Ich sehe was, was du nicht siehst

Heimkino mit Vorschaumonitor – So wirst Du zum Filmvorführer

Wer das Hobby Heimkino richtig lebt, wird früher oder später selbst zum Filmvorführer. Immer mehr Details fügen sich im Laufe der Zeit zusammen — seien es die äußerst nützlichen Getränkehalter oder einfach nur eine Universalfernbedienung. Eines dieser unglaublich praktischen Details ist ein Vorschaumonitor. Damit wird eine Vorstellung in Eurem Heimkino nicht nur für Gäste perfekt.

Ein Heimkino-Technikraum mit Vorschaumonitor, der das Logo des Kinos anzeigt.
Nah an der Technik: der Vorschaumonitor im Skyline Four
Foto: Nils Hitschke

Fast schon zur Pflicht wird ein Vorschaumonitor, wenn die Technik des Heimkinos in den Nebenraum ausgelagert ist. Das ist meist der Fall, wenn auch der Projektor in einem anderen Raum steht. Aber auch für Heimkinos mit der Technik im selben Raum oder sogar Wohnzimmer-Kinos mit TV kann ein Vorschaumonitor äußerst nützlich sein.

Wozu ein Vorschaumonitor?

Stellt Euch vor, Ihr würdet ins Kino gehen und könntet beim Betreten des Kinosaals auf der Leinwand einen Windows-Desktop sehen. Ein Mauszeiger fährt wild herum und stellt Werbung, Trailer und Hauptfilm für die Vorstellung zusammen. Auch wenn dieses Beispiel an ziemlich dünnen Haaren herbeigezogen ist, wäre das nicht besonders prickelnd, oder?

Im Heimkino ist das nicht anders. Der freie Blick auf das Blu-ray Menü zerstört einen großen Teil der mühsam erzeugten Kino-Atmosphäre. Wer ein Heimkino betreibt, übernimmt automatisch die Verantwortung als Filmvorführer — und unter Filmvorführern gibt es eine Art Ehrenkodex, der besagt, dass der Zuschauer ein perfekt gestaltetes Kinoprogramm sehen soll.

Wenn Ihr jetzt denkt, dass ich spinne, lest trotzdem weiter.

Ein Technikraum mit Vorschaumonitor
Praktisch: separater Technikraum mit Vorschaumonitor wie hier im Mayerplex
Foto: Michael Mayer

Ein Vorschaumonitor hilft Euch, die Lampenlaufzeit Eures Projektors zu reduzieren. Bis der Film eingelegt und startklar ist, bis alle Gäste sitzen und ihr Popcorn haben, kann der Projektor ausgeschaltet bleiben. Das spart mindestens 5 Minuten pro Film, was sich unter Umständen schnell aufsummiert.

Hört Ihr auch Musik im Heimkino? Auch das kann deutlich angenehmer sein, wenn kein Projektor an der Decke rauscht. Klar, es gibt viele Alternativen, die ausschließlich über eine App zu steuern sind. Aber spätestens, wenn Ihr mal eine DVD-Audio einlegt, kann die Steuerung ohne sichtbares Menü schwierig werden.

Nicht zuletzt gibt es heute kaum noch einen AV-Receiver, der sich ohne Bildschirm-Menü steuern lässt. Wer während dem Musikgenuss schnell mal eine Feinjustierung vornehmen will, ist bei ausgeschaltetem Projektor aufgeschmissen.

Ein gut platzierter Vorschaumonitor löst also ziemlich viele alltägliche Probleme — ganz besonders in Heimkinos mit Projektion.

Voraussetzung: 2 HDMI-Signale

Wer Projektor und Fernseher parallel betreibt, kennt das Problem schon: Sowohl der Projektor als auch der Monitor brauchen ein HDMI-Signal. AV-Receiver aus mittleren und hohen Preisklassen verfügen häufig über zwei Ausgänge. Damit seid Ihr praktisch aus dem Schneider.

