Kino-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden

Die Vorteile eines Heimkinos sind eigentlich unumstritten. Schon alleine die Möglichkeit, zur Toilette zu gehen, ohne etwas vom Film zu verpassen, ist Gold wert. Aber leider fehlt zuhause oft das Wichtigste: die unvergleichliche Kino-Atmosphäre. Voll und ganz wird man diese natürlich niemals erreichen. Mit ein paar einfachen Tricks lässt sich aber doch einiges von dem Zauber eines großen Filmpalasts einfangen.

Um Kino-Atmosphäre zu erzeugen, braucht man nicht unbedingt einen eigenen Kinoraum

Um meine Begeisterung für das Hobby Heimkino ausleben zu können, konnte ich zuerst nur auf die einfachsten Mittel zurück greifen. Mehr als ein kleiner, ausrangierter Röhrenfernseher, eine Stereoanlage und ein VHS-Videorecorder stand mir nicht zur Verfügung. Dennoch hatte ich damit epische Kino-Momente. Kino entsteht immer im Kopf. Meine selbst erzeugte Kino-Atmosphäre war es, die mich nie das Interesse an diesem Hobby verlieren ließ. Sie hat mich motiviert, immer wieder einen Schritt weiter zu gehen und nicht aufzugeben. Das Beste daran war aber, dass sie mich fast nichts gekostet hat.

Atmosphäre ist alles

In gespannter Erwartung betretet Ihr einen dezent beleuchteten Raum. Während im Hintergrund leise Musik spielt, baut sich eine Auswahl an Sitzreihen vor Euch auf. Der Geruch von frischem Popcorn liegt in der Luft, was nicht zuletzt an dem Eimer unter Eurem Arm liegt. Entspannt genießt Ihr die vertraute Umarmung des Sitzes Eurer Wahl. Für die nächsten zwei Stunden werdet Ihr beide die besten Freunde sein.

Die Minuten des Wartens sind um. Jeden Moment müsste es losgehen. Dann endlich verdunkelt sich das Licht langsam. Die Musik stoppt und der Vorhang öffnet sich. Jetzt nur noch die Werbung überstehen. Hoffentlich reicht das Popcorn wenigstens so lange.

Endlich wird die erste Filmvorschau gezeigt, die einzige erträgliche Form von Werbung. Was es wohl demnächst neues zu sehen gibt? Ein Dolby-Trailer kündigt den Hauptfilm an, leider eine Seltenheit. Schließlich ertönt die Fox-Fanfare und der Spaß kann beginnen.

Foto: © Rainer Sturm / pixelio.de

Zwei Stunden später lest Ihr die ersten Zeilen des Abspanns. Gemächlich geht das Licht wieder an und erleichtert den anderen ungeduldigen Zeitgenossen den voreiligen Weg nach draußen. Nimm doch mal den Kopf weg, da vorne! Wie heißt jetzt nochmal dieser Schauspieler in der kleinen Nebenrolle? Der kam Euch irgendwie bekannt vor. Gut, dass Ihr es nicht so eilig habt.

Zuletzt verdeckt wieder ein langer, schwerer Vorhang die Welt, in der Ihr gerade noch völlig eingetaucht wart. Ein letzter Blick in den Popcorn-Eimer offenbart ein paar übrige Happen, bevor dieser der Reinigungsfachkraft zum Opfer fällt. Widerwillig erhebt Ihr Euch aus dem Sessel. Jetzt erstmal kräftig strecken. Während die Musik wieder anfängt zu spielen, geht Ihr überwältigt, verstört, erheitert oder enttäuscht dem Ausgang entgegen.

Kino-Atmosphäre selbst gemacht

So in etwa fühlt sich die echte Kino-Atmosphäre an. Ihr denkt vielleicht, so etwas ließe sich nur in einem öffentlichen Kino erreichen. Hoffen wir, dass Ihr Euch vom Gegenteil überzeugen lasst. Manch einer betrachtet Kino-Atmosphäre als eine nette Beilage zu einem Heimkino. Genau genommen fängt mit der Atmosphäre aber alles an.

