Downscaling rockt!

UHD-Filme auf einem HD-Beamer abspielen → Bezahlbarer Booster für die Bildqualität

Eine vollständige, native 4K-UHD-Bildstrecke mit einem Beamer ist derzeit noch recht teuer. Von den niedrigen Einstiegspreisen von 4K-Fernsehern können Beamer-Freunde nur träumen. Für einen echten 4K-Beamer muss man einige tausend Euro investieren. Vielen ist das verständlicherweise zu teuer. Wie man für deutlich weniger Geld eine gewaltige Verbesserung in der Bildqualität erzielen kann beschreibe ich in diesem Artikel.

Ein Oppo UDP-203 Player mit einigen Filmen in einem Regal.

In meinem abgedunkelten Heimkino betreibe ich einen alten JVC DLA-X35 (Gebrauchtpreis deutlich unter 1000 €) mit neuer Lampe im hohen Lampenmodus (dabei aber nahezu geräuschlos) und projiziere damit auf eine 3,4 m breite Leinwand. Dazu gesellt sich seit einiger Zeit ein UHD-Player, der Oppo 203. Da UHD-Discs relativ teuer sind und ich ja nur einen HD-Beamer habe, nutzte ich den Player Anfangs nur für normale Blu-rays. UHD-Filme würden mir keinen Mehrwert bieten – dachte ich. Wie man sich doch irren kann!

Es kam der Tag, an dem ich zum ersten Mal eine UHD-Disc einlegte. Der neue Jumanji-Film – inhaltlich eher leichte Kost. Doch bei der Bildqualität verschlug es mir die Sprache!Das kann also mein betagter JVC DLA-X35 HD-Projektor?“ stellte ich ungläubig fest. „Warum habe ich das nicht schon früher genutzt?“ war mein nächster Gedanke. Mittlerweile habe ich über 50 UHD-Filme in HD im Heimkino gesehen und kann gegenüber normalen Blu-rays folgendes Fazit ziehen:

  • Bildschärfe merklich erhöht, höher aufgelöst
  • sattere, oft natürlichere Farben
  • mittlere Bildhelligkeit meist geringer, dadurch strahlendere Highlights und plastischeres Bild
  • digitale Artefakte wie Banding sind sehr selten
  • feineres Filmkorn
  • Bild insgesamt „echter“, mehr wie „richtiges Kino“

Im Folgenden lernst du die Gründe für diese deutliche Verbesserung kennen.

Warum sieht eine UHD auf einem HD-Beamer besser aus als eine BD?

Mit absoluter Sicherheit kann ich sagen, dass ein hochwertiger HD-Beamer mit UHD-Zuspielung besser aussieht, als ein UHD-Beamer mit Blu-ray-Zuspielung. Und das für deutlich weniger Geld!

Natürlich gibt es auch schlechte UHD-Discs, bei denen sich kaum ein Mehrwert zur Blu-ray ergibt. Dabei ist das 4K-DI (Digital Intermediate), das oft als „echtes 4K“ bezeichnet wird, nur einer von vielen Faktoren. Aber auch der Unterschied von einer 2K-DI- zu einer 4K-DI-Disc ist auf meinem HD-Beamer in Punkto Auflösung sichtbar.

1. Eine Blu-ray liefert kein vollständiges Full HD

Halt, Moment mal, eine Blu-ray ist doch Full HD! Full HD ist kein volles HD?!

Eine Blu-ray liefert Full HD, aber: nur eine komprimierte Version davon – wenn auch immer noch viel besser als die meisten Streams. Ein unkomprimierter Full-HD-Film in 8 Bit Farbtiefe mit 24 Frames und 2 Stunden Laufzeit braucht ziemlich genau 1 TB an Speicherplatz.

Dateigröße eines unkomprimierten HD-Videos:

8 Bit × 3 Farben (RGB) × 1920 Pixel × 1080 Pixel × 24 Bilder pro Sekunde × 60 Sekunden × 120 Minuten

= 8.599.633.920.000 Bit
= 0,98 TB

Auf den BDs sind Filme ca. 30 GB groß, also nur etwa 3% des unkomprimierten Originals. Möglich wird diese Verkleinerung durch diverse Kompressionstricks, die verlustbehaftet sind. Zum einen in Form von sichtbaren Kompressionsartefakten („Pixelmatsch“), zum anderen als durchgehender Auflösungsverlust. Das Bild einer BD liegt nämlich nur in 4:2:0-Farbunterabtastung vor, was bedeutet, dass die Helligkeitsinformation für jedes Pixel gespeichert wird, die korrekte Farbe allerdings nur für jeweils vierte Pixel gemeinsam. Der Rest wird interpoliert. Das funktioniert bei unbunten Inhalten gut, da sie nur in der Helligkeit schwanken, in gesättigten Farben funktioniert das schlechter.