Der zusätzliche HDMI-Ausgang muss sich zwingend am AV-Receiver befinden. Wir wollen ja in der Vorschau alle möglichen Quellen sehen können — und die laufen nun mal am AV-Receiver zusammen. Wenn der Blu-ray-Player einen zweiten Ausgang hat, ist das nett, bringt uns aber nur etwas, wenn uns als Vorschau ein Blick auf die Blu-ray genügt.

Wer nicht über zwei HDMI-Ausgänge verfügt, benötigt einen HDMI-Splitter. Achtung: Splitter, nicht Switch! Ein HDMI-Splitter hat einen HDMI-Eingang und teilt diesen auf zwei Ausgänge auf.

Mit einem zusätzlichen HDMI-Kabel wird der Splitter zwischen AV-Receiver und Projektor gesteckt. Das kann irgendwo auf halber Strecke erfolgen, oder direkt hinter dem AVR — je nachdem, was für die Kabelführung praktischer ist. Nun könnt Ihr den zweiten Ausgang des Splitters für den Vorschaumonitor nutzen.

Anforderungen an den Monitor

Häufig schließt jemand einen Vorschaumonitor an, wenn er eben noch einen ungenutzt rumstehen hat. Kann man machen, aber diese Lösung kann kleine Nachteile haben.

Grundsätzlich spricht nichts gegen einen ältere, ausrangierten Monitor. So erfüllt er noch einen Zweck und ist dank universeller Halterungen auch später noch gut austauschbar, wenn er an einer Wand montiert wurde. Gerade die Bildqualität des Monitors ist eigentlich völlig egal.

  • Wichtig ist, dass der Monitor HDCP unterstützt. Das ist der auf Blu-rays hinterlegte Kopierschutz. Ohne HDCP kann der Monitor die Inhalte einer Blu-ray nicht anzeigen und nützt uns somit nicht wirklich viel.
  • Aus dem gleichen Grund sollte der Monitor über einen HDMI-Eingang verfügen. Das ermöglicht den direkten Anschluss und vereinfacht die Sache damit. Alternativ kann mittels eines Adapters auch ein DVI-D Anschluss verwendet werden. Hier ist nochmal besonders auf die Unterstützung von HDCP zu achten.
  • Als drittes Kriterium ist die Auflösung des Vorschaumonitors entscheidend. Es ist hierbei wirklich sehr vorteilhaft, wenn der Monitor eine native Auflösung von 1920×1080 Pixeln bietet — also FullHD. Alternativ ist auch die UltraHD-Auflösung von 3840×2160 Pixeln gut geeignet, besondern wenn man schon auf 4k umgestellt hat.
Heimkino-Technikraum mit Filmregal und Vorschaumonitor
Der Technikraum im Skyline Four

Diese exakte Auflösungen im 16:9-Format ermöglichen die unveränderte Ausgabe des Signals einer Blu-ray, ohne die Auflösung anpassen zu müssen. Das erleichtert den HDMI-Handshake und vermeidet unnötige Wechsel zwischen verschiedenen Auflösungen, wenn Vorschaumonitor und Projektor gleichzeitig aktiv sind. Der Player wird bei zwei angeschlossenen Geräten nämlich stets versuchen, die Auflösung des schlechteren Geräts auszugeben. Daher sollten beide Geräte zumindest in diesem Punkt gleich gut sein.

Ob kleiner Fernseher oder Computer-Monitor ist also ziemlich egal — beides kann gut funktionieren. Ein Fernseher hat sicher den Vorteil, dass er in jedem Fall die exakte FullHD-Auflösung nativ unterstützen dürfte. Bei PC-Monitoren muss man da schon etwas länger suchen, weil hier oft das 16:10-Format mit einer etwas höheren vertikalen Auflösung eingesetzt wird, oder die Auflösung je nach Größe generell stark abweicht. Dafür ist ein einfacher Monitor meist deutlich günstiger als ein Fernseher und bietet weniger Funktionen, die die Bedienung kompliziert machen.

