Nicht so schnell wie auf der Packung angegeben

Ist WLAN für Media Streaming geeignet?

Ob Mobiltelefon, Tablet oder Notebook — so ziemlich jedes Gerät kann sich heute drahtlos mit einem Netzwerk verbinden. Auch Heimkino-Geräte sind mittlerweile kaum noch ohne WLAN erhältlich. AV-Receiver werden per App gesteuert und erhalten Musik direkt von einem Streaming-Anbieter. Fernseher oder Blu-ray-Player, die nicht wenigstens eine YouTube-App anbietet, muss man schon suchen.

WLAN + Film = Wartezeit

Auch Filme werden durch das heimische Netzwerk übertragen. Sei es vom eigenen NAS-Medienserver oder von Internet-Diensten wie Amazon Prime Video oder Netflix. Die Zahl der Geräte, die Streaming-Angebote wiedergeben können, sind inzwischen kaum noch zu zählen: Amazon Fire TV, Apple TV, Google Chromecast aber auch Kodi auf fast beliebiger Hardware sind nur die bekanntesten Vertreter.

Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam:

  1. Sie verbinden sich — gerne per WLAN –mit dem heimischen Netzwerk, um eine Internetverbindung herzustellen.
  2. Sie müssen eine Menge Daten durch das Netzwerk ziehen, um Filme in guter Qualität wiedergeben zu können.

Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz. WLAN, wie wir es aktuell zur Verfügung haben, ist für Filme nur bedingt ausgelegt.

Gleich vorweg: Ich spreche hier von Filmmaterial, das zumindest auf den ersten Blick nicht sofort von einer Blu-ray zu unterscheiden ist — also 1080p Full HD und 5.1-Sound. Genau genommen hat das noch lange nichts mit der Qualität einer Blu-ray zu tun, aber zumindest kann man sich Filme in dieser Auflösung meist ohne Schmerzen ansehen.

Was ist nun das Problem mit WLAN? Ein durchschnittlicher Film in akzeptabler Qualität hat eine Datenrate von rund 10 Kbit/s (Kilobit pro Sekunde). Kein Problem also für ein WLAN, das in der Regel 100 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) schafft, sollte man meinen. Rein rechnerisch mag das stimmen. Aber der Schein der heilen WLAN-Welt trügt.

WLAN bremst aus

WLAN ist eine stark verlustbehaftete Übertragungstechnik. Verluste entstehen zwangsläufig, weil die Daten einfach durch die Luft flattern. Abhängig von

  • der Stärke und Stabilität des Signals,
  • der zu überbrückenden Strecke und
  • Hindernissen zwischen Sender und Empfänger

fallen diese Verluste stärker oder schwächer aus, aber sie sind aus Prinzip immer vorhanden.

An sich ist das erstmal nicht schlimm, weil Netzwerktechnik so ausgelegt ist, dass fehlerhaft übertragene Daten einfach nochmal übertragen werden — so lange bis sie richtig angekommen sind. Das bedeutet aber auch, dass wesentlich mehr Daten zu senden und zu empfangen sind, als tatsächlich benötigt werden.

Gehen nur 50% der Daten verloren, müssen also schon doppelt so viele Daten übertragen werden, wovon die Hälfte Ausschuss ist. Nicht gerade sehr effizient, aber so funktioniert kabellose Datenübertragung nun mal.

WLAN ist nicht so schnell wie angegeben

Von vorneherein kommt aber hinzu, dass die am WLAN-Router angegebenen 100 Mbit/s im Echtbetrieb nicht vorkommen. Auch der Empfänger muss diese Geschwindigkeit unterstützen und nutzen — die wenigsten machen das.

Greifen mehrere Geräte auf das mobile Netzwerk zu, müssen sie sich die Datenrate teilen. Der Router kann nur insgesamt 100 Mbit/s senden — sendet er an mehrere Geräte gleichzeitig, verteilt sich das entsprechend. Dabei muss an einem anderen Gerät nicht mal unbedingt ein dicker Download laufen — oft reicht es schon, aktiv im Internet zu surfen.

Im eigenen Interesse sollte ein WLAN zudem stark verschlüsselt sein. Für die Verschlüsselung wird ebenfalls eine Menge Zeit benötigt — unverschlüsselte Verbindungen sind schneller. Aber diesen Verlust muss man in Kauf nehmen.

Auswirkungen auf die Wiedergabe

Die Geschwindigkeit eines WLANs mag zwar rein rechnerisch locker auch für größere Videos ausreichen, in der Praxis geht diese Rechnung aber häufig nicht auf. Oft kommen Videos einfach nicht schnell genug beim Empfänger an.

Das Resultat sind Unterbrechungen in der Wiedergabe: Die Software muss das Video von Zeit zu Zeit puffern, um wieder genug Daten für ein paar weitere Sekunden zu haben. Unter diesen Bedingungen will man sich normalerweise keinen Film ansehen.

