Fotografieren wie die Profis

Fotos vom Heimkino selbst machen

Irgendwann ist es geschafft: das Heimkino ist fertig, die ersten Filme sind gesehen und die Optimierung der kleinen Details ist in vollem Gange. Spätestens jetzt wollt Ihr wahrscheinlich ein paar gute Fotos von Eurem Heimkino machen, um es der Welt zeigen zu können. Nicht zuletzt in den zahlreichen Foren und Gruppen, die Euch beim Bau und Einkauf mit Rat zur Seite standen, freuen sich die Mitglieder, von Eurem Baufortschritt zu erfahren und das Ergebnis zu sehen.

Gute Fotos vom Heimkino macht man am besten mit einer richtigen Kamera auf einem Stativ.

Die Enttäuschung ist meistens groß, wenn nach den ersten flüchtig geschossenen Fotos auch die Zeitinvestition für eine ausführliche Fotosession zu keinem besseren Ergebnis führt. Die Fotos sind unscharf oder verwackelt, die Lichtverhältnisse sind unnatürlich und die Bildqualität ist irgendwie verrauscht.

Die größte Schwierigkeit beim Fotografieren eines Heimkinos ist die Dunkelheit. Fotos bei Tageslicht geben schließlich nicht die tatsächliche Stimmung des Kinos bei herunter gelassenen Rollläden wieder. Höchste Zeit, ein paar Grundlagen der Fotografie nachzuholen.

Die richtige Kamera finden

Eines könnt Ihr gleich abhaken: mit einem Mobiltelefon oder Tablet macht man keine guten Fotos vom Heimkino. Die winzigen Kameraobjektive können gar nicht genug Licht aufnehmen, um vernünftige Fotos in schwach beleuchteten Räumen zu machen. Zudem bieten die Apps nicht genug manuelle Einstellmöglichkeiten.

Wer eine große Spiegelreflexkamera sein Eigen nennt oder ausleihen kann, erzielt damit die besten Ergebnisse. Aber auch die meisten kompakten Digitalkameras bieten heute an, alle wichtigen Einstellungen manuell vorzunehmen. Der manuelle Modus ist sehr wichtig, da die Automatik bei bestimmten Lichtverhältnissen schnell versagt.

Canon EOS 600DIch verwende seit Jahren erfolgreich die Canon EOS 600D, also eine Spiegelreflexkamera. Würde man heute ein vergleichbares Modell kaufen wollen, wäre wohl die Canon EOS 750D die erste Wahl. Aus rein praktikablen Gründen würde ich mich heute aber eher für eine Systemkamera entscheiden, also eine Kompaktkamera, die aber ein auswechselbares Objektiv hat. Den Vorteil einer Spiegelreflexkamera, nämlich durch den Sucher das zu sehen, was das Objektiv sieht, nutze ich nämlich so gut wie nie: ich verwende lieber das Display. Hier würde ich mich dann vielleicht für die Canon EOS M3 entscheiden. (Ich mag einfach die Bedienung von Canon-Kameras, deshalb die etwas einseitigen Empfehlungen hier.)

Passende Einstellungen für gute Fotos

Bevor Ihr Euch für eine Kamera entscheidet, versucht herauszufinden, ob sie die folgenden Einstellungen unterstützt. Die Liste ist von wichtig nach unwichtig sortiert. Wenn die Kamera also eine der letzten Eigenschaften nicht erfüllt, ist das nicht so schlimm, wie bei einem der ersten Punkte.

  • Gewinde für Stativ an der Unterseite vorhanden
  • Blitz abschaltbar
  • ISO-Wert auf 100, 200 oder 400 fixierbar
  • Belichtungszeit einstellbar
  • Schärfe manuell regelbar
  • Blendenöffnung wählbar

Unvermeidlich: Das Stativ

Um die meist düsteren Lichtverhältnisse und damit die Stimmung Eures Heimkinos richtig einzufangen, ist es zwingend erforderlich, lange Belichtungszeiten zu wählen. Damit geht einher, dass die kleinste Bewegung der Kamera während der Aufnahme zu verwackelten oder doppelten Bildern führt. Die Kamera muss stabilisiert werden, sonst sind keine guten Bilder möglich.

