Serie Das 1×1 der Lautsprecher-Aufstellung (Teil 1 2)

Lautsprecher-Aufstellung in schwierigen Räumen

Ich erhalte regelmäßig Anfragen zur Lautsprecher-Aufstellung — das scheint wirklich eines der größten Problem bei der Einrichtung eines Heimkinos zu sein. Dem Wunsch nach Kinosound ist schnell nachgegeben. Günstige Angebote online und in Fachmärkten gibt es ja genug. Zuhause stellt man plötzlich fest, dass es gar nicht so egal ist, wo die Lautsprecher stehen. Wer vorab gut plant, weiß das auch schon vor dem Kauf.

Die vielen Problemfälle der Lautsprecher-Aufstellung

Mit dieser Ergänzung zu meinem Artikel über die Aufstellung der Lautsprecher für 5.1- und 7.1-Systeme greife ich die häufigsten Problemfälle auf, die mir in den letzten Jahren untergekommen sind. Wo sonst, wenn nicht bei Euch, den Lesern, könnte man bessere Beispiele für schwierige Raumsituationen bekommen.

Sofa nahe der Rückwand

Das wahrscheinlich häufigste Problem ist eine Sitzposition nahe der Rückwand. Es ist nun mal so üblich, dass in einem Wohnzimmer das Sofa an einer Seite des Raums steht. Oft lässt sich das einfach nicht ändern.

Bevor Ihr zu diesem Schluss kommt, geht die Möglichkeiten bitte nochmal in Ruhe durch. Denn so eine Sitzposition ist aus mehreren Gründen wirklich nicht gut.

  • In der Nähe der Wände dröhnt der Bass.
  • Surround-Effekte können niemals wirklich von hinten kommen.
  • Die Surround-Lautsprecher sind auf den meisten Sitzplätzen sehr aufdringlich, weil sie sich zu nah am Hörer befinden.

Könnt Ihr die gesamte Lautsprecher-Aufstellung drehen, die Front also an eine anderen Wand verlegen? Oft ergeben sich so ganz andere Möglichkeiten. Könnt Ihr das Sofa als Raumteiler nutzen und es so näher zur Raummitte bringen? Lässt sich das Sofa wenigstens einen Meter nach vorne verschieben und der Raum dahinter anders nutzen? Wenn irgendwas davon möglich ist, solltet Ihr es unbedingt umsetzen.

Wenn es wirklich nicht anders geht, bleibt nur, die Surround-Lautsprecher etwas anders aufzustellen bzw. zu hängen. An ihrer idealen Position befinden sie sich sehr wahrscheinlich weniger als einen halben Meter von den Ohren seitlich sitzender Hörer entfernt. Dadurch fallen sie unangenehm auf.

In so einer Situation sind Dipol-Lautsprecher ideal. Sie werden an der Rückwand oder den Seitenwänden aufgehängt, so dass sie noch mindestens einen halben Meter Abstand zu irgendwelchen Ecken haben. Die Dipol-Lautsprecher strahlen dann in zwei Richtungen entlang der Wand ab. Der Schall wird mindestens einmal, oft mehrfach an den Wänden reflektiert, bevor er beim Hörplatz ankommt. Dadurch ergibt sich ein diffuseres Klangbild und die Lautsprecher sind weniger leicht zu orten.

Wer keine Dipol-Lautsprecher hat, hängt sie dennoch wie beschrieben auf und richtet sie nach oben gegen die Decke, ganz leicht in den Raum hinein geneigt. Der Effekt ist ähnlich, nur mit wesentlich weniger Direktschall. Eventuell könnt Ihr Wandhalterungen finden, mit denen Ihr die Lautsprecher wahlweise gegen die Decke oder nach unten drehen könnt. So könnt Ihr ausprobieren, was Euch besser gefällt.

In beiden Fällen, also mit Dipol-Lautsprechern oder normalen, sollte die Höhe der Lautsprecher zwischen Decke und Oberkante Sofa ausgewogen sein. Ein Meter Abstand zur Decke und mindestens ein halber Meter zum Sofa sollten es sein. In einem durchschnittlichen Wohnhaus dürfte das in etwa die Mitte der Fensterhöhe sein.

Wenn Ihr Euch wie hier beschrieben die Reflexion zunutze macht, dürft Ihr im hinteren Teil des Raums keine Absorber zur Verbesserung der Raumakustik verwenden, weil diese dem Ziel entgegen wirken. Dagegen sind Diffusoren eine gute Idee.

Eine andere, oft empfohlene Lösung dieses Problems ist es, die Lautsprecher hinter dem Sofa auf dem Boden zu stellen und nach oben strahlen zu lassen. Das vergesst Ihr bitte schnell wieder. Die Idee dabei ist, dass der Schall dann nicht so sehr von oben zu kommen scheint sondern direkt hinter dem Kopfteil des Sofas raus kommt. Nur leider hat der Erfinder dabei nicht daran gedacht, dass der Mittel- und Hochton auf dem Weg nach oben zu einem großen Teil vom Sofa geschluckt wird. Ein Sofa wirkt wie ein großer Ansorber.