Schlechtere Qualität beim Streaming

Anbieter wie Amazon oder Netflix haben darüber hinaus ein weiteres Problem: Nicht nur das hausinterne WLAN kann langsam sein, sondern viel wahrscheinlicher noch die Internetverbindung. Streaming-Anbieter können es sich nicht erlauben, stockende Videos auszuliefern — die negativen Rückmeldungen der zahlenden Kunden würden ins Unermessliche steigen. Andererseits haben sie keine Kontrolle darüber, mit welcher Technik die Kunden einen Film ansehen. Damit müssen sie irgendwie umgehen.

Hierzu misst die App, die einen Film streamt, permanent die aktuell mögliche Datenübertragungsrate. Sie prüft ganz einfach, wie schnell die Daten ankommen. Diese Informationen teilt sie dem Streaming-Server regelmäßig mit, der darauf reagieren kann:

  • Ist die mögliche Datenübertragungsrate niedrig, wird der Film stärker komprimiert (die Bild- und Tonqualität sinkt).
  • Hat der Film immer noch mehr Kilobit pro Sekunde, als durch die Leitung passen, wird bei Bedarf auch die Auflösung reduziert.
  • Kann der Film wieder schneller als notwendig vorausgeladen werden, wird die Qualität nach einer gewissen Zeit erhöht, um ein besseres Ergebnis zu bekommen.

Durch diese Vorgehensweise ist garantiert, dass Streaming selbst auf einem Mobiltelefon mit schlechter Verbindung flüssig funktioniert — nur eben in entsprechend bescheidener Qualität.

Die selbe Technik, die dafür sorgt, dass Videos auch bei einer langsamen Internetverbindung flüssig ausgeliefert werden, beschneidet auch die Qualität, wenn zwar das Internet rasend schnell ist, aber das abspielende Gerät per WLAN mit dem Router verbunden ist. Die Streaming-App kann zwar feststellen, dass die Verbindung langsam ist, sie kann aber nicht wissen, ob die Internetverbindung oder das WLAN der Flaschenhals ist.

Den Flaschenhals dehnen

Um Streaming in wirklich hoher Qualität zu nutzen, ist es also wichtig, keinen Flaschenhals zu haben — jedenfalls keinen allzu engen.

An der Internetverbindung kann man meistens nichts ändern. Die ist im jeweiligen Wohnort eben so, wie sie ist. (Und in Deutschland heißt das leider oft: laaangsaaam!) Als Daumenregel kann man nur sagen, dass ein Kabelanschluss (zum Beispiel UnityMedia bzw. ehemals Kabel BW oder Kabel Deutschland) meistens schneller ist als DSL, vor allem in ländlichen Gegenden. Allerdings ist ein Kabelanschluss nicht überall einfach so möglich.

Wenn die Internetverbindung lahmt, hilft nur, sie nicht so stark zu belasten. Downloads, YouTube, Internetradio, Skype, Telefonie per VoIP oder aktives Surfen im Internet sollten (in dieser Reihenfolge) so weit es geht eingestellt werden.

Der andere potentiellen Flaschenhals ist das WLAN. Wann immer es möglich ist, sollte ein Abspielgerät per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden werden! Damit ist dieser Flaschenhals beseitigt.

Haltet Euch vor Augen, dass WLAN eine Technik für mobile Geräte ist: damit sich ein Gerät trotz Internetverbindung frei im Raum bewegen kann. Muss sich ein AV-Receiver, eine Spielekonsole oder ein Fire TV frei im Raum bewegen? Nö. Also Kabel dran. Punkt.

Kodi bei WLAN-Verbindung beschleunigen

Neben diversen Tricks, wie man Kodi schneller macht, gibt es auch noch einen, der sich speziell auf die Verbindung per WLAN bezieht. Das ist nützlich, wenn man Kodi auf einer Hardware laufen lässt, die nur WLAN bietet — zum Beispiel der Amazon Fire TV Stick.

Dazu müsst Ihr die Konfigurationsdatei AdvancedSettings.xml von Kodi editieren. Wenn Ihr technisch versiert seid, findet Ihr Anleitungen dafür passend zu Eurer Hardware im Internet.

Wer es gerne komfortabler mag, kann sich aber mit dem Kodi-Addon Easy Advanced Settings behelfen. Damit ist es möglich, die Einstellungen der AdvancedSettings.xml direkt in der Oberfläche von Kodi vorzunehmen.

