Die wesentlichen Auswahlkriterien beim Beamer-Kauf

Heimkino-Beamer – wichtige Funktionen kurz erklärt

Wer sich für einen Beamer entscheidet, geht einen wichtigen Schritt hin zu einem echten Heimkino. Für viele ist ein Heimkino erst dann ein richtiges Heimkino, wenn ein Beamer für das Bild sorgt. Inzwischen ist das keine Kostenfrage mehr. Ein Fernseher mit richtig großem Bild ist deutlich teurer als ein Beamer, der ein noch größeres Bild an die Wand wirft.

Beamer Frontansicht Cover

Die eigentliche Schwierigkeit ist die etwas umständlichere Einrichtung, da ein Beamer nicht einfach irgendwo stehen kann. Aber es gibt noch viele andere Kriterien, die man bei einer Neuanschaffung beachten muss. Diese zu kennen und zu verstehen ist der Trick, die richtige Entscheidung zu treffen. Deshalb will ich Euch heute die wichtigsten Merkmale mit auf den Weg zum Beamer-Kauf geben.

Die wichtigsten Merkmale für Heimkino-Beamer

Es gibt einige Kriterien, die im Heimkino besonders wichtig sind. Dazu gehören die Auflösung, Bildhelligkeit, der Schwarzwert, das Lüftergeräusch und eine Lens-Shift-Funktion. Darauf solltet Ihr beim Beamer-Kauf das größte Augenmerk legen.

Auflösung

Das Wichtigste bei einem Beamer ist natürlich, dass er die aktuell übliche Auflösung für Filme von allen möglichen Medien wiedergeben kann. Bisher ist der Standard immer noch 1920 × 1080 Pixel, oder 1080p, wie es oft auch abgekürzt wird. Angepriesen wird das als FullHD. Das Seitenverhältnis dieser Auflösung entspricht genau 16:9, was wohl der Grund dafür ist, dass es sich durchgesetzt hat.

Gerade befinden wir uns ja in einer Umbruch-Phase: 4k bzw. UltraHD steht auf der Matte und bringt uns die doppelte Auflösung, also 3840 × 2160 Pixel. Was sich bei Fernsehern ab der mittleren Preisklasse inzwischen durchgesetzt hat, ist bei Beamern noch nicht zum Standard geworden. Das Angebot an 4k-Beamern ist noch überschaubar und die Preise liegen meist über dem, was man auszugeben bereit ist.

Dabei kann man aber mit FullHD schon recht zufrieden sein, wenn man bedenkt, welche lachhafte Auflösung DVDs oder noch ältere Formate hatten. Der Unterschied zu 4k ist durchaus sichtbar — dazu muss man nicht extra nah vor der Leinwand sitzen. In erster Linie steigert sich aber der gesamte Schärfeeindruck. Das Pixelraster wird man bei gesundem Abstand auch bei FullHD schon nicht mehr sehen können.

Ein Heimkino-Beamer muss in jedem Fall die FullHD-Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln unterstützen. Wenn man es als bezahlbar empfindet, sollte die 4k-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixeln das neue Maß der Dinge sein.

Bildhelligkeit

Der zweite wesentliche Faktor ist die Bildhelligkeit, die in Lumen angegeben wird. Im Bereich von 2.000 bis 3.000 Lumen ist man gut aufgestellt. Zu bedenken ist dabei jedoch folgendes:

  • Lässt man den Beamer im Eco-Modus laufen, was die Lebenszeit der Lampe erhöht und das Lüftergeräusch verringert, bringt der Beamer nicht den angegebenen Maximalwert.
  • Das gesamte Licht verteilt sich auf die Fläche, auf die man projizieren will. Je größer also die Leinwand ist, desto höher sollte der mögliche Helligkeitswert des Beamers sein.
  • Bei Tageslicht  oder einem nur teilweise abgedunkelten Raum muss der Beamer gegen die Umgebungshelligkeit ankämpfen, was ihm nur mit einem hohen Lumen-Wert gelingt.

