Serie Der Lautsprecher-Leitfaden (Teil 1 2)

Lautsprecher-Mehrkanalsysteme zusammenstellen und ergänzen

Im ersten Teil dieser Serie habe ich dir eine Liste mit 7 Punkten gegeben, die dir bei der Auswahl neuer Lautsprecher helfen kann. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die konkrete Ausgangssituation, in der du dich befindest. Dein finanzielles Budget und eventuell schon vorhandene Lautsprecher sind ausschlaggebend für dein Vorgehen.

Einige ältere Lautsprechermodelle in klassischem 90er-Jahre-Look: Buchenholzfurnier und schwarze Stoffabdeckungen.
Schon etwas ältere Modelle. Behalten oder austauschen?

Ich spreche hier verschiedene Strategien an, nach denen du bestimmen kannst, welche Lautsprecher du neu kaufst, ersetzt oder austauschst. Darüber hinaus gebe ich einige weitere Tipps, woran du Lautsprecher erkennst, die für dein Heimkino geeignet sind.

Beurteile deine Ausgangssituation

Am Ende des vorherigen Artikels habe ich sehr deutlich erwähnt, dass niemand dir Lautsprecher empfehlen kann. Du selbst musst losziehen und dir einige Modelle anhören, um einen Eindruck zu bekommen.

Empfehlungen funktionieren unter anderem auch deshalb nicht, weil niemand deine persönliche Situation beurteilen kann oder sich die Zeit nimmt, diese zu verstehen. Welche Lautsprecher du kaufst, hängt nicht unwesentlich von deinem Budget ab, und darüber bestimmst du zwangsläufig deine Strategie:

  • Willst du ein komplettes System neu anschaffen?
    • Wenn du alles auf einmal kaufst, wirst du in einer niedrigeren Preisklasse ansetzen müssen.
    • Wenn du erstmal nur die Front kaufst und Surround oder Subwoofer auf später verschiebst, kannst du qualitativ gleich weiter oben einsteigen und so langfristig gut investieren.
  • Oder verfügst du bereits über ältere Lautsprecher?
    • Willst du ein Stereo-Setup zu Mehrkanalsound ausbauen oder auf Dolby Atmos erweitern?
    • Oder willst du einige deiner vorhandenen Lautsprecher weiter verwenden und manche davon durch was besseres ersetzen?

Diese Überlegungen gehören mit zum Auswahlprozess. Sie bestimmen, wie viel Geld du auf einen Schlag ausgeben musst, um möglichst bald ein vollwertiges Heimkinosystem betreiben zu können. Das wird sich unmittelbar in deiner Heimkino-Kostenplanung niederschlagen.

Auswahl komplett neuer Mehrkanalsysteme

Wenn du auf der Suche nach einem komplett neuen 5.1-Set bist (oder mehr), stehen dir natürlich alle Tore offen. Hier muss selbstverständlich jeder einzelne Lautsprecher für seinen jeweiligen Aufstellungsort passen. Das schränkt die Auswahl oft auf willkommene Weise ein. Ich habe schon komplette Sets ausgeschlagen, die eigentlich gut gepasst hätten, nur weil die Surround-Lautsprecher sich nicht richtig in den Raum integrieren wollten.

Umgekehrt habe ich aber auch schon genau solche Tatsachen ignoriert und bin einen Kompromiss eingegangen. Wenn du ohnehin alle Lautsprecher auf einmal kaufst, ist es nur logisch, dass alle vom selben Hersteller und möglichst sogar aus der selben Serie sind. Im Sinne der Homogenität klingt dann einfach alles viel mehr wie aus einem Guss.

Aber nicht um jeden Preis! Homogenität ist schön und gut. Aber es kann gute Gründe geben, darauf zu verzichten:

  • Wenn du dich in ein Paar Frontlautsprecher verguckt hast, dann wirst du die zurecht ungeachtet aller anderer Tatsachen haben wollen. Auch wenn das bedeutet, dass die Surrounds aus einer anderen Serie kommen müssen.
  • Wenn du hinten auf Dipole setzen musst, um deine ungünstige Sitzposition nahe der Rückwand auszugleichen, dir die passenden Frontlautsprecher aber nicht gefallen.

Das ist okay! Es gilt nur abzuwägen, was dir wichtiger ist.

Vermeide es aber nach Möglichkeit, den Center aus einer völlig anderen Serie als die beiden Hauptlautsprecher zu nehmen. Hier sind Unterschiede wirklich extrem gut hörbar.

