Einen Heimkino-Bauplan professionell erstellen

Je besser ein Projekt im Voraus geplant wird, desto reibungsloser lässt es sich später umsetzen. Das ist eine Tatsache, die sich immer wieder bewahrheitet. Bei häuslichen Baumaßnahmen gehört ein Bauplan dazu — und gerade bei einem Heimkino gibt es besonders viel zu planen:

Ausschnitt eines Heimkino-Bauplans

Das sind nur einige der Punkte, die beim Bau eines Heimkinos berücksichtigt werden müssen. Ein detaillierter, maßstabsgetreuer Bauplan hilft sehr dabei, die benötigten Komponenten aufeinander abzustimmen. Er ist auch ein unersetzliches Hilfsmittel dabei, notwendige Maße zu berechnen und die benötigten Mengen diverser Teile zu ermitteln.

Vermessen des Raums

Ein Ausschnitt aus einem Heimkino-BauplanEgal wie Euer Bauplan später entsteht, ist es notwendig, den Kinoraum zuerst vollständig und genau zu vermessen. Zwei Metermaße sollten dafür genügen. Wer mit einem Laser-Entfernungsmesser ran kann — um so besser. Alle Maße sollten auf einen Zentimeter genau sein, denn darauf wird es später ankommen.

Vermessen solltet Ihr alles, was den Raum ausmacht:

  • Länge, Breite und Höhe
  • Türen und Fenster mit Abständen zu den jeweiligen Raumecken
  • eventuell vorhandene Winkel und Aussparungen im Raum
  • Position und Größe von Hindernissen wie Heizkörpern, Türrahmen oder Öffnungen
  • die Position aller Steckdosen, Lichtschalter, Kabel und sonstiger Anschlüsse

Denkt auch daran, dass Wände, Decken und Fußböden nicht perfekt gebaut sind. Gegenüberliegende Wände sind auch in rechteckigen Räumen meistens nicht genau gleich lang. Auch die Deckenhöhe kann variieren. Deshalb solltet Ihr wirklich jede Kante vermessen, anstatt von einem Maß auf ein anderes zu schließen.

Alle Maße tragt Ihr in eine grobe Skizze des Raums ein. Diese dient dann zur Erstellung des eigentlichen Bauplans. Am besten gewöhnt Ihr Euch gleich an, alle Angaben in Zentimetern aufzuschreiben, weil das die am häufigsten verwendete Einheit ist – vom Baumarkt über den Handwerker bis hin zum IKEA.

Die richtige Software

Eine konkrete Empfehlung für eine Planungssoftware kann ich nicht geben, weil ich selbst einen eher unüblichen Weg gegangen bin. Die Software selbst spielt aber eigentlich auch keine so große Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass sie einige notwendige oder zumindest nützliche Aufgaben erfüllt:

  • maßstabsgetreue Darstellung der Zeichnung
  • die Möglichkeit zur Bemaßung
  • Gruppierung und selektives Ein- und Ausblenden von Elementen
  • der Export der Zeichnung in ein verbreitetes Format (JPG, PNG, PDF oder ähnliches)

Ein richtiges CAD-Programm ist natürlich die optimale Lösung. Aber nicht jeder hat Zugang zu solcher Software oder kann damit umgehen. Hier einige alternative Wege, um einen Bauplan zu zeichnen:

  • SketchUp ist eine kostenlose Software zu Erstellung von dreidimensionalen Zeichnungen. Die Bedienung ist sehr gewöhnungsbedürftig, wem es aber liegt, der sollte damit gut auskommen können. Ansonsten ist auch Roomeon einen Blick wert.
  • Vektorbasierte Grafikprogramme wie Adobe Illustrator oder Corel Draw leisten sehr gute Dienste im zweidimensionalen Raum. Wer über Kenntnisse in diesem Bereich verfügt, sollte darauf zurückgreifen. Eine sehr gute kostenlose Alternative ist Inkscape.
  • Im Notfall tut es auch ein pixelbasiertes Zeichenprogramm, auch wenn Änderungen damit ziemlich umständlich sind. Paint.NET oder Gimp sollten gut funktionieren, weil sie verschiedene Zeichenebenen unterstützen. Bevor Ihr auf Windows Paint zurückgreift, zeichnet den Bauplan aber lieber von Hand.

Mein Heimkino in Minecraft nachgebautDen Plan für mein Kino habe ich mit Illustrator erstellt, weil ich die Software kenne und die Möglichkeit dazu hatte. Zusätzlich, eher aus einer Laune heraus, habe ich eine dreidimensionale Darstellung meines Kinos vorab in Minecraft gebaut. Damit ist zwar keine detailgetreue Abbildung möglich, aber es geht schnell. Man kann sich beliebig im Modell bewegen und so das ungefähre Aussehen des Kinos aus verschiedenen Perspektiven abschätzen. Jedes andere 3D-Programm hat wahrscheinlich mehr zu bieten, aber mit Minecraft macht es auf jeden Fall Spaß. Hier mein Spielstand, falls es jemand testen möchte.

Von Hand zeichnen

Wem die Bedienung einer Software nicht liegt, der kommt vielleicht auf die gute alte Art und Weise weiter. Stellt Euch dabei aber auf eine Menge Arbeit ein, denn die Planung eines Heimkinos geht mit vielen Änderungen einher, die den Radiergummi stark beanspruchen.