Im Heimkino dunkelt man den Raum üblicherweise ab, weshalb ein allzu großer Wert nicht ganz so wichtig ist. Will man den Beamer aber auch bei Tageslicht einsetzen oder ein echt großes Bild projizieren, braucht das Gerät ordentlich Lumen unter der Haube. Bei teureren Modellen sind deshalb Werte oberhalb 5.000 Lumen an der Tagesordnung.

Mit der Helligkeit steht aber auch der Wunsch nach gleichmäßiger Ausleuchtung des Bilds in Zusammenhang. Bei einfarbigen Flächen sollten keine  ungleichmäßig hellen Bildstellen oder sogar Flecken erkennbar sein. Das erkennt auch der Laie schnell und stört sich daran. Abseits von reinen Zahlenangaben ist das also ein guter Grund für einen echten Test beim Händler Eurer Wahl.

Schwarzwert (Kontrast)

So ungefähr das Gegenteil der maximalen Bildhelligkeit ist der Schwarzwert. Was für Präsentationen vom PC, die überwiegend in hellen Räumen stattfinden, völlig egal ist, stellt sich als einer der wichtigsten Faktoren im abgedunkelten Heimkino heraus. Wann immer es im Film dunkel ist, wollen wir auch ein dunkles Bild haben, und keinen grauen Brei.

Dazu muss es der Beamer schaffen, das helle Licht der Lampe möglichst vollständig abzudunkeln — es also bei Bedarf auch an einzelnen Bildstellen völlig abzuschirmen. Je nach verwendeter Projektionstechnologie und Aufwand, den der Hersteller betreibt, gelingt das dem Beamer mehr oder weniger gut. Viele Modelle verwenden eine automatische Anpassung der Iris-Blende, um die Öffnung zu verkleinern, durch die das Licht den Beamer verlässt, und so gar nicht erst so viel Licht raus zu lassen.

Wie schwarz das Schwarz wirklich ist, lässt sich nur in absolut dunklen Räumen beurteilen, in denen es nahezu kein Streulicht gibt. Da nicht alle Händler solche Vorführräume haben, muss man hier also ein bisschen auf die Bewertungen anderer hören.

Was der Lumen-Wert für die Helligkeit ist, ist das Kontrastverhältnis für den Schwarzwert. Das Kontrastverhältnis beschreibt den Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten und dunkelsten Pixel. Genauer gesagt bezeichnet es, wie viel Mal heller reines Weiß gegenüber reinem Schwarz ist. Es wird zum Beispiel mit 100.000:1 angegeben: Die hellste mögliche Bildstelle ist 100.000 Mal heller als die dunkelste. Größere Werte sind besser. Ist der Kontrast zu gering (zum Beispiel nur 2000:1), sind schwarze Flächen eigentlich nur grau — das Bild wirkt matschig.

Da diese Zahlen eigentlich keine vernünftige Beurteilung zulassen, hilft nur, selbst zu vergleichen. Gute Testbilder sind hierbei übrigens Sternenhimmel, wie man sie zum Beispiel bei Star Wars des öfteren sieht: Hier zeigt sich, ob der Beamer auch bei der Darstellung großer Schwarzflächen noch in der Lage ist, einzelne helle Sterne sauber darzustellen.

Laufgeräusch

Es gibt natürlich Heimkino-Besitzer, die einen separaten Technikraum ihr Eigen nennen und — ganz wie im echten Kino — durch eine Scheibe projizieren. Manch einer betreibt auch den Aufwand, eine Hushbox zu bauen, die jegliche Geräusche des Beamers schluckt. Alle anderen müssen darauf achten, dass ihr Beamer leise ist.

