Warcraft – The Beginning (2016)

Selten habe ich einen Film mit so viel Vorfreude erwartet wie Warcraft — The Beginning. Als Warcraft-Spieler der (nicht ganz) ersten Stunde war es mir schon lange ein Anliegen, diese Fantasywelt auf der großen Leinwand zu erblicken. Als Blizzard dann endlich ankündigte, einen Film zu drehen, noch dazu eine Realverfilmung, war die Aufregung und erst recht die Erwartung entsprechend groß.

Bild- und 3D-Referenz: Warcraft — The Beginning

Oft hört man, dass mit Warcraft — The Beginning der teuerste Fanfilm aller Zeiten produziert wurde. Für Fans der Warcraft-Spiele ist dieser Film definitiv ein gefundenes Fressen. Die Anzahl der Details und Anspielungen auf die Spiele ist der pure Wahnsinn! Es vergeht kaum eine Szene, in der nicht irgendetwas passiert oder zu sehen ist, das einem Spieler sehr bekannt vorkommen dürfte.

Das beginnt bei kleinen Details wie dem gurgelnden Murloc auf dem Felsen im Fluss oder der holprigen Landung des Greifen in Sturmwind mit hektischem Absteigen und Wegrennen des Reiters (eigentlich ein Ergebnis der Spielmechanik und ungeduldiger Spieler) und endet noch lange nicht mit dem berüchtigten Schaf-Verwandlungszauber. Besonders langjährige Spieler von World of Warcraft kommen hier auf ihre Kosten.

Bei all dem Detailreichtum gibt es auch nicht so schöne Seiten. So wurden zum Beispiel zu viel Handlung und zu viele Charaktere in zu wenig Spielzeit gepackt. Wer den Film sieht, ohne die Spiele zu kennen, dürfte sich hier innerhalb kürzester Zeit überfordert fühlen und alsbald verloren vorkommen. Im wesentlichen wurde die Handlung des ersten Spiels, Orcs & Humans, verfilmt, was nicht gerade wenig ist.

Bei der unglaublich hohen Informationsdichte verwundert es dennoch, dass die Handlung erheblich gekürzt und zur weiteren Vereinfachung teilweise Fakten der Warcraft-Geschichte verdreht wurden. Das ist der zweite Kritikpunkt, den man zwar verstehen kann, der aber eingefleischten Fans sauer aufstoßen dürfte. Die Geschichte von Warcraft ist neben dem Tolien-Universum wahrscheinlich eine der komplexesten und am besten ausgearbeitetsten Fantasywelten überhaupt. Insofern tritt man seinen langjährigen Anhängern schon mal auf die Füße, wenn man Fakten verdreht oder wichtiges weg lässt.

Aber es hat wohl kaum jemand geglaubt, dass es perfekt werden würde. Entschädigt werden wir mit Orcs, die menschlicher kaum sein könnten und allen anderen die Show stehlen. Unter den anderen Schauspielern hingegen hätte dem Film die eine oder andere bekannte Nase nicht geschadet.

Auf der technischen Seite kommt der Film bassgewaltig rüber, wie man das von Kriegstrommeln und schwerer Musik erwarten würde. Die Abmischung ist gut gelungen, wenn auch noch nicht herausragend.

Dagegen ist das Bild allererste Sahne! Hell und farbenfroh, jedoch nicht völlig überzogen kommt es daher. Es gibt keinerlei Filmkorn oder ungewollte Unschärfen, die negativ auffallen würden. Passend zum inhaltlichen Detailreichtum präsentiert sich Azeroth auf der Leinwand ebenso scharf und detailliert. Wenn man diesen Film gesehen hat, kann man sich ernsthaft fragen, wozu man bitteschön noch UltraHD bzw. 4k braucht.

Auch in 3D ist der Film ein Leckerbissen und unterstreicht die Tiefe der Welt ungemein. In schnellen Kampfszenen behält man weitestgehend den Überblick und muss nicht vor Überforderung die Augen schließen. Gelegentliche Popout-Effekte wirken sehr sauber aber niemals aufdringlich und bilden damit die Kirsche auf der Sahne.

Ein kleines Aber gibt es: diese Rezension bezieht sich nur auf die Blu-ray! Die UHD-Version des Films ist dagegen ein schlechter Witz. Statt 4k kommen da nur 2k vom Mastering rüber. Viele Käufer berichten, dass die Bildqualität der UHD sogar wahrnehmbar schlechter sei.

Alles in Allem ist Warcraft — The Beginning somit ein wunderbarer Film zur Demonstration von Bild- und 3D-Qualität, aber auch von kräftigem Sound. Wenn man über die inhaltlichen Schwächen hinweg sehen kann oder unerfahrenes Publikum offen für das Genre ist, kann man so den perfekten Popcorn-Abend erleben.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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