8 Tipps für die perfekte Kino-Atmosphäre

Die Vorteile eines Heimkinos sind eigentlich unumstritten. Schon alleine das Privileg, sich nicht mit anderen Besuchern herum ärgern zu müssen, ist jede Mühe wert. Aber leider fehlt zuhause oft das Wichtigste: die unvergleichliche Kino-Atmosphäre. Mit ein paar einfachen Tricks lässt sich einiges von dem Zauber eines großen Filmpalasts in den eigenen vier Wänden einfangen.

Um Kino-Atmosphäre zu erzeugen, braucht man nicht unbedingt einen eigenen Kinoraum

Um meine Begeisterung für das Hobby Heimkino ausleben zu können, konnte ich zuerst nur auf die einfachsten Mittel zurück greifen. Mehr als ein kleiner, ausrangierter Röhrenfernseher, eine Stereoanlage und ein VHS-Videorecorder stand mir nicht zur Verfügung. Dennoch hatte ich damit epische Kino-Momente. Kino-Atmosphäre entsteht immer im Kopf. Meine selbst erzeugte Kino-Atmosphäre war es, die mich nie das Interesse an diesem Hobby verlieren ließ. Sie hat mich motiviert, immer wieder einen Schritt weiter zu gehen.

Das Beste daran ist aber: Von allen Bestandteilen eines Heimkinos ist die Kino-Atmosphäre derjenige, der fast nichts kostet.

Kino-Atmosphäre selbst gemacht

Ihr denkt vielleicht, echte Kino-Atmosphäre könne nur in einem öffentlichen Kino aufkommen. Hoffen wir, dass Ihr Euch vom Gegenteil überzeugen lasst. Manch einer betrachtet Kino-Atmosphäre als eine nette Beilage zu einem Heimkino. Genau genommen fängt mit der Atmosphäre aber alles an.

Mit den folgenden einfachen Tipps könnt Ihr mehr Kino-Atmosphäre in Euren Filmabend bringen — ganz egal, ob Ihr schon ein richtiges Heimkino Euer Eigen nennt oder gerade erst in der Planungsphase steckt.

1. Raum abdunkeln

Ein dunkler Raum ist ein absolutes Muss, um Kinostimmung aufkommen zu lassen. Wer einen Projektor hat, kommt sowieso nicht drum herum, aber auch bei einem Fernsehbildschirm ist Dunkelheit das A und O für den Filmgenuss. Deshalb: Rollladen runter und Licht aus!

Im Gegensatz zum Projektor sollte der Raum bei Fernsehgeräten aber nicht vollständig abgedunkelt werden. Der hohe Kontrast zwischen dem leuchtenden Bild und dem dunklen Raum ermüdet die Augen sehr schnell. Das Zusehen wird anstrengend. Deshalb lieber das Licht dimmen oder irgendwo in einer Ecke eine kleine Lampe eingeschaltet lassen. Ideal ist indirekte Beleuchtung mittels bunter LED-Stripes. Wem es gefällt, der kann einen TV mit Ambilight einsetzen oder diese Funktion nachrüsten.

2. Licht dimmen

Wenn der Film erstmal läuft, sollte man ja eigentlich hin und weg sein und nichts mehr mitbekommen. Kino-Atmosphäre kommt deshalb hauptsächlich vor und nach dem Film auf. Dazu gehört natürlich, dass das Licht zum Beginn des Films langsam dunkler wird.

Baumwollputz mit Beleuchtung und LautsprecherDafür gibt es für wenig Geld Funksteckdosen, die gängige Hochvolt-Lampen dimmen können. Normalerweise funktioniert das mit den meisten normalen Glüh- und Halogenlampen. Auch viele LED-Leuchtmittel lassen sich mittlerweile dimmen, allerdings können diese nicht so dunkel werden wie herkömmliche Lampen.

Zu Beginn des Films genügt dann ein Knopfdruck auf die Fernbedienung. Wer eine Universalfernbedienung sein Eigen nennt, kann das Licht vielleicht sogar darüber steuern.

3. Popcorn

Foto: Dustin Orlowski, Odeon

Unser Gehirn nutzt Bilder und Musik, um Verbindungen zu vormals gewonnenen Eindrücken herzustellen. Deshalb fühlen wir uns sofort in eine andere Zeit zurück versetzt, wenn wir Musik von damals hören. Noch viel besser funktioniert das mit Gerüchen. Leider kann man die nicht mal eben von einer CD abspielen.

Im Kino riecht es meistens nach frischem Popcorn, weil die das kubikmeterweise herstellen. Wer Popcorn mag, sollte sich das also nicht entgehen lassen. Für das perfekte Popcorn braucht man nicht viel mehr als eine Mikrowelle und eine große Schüssel.

Der Geruch von frisch zubereitetem Popcorn kann bis zu einem Tag im Raum anhalten. Davon habt Ihr also länger was.

4. Weg mit dem DVD-Menü

In modernen Kinos wird der komplette Programmablauf vorab festgelegt. Während Filmvorführer früher noch die Rollen wechseln mussten, ist heute die Programmierung ihre Hauptaufgabe. Der Rest geht von alleine. Eine Sache haben Filmrollen und digitale Technik aber gemeinsam: Auf der Leinwand erscheint nur das, was die Besucher sehen sollen. Dazu gehört ganz sicher kein Menü mit Sprachauswahl und Extras zum Film.