Kauft Euch am besten einen Block Millimeterpapier im Format DIN A3. Darauf zeichnet Ihr den Raum im Maßstab 1:20 (1 cm auf dem Papier = 20 cm im Raum). Je nach Größe des Papiers und des Raums wählt Ihr einen anderen passenden Maßstab, der sich leicht umrechnen lässt.

Foto: Udo K.
Foto: Udo K.

Außen herum sollte genug Platz für die Bemaßung und wichtige Notizen bleiben. Stellt Euch schon mal darauf ein, das noch einige Male zu wiederholen. Wenn die Zeichnung nach vielen Änderungen unleserlich geworden ist, übertragt Ihr alles wichtige auf ein neues Blatt und arbeitet daran weiter.

Für die Aufstellung der Einrichtungsgegenstände, besonders Lautsprecher und Sitzplätze, schneidet Ihr euch diese am besten im selben Maßstab aus Papier aus. Dann beschriftet Ihr sie und schiebt sie so lange auf dem Bauplan herum, bis die passenden Positionen gefunden sind. Eine alte und bewährte Vorgehensweise, wenn es um die Einrichtung von Räumen geht.

Weitere Details

Verlauf der Kabel in einem Heimkino-BauplanOb digital oder von Hand gezeichnet – Euer Bauplan ist die halbe Miete. Neben den Raummaßen, Lautsprechern, Steckdosen und Sitzgelegenheiten solltet Ihr nach und nach weitere Details einzeichnen:

  • Standort der technischen Geräte (bei Verwendung eines Fernsehers vorn, bei Projektoren eher hinten, eventuell auch seitlich) – wichtig für die Kabelführung
  • die genaue Position der Leinwand und des Projektors, so dass sich das Objektiv mittig zur Leinwand befindet (viele Projektoren müssen dazu leicht seitlich versetzt aufgehängt werden)
  • Absorber aus Schaumstoff in den Ecken oder an den Wänden, eventuell ein Deckensegel
  • Vorhänge und Vorhangstangen
  • Beleuchtung (Lampen, Schalter, Steuergeräte)
  • bei Parkettboden die genaue Position von Teppichen
  • die Kabelführung zu den Lautsprechern, zum Projektor und für die Beleuchtung

Vernachlässigt nichts, denn alles wird seinen Platz benötigen. Wenn Ihr alles bis ins kleinste Detail berücksichtigt, werdet Ihr bereits in der Planungsphase auf erste Probleme stoßen und Euch eine Lösung dafür ausdenken können. Und das ist wesentlich einfacher und vor allem günstiger, als erst während der laufenden Umsetzung darauf zu reagieren.

Verwendung für den Bauplan

Euer Bauplan wird Euch nicht nur für den Bau Eures Kinos vieles erleichtern. Auch für die Berechnung der benötigten Materialien wie Farbe, Bodenbelag und Vorhangstangen bis hin zu Kabeln ist er ein unersetzliches Hilfsmittel. Damit gibt er Euch auch alle notwendigen Informationen zur Berechnung der genauen Kosten.

Die verwendete Software sollte einen Export als JPG oder PNG unterstützen. Einen von Hand gezeichneten Bauplan könnt Ihr einscannen oder abfotografieren. Die so erstellte digitale Version eignet sich hervorragend zur Vorstellung Eures Projektes in einem Heimkino-Forum. Dort könnt Ihr viele hilfreiche Tipps und Unterstützung von den anderen Nutzern bekommen, die Euch um so lieber helfen, je detaillierter Euer Bauplan ist. Ein paar Fotos des Raums könnt Ihr auch noch mit hochladen.

Wenn Euer Kino fertig ist, macht sich der Bauplan bestimmt eingerahmt an einer Wand im Vorraum sehr gut. Dort kann er noch Jahre später Besucher beeindrucken, die sich fragen werden, wie Ihr so ein Projekt auf die Beine stellen konntet.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

8 Gedanken zu „Einen Heimkino-Bauplan professionell erstellen

  1. Ich hab mal mit Sketchup angefangen. Richtigerweise ist es doch gewöhnungsbedürftig, aber es gibt bei Youtube viele nützliche Videos dazu. Ein weiterer Pluspunkt ist für dieses Programm dass sich viele Möbel, Elektronikgeräte etc. leicht downloaden und im eigenen Plan verwenden lassen.

  2. Hi,

    danke für den Bauplan! Jetzt muss ich mir nur noch die passende Wohnung kaufen, um so ein Heimkino bei mir zu installieren!

    Sobald alles fertig ist, melde ich mich wieder 😉

    Mal im Ernst hat jemand von euch zu Hause ein solches Zimmer? Bilder würden mich da schon sehr interessieren.

    Grüße

  3. Hi, Ich bin auch im Begriff ein Heimkino und Automation + kleines Heimkino im Schlafzimmer ein zu richten. Ein mega Projekt. Habe aber kein schlüssiges Conzept. Aber ich weiß wie alles hinter her aussehen soll. Bin offen für jede Art von Ideen offen.
    PS: Website habe ich nicht.

    Mit besten Gruß Mario

    1. Hallo Mario,

      wenn Du schon weißt, wie es aussehen soll, ist das doch immerhin ein klares Ziel. Trotzdem kann ich Dir jetzt nicht in einem Kommentar die komplette Vorgehensweise erklären. Am besten liest Du Dich hier auf der Seite erstmal ein wenig in die verschiedenen Themen ein. Wenn dann noch Fragen sind, kannst Du gerne die individuelle Beratung nutzen, um Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen.

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