Baumwollputz als vielseitige Heimkino-Wandverkleidung

Im Heimkino gibt es die unterschiedlichsten Arten von Wandverkleidung. Häufig sieht man Bilder von Holzkonstruktionen an den Wänden, die später als Untergrund für die eigentliche Oberfläche dienen, sei es eine bestimmte Art von Wandtafeln oder mit Stoff bespannte Rahmen. Teppich an den Wänden wäre zumindest auch optisch eine gute Alternative, kennt man das doch aus dem echten Kino.

Baumwollputz mit Beleuchtung und Lautsprecher

Eine wenig bekannte Alternative ist Baumwollputz. Diese Form von Wandbeschichtung ist zunächst sehr ungewöhnlich, sowohl in ihrer rohen, unverarbeiteten Form, als auch das spätere Ergebnis. Dabei hat Baumwollputz aber in jeder Hinsicht gute Eigenschaften. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit zu Teppich, allerdings kann man damit sein Kino im Hochtonbereich nicht aus Versehen überdämpfen, was zu einem sehr dumpfen Klang führen würde.

Eigenschaften der Oberfläche

Die Struktur von Baumwollputz als NahaufnahmeAnders als der Name zuerst vermuten lässt, ist Baumwollputz nicht flauschig. Der Vergleich mit Teppich hinkt also etwas. Die Oberfläche ist rau und relativ fest. Am ehesten kann man ihn vielleicht mit Tapete vergleichen, die flächendeckend mit so einem Styropor-Muster überzogen ist. Er lässt sich ebenso eindrücken, behält seine Form aber bei.

Viel wichtiger ist aber, dass man ein deutlich wärmeres Gefühl hat, wenn man die Hand auf Baumwollputz legt, als es bei anderen Oberflächen der Fall ist. Das liegt daran, dass zwischen den Fasern noch genug Luft ist, um Wärme zu speichern. Ein wenig isoliert er also, wenngleich die Schicht viel zu dünn ist, um hier einen merklichen Effekt auf das Raumklima zu haben.

Beliebige Muster

Die Möglichkeiten an Farbkombinationen und Strukturen sind nahezu uneingeschränkt frei wählbar. Meist kauft man eine Grundfarbe und mischt dieser zusätzliches Effektmaterial bei. Es ist gar nicht so leicht, sich zu entscheiden, welche Farbtupfer man sehen möchte. Auch verschiedene andere Elemente, wie Metallfäden oder Glitzer, können untergemischt werden.

Die für ein Heimkino besonders zuträglichen dunklen Farbtöne lassen sich mit Baumwollputz bestens realisieren. Mit Tapete oder Verkleidungen hat man fast keine Möglichkeit, dunkle Wände zu bekommen – außer man streicht sie. Bei Baumwollputz kauft man direkt die Farbe, die man später sehen möchte.

Akustische Eigenschaften

Für einen nur ca. 1 Millimeter starken Wandbelag hat der Putz hervorragende akustische Eigenschaften im Hochtonbereich. Das dünne Material kann zwar so gut wie keinen Schall schlucken, umgekehrt ist es aber immer noch besser als eine glatte, harte Wand. Die sehr raue Oberfläche mit ihren vielen kleinen Vertiefungen wirkt im Hochtonbereich wie ein Diffusor.

Wunder sollte man sich definitiv keine erhoffen. Meiner Erfahrung nach macht sich Baumwollputz an den Seitenwänden sehr gut. Wer Dipole für die Rear-Kanäle einsetzt, wird auch im gesamten hinteren Bereich des Raums sehr zufrieden damit sein. Der Raum wird nicht überdämpft, sondern bleibt im Klang sehr lebendig. Der Schall wird gestreut, was letztendlich auch dazu beiträgt, den Nachhall zu reduzieren.

Verarbeitung von Baumwollputz

Renovierung mit BaumwollputzDie Verarbeitung ist auch ohne Übung sehr leicht und bietet vollen Spielraum für Korrekturen. Man kann so lange daran „herum machen“, bis es passt. Es gibt keine sichtbaren Übergänge wie bei Tapete und man kommt damit um jede Ecke.

Baumwollputz ist sehr resistent gegen Beschädigung. Falls doch mal jemand hängen bleibt, lasst er sich buchstäblich mit ein bisschen Spucke korrigieren.