Wer sich wie in einem echten Kino fühlen will, nimmt also besser alle Einstellungen vor und stellt den Player am Anfang des Films auf Pause. Dann nochmal kurz zur Toilette, das Popcorn zubereiten, Getränke organisieren – und erst dann heißt es: „Film ab!“

Um es übrigens wie ein richtiger Filmvorführer zu machen, schließt Ihr neben dem Beamer einfach noch einen Vorschaumonitor mit an. So bleibt die Leinwand wirklich dunkel, bis es los geht.

5. Den Abspann laufen lassen

Offen gesagt halte ich jeden für einen Banausen, der im Kino bei der ersten Textzeile des Abspanns sofort aufspringt und raus rennt. Der Abspann gehört zum Film dazu. Er ermöglicht es den Zuschauern, wieder in Ruhe „aufzutauchen“ (oder aufzuwachen). Dabei kann man den Film nochmal Revue passieren lassen und die Eindrücke verarbeiten.

Und genau deshalb solltet Ihr beim Abspann nicht abschalten, sondern diesen bis zum Ende laufen lassen. Selbst wenn Ihr aufsteht, schon mal die Chips-Tüten einsammelt und die Gläser weg bringt, vermittelt der Abspann unheimlich viel Kino-Atmosphäre. Denn auch im großen Kino kann man manchmal ja nicht anders, als überhastet aufzustehen.

6. Pausenmusik

In den wenigsten Kinos herrscht Totenstille, bevor der Film die Werbung beginnt. Ein wenig Musik mit geringer Lautstärke kann deshalb auch im Heimkino nicht schaden. Ein Konsens über die Bezeichnung solcher Musik hat sich bis heute nicht gebildet. Aber neben dem naheliegenden Wort „Hintergrundmusik“ erscheint mir „Pausenmusik“ geläufig und zutreffend. Sie füllt die Pausen zwischen den Filmen.

Die Wahl der Musik ist natürlich Geschmackssache. Es empfiehlt sich, in etwa die selbe Musikrichtung einzuschlagen, die auch im persönlichen Stammkino läuft – oder was man eben sonst hören möchte. Weniger zu empfehlen ist extrem laute Musik wie Heavy Metal, Techno, Dance oder für Kinos besonders untypische Musik wie Klassik. Dazu gehören auch Film-Soundtracks, obwohl die ja irgendwie naheliegend wären.

Die Umstellung von Musik auf Film lässt sich mit einer Universalfernbedienung recht komfortabel lösen. Notfalls drückt man eben ein paar Tasten mehr.

7. Vorprogramm

Wer Kodi als Media Center zur Wiedergabe von Filmen nutzt, kann sich mit Hilfe des Addons CinemaVision ganz einfach ein Vorprogramm erstellen. Werbung, Trailer, Audio Format und sogar ein Kinogong sind ohne weiteres möglich.

Ein Vorprogramm trägt ganz erheblich zur Kino-Atmosphäre bei. Es bietet auch den Vorteil, dass sich Gäste noch ein wenig unterhalten können, bevor es losgeht. Fraglich ist, ob man sich Werbung wirklich antun will. Die Meinungen gehen da ziemlich auseinander. Besonders gut wirkt ein Vorprogramm in einem perfekt eingerichteten Heimkino. Dort ist es sowas wie die Kirsche auf der Sahne.

8. Vorhänge

VorhangMal abgesehen von der anderen Einrichtung, an der man oft nichts ändern kann oder will, sind Vorhänge ein sehr einfacher Weg, für mehr Kino-Atmosphäre zu sorgen. Schwere, lange Vorhänge von der Decke bis zum Boden sind in jedem klassisch eingerichteten Kino zu finden und wir assoziieren dadurch automatisch Kino-Atmosphäre damit.

Dabei eignen sich Vorhänge auch gleich bestens, um den Raum abzudunkeln. Auch auf die Akustik haben sie Auswirkungen — wenn auch nicht nur gute. Vorhänge schlucken den Nachhall im Raum wie kein anderes unauffälliges Einrichtungsstück. Allerdings wirken sie sich nur im Hochton aus, was bei übertriebenem Einsatz zu dumpfem Klang führt. Wenn Ihr sie dann noch schräg mit Licht anstrahlt, wird das Kino-Feeling perfekt.


Kino-Atmosphäre entsteht im Kopf

Mit ein paar wenigen Mitteln, von denen die meisten nicht mal etwas kosten, lässt sich eine große Portion Kino-Atmopsphäre in die eigenen vier Wände bringen. Gäste staunen spätestens dann nicht schlecht, wenn der Abspann läuft und das Licht scheinbar automatisch wieder an geht.

Wenn Ihr wollt, fangt gleich damit an. Der Fernseher und DVD-Player in Eurem Wohnzimmer genügt völlig. So könnt Ihr ein Stückchen Kino bereits genießen, bis Euer echtes Heimkino endlich fertig ist. Ihr werdet viel dabei lernen, was Ihr später bis zur Perfektion treiben könnt.

Vieles davon mag Euch – oder zumindest Außenstehenden – zunächst verrückt und übertrieben erscheinen. Gewöhnt Euch lieber daran. Für dieses Hobby muss man schon ein wenig verrückt sein. Spätestens, wenn Ihr ein vollwertiges Heimkino vorweisen könnt, wird auch der letzte Zweifler den Sinn Eures Handelns erkennen – oder es einfach nur cool finden.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

3 Gedanken zu „8 Tipps für die perfekte Kino-Atmosphäre

  1. Toller Artikel und wirklich coole Tipps! Für den nächsten Geburtstag meines Sohnes machen wir eine Übernachtungsparty mit Filmabend, da kann ich die Ratschläge gleich alle anwenden. Freu mich.

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