Mit den folgenden einfachen Tipps könnt Ihr mehr Kino-Atmosphäre in Euren Filmabend bringen — ganz egal, ob Ihr schon ein richtiges Heimkino Euer Eigen nennt oder gerade erst in der Planungsphase steckt.

Raum abdunkeln

Ein dunkler Raum ist ein absolutes Muss, um Kinostimmung aufkommen zu lassen. Wer einen Projektor hat, kommt sowieso nicht drum herum, aber auch bei einem Fernsehbildschirm ist Dunkelheit das A und O für den Filmgenuss.

Im Gegensatz zum Projektor sollte der Raum bei Fernsehgeräten aber nicht vollständig abgedunkelt werden. Der hohe Kontrast zwischen dem leuchtenden Bild und dem dunklen Raum ermüdet die Augen sehr schnell. Das Zusehen wird anstrengend. Deshalb lieber das Licht dimmen oder irgendwo in einer Ecke eine kleine Lampe eingeschaltet lassen. Eine gute Alternative ist außerdem Ambilight, wenn es einem gefällt.

Licht dimmen

Wenn der Film erstmal läuft, sollte man ja eigentlich hin und weg sein und nichts mehr mitbekommen. Kino-Atmosphäre kommt deshalb hauptsächlich vor und nach dem Film auf. Dazu gehört natürlich, dass das Licht zum Beginn des Films langsam dunkler wird.

Dafür gibt es für wenig Geld Funksteckdosen, die verschiedene Lampen dimmen können. Normalerweise funktioniert das mit den meisten normalen Glüh- und Halogenlampen. Ein Blick in die Bedienungsanleitung der Lampe hilft oft schon weiter. LED-Leuchten lassen sich normalerweise nicht dimmen.

Zu Beginn des Films genügt dann ein Knopfdruck auf die Fernbedienung. Wer eine Universalfernbedienung sein Eigen nennt, kann das Licht vielleicht sogar darüber steuern.

Popcorn

Unser Gehirn nutzt Bilder und Musik, um Verbindungen zu vormals gewonnenen Eindrücken herzustellen. Deshalb fühlen wir uns sofort in eine andere Zeit zurück versetzt, wenn wir Musik von damals hören. Noch viel besser funktioniert das mit Gerüchen. Leider kann man die nicht mal eben von einer CD abspielen.

Im Kino riecht es meistens nach frischem Popcorn, weil die das kubikmeterweise herstellen. Wer Popcorn mag, sollte sich das also nicht entgehen lassen. Für das perfekte Popcorn braucht man nicht viel mehr als eine Mikrowelle und eine große Schüssel.

Zusatztipp für unerschrockene Popcornfreunde: Nach der Zubereitung die Tüte nicht gleich in den Mülleimer verbannen sondern draußen liegen lassen. Dann riecht nach kurzer Zeit die ganze Wohnung danach.

Weg mit dem DVD-Menü

In modernen Kinos ist das komplette Programm vorprogrammiert. Während Filmvorführer früher noch die Rollen wechseln mussten, ist heute die Programmierung ihre Hauptaufgabe. Der Rest geht von alleine. Eine Sache haben Filmrollen und digitale Technik aber gemeinsam: auf der Leinwand erscheint nur das, was die Besucher sehen sollen. Dazu gehört ganz sicher kein Menü mit Sprachauswahl und Extras zum Film.

Wer sich wie in einem echten Kino fühlen will, nimmt also besser alle Einstellungen vor und stellt den DVD-Player am Anfang des Films auf Pause. Dann nochmal kurz zur Toilette, das Popcorn zubereiten, Getränke organisieren – und Film ab.

Pausenmusik

In den wenigsten Kinos herrscht Totenstille, bevor der Film die Werbung beginnt. Ein wenig Musik mit geringer Lautstärke kann deshalb auch im Heimkino nicht schaden.

Die Wahl der Musik ist natürlich Geschmackssache. Es empfiehlt sich, in etwa die selbe Musikrichtung einzuschlagen, die auch im persönlichen Stammkino läuft – oder was man eben sonst hören möchte. Weniger zu empfehlen ist extrem laute Musik wie Heavy Metal, Techno, Dance oder für Kinos besonders untypische Musik wie Klassik. Dazu gehören auch Film-Soundtracks, obwohl die ja irgendwie naheliegend wären.

