Die Grundsatzfrage für jedes Heimkino:

Wohnzimmer oder Kinoraum?

Kann das Heimkino in einem eigenen Raum eingerichtet werden, oder muss das Wohnzimmer dafür herhalten? Das ist die erste Frage, die Ihr Euch stellen müsst, wenn Ihr ein Heimkino in Angriff nehmen möchtet. Beides hat große Vor- und Nachteile, unterscheidet sich aber ganz wesentlich in Aufwand und Kosten. Wenn Ihr denn überhaupt eine Wahl habt, solltet Ihr gründlich darüber nachdenken.

Auch der Woman Acceptance Factor spielt eine erhebliche Rolle. Ist die Lebenspartnerin damit einverstanden, das Wohnzimmer derart zu verunstalten? Igitt, Lautsprecher! Oder umgekehrt — hat sie ein Problem damit, abends öfter mal alleine im Wohnzimmer zu bleiben? Bedenken, ob ein separater Kinoraum denn überhaupt häufig genutzt würde, sind also gar nicht so abwegig.

Wohnzimmer

Wohnzimmer
Ein klassisches Wohnzimmer-Kino
(und ein Bericht darüber)

In ein Wohnzimmer lässt sich ein Heimkino wunderbar integrieren. Die Voraussetzung ist jedoch, dass alle, die ein Mitspracherecht haben, damit einverstanden sind. Es stellt sich die Frage, wie weit man gehen kann und will.

Ein Wohnzimmer-Kino ist eine gute Möglichkeit, die Kosten dafür im Rahmen zu halten. Schließlich müsst Ihr zunächst einmal nicht viel mehr als die Technik finanzieren. Dann ist das erstmal eine bessere Fernsehecke, die Ihr sofort nutzen könnt. Über die Jahre könnt Ihr weitere Veränderungen vornehmen, sobald es finanziell möglich ist.

Von vorneherein solltet Ihr es aber vermeiden, ein Kino in eine klassische Schrankwand zu integrieren. Die Auswirkungen auf die Akustik sind meistens katastrophal! Die Lautsprecher sollten möglichst frei stehen. Offene Möbel oder Flachstrecken sind dafür ganz gut geeignet. Noch besser sind Lautsprecherstative, auf denen Ihr die guten Stücke frei in den Raum stellt.

Das Wohnzimmer richtet sich nach dem Kino

Generell ist eine minimalistische Einrichtung also von Vorteil für die Lautsprecher. Der Akustik käme allerdings ein möglichst vollgestopfter Raum entgegen, um den Nachhall zu reduzieren. Das könnt Ihr stattdessen durch schwere Vorhänge, schicke Polstermöbel und einen Teppich ausgleichen. An den Wänden könnt Ihr dekorative Absorberplatten anbringen, um weiter zu optimieren.

Die größte Schwierigkeit in einem Wohnzimmer ist meistens die Wahl der Hörposition, sprich: des Sitzplatzes. Sofern Ihr nicht über ein wirklich großes Wohnzimmer verfügt, werdet Ihr dazu genötigt sein, das Sofa direkt an der Rückwand zu platzieren. Für das spätere Hörerlebnis ist das absolutes Gift. Die beste Position ist etwa ein Drittel der Raumlänge von der Rückwand entfernt. Wenigstens einen Meter sollte das Sofa von der Rückwand entfernt stehen. Versucht das wenn irgendwie möglich einzuplanen — am besten gemeinsam mit der Lautsprecheraufstellung.

Kinoraum

Weniger eingeschränkt seid Ihr in einem separaten Kinoraum. Wenn sich dieser auch noch im Keller befindet, lauft Ihr nicht so schnell Gefahr, anderen Familienmitgliedern auf die Nerven zu gehen — Ihr könnt auch noch spät in der Nacht bei relativ hoher Lautstärke Filme schauen. Die Anschaffungskosten sind dafür deutlich höher und lassen sich nicht ganz so leicht über einen längeren Zeitraum verteilen. Eine gewisse Grundeinrichtung muss eben sein.

Ein separater Kinoraum bietet ganz andere Möglichkeiten bei der Einrichtung.

Ihr habt in einem Kinoraum bessere Möglichkeiten, diesen wirklich wie ein Kino aussehen zu lassen. Zum Beispiel könnt Ihr eine dunkle Wandfarbe wählen (das wirkt sich bei Projektion auch gleich positiv auf die Bildqualität aus), was in einem Wohnzimmer in den allermeisten Fällen wohl nicht drin ist.

Mehr Aufwand, aber auch mehr Möglichkeiten

In Sachen Akustik müsst Ihr zunächst etwas mehr unternehmen, weil der eigentlich recht leere Raum sonst zu stark hallt. Andererseits gibt es auch nicht besonders viele Einschränkungen. Ihr könnt Akustik-Elemente hinter Vorhängen verstecken, während diese im Wohnzimmer meistens gar nicht erwünscht sind. Die zusätzliche Freiheit bringt natürlich mehr Arbeit und höhere Kosten mit sich, weil Ihr alles von Null an aufbauen müsst.

Die Aufstellung der Lautsprecher und die Sitzposition könnt Ihr perfekt aufeinander abstimmen. Zudem werdet Ihr in der Regel weniger Probleme mit der Kabelführung haben, da Ihr im Gegensatz zum Wohnzimmer keine Balkontür umfahren müsst.

Im Gegensatz zum Wohnzimmer-Kino müsst Ihr einen separaten Raum natürlich immer erst „umständlich“ aufsuchen und könnt nicht einfach vom Sofa aus loslegen. Andererseits ist das Betreten eines Kinos aber maßgeblich für die gewünschte Kino-Atmosphäre verantwortlich.


Wann immer ich die Wahl hätte, würde ich mich für einen separaten Kinoraum entscheiden, insbesondere wenn es Rücksicht auf andere zu nehmen gilt. Gerade am Anfang geht das aber nicht immer. Vielleicht trifft es sich aber ganz gut, dass sich in einer Junggesellen-Bude meist nur ein günstigeres Wohnzimmer-Kino einrichten lässt, während man später in einer eigenen Wohnung oder einem Haus eher die Mittel und Möglichkeiten für ein richtiges Kino hat. Die Mittel vielleicht nicht, aber die Möglichkeiten.

Über Bert Kößler

Seit gut 20 Jahren fasziniert mich das Thema Heimkino. Neben den Filmen selbst gilt meine Leidenschaft besonders der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Bei Heimkino Praxis teile ich meine vielseitigen Erfahrungen mit Anfängern und fortgeschrittenen Heimkino-Enthusiasten.

Ein Gedanke zu „Wohnzimmer oder Kinoraum?

  1. Hallo Herr Kößler,

    Das sind wirklich ganz ausgezeichnete Ideen zur Planung eines Heimkinos.
    Besonders der Ansatz einen separaten Kinoraum zu gestalten , ist eine hervorragende Idee 🙂

    Lg

    Björn

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