Lautsprecher sollten einzeln angeboten werden

In diesem Zusammenhang gibt es ein weiteres Erkennungsmerkmal für brauchbare Lautsprecher. Eigentlich darf ich das gar nicht sagen, weil es alles andere als belegbar ist. Es handelt sich hierbei nur um eine Feststellung aus der Praxis – entscheide selbst, ob du das berücksichtigen willst.

Lautsprecher taugen häufig nicht allzu viel, wenn sie vorrangig als komplettes 5.1-Set angeboten werden (oder 7.1 oder 5.1.2 mit Dolby-Atmos-Aufsatzlautsprechern oder was auch immer). Das ist so, als wollte der Hersteller damit sagen „die haben sowieso alle keine Ahnung, also setzen wir ihnen ein fertiges 5.1-Gänge-Menü vor, Hauptsache sie werden schnell satt“. Das ist die Definition von Konsum:

Kauft ohne nachzudenken schnell unseren Mist

Qualitativ höherwertige Lautsprecher erkennst du hingegen daran, dass sie zunächst einzeln bzw. paarweise angeboten werden.

Das heißt nicht, dass die Hersteller keine Sets zusammenstellen und anbieten dürfen – im Gegenteil, solche Empfehlungen sind selbstverständlich willkommen. Es geht auch nicht darum, ob alle Lautsprecher einer Serie gemeinsam in einer Übersicht zu sehen sind. Das ist kein Qualitätsmerkmal.

Aber achte einfach mal darauf, welche Produkte du im Shop einzeln in den Warenkorb legen kannst:

  • Werden komplette Sets als einzelnes Produkt angeboten?
  • Oder steht jeder Lautsprechertyp separat zur Auswahl?

Letzteres ist zu bevorzugen.

Lautsprecher und AV-Receiver sind zwei verschiedene Paar Schuhe

Einige Hersteller von AV-Receivern bieten auch eigene Lautsprecher an. Gerade für Neulinge in der Szene drängt sich daher natürlich die Frage auf, ob es nicht sinnvoll wäre, die passenden Lautsprecher zum AV-Receiver zu nehmen. Die Antwort ist ein klares Nein!

Selbstverständlich kannst du die Lautsprecher dieser Hersteller kaufen, wenn sie dir gefallen und ansonsten auch alle Kriterien stimmen. Aber du solltest dich keinesfalls für Lautsprecher entscheiden, nur weil sie vom selben Hersteller kommen wie dein AV-Receiver. Es gibt hier keinen Zusammenhang, der zu einem besseren Ergebnis führen würde, als mit vergleichbaren Lautsprechern anderer Hersteller. Im Gegenteil, es zeigt sich gelegentlich, dass die Kernkompetenz der AVR-Hersteller eher nicht bei Lautsprechern liegt.

Einzige Ausnahme: Wenn es unbedingt kabellose Lautsprecher sein müssen, bietet es sich an, ausschließlich das jeweilige System des AVR-Herstellers zu kaufen, damit alles reibungslos funktioniert.

Passende Lautsprecher zu einem bestehenden System finden

Sehr häufig beginnt ein schönes Hobby nicht auf der grünen Wiese. Wie sieht es also aus, wenn

  • du ein bestehendes Lautsprechersystem um weitere Lautsprecher ergänzen willst?
  • du ein reines Stereo-System auf Mehrkanalton ausbauen möchtest?
  • du einzelne Lautsprecher eines älteren Systems nach und nach austauschen willst?

Gerade am Anfang stehst du vielleicht vor einem bunt zusammengewürfelten System, das über die Jahre immer wieder erweitert wurde. Jetzt willst du es richtig machen oder hast endlich den lang ersehnten Kinoraum zur Verfügung. Aber welche Lautsprecher sollst du behalten und welche musst du ersetzen?

Ausmisten

Zuerst solltest du klar Schiff machen. Das geht ganz einfach, indem du jeden Lautsprecher nach den 7 Kriterien beurteilst, die ich im letzten Artikel genannt habe, so als würdest du jetzt wieder vor der Kaufentscheidung stehen.

  • Welche Lautsprecher des Systems würdest du heute definitiv nicht mehr kaufen? → weg damit
  • Von welchen Lautsprechern willst du dich eigentlich nicht trennen? Gibt es da noch ein paar alte Standlautsprecher, die eigentlich immer überzeugt haben? → behalten
  • Gibt es Lautsprecher im System, die ihren Zweck erfüllen, aber an denen du nicht weiter hängst? → mit höherer Priorität ersetzen

Umstellen

Dann bestimmst du den möglichen Verwendungszweck für jeden vorhandenen Lautsprecher neu.

