Der optimale Kinoraum – Von Anfang an richtig planen

Wer über einen eigenen Kinoraum für sein Heimkino verfügt, kann sich glücklich schätzen. Das sind optimale Voraussetzungen, das Kino so authentisch wie möglich einzurichten. Nichts spricht gegen ein gemütliches Wohnzimmer-Kino, aber wer will in einem normalen Wohnraum schon dunkle Wände, eine riesige Leinwand und massenweise Lautsprecher sehen?

heizung-pixelio

Optimale Bedingungen hat man natürlich, wenn man im Begriff ist, ein Haus zu bauen. Aus bestehenden Wohn- oder Kellerräumen kann man aber auch unheimlich viel machen. Hier und da hört man auch von umgebauten Garagen oder Dachböden. Hier ein paar Tipps, was es in jedem Fall zu beachten gibt.

Heizung

Niemand will in einem kalten Kino sitzen. Wie wird der Kinoraum also beheizt? Einige Möglichkeiten sind:

  • Fußbodenheizung: Mit Sicherheit die beste Lösung, weil sie komplett unsichtbar ist. Beim Kauf von Teppichen muss beachtet werden, das diese für eine Fußbodenheizung geeignet sind.
  • Wandheizkörper: Die klassische Heizung, wie sie in den meisten Wohnhäusern noch vorhanden ist. Das Problem daran: Heizkörper sind meistens im Weg und lassen sich in der Regel nicht versetzen. Brennbare Materialien müssen gegebenenfalls Abstand halten.
  • Elektrische Wandheizkörper: Eine sehr gute Lösung, wenn man eine Heizung nachrüsten muss. Es gibt sie in vielen verschiedenen Größen, Formen und Farben. Benötigt wird nur etwas Platz an der Wand und eine Stromquelle in der Nähe. Achtung bei der Belastung des Stromkreises in diesem Raum – das Kino wird selbst auch eine Menge Saft ziehen. Das kann zu einer Überlastung führen.
  • Mobile Heizgeräte: Die Notlösung – das dürfte klar sein. Wenn man das Kino mehrmals wöchentlich nutzen will, muss die Temperatur wie in jedem normalen Wohnraum konstant gehalten werden. Ein kleiner Heizer schafft das nicht, oder hat dabei einen Stromverbrauch jenseits von Gut und Böse.

Fenster und Verdunkelung

Ein Fenster ist in einem Kino eigentlich überflüssig. In einem Neubau kann man es zumindest im Keller einfach weg lassen, wenn man sich sicher ist, dass der Raum als Kino genutzt wird. Da zumauern ansonsten wohl eher nicht in Frage kommt, hier ein paar Alternativen.

  • Wandverkleidung: Wenn die Wände des Kinoraums ohnehin verkleidet werden sollen, kann man das Fenster in diesem Zuge gleich mit verschwinden lassen. Aber wie sieht das von außen aus?
  • Verhängen: Das Fenster kann mit einem Vorhang aus nicht lichtdurchlässigem Stoff verhängt werden. So bleibt auch der Zugang zum Fenster erhalten. Gegen Restlicht hilft eventuell ein zusätzlicher Stoff direkt vor der Fensteröffnung oder ein Rollladen.

Belüftung des Kinoraums

Mehrere Personen für zwei Stunden in einem kleinen Raum – da wird die Luft schnell knapp. Kann der Kinoraum gelüftet werden? Gerade in Kellerräumen, besonders in Altbauten, muss bei unzureichender Belüftung mit Schimmel gerechnet werden. Insbesondere, wenn man kein Fenster hat oder es verbaut, muss eine Alternative her.

Die perfekte Lösung in einem Neubau ist eine zentrale Wohnraumlüftung. Das Kino kann dabei mit versorgt werden. Eine andere Belüftungsmöglichkeit ist dann nicht mehr notwendig. Auch wenn eine Wohnraumlüftung im restlichen Haus viel bringt und ein Segen für Allergiker sein kann, ist sie doch nicht gerade billig.

Eine Belüftungsanlage kann im kleinen Stil auch nur für den Kinoraum angeschafft werden. In einem Kellerraum sollte gleich ein entsprechender Schacht berücksichtigt werden, oder es wird nachträglich mit einer Kernbohrung eine Öffnung geschaffen.