Im normalen Filmbetrieb gibt es zwei Bauteile an einem Beamer, die deutlich hörbare Geräusche von sich geben:

Der Lüfter

Dass die Belüftung wichtig ist, muss ich wohl nicht erklären — ohne sie wäre der Beamer innerhalb kürzester Zeit ein geschmolzener Klumpen Elend. Es gelten die üblichen Regeln:

  • viele Lüfter sind lauter als wenige Lüfter
  • kleine Lüfter sind lauter als große Lüfter

Aber am Ende ist das eigentlich egal und es zählt nur das Rauschen, das man tatsächlich hören kann.

Am besten führt man Vergleichstests mit mehreren Geräten beim Fachhändler durch. Auf Bewertungen im Internet kann man sich nur verlassen, wenn häufig die Aussage „schön leise“ oder „sehr laut“ fällt, denn solche Aussagen sind ja immer recht subjektiv — jeder vergleicht das Geräusch mit dem, was er schon kennt oder gewöhnt ist. Zuhause klingt es dann aber auch nochmal anders, da das Rauschen ein relativ hoher Ton ist, der im Vorführraum beim Händler möglicherweise gut gedämpft wird.

Zu beachten ist außerdem, dass das Lüftergeräusch stark reduziert wird, wenn der Beamer im Eco-Modus läuft. Die Lampenleistung ist dann geringer, die Lampe wird nicht mehr so heiß und muss nicht so stark gekühlt werden. Achtet darauf, wenn Ihr den Beamer beim Händler testet.

Die Iris

Viele Beamer haben eine Auto-Iris-Funktion. Die Iris ist eine Öffnung im Objektiv, durch die das Licht durch muss. Die Öffnung kann vergrößert oder verkleinert werden. Wenn ein Beamer über eine Auto-Iris verfügt, nutzt er diese, um den Schwarzwert in dunklen Szenen zu verbessern. In hellen Szenen wird die Iris dagegen geöffnet, um mehr Licht durch zu lassen und so ein helleres Bild zu erzeugen.

Das ist ja schön, aber warum macht das Geräusche? Nun ja, weil es mechanisch funktioniert. Normalerweise wechselt auch nicht ständig die Helligkeit, so dass man davon gar nichts merkt.

Sobald aber ein schneller Wechsel zwischen hellen und dunklen Bildern erfolgt — ein Effekt, der im Film häufig eingesetzt wird, um spannende Atmosphäre zu erzeugen — geht die Iris permanent auf und zu. Das ist deutlich wahrnehmbar, zumal es mit dem Bild auffällig synchron läuft.

In der Regel kann man die Auto-Iris-Funktion ausschalten, büßt dabei aber etwas beim Schwarzwert oder an Helligkeit ein. Wer das nicht möchte, sollte darauf achten, dass die Iris leise ist. Dennoch würde ich davon keine Kaufentscheidung abhängig machen, weil das eines dieser Geräusche ist, die man nicht mehr hört, wenn man sich erst daran gewöhnt hat — vorausgesetzt der Beamer übertreibt es damit nicht.

Lens Shift

Der Zoom zur Einstellung der Bildgröße und Focus zum Scharfstellen sind Bestandteile des Objektivs, die praktisch jeder Beamer an Bord hat — denn ohne wäre er ziemlich nutzlos. Die Lens-Shift-Funktion hingegen dient dazu, das Bild zu verschieben, ohne dabei eine Verzerrung entstehen zu lassen. Vereinfacht gesagt kann man den Beamer so zum Beispiel waagrecht an die Decke hängen und ihn trotzdem schräg nach unten projizieren lassen, ohne dass das Bild trapezförmig wird.

Viele Beamer bieten vertikalen Lens Shift an, um die Aufstellung auf einem niedrigen Tisch oder Aufhängung an der Decke zu ermöglichen. Erforderlich ist es dann nur noch, dass der Beamer genau in der horizontalen Mitte der Leinwand hängt.

Manche Geräte verfügen zusätzlich über horizontalen Lens Shift, was eine Aufstellung abseits der Mitte ermöglicht. Das ist aber fast nur in den sehr hohen Preisklassen anzutreffen und meistens auch nicht unbedingt nötig.