Der beste Weg ist natürlich ein dreibeiniges Stativ. Das sollte leicht aber stabil und variabel einstellbar sein. Die Kamera muss sich in alle Richtungen drehen und neigen lassen. Meist bestehen die Beine aus drei Segmenten, die sich einfahren lassen. Der Kopf lässt sich meistens auch noch ein Stück ausfahren. So sind Höhen von 50 bis 180 cm über dem Boden beliebig einstellbar.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Cullmann MAGNESIT 522 CW25 gemacht. Das wird aber scheinbar nicht mehr hergestellt, weshalb ich mich heute wohl für das 52461 NANOMAX 460 RW20 vom selben Hersteller entscheiden würde. Natürlich kann man ein günstigeres Stativ wählen, aber günstiger ist bei Stativen meistens auch klappriger. Wenn es nicht anders geht, genügt auch ein kleines Tisch-Stativ auf einem Schrank abgestellt oder notfalls etwas anderes, worauf sich die Kamera fest positionieren lässt.

Blitz aus

Sehen wir einer Tatsache ins Auge: Mit Blitz macht man keine brauchbaren Fotos in dunklen Räumen. Professionelle Fotografen verwenden den Blitz für alles mögliche, aber so gut wie nie in der Dunkelheit.

Ihr kennt das von Bildern einer beliebigen Feier. Verblitzte Bilder sind im Vordergrund viel zu hell, aber der Hintergrund bleibt trotzdem dunkel. Zudem bilden sich störende Schatten. Auch alte Tricks, wie zum Beispiel gegen die Decke zu blitzen oder den Blitz mit einem Tuch zu dämpfen, bringen nur eine kleine Verbesserung.

Vor allem aber verfälscht uns der Blitz die Lichtstimmung, die wir in mühevoller Kleinarbeit mittels Lampen, Strahlern oder LED-Stripes in unserem Heimkino installiert haben. Wenn Ihr den Raum etwas erhellen wollt, dann nur mit einem sehr weichen, keinesfalls auf einen Punkt konzentrierten Licht. Es sollen keine zusätzlichen Schatten entstehen.

Notwendig ist das aber nicht. Schaltet einfach alles ein, worüber Euer Kino normalerweise verfügt. Den Rest macht die Belichtungszeit.

Der ISO-Wert

Mit dem ISO-Wert wird die Empfindlichkeit des Kamera-Sensors beeinflusst. Ursprünglich kommt der Begriff aus der analogen Fotografie und bezeichnet die Empfindlichkeit des Filmmaterials. Der Wert beginnt in der Regel bei 100 und verdoppelt sich mit jeder weiteren Stufe. Je nach Kamera sind Einstellungen bis 3200 oder sogar 6400 möglich.

Der selbe Bildausschnitt mit verschiedenen ISO-Werten aufgenommen. Ab ISO 800 wird das Bildrauschen deutlich sichtbar.
Der selbe Bildausschnitt mit verschiedenen ISO-Werten aufgenommen. Ab ISO 800 wird das Bildrauschen deutlich sichtbar.

Je höher der ISO-Wert eingestellt ist desto empfindlicher ist der Sensor. Das heißt, es wird weniger Zeit benötigt, bis das Bild optimal belichtet ist. Das klingt erstmal toll: Man stellt einfach den höchsten ISO-Wert ein und kann sich dann die lange Belichtungszeit sparen, vielleicht sogar das Stativ. Aber Fehlanzeige! Das ist die dunkle Seite der Macht.