Prinzipiell sind alle diese Schwächen bei einer UHD zwar genauso vorhanden, allerdings auf einem höheren Qualitätslevel. Das reicht dann immerhin für (fast) perfektes HD!

2. Erhöhte Farbtiefe: 8 bit vs. 10 bit und HDR

BDs verfügen über 8-bit-Farbtiefe, also pro RGB-Kanal 256 Abstufungen. Bei einer UHD-Disc sind das 10 Bit, was 1024 Abstufungen entspricht. Dies ermöglicht eine größere Farbvielfalt, vor allem aber feinere Abstufungen ohne sichtbare Übergänge, nur äußerst selten sieht man noch breite Farbstufen, sogenanntes Banding. Außerdem bieten die meisten UHDs den erweiterten Farbraum BT.2020, sowie mindestens ein HDR-Format.

Das alles kann nicht über HD an den Beamer übermittelt werden, ist also wie es scheint kein richtiger Vorteil mehr. Aus dem „Mehr“ an HDR und Farben im Player wieder „Weniger“ für den Beamer zu machen ergibt am Ende aber auch in HD eine Qualitätssteigerung.

3. Runterskalieren erhöht die Schärfe

Eine Qualitätssteigerung gibt es ganz deutlich im Bezug auf die Bildschärfe. Fotografen wissen, dass herunterskalieren, also verkleinern eines Bildes, die Möglichkeit bietet, den Schärfeeindruck deutlich zu verbessern. Aus UHD 4:2:0 wird HD 4:4:4. Die Verluste durch die HD-4:2:0-Farbunterabtastung der BD entfallen somit weitestgehend.

Unglaublich, aber wahr: Selbst Unterschiede einer „echten 4K-Disk“ zu einer mit „nur“ 2K-DI sind am HD-Beamer noch erkennbar.

4. Weniger Digital-Artefakte

Wenn du dir ein altes Youtube-Video anschaust, weißt du sofort, was gemeint ist. Pixelmatsch, Klötzchenbildung und Co. treten auch hin und wieder sichtbar auf einer Blu-ray auf, ebenso wie Banding. Dies ist bei UHD-Discs nur noch äußerst selten zu beobachten. Mich persönlich stören digitale Kompressionsartefakte besonders, da ich in dem Moment schmerzlich daran erinnert werde, dass ich den Film nicht „wie im Kino“ sehe, sondern als digitale Sparversion. Folglich begeistert mich das „Echt-Film-Feeling“, das bei UHDs aufkommt, um so mehr! Daran schließt der nächste Punkt an.

5. Schöneres Filmkorn

Dieser Punkt ist subjektiv, da manch einer Filmkörnung gar nicht mag. Für mich gehört es bei den entsprechenden Filmen dazu. Für die Videospeicherung bedeutet Korn eine große Herausforderung, da das Bild übersät ist von Details. Diese Details lassen sich auf einer UHD viel besser und feiner abbilden, wogegen BDs in Punkto Korn eher verwaschen, also weichgezeichnet und grobkörnig daherkommen.

6. Natürlichere Farbgebung

UHD bietet den erweiterten Farbraum BT.2020, der stärkere Sättigung, also extremere Farben zulässt. Diese kommen aber selten vor. Die Unterschiede, die ich meine, liegen zu 99% noch innerhalb des HD-Farbraums, sind also nicht durch den erweiterten Farbraum begründet. Es gibt daher auch neue farbenfrohe Filme, bei denen BD und UHD farblich fast identisch aussehen (Beispiel: Shazam). Viele UHDs unterscheiden sich aber gravierend von ihrem BD-Pendant. Nicht nur Neuauflagen alter Filme (Beispiel: Halloween – Die Nacht des Grauens) erscheinen auf UHD in anderer Farbabstimmung, anderem „Grading“ als die alte BD-Version. Die UHD-Farben sind in den meisten Fällen natürlicher und unterm Strich besser als bei der BD-Version.

