Mein Wechsel zu XTZ – Gründe und Erfahrungen

In der ruhigsten Woche des Jahres kommt hier nun endlich mein kleiner Erfahrungsbericht von meinem Umstieg auf XTZ-Lautsprecher. Knapp ein halbes Jahr bin ich nun schon mit den XTZ Spirit unterwegs. Ich wurde in letzter Zeit oft danach gefragt und will hier eine (hoffentlich brauchbare) Antwort geben.

Heimkino-Front mit XTZ-Lautsprechern
Foto: Tobias Dambacher

Wer mich kennt, weiß, dass ich seit 20 Jahren mit Nubert-Lautsprechern unterwegs war. Für mich ist das praktisch „schon immer“, und um so schwerer fiel mir natürlich der Wechsel. Was hat mich trotzdem dazu bewogen? Warum verlasse ich die Komfortzone, in der ich mich immer unheimlich wohl gefühlt habe?

Zunächst mal ist da der optische Aspekt. Während die 3 nuWave RS-5 sich im Surround-Bereich ja bestens integrierten, waren die NuBoxen mit Buche-Furnier an der Front ein häufiger Kritikpunkt am Code Red. Ja, Buche war eben mal in, damals Ende der 90er hatte man das so. Ich fand es eigentlich gar nicht so schlimm und betrachtete es eher als einen dezenten Farbtupfer inmitten all dem schwarz und rot. Aber, zugegeben, so richtig passen wollte es nicht. Zudem war das Furnier relativ hell und erzeugte Reflexionen von der Leinwand, die mich erst zu stören begannen, als ich mir eine Maskierung gebastelt hatte. Jetzt waren die Lautsprecher nämlich das einzige, was das Bild wirklich noch davon abhielt, im dunklen Raum zu schweben.

Dann war da schon länger der Wunsch nach ein paar Standlautsprechern an der Front. Das sollte bei Musik für ein wenig mehr Volumen sorgen. Zugegeben, es war schon der Wahnsinn, was aus den kompakten NuBox 360 raus kam. Bei reiner Stereo-Musik konnte man wirklich denken, dass da ein kleiner Subwoofer mitläuft. Aber auch optisch würden schmale Standboxen einiges mehr hermachen.

Weiterhin wollte ich von dem gigantischen AW-880 Subwoofer, dessen Potenzial ich niemals ausschöpfen konnte, zu etwas kleinerem wechseln. Und dann gleich zwei Subwoofer, um etwas mehr Gleichgewicht in meinen problematischen Raum zu bringen und mehr Möglichkeiten zum Experimentieren zu haben.

Nun gut, warum also nicht wieder bei Nubert einkaufen? Die NuBox 513 wäre der perfekte Standlautsprecher dafür gewesen. Mit dem AW-443 hätte es den perfekten Subwoofer dazu gegeben.

Nun ja, andere Mütter haben eben auch schöne Töchter. Ich schreibe ja auch so „ein bisschen“ über Heimkinos und Lautsprecher und hielt es daher für angemessen, auch mal was anderes näher kennen zu lernen. In Gedanken bin ich Nubert also nicht „untreu“ geworden. Dazu gibt es in Sachen Qualität, Klang und Service absolut keinen Grund.

XTZ war für mich deshalb der ideale Kandidat, weil die Firma die gleiche Philosophie wie Nubert verfolgt: ein neutrales Klangbild. Wie auch bei Nubert werden bei XTZ alle Lautsprecher so neutral wie möglich abgestimmt. So habe ich das von Nubert gelernt und so will ich das fortsetzen. Ich mag die Vorstellung nicht, dass der Lautsprecher eigenmächtig (absichtlich oder weil er es nicht anders kann) die Tiefen aufdickt oder die Höhen überzieht. Da macht mir der Raum noch genug Probleme. Und wenn ich irgendwo einen Spaßbuckel im Frequenzgang haben will, dann baue ich mir den selbst mit dem Equalizer ein.

Mit den XTZ-Serien tat ich mich am Anfang etwas schwer, obwohl die Entscheidung am Ende doch sehr einfach war.

  • Die 99er-Serie wäre eigentlich mein Favorit gewesen, hauptsächlich wegen dem Center mit nur einem Tieftöner. Wegen der teilweise glänzenden Oberfläche kam sie aber an der Front nicht in Frage. Ich wollte ja die Spiegelungen loswerden.
  • Die Cinema-Serie ist zwar technisch hochinteressant, jedoch liegt mir das Hochton-Array optisch überhaupt nicht. Könnte ich sie hinter die Leinwand stellen, wäre das mein Favorit gewesen.
  • Die Devine-Serie liegt weit jenseits meiner Preisvorstellungen. Ich habe einfach nicht den Raum dafür, diese Unterschiede noch genießen zu können und den Aufpreis zu rechtfertigen.