Die höhere Empfindlichkeit des Sensors hat ihren Preis. Mit einem höheren ISO-Wert schleicht sich zunehmend starkes Bildrauschen ein. Je nach Kameramodell macht sich das unterschiedlich stark bemerkbar. Das Resultat sind gelegentliche Pixel oder Bildstellen, die stark in Richtung einer Farbe wie zum Beispiel Grün, Magenta, Gelb oder Lila abweichen und dabei unangenehm herausstechen. Zudem wird das gesamte Bild unruhiger.

Einiges davon lässt sich mit der richtigen Nachbearbeitung korrigieren, ich halte es aber für besser, gleich ordentliche Fotos zu machen.

Stellt den ISO-Wert daher manuell auf 100, 200 oder höchstens 400 ein. Mehr ist nicht nötig.

Belichtungszeit einstellen

Hier beginnt der Teil der Einstellungen, bei dem Ihr Euch meistens auch Bedenkenlos auf die Automatik der Kamera verlassen könnt. Wenn die Möglichkeit besteht, die Belichtungszeit manuell einzustellen, ist es aber ratsam, darauf zurückzugreifen. Bei vielen Kameras ist dieser Modus mit „M“ gekennzeichnet (für „manuell“). Wenn Ihr mehrere Aufnahmen machen wollt, aus denen eine Software später ein Panorama errechnen soll, ist es ein großer Vorteil, wenn alle Bilder exakt gleich lange belichtet wurden und dadurch die selbe Helligkeit aufweisen.

Eine Belichtungskorrektur (hier rot umrandet) kann bei nahezu allen Digitalkameras eingestellt werden.
Eine Belichtungskorrektur (hier rot umrandet) kann bei nahezu allen Digitalkameras eingestellt werden.

Auch wenn Ihr keine Funktion zur manuellen Einstellung der Belichtungszeit findet, verfügt doch nahezu jede Kamera über eine Belichtungskorrektur. Hierbei könnt Ihr ausgehend von der automatisch ermittelten Belichtungszeit diese nach oben oder unten korrigieren. Die Einstellung wird meist wie hier abgebildet im Display dargestellt.

Die passende Belichtungszeit stellt Ihr am besten durch Ausprobieren mit ein paar Probeaufnahmen ein. Wichtig ist, dass Ihr auch wirklich ein Bild macht, da die Vorschau im Display das Ergebnis mit der aktuell eingestellten Belichtungszeit nur simuliert und das Endergebnis somit anders aussehen kann.

Abhängig von den anderen Einstellungen und dem Kameramodell und Objektiv werdet Ihr eine Belichtungszeit von mindestens einer Sekunde, wahrscheinlich aber eher im Bereich von 4 bis 8 Sekunden benötigen. Zum Vergleich: typische Belichtungszeiten bei Tageslicht liegen im Bereich von Zehntel- oder sogar Hundertstelsekunden (angezeigt meist durch Angaben wie beispielsweise 1/160 für „eine hundertsechzigstel Sekunde“).

Jetzt dürfte klar sein, weshalb ein Stativ so wichtig ist. Jede noch so kleine Bewegung der Kamera oder Veränderung im Kino wird unweigerlich zu einem Doppelbild oder verwischten Bildstellen führen.

Schärfe einstellen

In dunklen Umgebungen haben viele Kameras Probleme, die Schärfe richtig einzustellen. Der Autofokus erkennt nicht genug vom Bildinhalt, um zwischen scharf und unscharf unterscheiden zu können.

Wenn es die Kamera erlaubt, manuell scharf zu stellen, ist das sehr zu empfehlen. Ihr könnt so gezielter auf das primäre Bildelement fokussieren und schont nebenbei den Akku.

Der Autofokus ist üblicherweise mit A/F gekennzeichnet und lässt sich in der Regel bei Kameras mit abnehmbaren Objektiven durch einen Schalter abschalten. Kompaktkameras haben hier oft das Nachsehen. Nutzt auch den digitalen Zoom, wenn vorhanden, um mit der Vergrößerung des angepeilten Ziels genauer scharf stellen zu können.