Der Untergrund muss glatt und ohne nennenswerte Vertiefungen sein. Diese würde man sonst später sehen. Die nackte Wand wird meist mit einem speziellen Anstrich vorbehandelt. Dieser sorgt für einen einheitlichen neutralen Farbton, damit es später keine Flecken gibt. Bei dunklem Baumwollputz ist das aber nicht so wichtig. Viel mehr ist in der Farbe aber ein Granulat enthalten, an dem sich die Baumwollfasern beim Auftragen festkrallen können.

Die Baumwollfasern werden meist in Tüten zu je 5 Quadratmetern geliefert. Der Inhalt sieht ein wenig so aus wie das Innere eines Staubsaugerbeutels. Außerdem ist darin gleich alles enthalten, was das Zeug später zum Kleben bringt. Ein Beutel wird jeweils mit einer bestimmten Menge warmen Wassers angerührt – von Hand, was sich total lecker anfühlt.

Anschließend wird diese Pampe mit einer Kunststofftraufel auf die Wand aufgetragen. Die Flächen sind dabei das einfachste. In den Ecken hält man sich dagegen schon deutlich länger auf. Aber selbst als unerfahrener Handwerker hat man damit nach ein paar Metern keine allzu großen Probleme mehr. Die Angabe, für wie viele Quadratmeter ein Beutel reichen sollte, hilft sehr gut dabei, die richtige Menge Material aufzutragen.

Anschließend sollte man für viel Belüftung sorgen, damit der Putz innerhalb weniger Tage trocknen kann. Ein Heizlüfter beschleunigt den Vorgang zusätzlich. Ein Teil des enthaltenen Kleisters kann nach unten ablaufen, weshalb es keine schlechte Idee ist, den Fußboden gegebenenfalls erst nachträglich einzubauen.

Kosten des Materials

Mit unter 10 € pro Quadratmeter ist Baumwollputz mindestens so günstig, wie jede andere Oberfläche. Im Internet gibt es jede Menge Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben. Meistens bieten diese auch einen kostenlosen Musterkoffer an, damit man sich einen Eindruck verschaffen kann. Ich habe mein Material bei McTex eingekauft und war dort sehr zufrieden.

Die Arbeitszeit (die ich jetzt auch mal mit zu den Kosten zähle) hält sich im Vergleich zum Ergebnis ebenfalls in Grenzen. Aufgrund der ungewohnten Tätigkeit sollte man natürlich etwas mehr einplanen, als man für Tapete oder Anstrich rechnen würde. Zudem hat man wesentlich mehr Einfluss auf das Endergebnis, als das bei Tapete der Fall wäre. Dadurch neigt man dazu, es etwas ordentlicher zu machen. Für einen 15 m² großen Raum sollte man zwei Tage einplanen, wenn man alleine arbeitet.


Baumwollputz ist eine sehr gute Möglichkeit, die Wände in einem Heimkino oder auch jedem anderen Wohnraum zu gestalten. Optisch ist er in jedem Fall ein Hingucker, sorgt mit dem richtigen Muster für eine ordentliche Portion Kino-Atmosphäre und kann allgemein mit sehr angenehmen Eigenschaften aufwarten. Die Art der Verarbeitung sowie das Produkt an sich könnten zuerst Zweifel aufkommen lassen. Diese verfliegen aber sehr schnell, sobald die ersten Quadratmeter an der Wand sind.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

13 Gedanken zu „Baumwollputz als vielseitige Heimkino-Wandverkleidung

  1. Hallo, tolle Sache dieser Putz aber doch auch recht dünn mit 1mm. Wäre da eine Vliestapete mit Rauhfaser nicht günstiger gewesen und vielleicht auch noch von der Akustik her besser? Sie ist zwar minimal dicker aber das Vlies vielleicht besser bezüglich des Schalls.

  2. Ich bin zur Zeit dabei, in meinem Keller ein Heimkino zu
    bauen. Auf der Suche nach einer passenden Wandbeschichtung bin ich auf
    Ihre Seite gestoßen. Ich habe mich im Online-Shop über das Thema Baumwollputz
    informiert. Wie haben Sie diese tollen Effekte erreicht? Von der Farbe und Struktur
    finde ich ihre Lösung wunderschön.
    Ich hoffe, Sie finden kurz Zeit, mir Ihr ‚Rezept‘ zu verraten.

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe!