Wer den Beamer an die Decke hängen will oder ihn nicht völlig frei positionieren kann, der sollte auf Lens Shift keinesfalls verzichten. Denn ansonsten wird die Keystone-Korrektur notwendig, um das Bild zu entzerren. Im Gegensatz zum Lens Shift wirkt sich das aber negativ auf die Bildqualität aus — dazu aber unten mehr.

Sekundäre Beamer-Merkmale

Weitere Merkmale eines Beamers sind die verwendete Panel-Technologie, die verfügbaren Anschlüsse, ein motorisiertes Objektiv sowie die zu erwartende Lampenlaufzeit und Wartungsintensität. Für fortgeschrittene Kinobesitzer sind diese Kriterien teilweise ebenfalls ausschlaggebend für die Kaufentscheidung.

Technologie

LCD, DLP und LED sind die wesentlichen Technologien, auf denen Beamer heute basieren. Eine weitere Art — Laser — kommt gerade erst auf und wird vielleicht auch irgendwann bezahlbar.

Die Vor- und Nachteile der Beamer-Typen sind gut gemischt. Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil. Es ist nicht möglich, hier eine klare Empfehlung zu geben. Sehr schnell wird die zugrunde liegende Technologie zu einer Glaubensfrage.

Anschlüsse

Anschlussmöglichkeiten sind immer gut — je mehr, desto besser. Ein HDMI-Eingang ist absolutes Pflichtprogramm im Heimkino! Besser sind zwei. Ansonsten gibt es meistens den typischen VGA-Anschluss für ältere PCs und den guten alten AV-Eingang. Schön ist außerdem ein Component-Eingang zu haben (Rot, Grün und Blau als Cinch), da dieser aber mangels Unterstützung des Kopierschutzes von Blu-rays ohnehin nicht alles ausgeben würde, kann man darauf gut verzichten.

Im Heimkino-Bereich sind einzig und allein die HDMI-Eingänge wichtig. Da man alle Quellen am AV-Receiver zusammenführt und von dort zum Beamer überträgt, genügt eigentlich ein HDMI-Eingang. Aus dem selben Grund sind optische oder analoge Audio-Ausgänge im Heimkino überflüssig: Ein Beamer sollte immer ein Ausgabegerät sein, ähnlich einem Lautsprecher. Er sollte sich nicht mit Audio-Daten befassen müssen.

Motorisiertes Objektiv

Alle Einstellmöglichkeiten am Objektiv — Zoom, Focus und Lens Shift — kann ein Beamer auch motorisiert anbieten. Dadurch lassen sich bestimmte Objektiv-Zustände abspeichern und später automatisch wieder aufrufen. Das ist zunächst mal nur Luxus, wird aber spätestens bei der Projektion auf eine Leinwand im 21:9-Format wichtig. Wenn sich das Format der Leinwand nicht ändert (oder eine Maskierung nur oben und unten erfolgt), ist es nicht erforderlich.

Man kann im Allgemeinen sagen, dass entweder alle oder gar keine Objektiv-Einstellungen motorisiert möglich sind. Das Feature ist für gewöhnlich nur im höheren Preissegment zu finden. Wenn man es benötigt, kommt man um einen teureren Beamer nicht herum — ansonsten nimmt man es eben mit, wenn es dabei ist.

Maximale Lampenlaufzeit

Nicht zuletzt ist die maximale Lebensdauer der Lampe vielleicht ein wichtiges Kriterium, wenn Ihr auf die Kosten einer neuen Lampe achten müsst. Im Eco-Modus, also mit reduzierter Helligkeit, ist die maximale Laufzeit meist doppelt so lang wie im normalen Modus. Genauer steht es in den technischen Daten.

Zu beachten ist, dass die meisten Beamer die Betriebsstunden mitzählen und den Dienst verweigern, wenn die maximale Zeit erreicht ist. Erst wenn die Lampe gewechselt wurde, arbeitet der Beamer weiter und beginnt die Stundenzählung von Null. Das ist auch gut so, denn eine zu alte Lampe kann einen Beamer schnell in einen Haufen Elektroschrott verwandeln.