UHD oben, BD unten. Die UHD ist sichtbar schärfer, der Kontrast höher und die Farbgebung natürlicher. Die Maske (grau) und das Gesicht (ohne Gelbstich) werden authentischer herausgearbeitet.
Bild: Gladiator (2001) · DreamWorks Pictures, Scott Free Productions, Universal Pictures

7. Bester Sound

Prinzipiell können auf BDs die gleichen Tonspuren wie auf UHD gespeichert sein, was auch oft der Fall ist. Allerdings gehen einige Studios dazu über, 3D-Sound-Formate wie Dolby-Atmos nur noch auf UHD anzubieten. Diese Entscheidung darf man gerne kritisieren, was aktuell aber nichts daran ändert, dass du bei UHD-Discs tendenziell den besseren Ton bekommst. Ob das im konkreten Fall tatsächlich so ist, lässt sich schon im Vorfeld auf Review-Seiten wie Surround-Sound.info nachlesen.

Welche UHD-Discs bieten einen Mehrwert?

Dass eine UHD einer BD unterlegen ist kommt äußerst selten vor. Derzeit ist aber in geschätzt nur 20% der Fälle die UHD nicht besser als die BD. In dem Falle ist der Kauf des teureren Produktes natürlich ärgerlich. Um das zu vermeiden schaue ich regelmäßig auf der Seite von Timo Wolters vorbei. Timo geht sehr ausführlich auf die Unterschiede von BD- und UHD-Version ein, Screenshots zum direkten Vergleich inklusive.

Meine Top UHD-Bild-Empfehlungen

Eine vollständige Liste würde hier den Rahmen sprengen. Die folgenden Filme kann ich in Punkto 4K-Bild vollstens empfehlen:

  • The Revenant
  • Die irre Heldentour des Billy Lynn (diesen Hyper-Realismus in 60p muss man gesehen haben)
  • Lucy
  • Jumanji
  • Sully
  • Mortal Engines (in 8K gedreht)
  • Planet Erde II
  • Blade Runner 2049
  • Men in Black (so gut kann ein Oldie aussehen!)

UHD-Filme für Sparfüchse

UHD-Discs sind recht teuer. Für Klassiker und Filme, die ich mehrmals anschaue, gebe ich das Geld gerne aus. Für einen Film, den ich ziemlich sicher nur einmal sehe, sind mir 27 € aber zu teuer. Streaming mag eine günstige Alternative sein, die ich aber leider mangels schnellem Internet in Punkto 4K nicht beurteilen kann. Auch wenn 4K-Streaming mittlerweile beim Verbraucher angekommen ist, kann es aus Prinzip noch lange nicht so gut wie eine UHD-Disc sein, die pro Film stattliche 50 GB Datenvolumen beansprucht. Oft wird 4K-Streaming unterm Strich als „mit Blu-ray vergleichbar“ eingestuft.

Als deutlich bessere und günstigere Lösung haben sich daher Versandvideotheken wie Videobuster etabliert, die viele Blockbuster auch in UHD bieten

UHD-Player Kaufempfehlung

Als UHD-Player besitze ich ein Gerät der Firma Oppo, das ich durchaus empfehlen könnte, hätte die Firma nicht zwischenzeitlich die Player-Sparte geschlossen. Für den hier beschriebenen Sonderfall „UHD auf HD-Beamer anschauen“ sind aktuell besonders Geräte von Panasonic zu empfehlen, da diese für die HD-Wiedergabe nützliche Einstellmöglichkeiten zur UHD-HD-Bildoptimierung bieten. Konkret also diese Modelle:

  • DP-UB424
  • DP-UB824
  • und das Highend-Gerät DP-UB9004

So lange du nur einen HD-Beamer betreibst genügt dein bisheriges, einfaches HDMI-Kabel. Wenn du für einen echten 4K-Beamer gerüstet sein willst empfehle ich ein Hybridkabel anzuschaffen, die sind mittlerweile sehr erschwinglich.

Ein UHD-Player und -Disc bringt einen guten HD-Beamer überraschend nahe an echte 4K-Qualität. Es ist ein sinnvoller Zwischenschritt zu einer nativen 4K-Kette und in Punkto Preis/Leistung unschlagbar. Einzig bei den Extras wie Making-Of muss man derzeit bei UHDs Abstriche machen. Diese sind meist nur auf der BD enthalten.

