Serie Kodi als Media-Center (Teil 1 2 3 4)

Ein NAS als Medien-Server für Kodi

Wer Kodi einsetzt, braucht auch einen großen Datenspeicher. Nicht nur im Heimkino, sondern auch für alle anderen Multimedia-Anwendungen im Haus ist ein NAS die beste Wahl. Ein Network Attached Storage stellt Musik, Fotos, Videos und beliebige andere Daten zentral für alle Geräte im Netzwerk zur Verfügung.

NAS

Es ist immer eine sehr gute Idee, das Media Center von den Medien selbst zu trennen — also die Wiedergabe-Einheit von der Speicher-Einheit. So sind beide Komponenten separat leichter austauschbar. Geht etwas kaputt, muss man nicht alles austauschen. Viel wichtiger aber: Ihr könnt mehrere Kodi-Installationen auf die selben Daten zugreifen lassen.

Eine schlanke Hardware wie ein Raspberry Pi reicht Kodi, um selbst hochauflösende Videos flüssig wiederzugeben. Aber auch auf einem Amazon FireTV Stick und dem PC im Arbeitszimmer kann Kodi seinen Dienst verrichten. Alle Kodi-Installationen beziehen ihre Inhalte vom NAS, das irgendwo im Keller stehen kann. Dabei ist das NAS das einzige Gerät, das richtig viel Speicherplatz benötigt. Kodi genügen wenige Gigabyte für das System und die Datenbank.

Aufgaben eines NAS im Heimkino

Die Hauptaufgabe eines NAS ist es natürlich immer, Speicherplatz zur Verfügung zu stellen. Die Nutzung beschränkt sich nicht alleine auf Medien für das Heimkino, sondern auch für viele andere Daten. Wer viel mit Videobearbeitung zu tun hat, ist froh über jedes zusätzliche Gigabyte. Schon alleine als zentraler Backup-Speicher lohnt sich ein NAS.

Als Speicher stehen in der Regel mindestens zwei Festplatten zur Verfügung. Diese werden bevorzugt als Raid 1 konfiguriert, was bedeutet, dass alle Daten auf beiden Festplatten gespiegelt abgelegt werden. Zwar halbiert das den Speicher (so als wäre es nur eine Platte), erhöht dabei aber die Datensicherheit: Wenn eine Festplatte ausfällt, ist die andere noch da. Die kaputte Platte kann in Ruhe ausgetauscht werden, das System läuft weiter. Ein NAS übernimmt also auch die Datensicherung.

Darüber hinaus bieten viele Systeme die Möglichkeit, zusätzliche Anwendungen im Serverbetrieb laufen zu lassen:

  • Datenbanken
  • Webserver
  • DLNA-Server
  • Backups
  • SubVersion oder Git
  • Mailserver
  • Cloud-Dienste

sind nur einige Beispiele dafür, was ein NAS arbeiten kann, wenn es — wie die meiste Zeit — nur rum steht. Ich lasse meine Node.js-App zur Heimkino-Automatisierung auf meinem NAS laufen und spare mir damit zusätzliche Hardware, die ständig Strom verbraucht.

Einige Systeme gehen noch weiter. Sie bieten auch den Fernzugriff auf alle Daten über das Internet an. Zwar eignen sie sich deshalb noch lange nicht als Webserver, aber für eine private Cloud reicht das allemal. Zu beachten sind dann nur die Sicherheitseinstellungen am NAS und Router. Schließlich will man seine Daten nicht für jedermann zugänglich machen. Deshalb empfehle ich, das nur zu nutzen, wenn Ihr wisst, was Ihr da tut.

Die typische Einrichtung eines NAS

Ein NAS ist üblicherweise vergleichbar mit einem sehr kompakten PC, der jedoch ohne jegliche Grafikkomponenten auskommt. Ausgänge für Bild und Ton fehlen komplett, weil die Darstellung nicht Aufgabe des NAS ist. Stattdessen gibt es eine Oberfläche, die per Fernzugriff von jedem Gerät im Netzwerk aufgerufen wird. Diese ist zumeist webbasiert, das heißt, sie wird über einen Browser aufgerufen.