Also blieb eigentlich nur die Spirit-Serie. Und ich musste schnell feststellen, dass die genau richtig für mich ist. Klanglich können die Spirit locker auf dem Level der NuLine-Serie mitspielen. Preislich liegen sie dafür ein gutes Stück darunter. Auch optisch sind die Spirits genau mein Fall: einfach und geradlinig, mattschwarz – und die Chassis sind mit ihrer Struktur ein echter Hingucker.

So werde ich jetzt beschallt von:

  • zwei Spirit 11 Standlautsprechern
  • dem Spirit 8 Center
  • den Spirit 6 als Surround und Back Surround Center
  • zwei Sub 10.17
  • und als Vorbereitung auf Atmos einem Paar Cinema S2

Die 10.17er Subs sind angenehm klein und passen optisch perfekt zu den Spirits. Das zusätzliche Hertz mehr Tiefgang, das der 12.17 bieten könnte, war mir den Nachteil in der Größe nicht wert. Auch die anderen Vorteile hätte ich wieder nicht voll ausfahren können.

Die Cinema S2 an der Decke sind dann ein kleiner Ausbruch aus der Serie, der sich aber optisch kaum bemerkbar macht. Durch die ausgefallene Form sind sie nicht nur ein Hingucker, sondern ersparen mir auch hässliche Nachteile durch notwendiges Anwinkeln. Auf jeden Fall sind sie schön kompakt und überladen die Decke nicht.

Veränderungen im Klang

Da nun alle wichtigen Lautsprecher aus der selben Serie stammen und daher die selben Chassis und Konstruktionsmerkmale aufweisen, macht sich der Wechsel in erster Linie durch einen extremen Zuwachs an Homogenität bemerkbar. Wenn jetzt Sachen durch den Raum fliegen, verändern sie dabei nicht mehr ihre Klangfarbe. Die Spirit 6 haben es mir dabei besonders angetan, weil die trotz ihrer flachen Bauweise im Bass richtig was können.

Der zweite wesentliche Unterschied waren etwas ausgeprägtere Feinheiten in den Höhen. Das bewegt sich so auf einem Level, wo man es nur im Direktvergleich bemerkt — oder wie in meinem Fall, wenn man seine alten Lautsprecher verdammt gut kennt. Letztendlich wird es aber dazu führen, dass ich bei altbekannter Musik plötzlich wieder neue Sachen höre, die vorher nie da waren. Das ist ja irgendwie so das Hauptziel jeder Veränderung von Stereo- und Mehrkanalsystemen.

Foto: Tobias Dambacher

Und zuletzt ist auffällig, dass die XTZ Spirit gute 6 dB leiser spielen als die Nubert-Boxen. Macht nichts, es musste ja ohnehin alles neu eingemessen werden. Aber ein schönes Beispiel dafür, dass es total sinnlos ist, andere Leute nach ihrer Heimkino-Lautstärke zu fragen. Möglicherweise geht jetzt also meine Stromrechnung hoch, mal sehen. Viel interessanter ist daran jedoch, dass ich zusätzlich zu den +6 dB nochmal etwas weiter aufdrehen kann, bevor es eine Etage höher störende Einflüsse hat. Schätzungsweise 4 dB gehen noch zusätzlich, bevor Protest kommt. Über die Ursache bin ich mir noch nicht völlig im Klaren. Zunächst schiebe ich es aber darauf, dass die zwei XTZ 10.17 weniger unkontrollierbaren Radau machen als der einzelne AW-880 zuvor. Der Bass wird im Raum etwas gleichmäßiger angeregt und produziert dadurch weniger dröhnende Stellen im Raum, die dann nach oben übertragen werden. Sehr auffällig ist auch eine gleichmäßigere Bassverteilung zwischen den drei Sitzplätzen – ebenfalls ein positiver Effekt der zwei Subwoofer.


Alles in allem hat die Umstellung auf die XTZ Spirit-Serie also diverse klangliche Vorteile gebracht. Auch die farbliche Gestaltung des Code Red hat sich erheblich beruhigt. Ich würde es jederzeit wieder so machen.

Bleibt die Frage: Hätte ich noch mehr rausholen können, wenn ich mehr Geld in noch bessere Lautsprecher gesteckt hätte? Klar, irgendwas geht immer noch. Aber wie das mit den Faktoren für guten Klang so ist, kann ich mit den Lautsprechern vorerst nicht mehr viel raus kitzeln. Die nächste große Verbesserung ließe sich wieder durch die Raumakustik erzielen. Weiterhin gibt es im Bass noch Optimierungsbedarf, was ich durch ein DSP schon testweise angegangen bin. Man braucht ja immer wieder was zu tun.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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