    1. Die Grundfarbe ist reines Anthrazit. Die Menge habe ich genau für meine Wandfläche berechnet.

      Dazu habe ich etwa 5 bis 10 Prozent davon als hellgraues Effektmaterial gekauft. Die Kunst ist nachher, das gleichmäßig aufzuteilen und unterzumischen. Ich habe dafür so viele halbwegs gleich große Häufen daraus gemacht, wie ich Säcke von dem dunklen Zeug hatte, und dann in jeden Kübel immer einen Haufen mit rein gemischt. Also erst beim Anrühren – vorher wäre das zu viel Sauerei geworden.

      Zusätzlich habe ich noch so schwarze Glitzerdinger mit rein gemischt, davon sieht man aber leider so gut wie nichts. Wenn also noch ganz kleine Körnchen gewünscht sind, würde ich da zu etwas hellerem raten.

      Lange und gut von Hand mischen ist hier glaube ich der Geheimtipp. Sonst hängen die grauen Flocken zu sehr zusammen. Man kann sich ja mit der Verarbeitung zum Glück Zeit lassen.

  3. Ich plane gerade ein kleines Heimkino, für das ich ein Raummaß von 3,60 x 3,70 Meter und eine Raumhöhe von 2,20 Metern zur Verfügung habe. Die Wände sind aus massivem Stein und sehr glatt verputzt, wurden bisher einfach nur „geweißelt“. Da es sich um eine Mietwohnung handelt, will ich nicht unbedingt eine extrem dunkle Farbe da auftragen und natürlich auch kein Baumwollputz – auch wenn ich mit meinem Vermieter sehr gut auskomme und er sehr tolerant ist, was ich in der Wohnung mache. Mit Vliestapete bin ich mir auch nicht so sicher, auch wenn man die angeblich rückstandslos wieder ablösen kann. Stattdessen schwebt mir eine Idee vor, den Raum mit einem quasi selbsttragenden „Gerippe“ aus schmalen Holzlatten (stärkere Stützen in den Ecken) auszustatten und dort dann einen z.B. sehr dunkelbraunen, schwer entflammbaren Universalstoff „anzutackern“, eine überwiegend textile Lösung also, bei der die eigentlichen Zimmerwände völlig unberührt bleiben. Das müsste ja auch etwas den Schall dämpfen. Ansatzstellen in den Stoffbahnen können ja leicht mit Holzleisten bedeckt werden, was auch optisch eine gute Unterbrechung schafft. Leinwandseitig und eventuell unter der an den Seiten leicht abgehängten Decke schwebt mir tiefschwarzes Bühnenmolton vor, und vor die Leinwand soll ein elektrisch verschließbarer Vorhang, am besten wohl auch aus dem leichteren 150g/m² Molton? Ich könnte mir den in bordeauxrot vorstellen. Innerhalb dieser Holzgerippekonstruktion könnten ja auch noch gut die ganzen Lautsprecherkabel etc. verlegt werden. Wäre das eine realistische alternative Möglichkeit oder hat das schon jemand so gemacht? Der große Vorteil dieses hintersten Raumes meiner Mietwohnung ist der, dass es keinen direkten Nachbarn gibt. Nebenan befindet sich ein riesiger Dachboden, und darunter das Getränkelager der Weinhandlung meines Vermieters… kann also auch spätabends noch relativ laut aufdrehen 🙂

    1. Diese Vorgehensweise sieht man recht häufig — grundsätzlich ist das eine gute Lösung. Akustisch wird das aber so gut wie nichts bringen, weil der Stoff glatt gespannt weniger Volumen hat.

      Ich würde den Wandaufbau dann wenigstens 5,5 cm stark machen, und in den freien Flächen Basotect-Absorber in 5 cm Stärke anbringen. Das ist zwar auch nicht optimal, hat aber zumindest einen hörbaren Effekt ab dem oberen Mittelton.

      Mit Kantenabsorbern wirst Du in dem kleinen Raum wahrscheinlich nicht arbeiten wollen. Probleme wird es definitiv beim Bass geben, weil die Raummaße sehr ungünstig sind.

      Denk mal drüber nach, ob du vielleicht einfache Holzrahmen bauen kannst, die du mit Stoff bespannst (von hinten tackern) und an den Holzaufbau hängst. Leisten als Übergänge fände ich nicht so ansprechend. Du könntest so auch besser mit verschiedenen Farben arbeiten.