Kleine Blendenöffnung wählen

Die Blende ist wahrscheinlich das komplizierteste Teil einer Kamera — für Nicht-Fotografen. Darum versuche ich es kurz zu machen. Die Blende ist ein Loch, durch das das Licht durch muss. Ist das Loch groß, geht viel Licht durch, ist es klein, geht weniger Licht durch. Außerdem: Ist das Loch groß, kann man nur auf einen kleinen Bereich scharf stellen, der Rest wird unscharf. Ist das Loch klein, wird ein weit größerer Bereich scharf. Damit steuert man die Tiefenschärfe.

Da wir unser Heimkino möglichst im Ganzen scharf abbilden wollen, empfiehlt sich eine möglichst kleine Blendenöffnung. Diese wird mit dem F-Wert bestimmt (F für Focal Length, Brennweite) — und da beginnt die Verwirrung: eine kleine Blendenöffnung hat einen großen F-Wert, eine große Blende dagegen einen kleinen Wert.

Im Klartext: Wollt Ihr das gesamte Heimkino scharf fotografieren, wählt wenn möglich einen großen F-Wert, zum Beispiel F11 (oder auch f/11 geschrieben). Wollt Ihr ein Detail, wie zum Beispiel einen Lautsprecher oder die coolen neuen Getränkehalter aufnehmen und alles andere unscharf lassen, stellt einen kleinen F-Wert ein, zum Beispiel F4.5 — was die Kamera eben hergibt.

Durch eine kleine Blendenöffnung geht natürlich weniger Licht, was eine deutlich längere Belichtungszeit erfordert. Gut, dass die Kamera auf einem Stativ steht.

Der Blickwinkel

Zuerst werdet Ihr eine Gesamtansicht von Eurem Heimkino haben wollen. Die Kamera wird dazu so nah wie möglich in einer der Raumecken aufgestellt. Wenn der Blickwinkel und Zoom gewählt sind, fixiert Ihr das Stativ und nehmt in Ruhe alle Einstellungen vor. Der Blick aus den vorderen Raumecken nach hinten ist genauso wichtig wie die Ansicht der Front mit Blick über die Sitze nach vorn.

Ungewöhnliche Perspektiven machen Heimkino-Fotos interessant
Ein ungewöhnlicher Blickwinkel …

Für die Frontansicht positioniert Ihr die Kamera genau in der Mitte der Rückwand, das heißt mittig zur Leinwand. Versucht, sie mit dem Stativ außerdem auch in der Höhe so auszurichten, dass sie die vertikale Mitte der Leinwand trifft. Wenn Ihr so geradeaus nach vorn fotografiert, bleiben die Kanten der Leinwand weitestgehend gerade. Diese Kanten fallen bei dem starken Kontrast zwischen hell und dunkel nämlich sofort auf, besonders wenn sie verzerrt sind.

Yamaha RX-V775 Ansicht von rechts unten
… wirkt gleich wesentlich interessanter.

Für weitere Ansichten lasst Ihr Eurer Fantasie einfach mal freien Lauf. In jedem Heimkino gibt es andere Highlights, die ein Bild wert sind. Probiert dabei immer verschiedene Varianten aus: In den wenigsten Fällen ist es ratsam, sich einfach nur vor etwas zu stellen und drauf los zu schießen. Probiert zum Beispiel ungewöhnliche Blickwinkel, indem Ihr ein Hauptmotiv in den Vordergrund rückt und etwas anderes unscharf im Hintergrund lasst.

Wenn Ihr Accessoires oder kleine Details fotografiert, stellt Euch nicht einfach nur davor und knipst aus 1,70 Metern Höhe drauf los. Bringt die Kamera mit dem Stativ auf die selbe Höhe wie das Motiv oder etwas oberhalb davon. So wirkt das Bild viel professioneller und sieht nicht aus, wie mal eben im Vorbeigehen geschossen.