Um die Datenübertragung per WLAN zu beschleunigen, könnt Ihr einmal folgende Einstellungen vornehmen:

  • cachemembuffersize: 157826400
  • buffermode: 1
  • readbufferfactor: 20

Diese Einstellungen verändern die Art, wie Kodi die Videodaten liest und puffert — das heißt, wie viele Daten im Speicher vorgehalten werden. Dadurch wird Kodi toleranter gegenüber instabilen Datenübertragungsraten: es werden schon mehr Daten im Voraus geladen, für den Fall, dass die Verbindung zwischendurch mal in den Keller geht.

Abhängig vom Speicher und anderen Faktoren kann es auch hier für jede Hardware unterschiedliche Empfehlungen für die Einstellungen geben — bemüht daher bitte eine Suchmaschine, welche Werte für die Advanced Settings bei Euch in Frage kommen.

Leider ist das aber auch keine Garantie für flüssige Videos mit WLAN. Oft machen diese Einstellungen den wesentlichen Unterschied aus, manchmal ist aber auch damit nichts mehr zu retten. Deshalb: ausprobieren!


Eine Netzwerkverbindung per Kabel ist eben immer noch die beste! Probiert es ruhig einmal mit dem WLAN. Vielleicht habt Ihr Glück und es läuft bei Euch alles flüssig. Sobald der Film aber immer wieder mal anhält um zu puffern oder die Qualität sichtbar schwankt, ist es Zeit für ein Netzwerkkabel.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

4 Gedanken zu „Ist WLAN für Media Streaming geeignet?

  1. Vielen Dank für dieses klasse Artikel! Ich lese deinen Blog sehr gerne und konnte schon viele Tipps mitnehmen.

    Es ist leider so, dass meiner Meinung nach viel zu stark auf WLAN gesetzt wird. Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen, dass man – wenn es denn irgendwie möglich ist – auf Ethernet anstatt WLAN setzen sollte.
    So ist mir z.B. Auch nicht ganz verständlich dass es in sehr vielen Neubauten keine Ethernetverkabelung gibt. Vermutlich in Unwissenheit mit dem Gedanken dass es ja WLAN gibt. Dabei sollte man Zukunftssicher planen mit Aussicht auf Heimautomatisierung, Videostreaming, Smart TVs, VoIP, PoE (Power over Ethernet) und dem IoT (Internet of Things). Da sollte man nicht auf eine ordentliche Verkabelung verzichten um ein wenig Geld zu sparen.

    Ich glaube da hat sich in deinem Artikel noch ein kleiner Fehler eingeschlichen:

    „[…] rund 10 kbs (Kilobit pro Sekunde). Kein Problem also für ein WLAN, das in der Regel 100 Mbs (Megabit pro Sekunde) schafft […]“

    Ich denke es sollte 10 Mbit/s bzw. Mbps heißen? Im Vergleich: Ein analoges Modem hatte früher 56 Kbit/s.

    Viele Grüße
    Christian

    1. Danke für die Ergänzung und Bestätigung! Es ist tatsächlich so, dass WLAN heute oft nur ein Ersatz für vergessene Kabel ist. Ich habe Netzwerktechnik zum Glück schon genutzt, als an WLAN noch nicht zu denken war. Da hat man noch Löcher in die Wände gebohrt, um Kabel verlegen zu können. Diese Option scheidet heute leider viel zu früh aus.

      Vielen Dank auch für den Hinweis. Ich habe die Einheiten korrigiert, da die Kurzform (kbs, Mbs) doch sehr missverständlich sein kann. Kbit/s und Mbit/s sind eindeutiger. Die Zahlen stimmen allerdings schon. Kauft man sich heute einen WLAN-Router, schafft der unter bestimmten Bedingungen bis zu 300 Mbit/s. Auch mit neuesten Geräten sind aber Werte von deutlich unter 100 Mbit/s viel realistischer. Wer es genauer wissen will, kann hier noch mehr über die Sache mit der WLAN-Geschwindigkeit lesen.

  2. Wer Geräte im gleichen Raum verbinden möchte und in einer Großstadt lebt sollte einmal prüfen, ob diese nicht auf 5Ghz funken können. Hierdurch erhält man ein erheblich besseres Signal, da nicht so viele Störquellen vorhanden sind wie beim 2,4Ghz Netzwerk.

    Aufbau bei mir: NAS mit Multimediaserver direkt an einem Router 1Gbit/s, dieser funkt per 2,4Ghz mit (angegebenem) 300Mbit/s durch zwei dicke Betonwände zum nächsten Router, welcher das Signal an den FireTV-Stick mit 5Ghz weitergibt. Vorteil ist, dass die Bandbreite zwischen den Routern nicht durch die Übertragung an den FireTV-Stick zusätzlich gestört wird.

    Wer nicht in einer Mietwohnung lebt, und Kabel verlegen kann, sollte auch auf 1Gbit/s Router für das Ethernet achten und nicht welche mit 100MBit/s welche dann evt. wieder den Flaschenhals bilden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.