Kleine Ergänzung für 3D-Fans

Wer gerne mal eine 3D Blu-ray einlegt, dürfte bei der Ausgabe über einen Vorschau-Monitor bald ernüchtert sein. Der HDMI-Handshake zwischen den Geräten teilt dem Blu-ray-Player nämlich mit, dass am Ende der Kette ein Gerät hängt, das 3D nicht unterstützt. Das veranlasst viele 3D-Filme dazu, Euch nicht zum Menü durchzulassen, sondern stattdessen eine Meldung anzuzeigen, die auf die Notwendigkeit eines 3D-fähigen Fernsehers oder Projektors hinweist.

Wenn der Vorschaumonitor 3D unterstützt, sollte das Problem gar nicht erst auftreten. Da Ihr aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ein günstiges oder ausrangiertes Gerät verwenden werdet, benötigt Ihr vielleicht eine zusätzliche Lösung, um bei 3D-Filmen kein unerwünschtes Verhalten beider Bildausgabegeräte zu erhalten.

Ein HDMI EDID Manager: schwarzer Kasten mit je einem HDMI-Ein- und Ausgang sowie einem Schalter zur Wahl des unterstützen Signals.Ein HDMI EDID Manager wird zwischen AV-Receiver und Blu-ray-Player gehängt und „fälscht“ für Euch die Informationen beim HDMI-Handshake. Egal was dahinter hängt, gibt der EDID Manager an, es wäre ein 3D-fähiges Endgerät angeschlossen.

Der Vorschaumonitor wird mit dem Signal dann zwar nicht viel anfangen können, aber bei der vergleichsweise geringen Zahl an 3D-Filmen ist das sicher zu verkraften. Dafür macht der Player keinen Ärger mehr und die Ausgabe auf dem Projektor sollte fehlerfrei erfolgen.


Reduzierte Lampenlaufzeit, kein Lüftergeräusch bei Musik, aber vor allem die perfekte Kino-Atmosphäre für Euch und Eure Gäste — wer einmal einen Vorschaumonitor hatte, will ihn meistens nicht mehr hergeben. Das schöne daran: es muss nicht teuer sein. Günstige Modelle wie etwa von Medion (Aldi) oder Philips leisten gute Dienste.

Aber es geht auch ohne auffälligen Bildschirm im Heimkino. Wie Ihr mit etwas Bastelei eine Vorschau Eures AV-Receivers auf das Smartphone oder Tablet bekommt, zeige ich Euch demnächst.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

6 Gedanken zu „Heimkino mit Vorschaumonitor – So wirst Du zum Filmvorführer

  1. Hallo Bert,

    ich weiß nicht, ob es bei mir ein Sonderfall ist, oder ob ich konzeptionell was falsch mache. Folgender Aufbau bei mir:
    Ich habe einen relativ neuen Yamaha-AVR (RX-V581) mit leider nur einem HDMI-Ausgang. Ich habe genau den Fall, dass ich für alle Einstellungen und Optimierungen nicht immer den Beamer laufen lassen will. Dafür habe ich noch einen alten Monitor, allerdings nur mit VGA- und DVI-Anschluss.
    Jetzt habe ich mir einen HDMI-Splitter mit EDID-Ansteuerung beschafft. Im Prinzip, die von dir vorgestellten Produkte in einem. Ich hatte mir erhofft, Beamer und Monitor parallel anzusteuern und dem AVR vorzugaukeln, es wären zwei HDMI-Geräte daran. Ich bekomm auch ein Bild, aber das Problem ist, dass das Menü des AVR nicht dargestellt wird. Lt. Handbuch wird es nur an HDMI-Geräte ausgegeben.
    Wie kann ich nun den AVR überreden, an den Monitor das Menü auszugeben? Menü alleine würde mir ja auch schon reichen. Über die EDID-Manipulation des HDMI-Handshakes scheint es nicht zu funbktionieren.
    Gibt es irgendeinen Konverter, der das HDMI-Signal in ein DVI- oder VGA-Signal wandelt?

    Mit freundlichen Grüßen

    1. Zunächst mal muss man HDMI nicht in DVI umwandeln, weil die Signale zueinander kompatibel sind. In VGA zu wandeln wird nicht gehen, weil VGA den HDCP-Kopierschutz nicht unterstützt.

