Wechselndes Bildformat mitten im Film

Ist Euch auch schon mal aufgefallen, dass in manchen Filmen das Bildformat ab und zu zwischen 16:9 und 21:9 wechselt? Das tritt mehrmals im Film auf und betrifft immer einzelne Szenen oder Kameraeinstellungen.

Ganz kurz zur Auffrischung:

  • 16:9 ist das klassische Breitbild-Format, wie es beinahe jeder Fernseher und Projektor heute hat. Das Format alter Röhrenfernseher war 4:3, was inzwischen zum Glück so gut wie ausgestorben ist.
  • 21:9 ist das im Kino am weitesten verbreitete Cinemascope-Format, das gerne auch mit dem etwas exakteren Verhältnis von 2,35:1 angegeben wird. Es kursieren hier unterschiedliche Definitionen, die aber meist auf Rundungsfehlern beruhen. Jedenfalls wird das 21:9-Format am 16:9-Bildschirm mit schwarzen Balken dargestellt.

Was hat es nun mit dem wechselnden Bildformat auf sich? Warum gibt es in manchen Filmen Szenen mit schwarzen Balken und welche im Vollbild?

Wechselndes Bildformat: eine Laune

Die Antwort ist relativ einfach: weil es der Regisseur so wollte. Die 16:9-Szenen wurden im 70-mm-IMAX-Format gedreht, die anderen auf eher üblichen 35-mm-Breitwand-Film. Wenn man überhaupt von Filmmaterial in Millimetern reden kann, wo doch heute immer mehr digital aufgenommen wird. Ganz so abwegig ist das aber nicht — viele Regisseure drehen noch aus traditioneller Verbundenheit oder künstlerischen Aspekten auf echtes Filmmaterial.

Der Formatwechsel mitten im Film ist also ein Stilmittel, das gelegentlich Anwendung findet. Es dient hauptsächlich dazu, Panorama-Ansichten größer und beeindruckender wirken zu lassen. Dass das funktioniert, merkt man vor allem daran, dass einem der plötzliche Wechsel oft erstmal gar nicht auffällt. Erst irgendwann mitten im Film fragt man sich, ob das die ganze Zeit schon 16:9 war, oder ob man sich die schwarzen Balken vor ein paar Minuten nur eingebildet hat.

Bildformate im Vergleich zu IMAX

Einige Filme mit IMAX-Szenen

Regisseur Christopher Nolan hat inzwischen eine gewisse Bekanntheit für seine IMAX-Szenen erlangt. Deshalb verwundert es nicht weiter, dass seine letzten großen Filme die folgende Liste anführen:

Etwas nervig kann der Formatwechsel werden, wenn man eine Leinwand mit Maskierung sein Eigen nennt. Maskiert man das Bild, laufen die IMAX-Szenen in die Maskierung hinein. Lässt man die Maskierung weg, hat man zwar schöne große IMAX-Szenen, ansonsten aber nicht ganz schwarze Balken oben und unten.

Ebenfalls nicht ganz schön ist das für Besitzer einer Leinwand im 21:9-Cinemascope-Format, die das Bild auf 16:9 herunterfahren müssen, dann aber zwischendurch immer wieder ein viel zu kleines 21:9-Bild haben.

Beide Effekte lassen sich — wenn überhaupt — nur mit extrem hohem Aufwand und Kosten beseitigen.

Formatwechsel als Effekt

Zwei der oben genannten Filme, nämlich Guardians of the Galaxy und Life of Pi, setzen den Formatwechsel bewusst ein, um 3D-Effekte zu verstärken. Der dezente Einsatz fällt wesentlich weniger auf — der erzielte Effekt ist hingegen so überzeugend, dass man diese Besonderheit gerne verzeiht.

Bei Life of Pi werden schwarze Balken in der Szene mit den fliegenden Fischen sichtbar. Dabei fliegen die Fische — und nur diese — aber in die Balken hinein und somit über die künstlich erzeugte Bildgrenze hinaus. In Kombination mit dem 3D-Effekt sieht das tatsächlich so aus, als würden die Fische aus dem Bild heraus und dem Zuschauer ins Gesicht fliegen.

Den selben Trick nutzt Guardians of the Galaxy, als Waschbär Rocket in Richtung Kamera in die Luft geschleudert wird. Er fliegt dabei über die schwarzen Balken, die ansonsten das Bild eingrenzen, und tritt somit aus dem Bild hervor.


Ein wechselndes Bildformat hat also nicht nur künstlerische Aspekte, über deren Nutzen man aufgrund der nicht unerheblichen Nachteile in manchen Heimkinos durchaus streiten kann. In Kombination mit 3D entsteht daraus ein wirklich überzeugender Effekt, der seinesgleichen sucht.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

4 Gedanken zu „Wechselndes Bildformat mitten im Film

  1. Für mich als Besitzer einer Cinemascopeleinwand ist das natürlich ein ganz schlechtes Stilmittel das da eingesetzt wird, zumal die Filme mit dem Formatwechsel auch noch zu meinen absoluten Favoriten zählen 🙁
    Ich hoffe doch sehr das sich dieser Trend nicht durchsetzt in Zukunft

    Gruß Markus

  2. Hallo Bert, zu welchem Leinwandformat würdest du raten, wenn man (wie ich) 50% Bluray-Filme, 30% Fernsehen (Serien, Sport) und 20% PlayStation projezieren möchte? (Heimkino ist in Bau)

    Gruß, Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.