Die Umstellung von Musik auf Film lässt sich mit einer Universalfernbedienung recht komfortabel lösen. Notfalls drückt man eben ein paar Tasten mehr.

Vorprogramm

Wer Kodi als Media Center zur Wiedergabe von Filmen nutzt, kann sich mit Hilfe des Addons CinemaVision ganz einfach ein Vorprogramm erstellen. Werbung, Trailer, Audio Format und sogar ein Kinogong sind ohne weiteres möglich.

Ein Vorprogramm trägt ganz erheblich zur Kino-Atmosphäre bei. Es bietet auch den Vorteil, dass sich Gäste noch ein wenig unterhalten können, bevor es losgeht. Fraglich ist, ob man sich Werbung wirklich antun will. Die Meinungen gehen da ziemlich auseinander. Besonders gut wirkt ein Vorprogramm in einem perfekt eingerichteten Heimkino. Dort ist es sowas wie die Kirsche auf der Sahne.

Vorhänge

VorhangMal abgesehen von der anderen Einrichtung, an der man oft nichts ändern kann oder will, sind Vorhänge ein sehr einfacher Weg, für mehr Kino-Atmosphäre zu sorgen. Schwere, lange Vorhänge von der Decke bis zum Boden eignen sich dabei auch gleich bestens, um den Raum abzudunkeln.

Das Beste ist aber, dass sie sich auch gleich positiv auf die Akustik auswirken. Vorhänge schlucken den Nachhall im Raum wie kein anderes unauffälliges Einrichtungsstück. Molton-Stoff ist sehr günstig, erzielt in Sachen Akustik die beste Wirkung und lässt so gut wie kein Licht durch. Meistens ist es gar nicht so schwierig, Vorhänge im Heimkino zu installieren.


Mit ein paar wenigen Mitteln, von denen die meisten nicht mal etwas kosten, lässt sich eine große Portion Kino-Atmopsphäre in die eigenen vier Wände bringen. Gäste staunen spätestens dann nicht schlecht, wenn der Abspann läuft und das Licht scheinbar automatisch wieder an geht.

Wenn Ihr wollt, fangt gleich damit an. Der Fernseher und DVD-Player in Eurem Wohnzimmer genügt völlig. So könnt Ihr ein Stückchen Kino bereits genießen, bis Euer echtes Heimkino endlich fertig ist. Ihr werdet viel dabei lernen, was Ihr später bis zur Perfektion treiben könnt.

Vieles davon mag Euch – oder zumindest Außenstehenden – zunächst verrückt und übertrieben erscheinen. Gewöhnt Euch lieber daran. Für dieses Hobby muss man schon ein wenig verrückt sein. Spätestens, wenn Ihr ein vollwertiges Heimkino vorweisen könnt, wird auch der letzte Zweifler den Sinn Eures Handelns erkennen – oder es einfach nur cool finden.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

2 Gedanken zu „Kino-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden

  1. Nett und kurz erläutert. Allerdings wirkt es hier als wäre es so mal nebenher zu machen? Interessant wäre der Zeitaufwand für so ein Heimkino. Findest du man sollte das ganze Kino auf einmal erstellen oder eher Schritt für schritt vorarbeiten. Ist ja im allgemeinen schon ein Finanzieller Aufwand.

  2. Demnächst schreibe ich hier bestimmt noch mehr zu Planung, Umsetzung, Aufwand und Kosten.

    Aber wenn ich es recht überlege, habe ich selbst mit der Atmosphäre angefangen. Meine ersten beiden „Heimkinos“ im Elternhaus (also Kinder-/Jugendzimmer) lebten ausschließlich von der Atmosphäre. Vorhang zu und Licht aus sind schließlich auch die günstigsten Mittel, um nur so zu tun, als ob. Die Hardware bestand nur aus einem kleinen Röhrenfernseher und ein paar billigen Surround-Boxen. Der Rest war Fantasie.

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