Panoramen

Besonders in kleinen Räumen dürfte Euch ziemlich schnell auffallen, dass Ihr nicht das gesamte Kino auf ein Bild bekommt. Ein Weitwinkel-Objektiv für die Kamera ist hier ein praktischer Helfer. Wer keines zur Hand hat oder eine Kompaktkamera verwendet, kann sich mit einem Panorama behelfen.

Viele Kameras bieten heute schon eine integrierte Panorama-Funktion. Die ist — unter anderem auch bedingt durch die Lichtverhältnisse und langen Belichtungszeiten — eher nicht zu gebrauchen. Kameras haben einfach nicht die nötige Rechenleistung, um Panoramen immer fehlerfrei erstellen zu können. Was manche Modelle leisten, ist zwar erstaunlich, aber meisten schleichen sich deutlich sichtbare Bildfehler ein. Probiert es ruhig aus, aber erwartet nicht zu viel.

Stattdessen könnt Ihr eine Software verwenden, die aus mehreren Bildern nachträglich ein Panorama errechnet. Die Auswahl ist recht groß und über alle Preisklassen verteilt, weshalb ich an dieser Stelle nicht im Detail darauf eingehen kann. Auch hier solltet Ihr im Rahmen Eurer Möglichkeiten verschiedenes ausprobieren.

Wichtig ist in jedem Fall das Ausgangsmaterial: je besser Eure Fotos sind, desto leichter kann die Software ein fehlerfreies Panorama erstellen. Es versteht sich von selbst, dass die Kamera auf dem Stativ gedreht werden muss, ihre Position aber ansonsten unverändert bleiben sollte. Eine manuell eingestellte Belichtungszeit zahlt sich hier ebenfalls aus, damit die einzelnen Bildbereiche die gleiche Helligkeit haben.

Wenn kein Weitwinkelobjektiv zur Verfügung steht, kann ein Panorama helfen, den Blickwinkel zu erweitern.
Wenn kein Weitwinkelobjektiv zur Verfügung steht, kann ein Panorama helfen, den Blickwinkel zu erweitern – in diesem Fall ein vertikales Panorama aus drei Bildern.

Ein Panorama dient übrigens nicht nur für die klassische Rundumsicht im Heimkino (die ist nebenbei bemerkt auch das aufwändigste Panorama). Oft reichen schon vier Bilder mit nur wenig Versatz, die zusammengesetzt einfach nur einen etwas größeren Bildausschnitt bieten. Als Panorama ist das auf den ersten Blick oft gar nicht zu erkennen. Ebenso könnt Ihr zwei Hochformat-Fotos nebeneinander zu einem Querformat-Foto verbinden. Der Aufwand hält sich so in Grenzen, der sichtbare Bereich wächst aber ausreichend.

Selbstauslöser

Es mag seltsam erscheinen, beim Fotografieren einer statischen Umgebung ohne Personen den Selbstauslöser zu verwenden. Tatsächlich ist das aber ein guter Trick in Kombination mit dem Stativ.

Verwendet für alle Fotos den Selbstauslöser — die kurze Variante mit 2 Sekunden genügt. Wenn Ihr manuell an der Kamera auslöst, wackelt diese trotz — oder gerade wegen — dem Stativ noch ein bisschen nach. Das kann zu kleinen Unschärfen im Bild führen.

Mit dem Selbstauslöser habt Ihr noch genug Zeit, um die Kamera nach dem Drücken des Auslösers kurz zu beruhigen. So gibt es vom Öffnen bis zum Schließen des Verschlusses absolut keine Bewegung der Kamera. Außerdem habt Ihr noch genug Zeit, etwas zur Seite zu treten, so dass Ihr selbst keinen Schatten ins Kino werft (eine Sache, die mir am Anfang sehr oft passiert ist).