Und nun drei Mal laut aufsagen:

  • Ich brauche einen UHD-Player!
  • Ich brauche einen UHD-Player!
  • Ich brauche einen UHD-Player!

Du hast ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Schreib es in die Kommentare.

Über Florian Schäfer

Seit seiner Kindheit film- und technikbegeistert, später Fotograf, Kameramann, Musiker, Cineast und Audio-Video-Universaltechniker. Beruflicher Weg vom Mediengestalter Bild- und Ton über Medientechnik-Ingenieursstudium zu 3D-Filmkamera-Technik und medizinischen Kameras. Baut als DIY-Heimwerker u. A. Lautsprecher, Instrumente, Kamera-Spezialkonstruktionen, und natürlich ein eigenes Heimkino namens „Saal 3“.

9 Gedanken zu „UHD-Filme auf einem HD-Beamer abspielen → Bezahlbarer Booster für die Bildqualität

  1. Schön herausgearbeitet! Auch für mich scheidet eine komplette UHD-Kette aus, habe aber ebenfalls einen UHD-Player besorgt, um die eine oder andere Disc abspielen zu können.

    Deiner Empfehlungen-Liste möchte ich daher auch noch 2 Titel hinzufügen:

    – The Big Lebowski (mein absoluter Lieblingsfilm, ausgerechnet davon gibt es keine vernünftige BD. Die in der UHD-Fassung ebenfalls enthaltene BD ist leider die vermurkste Einzel-VÖ, aber so kann man die westentlich bessere UHD-BD herunterskaliert schauen)

    – Predator (ähnlicher Fall, auch hier ist keine anständige BD-VÖ vorhanden; allerdings muss man eine gewisse Filmkorn-Toleranz mitbringen)

    1. Hallo Andreas. Danke für deinen Kommentar.
      Schau dir das Bild oben an, da liegt sogar der genannte Predator;-) der auf UHD Welten besser als die verhunzte BD aussieht. Lebowsky habe ich schon zigmal Mal gesehen, aber noch nicht auf UHD. Das muss ich wohl noch nachholen.

  2. Ich kaufe auch schon seit längerem UHDs, tortz eines 1080p 55″ in Kombination mit dem Panasonic UHD-Player. Hauptgrund wegen den Dolby Atmos bzw. DTS:X Spuren, aber auch dem Bild tut es wirklich sehr gut. Gerade gestern habe ich „Backdraft“ gesehen, vom 3D-Sound fast schon Reverenz und das beste was ich bisher aus „alten“ Filmen herausgehört habe, und das Bild ist teilweise äußerst plastisch und natürlich super scharf. Kann ich jedem empfehlen.

  3. Danke für den Super Artikel. Das macht Lust auf mehr. Was ich mich noch frage ist, wie sich die Kombination von UHD + Full-HD-Beamer und der DarbeeVision im Vergleich schlägt.

    Noch eine Frage an Bert: hast du auch eine Empfehlung für einen UHD-Player, der sich gut per Netzwerk steuern lässt?

    VG,
    Frank.

    1. Hallo Frank,

      das mit dem Darbee teste ich dann, sobald ich auch aufgerüstet habe. Ich erwarte hierbei, dass man ihn auch noch sehr gut gebrauchen kann, jedoch nicht so weit aufdrehen sollte. Mal sehen!

      Bezüglich Steuerung bin ich dran, das für den Panasonic DP-UB9004 zu klären. Zu anderen Herstellern habe ich noch keine Nachforschungen angestellt.

      1. Hi Bert,

        die Featureliste vom Pana ist ja beachtlich, die Tests auch. Wenn das Ding ordentlich per Netzwerk steuerbar ist, dann lohnt sich die Anschaffung bestimmt. Wobei so Schnittstellen ja leider oft kläglich bis gar nicht spezifiziert sind. Bin gespannt ob dir die Integration in die Remote App gelingt und drücke die Daumen.

        VG,
        Frank.

      2. Darbee habe ich in meinem Kino ja auch integriert und zusammen mit einem 4K Player und einem FHD Beamer ergibt sich ein sensationelles Bild. Daher habe ich bisher auch noch keinen so großen Mmehrwert für eine UHD Player erkannt.
        Zum Thema Darbee habe ich im April 2018 auch einen Bericht verfasst mit Vergleichfotos.
        Könnte auch für Dich hier interessant sein.

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