      1. Hallo Bert,

        danke für die Antwort. Ich tendiere mittlerweile auch eher zu einer „Modulbauweise“, also mit Stoff bespannten Holzrahmen, die dann angehängt werden. In den Zwischenräumen könnte man dann auch gut LED-Lichtbänder verbauen. Ich könnte eigentlich schon Kantenabsorber einbauen, ginge allerdings wegen der Eingangstür am Eck nur in drei Ecken des Raumes. Länger den Kopf zerbrochen hatte ich mir über die künftige Bestuhlung des Kinos, finde auch deine Idee mit den Pöang-Sesseln nicht schlecht. Wie aber wäre es mit diesem Angebot? (selber googeln, Anm. d. Red.) … 80 Euronen für einen echten gebrauchten Kinosessel in gutem Zustand sind doch eigentlich ein Schnäppchen … und die sehen sogar richtig gut aus 😉

        1. Ich halte persönlich nicht so viel von echten Kinosesseln. Sie sind in den meisten Fällen nicht so bequem wie etwas anderes für zuhause. Und Gebraucht heißt in diesem Fall auch meistens abgenutzt.

          1. Natürlich gibt es auf dem Sesselmarkt für zuhause extrem bequeme Ausstattungsmöglichkeiten, aber wenn ich mal in einem öffentlichen Kino war, dann fand ich die Sitze auch nie total unbequem. Die Firma der beiden Brüder aus Norddeutschland, die wohl selbst aus der Heimkinoszene kommen, ist auf eben diese Marktlücke aufgesprungen, dass gut erhaltene „Gebrauchte“ nicht so leicht zu bekommen sind, und laut deren Angaben verwerten sie nur solche, die in einem akzeptablen Zustand sind. Mir ist das jetzt mal einen Versuch wert – ein allzu hohes Risiko geht man dabei nicht ein. Mit anderen Sesseln hätte ich keine Möglichkeit, zwei Reihen unterzubringen – mit den opulenten Varianten wären 3 Sitze schon schwer machbar, mit den Kinositzen geht eine 3er und eine 4er-Reihe, und das trägt doch schon gut zur Kinoatmosphäre bei. Dabei ist es unwichtig, ob es je zu einer vollen Besetzung kommt, was in einem so kleinen Raum ohne Klimaanlage wohl schnell etwas zu stickig würde… aber wie gesagt, die Atmosphäre! Dafür ist auch der Einschlaffaktor nicht so hoch wie auf diesen ultimativen Bequemsesseln 🙂

  4. Hallo,

    Ich bin eben auf diese tolle Seite gestoßen. Ich plane z.Zt. ein Heimkino in einem speziell dafür einzurichtenden Raum, ca. 5.30m * 3.60. Bodenbelag wird Teppichboden, Decke nur Putz dünn gespachtelt (nur ca. 2.20m hoch).

    Zur Frage: den Akustikputz für die Wand hatte ich mir ebenfalls überlegt, auch wg. der Optik. Nun haben mir andere explizit abgeraten, weil er den Raum überdämpfen könnte. Besser wären spezielle Absorber, die ich nach der Kompletteinrichtung anbringen könnte. Da ich aber eh‘ verputzen muss, ist das zumindest optisch Quark.

    Was soll ich nun glauben?

    Außerdem habe ich mit den Absorbern das Problem, dass sie evtl. genau an die Stellen müssten, an denen in Wandlampen plane. Wenn ich aber, wird mir geraten wird, erst komplett einrichte und dann messe / höre und ggf. mit Absorbern korrigiere, dann komm‘ ich da sicher in Probleme.

    Was ist die sinnvolle Vorgehensweise?

    Gruß
    Thomas

    1. Hallo Thomas,

      zunächst einmal wirst Du den Raum mit Baumwollputz definitiv nicht überdämpfen. Der ist 1 mm dünn, die Auswirkungen sind minimal uns gehen eher in Richtung Diffusion bei ganz hohen Tönen.

      Die Punkte der Erstreflexion an den Wänden und wenn möglich der Decke solltest Du Dir in jedem Fall für Absorber frei halten und nicht mit Beleuchtung blockieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du dort etwas hinhängen musst / willst, geht gegen 100%.

      1. Hallo Bert,

        super, danke für die schnelle Antwort.

        Und wie finde ich nun diese Stellen der (vermuteten) Erstreflexion? Die grobe Anordnung der Lautsprecher (auf Ständern, nicht fest montiert, d.h. flexibel positionierbar) kenne ich; die Position des Hörplatzes natürlich auch.

        Und jetzt?

        Ich habe eine detaillierte Zeichnung

        Gruß Thomas

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