Gerne wird im Prospekt die Lebensdauer im Eco-Modus angegeben, weil sich große Zahlen eben besser verkaufen als kleine. Falls Ihr den Beamer mit voller Lampenleistung betreiben müsst, solltet Ihr also das Kleingedruckte lesen.

Völlig normal ist es hingegen, dass die Lampe nach ungefähr 1.000 Betriebsstunden an Leistung nachlässt und das Bild dunkler wird.

Abzuwarten bleibt natürlich immer, ob die Lampe sich an die angegebene Laufzeit hält. Sie kann nämlich jederzeit auch früher abrauchen.

Verschleiß oder langfristige Probleme

Einige weitere Kriterien lassen sich nicht direkt bewerten, weil sie erst nach längerem Betrieb des Beamers erkennbar werden. Abhängig von der zugrunde liegenden Technologie könnte folgendes auftreten:

  • Absinken der Lichtleistung der Lampe (bis zu einem gewissen Grad ist das normal)
  • Veränderungen in der Farbwiedergabe
  • Auftreten von dauerhaften Pixelfehlern
  • Verschmutzungen oder Flecken im Bild durch eintretenden Staub

Weitere Probleme sind denkbar. Gewappnet ist man dafür wohl nie — entweder man hat Glück, oder eben nicht. In jedem Fall sollte man sorgsam mit seinem Beamer umgehen und ihn hin und wieder mit einem Staubsauger reinigen (nicht mit einer Druckluftdose).

Um Überraschungen vorzubeugen, solltet Ihr vor dem Kauf auf Bewertungen im Internet achten. Berichten Besitzer des Modells häufig von bestimmten Fehlern? Dann gibt es vielleicht ein generelles Problem seitens des Herstellers. Es wird natürlich schwieriger, solche Probleme vorab zu erkennen, wenn man sich gleich auf ein gerade erst erschienenes Gerät stürzt — deshalb solltet Ihr vielleicht lieber etwas warten oder einen länger erprobten Beamer kaufen.

Weitere typische Beamer-Funktionen

Beamer haben gewöhnlich eine ganze Reihe weiterer Funktionen, mit denen sie im Heimkino punkten können. Nicht jeder kann damit etwas anfangen oder benötigt sie unbedingt. Eine davon ist sogar alles andere als empfehlenswert. Damit steigen wir gleich ein, nämlich mit der …

Keystone-Korrektur

Wer schon mal einen Beamer aufgestellt hat, kennt das Problem: Wird nicht ganz gerade auf die Wand projiziert, verzieht sich das Bild trapezförmig. Die Keystone-Korrektur ist dafür da, diese Verzerrung auszugleichen. Das schafft sie, indem sie das Bild von vorneherein entgegengesetzt verzerrt, so dass es bei schräger Projektion an der Wand wieder entzerrt wird.

Im Gegensatz zum Lens Shift passiert diese Verzerrung aber digital im Panel, nicht in der Optik des Beamers. Das führt dazu, dass nicht mehr die volle Auflösung des Panels für das eigentliche Bild genutzt wird. Mehr noch: das Bild mag an der Wand zwar wieder richtig aussehen, das Pixelraster dagegen ist immer noch verzerrt. Feine Linien müssen dadurch interpoliert werden, was den Eindruck vermittelt, dass sie in ihrem Verlauf abwechselnd scharf und unscharf sind. Das betrifft zwangsläufig alle harten Kanten im Bild.

Eine genauere Erklärung verschiebe ich mal auf einen separaten Beitrag. Wie auch immer, die Keystone-Korrektur geht auf Kosten der Auflösung und Bildqualität und ist deutlich sichtbar. Für eine dauerhafte Beamer-Installation sollte sie keinesfalls verwendet werden.