Eventuell kann ein Lüfter auch mit dem Fenster kombiniert werden. Dadurch hätte ein Kellerschacht noch einen Nutzen. Wichtig ist in jedem Fall die Frischluftzufuhr von außen nach innen.

Beleuchtung und Strom

Wandlampen und ein Lautsprecher
Wandbeleuchtung durch zwei Halogenstrahler in einem Kino mit dunklen Wänden

Sehr früh sollte in der Planung die Beleuchtung bedacht werden. Da ein Kinoraum eher dunkel eingerichtet wird, um Streulicht zu vermeiden, werden ein paar kleine Lampen es schwer haben, für ausreichend Licht zu sorgen. Das ist aber ein Thema für sich.

Wenn die Elektroinstallation noch nicht durchgeführt ist, sollten folgende Punkte bedacht werden:

  • Deckenstrahler sorgen für ein sehr angenehmes Licht im Kino. Dafür müssen schon Aussparungen in den Betonplatten an den richtigen Stellen vorhanden sein, was eine sehr gute Planung des Kinos bereits vor dem Bau des Hauses erfordert. Alternativ kann man eine Deckenkonstruktion bauen, die genug Platz für entsprechende Leuchten bietet. Ganz einfach ist eine Deckenbeleuchtung in jedem Fall nicht.
  • Wandleuchten sind eine deutlich einfachere Alternative. Die notwendigen Kabel können auch in bestehenden Räumen noch unter Putz verlegt werden. Ein Elektriker fräst die Schlitze dafür in Minuten. Zur Not kann man sich auch mit Kabelkanälen behelfen.
  • Soll es eine Effektbeleuchtung am Boden geben? Woher kommt der Strom dafür?
  • Wo wird später die Technik stehen? An den wichtigen Stellen müssen ausreichend Steckdosen vorhanden sein, weil nicht alles über Verteiler gelöst werden kann – oder sollte. Niemals Verteiler in Verteiler stecken! Früher oder später raucht da sonst mal was ab.

Raummaße

Kommen wir zu einem sehr heiklen Punkt, der maßgeblich für den späteren Klang verantwortlich ist: die Abmessungen des Kinoraums. Bei ungünstigen Abmessungen und je nach Aufstellung des Subwoofers breiten sich Schallwellen im Tiefbass-Bereich so aus, dass einige Frequenzen an manchen Stellen im Raum völlig ausgelöscht werden und an anderen dafür doppelt so laut sind. Die Folge ist unangenehmes Dröhnen oder gar kein Bass. Das im Nachhinein zu korrigieren ist nicht einfach und oft teuer.

Das Thema Bass ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb erkläre ich heute nicht die genauen Gründe, sondern erläutere nur das Wichtigste zu den Raummaßen in Kürze: Die Abmessungen des Kinoraums sollten wenn möglich so gewählt werden, dass keine Seitenlänge ein Vielfaches einer anderen ist. Besonders quadratische Räume sind zu vermeiden.

Ein Beispiel: Bei einer Breite von 3,5 Metern wäre eine Länge von ebenfalls 3,5 Metern oder aber 7 Metern sehr ungünstig. Dabei kommt es nicht auf Zentimeter an. Je näher eine Länge an einem ungünstigen Maß liegt, desto schwerwiegender fällt der besagte Effekt aus. Dabei muss auch die Raumhöhe berücksichtigt werden. Bei einer für Kellerräume üblichen Höhe von 2,20 Metern macht das die nicht seltene Breite oder Länge von ungefähr 4,40 Metern zum Problem.

Kinoraum im Rohbau
Ein Kinoraum im Rohbau – nur blanker Beton auf allen Seiten

Es bringt übrigens nichts, den Kinoraum durch nachträglich eingezogenen Ständerwände künstlich zu verkleinern, um bestimmte Abmessungen zu erzielen. Hier zählen nur möglichst massive Materialien: Beton oder wenigstens Ziegel. Durch alles andere geht der Bass fast völlig unbeeindruckt hindurch.