Dachschrägen

Ein weiteres häufiges Problem sind Dachschrägen, insbesondere mit einem niedrigen Kniestock. Die schräge, tief in den Raum hinein hängende Decke nimmt nicht nur Platz weg, sondern beeinträchtigt das Klangbild negativ — egal, in welcher Richtung man die Lautsprecher aufstellt.

  • Mit der Schräge im Rücken — der wohl häufigsten Variante, weil sich das Sitzen auf dem Sofa gut mit der niedrigeren Raumhöhe verträgt — bekommt man nicht nur Reflexionen von der geraden Decke vor der Front ab, sondern auch nochmal von der Schräge. An eine brauchbare Aufstellung der Surround-Lautsprecher ist gar nicht erst zu denken.
  • Die Front an die Schräge zu legen ist mit Beamer und Leinwand fast ausgeschlossen. Akustisch bilden Boden und Dachschräge eine Trichter, was sehr ungünstig sein kann.
  • Nimmt man die Dachschräge nach links oder rechts, ergibt sich eine starke Asymmetrie zwischen den beiden Seiten. Mangelnde Raumgröße verhindert meist auch noch eine brauchbare Aufstellung eines Front-Lautsprechers.

Es gelten dennoch die Grundregeln zur Lautsprecher-Aufstellung. Es ist nicht ausgeschlossen, in einer Dachgeschoss-Wohnung ein schickes Heimkino einzurichten. Ihr seid nur deutlich eingeschränkter.

Zunächst solltet Ihr bereit sein, den Raum ausgiebig zu nutzen. Es bringt nichts, wenn Ihr das Heimkino direkt in die Dachschräge rein quetscht, weil der hohe Teil des Raums noch für was anderes genutzt werden soll. Das wäre wirklich überflüssig.

Indirekter Surround-Sound

Mit der Dachschräge hinter dem Sofa wäre es nochmal eine Überlegung wert, die Surround-Lautsprecher auf den Boden hinter dem Sofa zu stellen und nach oben abstrahlen zu lassen. Moment mal, hatte ich weiter oben nicht ausdrücklich genau davon abgeraten?

Ja, aber da hatten wir es mit einer schmalen Schlucht zwischen dem Sofa und einer senkrechten Wand zu tun, wo sich der Schall nicht ausbreiten kann. Bei einer Dachschräge im Rücken stellt Ihr die Lautsprecher zwischen Sofa und Wand auf den Boden. Das Sofa muss dabei weit genug weg stehen, dass sich zwischen Kopflehne und Dachschräge ein Spalt von mindestens 30 cm ergibt. Mit den Lautsprechern zielt Ihr dann auf die Dachschräge, so dass der Schall an der Schräge reflektiert wird und durch den Spalt zum Hörer gelangt. Macht vorher eine Zeichnung oder haltet einen Spiegel an die Dachschräge, um die Lautsprecher von der Sitzposition aus darin sehen zu können.

Übrigens: eine Glasplatte oder ähnliches glattes, hartes Material an genau dieser Reflexionsfläche sorgt dafür dass auch die höchsten Frequenzen noch gut reflektiert werden. Diese Vorgehensweise kann gut funktionieren, muss sie aber nicht. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, die Surround-Lautsprecher mit genug Abstand normal aufzustellen, würde ich diese Variante immer bevorzugen.

Den Kniestock zum Absorber machen

Eine weitere Möglichkeit den toten Raum unter der Schräge sinnvoll zu nutzen, ist als riesiger Absorber. Ihr könntet einen ziemlich breiten Streifen unter der Dachschräge mit Dämmmaterial auffüllen (Rockwool Sonorock) und so etwas wie einen gigantischen Kantenabsorber entstehen lassen. Da der Schall im Kniestock meist gebündelt wird, kann er dort optimal absorbiert werden. Die Dicke des Materials sorgt dafür, dass diese Form eines Absorbers auch bei relativ tiefen Frequenzen wirkt.

Den Bereich könnt Ihr mit einem Vorhang kaschieren oder Holzrahmen mit Stoffbespannung davor anbringen. Ein zusätzlicher Rieselschutz für das Dämmmaterial ist so oder so anzuraten. So könnt Ihr den Kniestock erhöhen und gleichzeitig den Raum dahinter sinnvoll nutzen. Das verkleinert zwar den Raum, erleichtert auf der verbleibenden Fläche dafür aber auch die Lautsprecher-Aufstellung.

L-förmige Räume

Deutlich einfacher habt Ihr es mit einem L-förmigen Raum. Solche Räume werden meist kombiniert als Wohn- und Esszimmer genutzt. Demnach kann man sie auch gedanklich als zwei Räume mit gemeinsamer Akustik betrachten. Das hat einen wesentlichen Nachteil, kann aber auch ein großer Vorteil sein.

Von einer L-Form würde ich erst sprechen, wenn diese wirklich deutlich ausgeprägt ist. Nischen mit bis zu einem Meter Tiefe machen noch keinen so wesentlichen Unterschied aus.