Wie auch beim Lens Shift gibt es die Verzerrung vertikal und horizontal, wobei nur die vertikale Variante in so ziemlich jedem Beamer enthalten ist. Viele Beamer haben inzwischen auch eine horizontale Keystone-Korrektur, was gerne mal als tolles Feature beworben wird: man kann das Gerät auch einfach seitlich in ein Regal stellen, anstatt vor sich auf den Tisch. Für einen schnellen Film auf Reisen, schlampig an die Hotel-Tapete geklatscht, mag das ok sein. Bei einer festen Installation im Heimkino ist das meiner Meinung nach nicht drin. Hier wird unbedingt ein vertikaler Lens Shift benötigt.

Zwischenbildberechnung

Filme werden auf Blu-ray mit 24 Bildern pro Sekunde codiert, was auch der ursprünglichen Framerate im Kino entspricht. Dieser typische und schon sehr alte Wert hat nur einen Nachteil: Bei manchen Bewegungen und Kameraschwenks nimmt man doch noch ein Ruckeln wahr. Dagegen gibt es die Zwischenbildberechnung (Frame Interpolation), die aus den 24 Bildern mal eben 48 Bilder pro Sekunde oder sogar mehr macht.

Die Software des Beamers nimmt einfach zwei Bilder und berechnet einen Zwischenschritt daraus. Je nachdem, wie gut die Software ist, entstehen dabei manchmal seltsame Artefakte im Bild, hauptsächlich an Kanten. Um diese zu erkennen braucht man aber schon geübte Augen. Eine gute Zwischenbildberechnung lässt keine erkennbaren Artefakte entstehen.

Über die Zwischenbildberechnung gibt es geteilte Meinungen. Viele sagen, dass dadurch der sogenannte Soap-Effekt entsteht, der dazu führt, dass der Film aussieht wie eine Seifenoper, also eine billig gedrehte Fernsehserie. Den Effekt gibt es tatsächlich, ich konnte aber noch nicht mit Sicherheit feststellen, dass er allein von der höheren Bildrate kommt.

Aus meiner Sicht darf eine gute Zwischenbildberechnung nicht fehlen. Für 3D ist die Funktion allerdings Pflicht. Man sollte es aber mit der Einstellung auch nicht übertreiben.

Farbkorrekturen

Wie auch ein Computer-Monitor dürfte mittlerweile so ziemlich jeder Beamer in der Lage sein, die Farben zu korrigieren. Neben voreingestellten Modi gibt es auch die Möglichkeit, die drei Grundfarben manuell zu korrigieren. So kann man einen Farbstich beseitigen oder das Bild an die eigenen Wünsche anpassen.

Dieses Feature sollte grundsätzlich nicht fehlen. Ich bin aber auch der Meinung, dass man damit das Bild ziemlich verschlimmbessern kann, wenn man nicht weiß, was man tut. Eigentlich ist das nämlich auch für eine richtige Farbkalibrierung mit professionellem Mess-Equipment gedacht.

3D-Fähigkeit

Ob ein Beamer 3D-Filme wiedergeben können muss, ist eine Grundsatzfrage, die eigentlich ganz am Anfang des Auswahlverfahrens steht. Weil die Erwartungen an 3D-Filme doch recht unterschiedlich sind, solltet Ihr zumindest einige Filme in 3D gesehen haben — und zwar wenn möglich in Heimkinos mit Beamer. Das ist etwas ganz anderes als im großen Kino. Wenn Euch 3D wichtig ist, solltet Ihr es beim Fachhändler mit den Beamern in Eurer engeren Auswahl testen, um nachher nicht enttäuscht zu sein.

Menüführung und Fernbedienung

Ein Kriterium, das für den Filmgenuss erstmal keine Bedeutung hat, ist das Menü und die allgemeine Bedienung des Beamers.

  • Sieht das Menü ansprechend aus?
  • Sind alle Funktionen sinnvoll benannt und logisch strukturiert?
  • Findet man, was man sucht, ohne gleich die Anleitung bemühen zu müssen?
  • Gibt es für die wichtigsten Funktionen Tasten auf der Fernbedienung und am Gerät?