NAS im Technik-SchrankDas Gehäuse ist darauf ausgelegt, dass Festplatten einfach eingesetzt und ausgetauscht werden können. Das ist zugleich auch der einzige Bereich, der das Herumschrauben an der Hardware erfordert. Zwar wird ein NAS meist im Bundle mit passenden Festplatten verkauft, den Einbau übernimmt man aber selbst.

Nach dem ersten Einschalten wird das System konfiguriert. Hier wählt Ihr aus, wie Euer NAS im Netzwerk heißen soll, wie die Festplatten genutzt werden und wer Zugriff darauf erhält.

Anschließend könnt Ihr Verzeichnisse freigeben und diese unter Windows oder Mac als Laufwerk einbinden. Schon kann es losgehen, Daten auf das NAS zu kopieren.

Verschiedene Protokolle für den Zugriff auf die Daten sorgen dabei für eine breite Unterstützung aller Systeme. Von Windows aus wird üblicherweise per SMB auf die Daten zugegriffen. Auch Kodi, egal unter welchem System, unterstützt SMB. Hier ist es aber vorteilhaft, stattdessen NFS zu verwenden, weil das deutlich performanter ist. Der NFS-Dienst muss am NAS möglicherweise erst aktiviert werden.

Die bekanntesten Anbieter

Auch im Bereich der Network Attached Storages gibt es die üblichen Verdächtigen unter den Herstellern. Diese unterscheiden sich sowohl preislich als auch im Funktionsumfang und Komfort ihrer Systeme.

Synology Betriebssystem DSM

Synology ist der Platzhirsch unter den NAS-Anbietern und liefert die wohl ausgereiftesten Systeme. Hier ist alles an Bord, was man sich wünschen kann. Insbesondere die Ausfallsicherheit ist sehr hoch. Die Konfiguration ist sehr einfach und Updates werden sehr oft und über viele Jahre bereitgestellt.
Demo des Synology-Betriebssystems „DSM“

QNAP Betriebssystem QTS

QNAP ist ebenfalls ein sehr beliebter Hersteller von NAS-Systemen. Im Großen und Ganzen stehen diese Synology in nichts nach. Allerdings ist die Community etwas kleiner, weshalb weniger Erweiterungspakete angeboten werden. Die Oberfläche mutet dafür etwas moderner an.
Demo des Qnap-Betriebssystems „QTS“

Zyxel stellt sehr günstige NAS-Systeme her. Extras gibt es eher wenige und das Konfigurationsmenü lässt zu wünschen übrig. Man bezeichnet sie gerne als „Datengrab“, weil sie einzig zum Speichern von Daten geeignet sind. Für viele Anwender genügt das aber.

Die verschiedenen Produkte der einzelnen Hersteller unterscheiden sich zunächst in der Anzahl der Festplatten-Slots. Platz für zwei Platten sollte aber schon vorhanden sein, damit sich ein NAS lohnt. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass alle Slots belegt werden. Ihr könnt ein NAS mit 4 Slots zunächst auch nur mit 2 Platten bestücken. Weiterer Speicher lässt sich später nachrüsten. So fällt die Investition am Anfang etwas geringer aus.

Weitere Unterschiede im Preis entstehen letztendlich durch diverse Features, die den Umgang mit dem NAS erleichtern. Neben regelmäßigen System-Updates gehört dazu vor allem eine komfortable und zuverlässige Zeitplanung. Das System soll nicht permanent laufen, sondern außerhalb der Nutzungszeiten in den Ruhemodus wechseln.

Eigenbau

Wer gerne bastelt, kann aus vorhandener Hardware natürlich auch selbst ein NAS bauen. Meistens wird dieser Wunsch aber durch die niedrigeren Kosten getrieben. Viele der wesentlichen Vorteile eines richtigen NAS bleiben dabei auf der Strecke:

  • niedriger Stromverbrauch
  • geringes Laufgeräusch
  • kleiner Stellplatz
  • für die Hardware optimierte Software
  • einfache Konfiguration
  • automatische Updates

Will man das alles im Eigenbau erfüllen, ergibt sich meist kein Kostenvorteil mehr. Wenn es nicht perfekt werden muss und die Hardware sowieso ungenutzt herum liegt, kann man das aber in Kauf nehmen. Eigentlich macht man das ja auch um des Bastelns Willen.