      Welche Auflösung hat denn der Monitor? Ich könnte mir vorstellen, dass der AVR sein Menü nur bei bestimmten Auflösungen ausgeben kann und man deshalb nichts sieht. Ist die Bildqualität ansonsten ok oder sehr verwaschen? Welche Auflösung zeigt denn der Monitor in seinem Menü an, wenn das Signal aktiv ist?

      Was für ein Splitter mit integriertem EDID Manager ist denn das?

      1. Der Monitor hat eine max. Auflösung von 1680×1050 Pixel. Bei Anschluss an den AVR wird mir eine Anzeige von 576p angegeben. Das Bild ist schon eher verwaschen. Bei weitem nicht das, was man von HD gewohnt ist.
        Der Splitter ist ein Liga 6518748 (Splitter mit Audi Extractor, ARC und EDID Control). Bei allen Einstellungen bleibt der Monitor dunkel, es sei denn, ich kopiere die Einstellungen des 2. HDMI Ausgangs. Es sieht wohl so aus, als könne der Monitor nicht mit 720p oder 1080i/p umgehen, obwohl er 1050 Zeilen hat (Fujitsu B22W-5).

        1. Ok, das erklärt einiges. Der AVR liefert dann wohl unter allen möglichen Auflösungen den kleinsten gemeinsamen Nenner beider Endgeräte. Und das ist dann dummerweise 576p. Das AVR-Menü wird dann vielleicht deshalb nicht angezeigt, weil es selbst eine deutlich höhere Auflösung hat (soll heißen, mehr Platz braucht) und nicht vollständig angezeigt werden könnte.

          Du könntest mal noch probieren, den Monitor alleine an den AVR zu hängen, ohne Splitter. Vielleicht kann er dann eine höhere Auflösung. Das sollte aber nichts anderes als „Copy Out 2“ sein, wenn der Splitter richtig funktioniert.

          Das ist dann jetzt natürlich Blöd, was die Verwendung dieses Monitors angeht. Aber zumindest ist es ein schönes Beispiel dafür, weshalb der Vorschaumonitor eine Auflösung unterstützen sollte, die den gängigen Multimedia-Geräten (also nicht PCs) entspricht.

          Das Problem ist höchstwahrscheinlich, dass 1680×1050 einem Seitenverhältnis von 16:10 entspricht, nicht 16:9 wie benötigt. Daher wird der Monitor per HDMI-Handshake auch nicht melden, dass er notfalls ja 1280×720 könnte (was kompatibel wäre), sondern stattdessen 1280×800, was dann der AVR nicht versteht, weil es keine typische Heimkino-Auflösung ist.

          1. Das scheint es tatsächlich gewesen zu sein. 🙂
            Ich habe den Monitor einzeln angehangen und siehe da, alles funktioniert. Es sind über den EDID Controller sogar 1080p möglich. Aber nur, solange der Beamer nicht angeschlossen ist. Komische Konstellation. Irgendwas passt da nicht zusammen. Macht aber nichts, mein Zweck ist erfüllt. Ich hatte nicht unbedingt die Funktion eines Kontrollmonitors im Sinn, sondern eine Anzeige bei Optimierungs-und Einstellarbeiten. Nun kann ich die Arbeiten durchführen ohne den Beamer laufen lassen zu müssen.

            Danke nochmal!

          2. Ok, das ist seltsam. Wahrscheinlich sagt der Monitor dann beim Handshake „diese Auflösung kann ich eigentlich nicht“, aber wenn er sie dann doch bekommt, zeigt er sie halt notgedrungen an.

            Eventuell probierst Du noch einen einfacheren Splitter ohne EDID-Manager. Oder vielleicht findest Du mit etwas Glück sogar einen HDMI-Splitter mit manueller Umschaltung, also eher eine Weiche. Ein Switch wäre das falsche, der geht andersrum. Eventuell gibt es eine HDMI-Matrix, die das kann.

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