Projektor aus lassen

Den Projektor oder Fernseher solltet Ihr für die Fotosession ausgeschaltet lassen. Das Bild würde durch die relativ hohe Helligkeit im Raum ohnehin nicht besonders kontrastreich dargestellt werden.

Viel mehr verfälscht Euch die große Helligkeit des leuchtenden Bildschirms aber die Belichtung Eurer Fotos. Ob die Kamera nun automatisch die Belichtungszeit wählt oder Ihr den manuellen Weg geht: Die Unterschiede zwischen hell und dunkel sind zu groß. Entweder wird die Leinwand richtig belichtet und der Rest des Raums zu dunkel, oder der Raum ist richtig belichtet und die Leinwand empfindlich zu hell getroffen.

Wollt Ihr unbedingt ein Bild auf dem Schirm sehen, solltet Ihr Euch in das Thema HDR-Fotografie einlesen. Dazu sind erweiterte Kenntnisse in der Bildbearbeitung hilfreich.

Absichtlich Überbelichten

Wenn Euer Heimkino insgesamt recht dunkel gehalten ist, habt Ihr möglicherweise mit einem typischen Effekt in Euren Bildern zu kämpfen. Ihr könnt zwar Helligkeit und Kontrast nachträglich von einer Software korrigieren lassen, das Resultat wird aber immer noch etwas „vermatscht“ aussehen. Dunkle Bildstellen laufen oft ineinander, so dass keine klaren Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Objekten zu erkennen sind. Es bringt dann auch nichts, die Helligkeit nachträglich zu korrigieren, denn das macht aus dunklem Matsch nur helleren Matsch.

Die Qualität der dunklen Bildstellen ist besser, wenn ein zu lange belichtetes Bild nachträglich abgedunkelt wird.
Die Qualität der dunklen Bildstellen ist besser, wenn ein zu lange belichtetes Bild nachträglich abgedunkelt wird.

Stellt die Belichtungszeit schon bei der Aufnahme etwas länger als eigentlich notwendig ein. Eine oder zwei Sekunden mehr sollten schon genügen. Auch Kompaktkameras im Automatikmodus haben für gewöhnlich eine Einstellung dafür, die Belichtungszeit nach oben oder unten anzupassen.

Die Bilder werden dadurch etwas zu hell aufgenommen, wodurch es zu höheren Kontrastunterschieden zwischen einzelnen Objekten kommt. Dadurch sind für die Bildbearbeitungssoftware mehr Informationen vorhanden, um das Bild besser korrigieren zu können. Besonders bei der manuellen Nachbearbeitung profitiert Ihr aber davon.

Als Daumenregel für dunkle Umgebungen gilt: Ein überbelichtetes Bild lässt sich leichter dunkler korrigieren, als ein zu dunkles Bild heller gemacht werden kann.


Mit diesem kleinen Einmaleins der Fotografie wisst Ihr nun so ziemlich alles, was Ihr benötigt, um gute Fotos von Eurem Heimkino machen zu können. Vieles hängt natürlich auch von der Ausrüstung ab, aber nach der Finanzierung eines Heimkinos ist dafür naturgemäß nicht mehr so viel Geld übrig. Trotzdem helfen Euch die Tipps in diesem Artikel, mehr aus Eurer Kamera herauszuholen und grobe Fehler zu vermeiden.

Wie und wo Ihr Euer Heimkino präsentieren wollt, wisst Ihr wahrscheinlich schon lange — ob als Facebook-Seite, in einer der zahlreichen Gruppen oder Foren, oder auf Eurer eigenen Webseite. Denkt aber auch daran, nicht zu locker mit Euren Bildern umzugehen, besonders wenn darauf teure Geräte zu sehen sind. Das könnten unerwünschte Gäste interessant finden.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

2 Gedanken zu „Fotos vom Heimkino selbst machen

  1. Schöner Artikel und kann ich so unterschreiben. Wenn mein Heimkino mal fertig ist, dann werd ich mal nen netten Freund fragen ob der mal zum Knipsen kommt 🙂

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