Je kleiner der Kinoraum ist, desto wichtiger ist diese Regel. Vernachlässigen kann man sie erst ab einer Größe, die weit über einen üblichen Wohnraum hinaus geht. Aber: Lasst Euch nicht davon verunsichern. Letztendlich ist ein nicht ganz perfekter Raum besser als gar kein Raum.

Die lieben Nachbarn

Zuletzt noch ein paar Worte zu unerwünschter Ruhestörung und aufgebrachten Nachbarn – oder wie man diese vermeidet. Im Keller eines Einfamilienhauses ist ein Kino am besten aufgehoben. Beton isoliert den Schall ausgesprochen gut. Sobald ein Nachbar direkt angrenzt – auch oben oder unten – hat der mit Sicherheit aber auch seinen Spaß.

Man hört immer wieder von Maßnahmen wie Eierkartons oder ähnlichem – lasst Euch gesagt sein, dass das überhaupt nichts bringt. Es gibt nur zwei wirksame Mittel, den Nachbarn nicht am Kino teilhaben zu lassen:

  • massiver Beton, so dick wie möglich
  • Doppelwände (also Wand + Hohlraum + Wand)

Letzteres funktioniert sehr gut, weil Schall am schnellsten verloren geht, wenn er von einem Stoff in einen anderen unterschiedlicher Dichte übergeht. Bei Doppelwänden geht er mehrmals von der Luft in die Wand über und umgekehrt. Danach bleibt nicht viel übrig. Leider sind Doppelwände eine Seltenheit. Also kann man das eigentlich vergessen. Abgesehen davon wäre ohnehin eine völlige Entkopplung des Nachbarn von den eigenen Wänden nötig, da der Schall und besonders der Bass sonst immer noch über den Boden und andere Anschlussstellen übertragen würde.

Es bleibt also nur massiver Beton, weil er am wenigsten vom Schall zum Mitschwingen angeregt wird. Das spricht für ein Kellerkino. Der Bass wird nach wie vor über mehrere Etagen zu fühlen sein. Damit das nicht ausufert, muss der Subwoofer durch entsprechende Standfüße vom Boden entkoppelt werden. Als zusätzliche Maßnahme hilft hier eventuell eine Gummimatte, wie man sie zum rutschfesten Aufstellen von Waschmaschinen im Baumarkt bekommt.

Grundsätzlich ist alles, was gut für die Akustik innerhalb des Kinos ist, auch gut für den Nachbarn. Und im Zweifelsfall: einfach nicht so weit aufdrehen. Denn eine vollständige Schallisolierung nach außen ist mit normalen Mitteln eben nicht zu bewerkstelligen.


Diese Tipps sollten helfen, den richtigen Kinoraum zu finden oder zu bauen – wenn man denn die Wahl hat. Fallen Euch weitere Punkte ein, die man unbedingt beachten sollte, bevor der Bau eines Heimkinos beginnen kann? Ab in die Kommentare damit.

Foto: © Uli Carthäuser / pixelio.de

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

4 Gedanken zu „Der optimale Kinoraum – Von Anfang an richtig planen

  1. Zum Thema Kellerfenster. Wenn es sich dabei um eine Lichschachtlösung handelt ist das Aussehen nahezu zweitrangig da diese ja von Aussen nicht einsehbar sind. Alternativ kann man anstelle es komplett „zuzumauern“ auch mit einer Art „klappbarer Deckel“ der sich nach oben, unten oder links/rechts beiseite schwingen lässt verschliessen. So könnte man das Fenster immernoch zum lüften verwenden.

    Zur Belüftung sollte man aber beachten, dass die Kernlochbohrung in einen nebenstehenden Kellerraum erfolgt, da nach Aussen ja das Problem bestünde, dass Sound/Lärm nach Aussen dringt und der Nachbar doch wieder belästigt wird.

    Zur Beheizung könnte alternativ wenn es für eine Fußbodenheizung zu spät ist auch eine sogenannte Wandheizung nachrüsten. Die entsprechenden Schlitze für die Schleifen können nachträglich eingebaut und wieder sauber verputzt werden.