Man tut sich einfach leichter und hat mehr Spaß mit dem Gerät, wenn alles in sich stimmig ist. Auch hier heißt wieder: ausprobieren! einfach mal beim Fachhändler die Fernbedienung in die Hand nehmen und versuchen, die eine oder andere Einstellung zu finden.

Audio-Ausgabe

Viele Beamer verfügen über einen eingebauten Lautsprecher, um den Ton der Eingangsquelle wiedergeben zu können. Es ist schön, wenn es das gibt: so kann man den Beamer bei einer Präsentation mal eben den Ton ausgeben lassen.

Im Heimkino ist ein eingebauter Lautsprecher dagegen völlig überflüssig. Ich meine… ich schaue doch keinen Film mit einem 5-Meter-Bild und bin gleichzeitig mit dem Ton aus der rauschenden Kiste da vorne zufrieden, oder?Selbst unterwegs habe ich in der Regel ein Abspielgerät dabei, das eine bessere Tonausgabe bietet.

Den einzigen Nutzen sehe ich für eventuell vorhandene Multimedia-Funktionen, die auch ohne externen Player eine Tonausgabe benötigen. Wenn Euch sowas an einem Beamer wichtig sind, achtet darauf, dass es auch einen Audio-Ausgang gibt. Ansonsten ignoriert alles, was mit Audio zu tun hat — es ist im Heimkino nicht relevant.

Multimediale Funktionen

Kaum ein Gerät kommt heute noch ohne ein Mindestmaß an multimedialen Funktionen aus. Da man einen Beamer aber fast zwangsläufig mit anderen Geräten, wie zum Beispiel einem AV-Receiver, zusammen verwenden muss (schon alleine um halbwegs passablen Ton zu haben), sehe ich darin keinen allzu großen Nutzen. Fast jedes andere Zuspielgerät, inklusive dem AV-Receiver selbst, kann Medien genauso gut wiedergeben. Interessant ist das hingegen, wenn man den Beamer nicht nur im Heimkino nutzt, sondern auch mit auf Reisen nimmt.

Medienwiedergabe

Es ist mittlerweile Standard, dass TV-Geräte alle möglichen Video-Formate von USB-Sticks oder -Festplatten wiedergeben können. Die Beamer müssen nachziehen, um diesen Komfort mit ihrem Hauptvorteil, einem großen Bild, zu vereinen und so eine neue Zielgruppe anzusprechen. Großes Bild aus kleinem Kasten, und das ganze auch noch bezahlbar. In höheren Preisklassen merkt man dann auch schnell das Fehlen solcher Funktionen, weil sich die Entwicklung hier lieber auf noch bessere Bildqualität konzentriert.

Ob die Medienwiedergabe also für einen Heimkino-Beamer irgend eine Relevanz hat, vermag ich nicht zu sagen. Der Heimkino-Profi verwendet den Beamer eben als reinen Bilderzeuger. Hier hat man ja eigentlich schon andere Systeme, die all das übernehmen. An ein Kodi kann ein Beamer oder TV eben so schnell nicht ran kommen.

Netzwerkfähigkeit

In diesem Zusammenhang dürfen natürlich auch die grundlegenden Netzwerkfunktionen nicht fehlen. Auf irgend eine Art sollte sich der Beamer mit dem heimischen Netzwerk verbinden können. Dafür ist WLAN gut geeignet, zumal ein Beamer meistens an der Decke hängt, wo jedes Kabel eins zu viel ist.

Besser noch, wenn der Beamer auch einen RJ-45-Anschluss für Ethernet an Bord hat. Den finde ich noch wichtiger als WLAN, weil WLAN ja manchmal etwas zickig ist.

Da ein Beamer wie oben beschrieben im Heimkino nur für die Bildausgabe zuständig ist, werden keine allzu großen Datenmengen übertragen. Die Netzwerkanbindung ist eher dafür da, den Beamer über verschiedene Software steuern zu können. Dazu gleich mehr.