  • Bleibt jeder auf seinem Platz, an dem er immer genutzt wurde? → klar, warum auch nicht
  • Du willst lieber die Frontlautsprecher nach hinten rücken und für vorne neue Kaufen? → in vielen Fällen sehr sinnvoll

Die Bauart des Lautsprechers darf nur nicht dem geplanten Einsatz widersprechen. Du würdest gerne ältere Standlautsprecher zukünftig als Surround betreiben? Klar, kannst du machen, wenn du hinten so viel Platz hast. An die Decke wirst du sie vermutlich aber nicht hängen.

Ergänzen

Dann geht es los, Lücken zu füllen und alte oder unterdimensionierte Lautsprecher zu ersetzen, wenn die das akustische Gesamtbild sonst nur stören würden. Hier lauert die schwerste Entscheidung. Bleibst du dem Hersteller treu, oder siehst du dich anderweitig um?

Die Grundregeln bei dieser Überlegung lauten:

  1. So wenig durchmischen, wie möglich! Zu viele verschiedene Hersteller und Serien sind zu vermeiden.
  2. Nicht um jeden Preis an adequierten Herstellern kleben bleiben. Für manche Lautsprecher sind die besten Tage einfach vorbei.
Nubert NuBox 360/5 in Buche-Furnier ohne Abdeckung

Als wichtiges Stichwort dazu sei nochmal Homogenität erwähnt. Alle Lautsprecher vom selben Hersteller und aus der selben Serie – das klingt wesentlich mehr wie aus einem Guss, als wenn auf’s Unterschiedlichste abgestimmte Modelle miteinander harmonieren sollen. Zwar hat heute fast jeder AV-Receiver ein automatisches Einmesssystem, mit dem er seinen Equalizer füttert, und der sollte dann die Klangeigenheiten ausbügeln und alle Lautsprecher aneinander angleichen. Das funktioniert bisweilen auch sehr gut. Dennoch ist es besser, wenn die Abweichungen von vorneherein so gering wie möglich sind: So gibt es weniger zu korrigieren und zu verschlimmbessern.

Plane ein Stück voraus

Bei den ersten beiden Schritten – ausmisten und umstellen – solltest du noch nicht weiter auf die Hersteller achten (die teils vielleicht schon nicht mehr am Markt aktiv sind). Aber jetzt wirst du dich entscheiden müssen. Ein gemischtes System zu vereinheitlichen kann bei begrenztem Budget mehrere Jahre dauern. Das ist aber eigentlich nicht so viel, wenn man bedenkt, dass man Lautsprecher durchaus mal 10–20 Jahre besitzen kann.

Was ich damit sagen will: Konzentriere dich vorrangig auf die Zukunft. Es gibt nur sehr wenige gute Gründe, sich an alte Marken und Serien zu klammern. Insbesondere alte Sets zu ergänzen kann auf dem Gebrauchtmarkt ein Glücksspiel werden. Es ist einfacher und langfristig besser, Altes durch Neues zu ersetzen. Man investiert ja eigentlich nicht in die Vergangenheit.

Aus diesem Grund solltest du ein paar Jahre voraus planen. Was kommt als nächstes? Auch wenn das Budget noch lange nicht groß genug ist – aber wie wirst du in 2, 4 oder 6 Jahren weiter machen? Welche Investition wäre heute richtig, um dich diesem langfristigen Ziel näher zu bringen?

Einmal mehr erweist sich der Lautsprecherkauf als schwierig – dabei geht es noch nicht einmal besonders technisch zu.

Technischer wird es wieder im nächsten Artikel dieser Serie, wenn ich genauer auf verschiedene Lautsprecher-Bauarten und deren Vor- und Nachteile eingehe.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Lautsprecher-Mehrkanalsysteme zusammenstellen und ergänzen

  1. Hi, super Seite! Hätte eine kurze Frage, ich besitze derzeit ein 5.1.4 System mit Monitor Audio Silver 6+Center+FX (Bipole) und als height 4x Dali Fazon Sat.

    Ich überlege nun die Silver FX mit Fazon Sat zu ersetzen, um ein direktes Abstrahlverhalten zu erzeugen.

    Frage: Ist es so schlimm, in der Front die Monitor Audio zu haben und als rear die Fazon Sat? Die Silver FX verfälschen doch eh den Klang als Bipole/Dipole, oder?

    Vielen Dank im Voraus!

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