Als Software für ein Eigenbau-NAS kommt beispielsweise Open Media Vault in Frage.

Kodi auf das NAS zugreifen lassen

Damit Kodi auf die Daten auf Eurem NAS zugreifen kann, benötigt Ihr hauptsächlich seine IP-Adresse. Die solltet Ihr aus der Benutzeroberfläche des NAS ablesen können — wahrscheinlich habt Ihr sie aber schon selbst in die Adressleiste des Browsers eingegeben, um diese überhaupt aufrufen zu können.

In Kodi fügt Ihr eine neue Quelle hinzu und wählt dafür ein Protokoll aus. NFS ist die beste Wahl, sofern Euer NAS das unterstützt. Ansonsten funktioniert SMB eigentlich immer. Je nach System kann es sein, dass Ihr auf eine der anderen von Kodi angebotenen Arten auf das NAS zugreifen müsst oder könnt.

Kodi Medien-Quelle hinzufügen

Nach dem Protokoll und der IP-Adresse hat Kodi bereits Zugriff auf die freigegebenen Verzeichnisse und die darunter liegende Ordnerstruktur. Ab hier könnt Ihr Euch bequem durch die Struktur hangeln, bis Ihr den Einstiegspunkt für die gewünschte Quelle gefunden habt.

Kodi zeigt Euch den aktuellen Pfad als URL an. Darin sind Protokoll, IP-Adresse und Pfad ersichtlich. So könnte das aussehen:

nfs://192.168.178.36/volume2/musik/flac

Quellen einrichten

Kodi kann beliebig viele Quellen verwalten. Um etwas Ordnung zu halten und Schwierigkeiten bei der Erkennung der Inhalte zu vermeiden, solltet Ihr zwei Grundregeln befolgen:

  1. Vermischt niemals verschiedene Medientypen miteinander. Eine Quelle, die Bilder enthält, sollte nicht auch Musik enthalten. Gleiches gilt für Filme, Musikvideos, Konzerte usw.
  2. Nutzt mehrere Quellen für den selben Medientyp, wenn das hilft, die Ordnung aufrecht zu erhalten. So könnt Ihr zwei Filmquellen hinzufügen, eine für richtige Videodateien und eine für leere Dateien, die für Eure physikalischen Datenträger stehen.Bei Musik könnt Ihr zwischen MP3 und Flac unterscheiden.

Das solltet Ihr bereits beachten, wenn Ihr Medien auf dem NAS ablegt. Lest hier mehr über die Verwaltung von Medien mit Kodi.


Netzwerk-Switch

Viele Unklarheiten über Sinn und Zweck eines NAS konnte ich hier hoffentlich beseitigen. Die Technik ist weit weniger spektakulär, als Ihr vielleicht vermutet habt. Hat man sich einmal an den großen, neutralen Datenspeicher gewöhnt, will man ihn nicht mehr hergeben.

Dank der sehr ausgereiften Systeme könnt Ihr auch mit sehr wenig Erfahrung in Netzwerktechnik ein NAS im Handumdrehen einrichten. Einzige Voraussetzung ist es, dass das NAS und alle Geräte, die darauf zugreifen sollen, per Netzwerkkabel mit dem Router in Eurem Heimnetzwerk verbunden sind.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

2 Gedanken zu „Ein NAS als Medien-Server für Kodi

  1. Sehr schöner Beitrag zu diesem thema. Nutze auch Kodi über meinen Amazon fire tv und greife darüber auf meine Zyxel zu, da die 325v2 für plex fast zu schwach ist. bzw die auslastung ziemlich nach oben geht.

    über Kodi habe ich keinerlei Probleme, weil es einfach so gut wie jedes video oder audio format frisst.

  2. Wie immer ein klasse Beitrag.
    Ich empfehle übrigens das System Freenas. Klappt hervorragend auch mit älterer Hardware und ist bei meinem Kodi im Einsatz.

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