Wenn Ihr also auf die Netzwerkfähigkeit Eures Beamers besteht, achtet darauf, dass WLAN integriert ist oder ein Netzwerkkabel angeschlossen werden kann.

Zusätzlich bieten einige teurere Modelle auch Wireless HDMI. Das ist nett, hat aber erstmal nichts mit der Netzwerkfähigkeit zu tun und steckt auch noch so ein bisschen in den Kinderschuhen.

App-Steuerung

Um die Fernbedienung des Beamers durch das Gerät ersetzen zu können, das man ohnehin immer in der Hosentasche hat, ist eine App seitens des Herstellers wünschenswert, mit der die Steuerung möglich ist. Wenn es vielleicht auch keine App gibt, so bietet doch heute fast jeder Beamer zumindest eine Web-Oberfläche, die man direkt im Browser eines beliebigen Gerätes aufruft.

Ich würde das nicht als absolut notwendig einstufen, aber es eröffnet doch einige Möglichkeiten, wie zum Beispiel die automatisierte Heimkino-Steuerung. Wer daran interessiert ist, durch ein eigenes Programm die Kontrolle über seinen Beamer zu übernehmen, sollte vor dem Kauf die Bedienungsanleitung herunterladen und sich über die verfügbaren Netzwerkschnittstellen und APIs informieren.


Einige weniger wichtige Funktionen habe ich hier bewusst weggelassen, da sie den Rahmen eindeutig sprengen würden. Wenn Ihr es bis hierher geschafft habt, solltet Ihr jetzt aber einen guten Überblick haben, welche wesentlichen Funktionen und Eigenschaften ein Beamer üblicherweise hat und welche davon im Heimkino besonders wichtig sind.

Viele Funktionen, wie etwa den wichtigen Lens Shift, werdet Ihr erst in höheren Preisklassen finden. Deshalb solltet Ihr zuerst abwägen, was Euch wirklich wichtig ist und ob das in Eurer Preisklasse zu bekommen ist. Damit schränkt Ihr die Auswahl schon extrem ein. Zuletzt entscheidet wohl ein Besuch beim Fachhändler, der Eure favorisierten Modelle hoffentlich zur Vorführung bereit stehen hat.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

7 Gedanken zu „Heimkino-Beamer – wichtige Funktionen kurz erklärt

  1. Hallo Bert,
    noch ein interessanter Artikel auf deinem Blog. Ich verfolge deinen Blog seit kurzem und bin begeistert. Bitte um weiterhin so tolle Artikel.

  2. Schließe mich Daniel an, ein sehr lesenswerter und ausführlicher Artikel. Du schreibst: „Ein Heimkino-Beamer muss in jedem Fall die FullHD-Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln unterstützen. “ Tatsächlich läuft bei mir noch ein kalibrierter Sanyo HD Beamer. Das Bild ist „leider“ noch so gut, das ich abwarte, bis die Lampe ihren Geist aufgibt. Bisher hat diese bereits 2000 Stunden aufm Buckel. Danach kommt aber definitiv ein FHD Beamer ins Haus 😉

  3. Sehr guter Blog für Heimkino Begeisterte, bzw. für alle Diejenigen, die sich ein Heimkino einrichten wollen. Der Artikel geht wirklich auf alle Wesentlichen und wichtigen Aspekte ausführlich ein. Ich fühle mich sehr gut beraten:)

  4. Hallo…
    Alles schön und gut aber Warum wird nicht in die „kurzdistanbeamer“Abteilung geschaut und beraten ❇Beispiel von LG Adagio !?

    1. Ich wüsste nicht, warum all diese Kriterien nicht auch bei Kurzdistanz-Beamern beurteilt werden könnten. Dabei merkt man dann auch ziemlich schnell, dass sich Kurzdistanz-Beamer für Präsentationen eignen. Wichtige Funktionen für das Heimkino fehlen meistens.

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