. In der 2er-Flatrate bekommt man immer 2 Filme auf einmal und muss diese beide zurück geschickt haben, bevor die nächsten beiden kommen. Das lohnt sich nur dann, wenn man es schafft, beide Filme am Tag des Posteingangs anzusehen.

Daher bedeutet — wie oben beschrieben — schnellerer Versand auch mehr Filme und damit ein niedrigerer Preis pro Film. Der beste Preis, den man erzielen kann, beträgt ungefähr 1,60 € pro Film. Das ist eigentlich angenehm günstig, wenn man es mal mit herkömmlichen Videotheken oder Streaming vergleicht.

Weitere Angebote

Hinzu kommen weitere Angebote, wie Video on Demand (also Streaming) und die Möglichkeit, manche Filme nach dem Leihen relativ günstig käuflich zu erwerben. Letzteres kommt dem Abverkauf klassischer Videotheken gleich. Ganz nebenbei bietet Videobuster auch einen Shop an oder liefert zum Film gleich Popcorn oder Gummibärchen dazu.

A la Carte: genau dieser Film, genau jetzt

Hervorheben möchte ich aber den A la Carte Verleih, der den größten Nachteil des Postverleihs zum Teil ausgleicht — nämlich dass man nicht mit Sicherheit bestimmen kann, was man als nächstes zugeschickt bekommt.

Eine A la Carte Bestellung kann jederzeit unabhängig vom gewählten Tarif und den aktuell im Umlauf befindlichen Filmen erfolgen. Ihr bekommt dann genau diesen bestellten Film zugeschickt. Das kostet natürlich eine zusätzliche Leihgebühr, die abhängig davon ist, wie gefragt der Film noch ist. Hinzu kommen in diesem Fall auch die Versandkosten.

Leihoptionen für einen Videobuster-Film

Das ist im Grunde völlig in Ordnung, wenn der Kauf des Films ausgeschlossen ist (das Ausleihen also trotzdem noch die günstigste Variante darstellt). Am besten nutzt man das wohl, wenn man genau diesen Film an genau jenem Tag sehen möchte — zum Beispiel wenn sich Gäste vorab einen bestimmten Film gewünscht haben.

Mobile Filmbestellung lässt zu wünschen übrig

Bei all dem Lob muss ich mir jetzt auch noch irgendwas negatives aus den Fingern saugen. Nicht dass das hier unglaubwürdig wird.

Was mich tatsächlich etwas stört, ist die Verwendung von Videobuster auf dem Smartphone. Die Webseite passt sich leider nicht an kleine Bildschirme an. Zwar kann man alle Funktionen nutzen, die Bedienung ist aber umständlich und es fällt schwer, den Überblick zu behalten.

Bei LoveFilm gab es als Alternative noch eine App. Die war zwar auch nicht so das gelbe vom Ei, aber man konnte seine Wunschliste damit gut verwalten und neue Filme finden. Auch das bietet Videobuster nicht an. Zwar gibt es eine App von Videobuster, aber die ist nur für die Wiedergabe von Video on Demand gedacht (was mehr schlecht als recht funktionieren soll).

Nun ja, das ist zwar schade, aber es geht auch so. Man sollte dabei auch bedenken, dass man im Grunde auch nur alle paar Wochen mal auf die Seite gehen muss und ansonsten alles von alleine läuft.


Insgesamt ist Videobuster mehr als nur eine gute Alternative zu LoveFilm. Das Angebot bietet weit mehr als der eingestampfte Amazon-Dienst. Das zeigt sich insbesondere bei der Auswahl der Filme und der Verwaltung der Wunschliste. Spätestens auf Ende Oktober sollten LoveFilm-Kunden also über einen Umzug nachdenken. Bonus-Feature: Videobuster bietet eine Funktion, um die Leihliste von LoveFilm automatisch zu kopieren.

Als jemand, der viele Filme sehen will, aber nur die allerbesten kauft — und dem die Qualität klassischer Datenträger immer noch mehr wert ist als die halbgaren und überteuerten Streaming-Angebote — passt mir Videobuster sehr gut in den Heimkino-Alltag. Hoffen wir, dass es den Dienst als einen der letzten seiner Art noch sehr lange geben wird.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

4 Gedanken zu „Videobuster: Filme per Post leihen

  1. Ich kann nur beipflichten. Nachdem ich von 2011 bis 2017 mit Lovefilm gearbeitet habe, bin ich im August zusätzlich zu VB gegangen.

    VB ist aus meiner Sicht in fast allen Punkten gleichgut oder besser. Lediglich die Option von zwei Leihlisten, mit denen man die Toptitel erzwingen konnte fehlt bei VB. Aber bisher hat VB nur max 3 Lieferungen lang die einzigen beiden Top Prios ignoriert, dann kamen sie. Ich denke, dass lässt sich aushalten.

    Jetzt stellt sich ja tatsächlich die Frage, wie lange das noch gut geht. Solche Quellen sind echt durch mehrere Feinde bedroht. Halten Sie durch? Liefert die Post weiter so, dass es bezahlbar bleibt? ( Hier könnten evtl mehr Artikel bei weniger Lieferungen in einem Abo helfen)

    Fakt ist, weder Amazon noch Netflix liefern die Qualität, die für ein Heimkinosetup mit grösserer Leinwand und HD Ton Formaten notwendig ist. Und falls es mal einen Anbieter wie Kaleidoskape geben wird, wird das wahrscheinlich richtig teuer…

    Mal abgesehen davon, dass die Streaming Anbieter keine Zoomfunktionen bieten um die schwarzen Balken zu eliminieren.

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