    1. Ich weiß nicht, ob eine Belüftung von einem anderen Kellerraum sinnvoll ist. Der müsste ja dann auch wieder belüftet werden, und wer hat schon die ganze Zeit das Kellerfenster offen? Bei einem kleinen Lufteinlass mit Ventilator (also alles ungleich Fenster) ist meiner Meinung nach eine dauerhafte Belüftung sinnvoll, mit einem größeren Frischluftvorrat als nur einem anderen Kellerraum.

      Um den Schall nach außen würde ich mir bei einer Lüftung keine Gedanken machen. Das Rohr bekommt ja einen entsprechenden Abschluss. Da geht kaum was rein, geschweige denn durch.

  2. Hallo Bert,
    ein ganz dickes Lob zu Deiner Website ! Keine Ahnung, wieviele leidenschaftliche Kinofans sich bisher schon wertvolle Tipps bei Dir geholt haben. Auch ich plane einen Kinosaal und habe von meiner Frau einen Kellerraum für dieses Vorhaben genehmigt bekommen 🙂
    Wir stehen noch ganz am Anfang und werden in den nächsten Wochen die Räume planen. So kann ich die Abmessungen des Kinosaals noch weitestgehend festlegen. Allerdings muß auch meine Modelleisenbahn mit den Abmessungen 300 x 160 cm in diesem Zimmer Platz finden. Die werde ich dann aber hinter einem Vorgang oder ähnlichem verstecken. Folgende Komponente habe ich mir im Laufe der Jahre zugelegt:
    Receiver: Yamaha Aventage MusicCast RX-A850
    Lautsprecher: Bowers & Wilkins 2 Frontlautsprecher 685 S2, 1 x Center HTM 61 S2, Subwoofer ASW610
    Leinwand: ca: 300 x 160 cm (exakte Abmessungen folgen wenn ich zuhause abgemessen habe)
    Beamer Sanyo PLV-Z3
    Panasonic DMR-BST740EG9 Blu-ray Recorder
    Nun hätte ich zunächst diese Fragen:
    1) Wie könnten die optimalen Abmessungen für diesen Raum aussehen und wie würdest Du das ganze aufstellen ?
    2) Welche Lautsprecher würdest Du mir zur Vervollständigung empfehlen. Gesucht werden noch die Lautsprecher SL und SR, SBL und SBR und die beiden Präsenzlautsprecher FPR und FPL. Die vier Surroundlautsprecher ebenfalls von B&W ?
    3) In welchem Bereich würdest Du die beiden Präsenzlautsprecher anbringen ?
    Vielen Dank vorab für Deine Hilfe.
    Liebe Grüße aus 70794 Filderstadt,
    Frank

    1. Hallo Frank,

      Glückwunsch zur Genehmigung! 😉

      Ich würde zuerst mal drüber nachdenken, ob sich die Modelleisenbahn nicht in den Raum integrieren lässt, anstatt sie zu verstecken. Wenn sie hinter der Sitzreihe Platz findet, gewinnst Du automatisch den wichtigen Abstand zur Rückwand. Wären Drehsessel eine gute Wahl? So kann man sich mit den Kinostühlen umdrehen und der Eisenbahn zusehen. Ist unter der Eisenbahn vielleicht viel Platz für dicke Tiefton-Absorber aus Steinwolle? Kann man ein Deckensegel darüber aufhängen, das gleichzeitig als Sternenhimmel und Absorber dient?

      Zu Deinen Fragen:

      1) Jetzt hast Du vielleicht schon Ideen, um Dir das selbst zu beantworten. Vielleicht eher länglich. Aber die Länge kein Vielfaches der Breite!

      2) Alle genannten Lautsprecher sollten exakt vom selben Typ sein. Wenn Du die anderen noch eine Weile behalten willst, nimm die passenden Regallautsprecher aus Deiner Serie.

      3) Na da wo sie laut Yamaha hin gehören. 🙂 Überleg Dir aber, ob Du statt Precense nicht lieber 2 Atmos-Deckenlautsprecher installierst. Die müssten ja nur näher an den Sitzplätzen hängen (ca. 1 m davor).

      Ich freue mich, mal einen Plan zu sehen.

      Viele Grüße
      Bert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.