Tritt die L-Form deutlich zum Vorschein, kommt die gewohnte Vorgehensweise zum Festlegen der Front zum Einsatz. Oft dürfte das eines der Enden des L sein, weniger die langen Seiten. Das sind reine Erfahrungswerte, keine Empfehlung; es ist nur so, dass sich an den langen Kanten eines L-förmigen Raums meistens große Fenster und Balkontüren befinden.

Ist die Front gefunden, ergibt sich der Rest meist von alleine. Dabei zeigt sich schnell, dass die Innenecke des L ein guter Punkt für die Aufstellung oder Wandbefestigung eines Surround-Lautsprechers ist. Der andere Lautsprecher hängt dann in gleichem Abstand an der langen Wand.

Diese Lautsprecher-Aufstellung hat in Kombination mit dem Sofa als Raumteiler den großen Vorteil, dass automatisch genug Abstand zur Rückwand bleibt. Deshalb eignet sich ein L-förmiger Raum auch ziemlich gut für ein 7.1-System. Die Back-Surround-Lautsprecher können meistens recht flexibel an der Rückwand untergebracht werden. Da sie automatisch einen relativ großen Abstand zum Hörplatz bekommen, ist es auch gar nicht weiter schlimm, wenn sie ziemlich weit oben, fast unter der Decke hängen. Trotzdem sollten wenn möglich die Idealpositionen für alle Lautsprecher angestrebt werden.

Akustisch kann ein L-förmiger Raum etwas asymmetrisch wirken, weil der Schall auf einer Seite reflektiert wird, auf der anderen nicht. Daran wird die Lautsprecher-Aufstellung in den seltensten Fällen etwas ändern können. Die überflüssige „Öffnung“ durch einen Vorhang oder andere Maßnahmen abzutrennen bzw. zu schließen bringt nichts, weil sich das nur im Hochton auswirken würde. Außerdem müssten an der gegenüberliegenden Wand die selben Maßnahmen ergriffen werden.

Man gewöhnt sich aber schnell an die etwas einseitige, diffuse „Raumantwort“. Wirklich schlimm ist das in den meisten Fällen nicht. Unabhängig davon ist es gerade in großen, L-förmigen Räumen eine sehr gute Idee, alle möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik zu treffen.

Ungleichmäßige Abstände der Front-Lautsprecher

Was im Surround-Bereich durch verschiedene Sitzpositionen fast unvermeidlich ist, kann an der Front den alles entscheidenden Unterschied ausmachen: eine asymmetrische Aufstellung der Front-Lautsprecher. Gemeint ist eine Asymmetrie in allen 3 Achsen:

  • wenn ein Lautsprecher näher an der mittigen Hörposition steht
  • wenn die Lautsprecher unterschiedlich weit von der Bildmitte entfernt stehen
  • wenn die Lautsprecher in unterschiedlicher Höhe stehen oder hängen

Der erste Punkt deutet auf beengte Raumverhältnisse hin, der zweite auf eine Tür oder eine Schrankwand an der Front und der dritte auf ungünstige Wohnzimmermöbel. Egal, was wirklich der Grund für diese Lautsprecher-Aufstellung ist: Ihr müsst das beseitigen! Die Front-Lautsprecher geben neben dem Center den wichtigsten Soundanteil bei Filmen und Musik wieder. Wenn hier etwas nicht stimmt, merkt das auch der ungeübte Hörer.

Ich bekomme häufig Anfragen, ob das Einmesssystem des AV-Receivers solche Aufstellungsprobleme nicht einfach ausgleichen könne. Diese Annahme ist grundlegend​ falsch und kommt wahrscheinlich daher, dass das Marketing diverser Hersteller gerne vermitteln will, alles sei ganz einfach. Zuerst kommt immer eine gute Lautsprecher-Aufstellung. Wenn die nicht stimmt, kann auch der AV-Receiver nichts mehr retten.

Zwar lässt sich die Lautstärke für jeden einzelnen Lautsprecher anpassen und so eine Ungleichverteilung ausgleichen — ähnlich dem Balance-Regler bei normalen Stereo-Verstärkern. Das korrigiert aber nur die „Phantom-Mitte“ des Klanggeschehens. Der unterschiedliche Winkel lässt sich damit nicht ausgleichen.

Auch unterschiedliche Entfernungen zwischen den beiden Lautsprechern des selben Paares lassen sich nur bedingt durch den Abstandseinstellung des AV-Receivers korrigieren. Der passt zwar die Verzögerungszeit an, so dass der Direktschall gleichzeitig am Hörplatz eintrifft, aber durch die unterschiedlichen Laufwege und Gegebenheiten des Raums verändert sich der Klang unter Umständen erheblich.

Daher versucht immer so nah wie möglich an die ideale Lautsprecher-Aufstellung heran zu kommen. Es wird auch dann noch genug andere akustische Probleme geben, die es zu beseitigen gilt.

Schrankwände

Der am meisten einschränkende Faktor im Heimkino ist die Einrichtung des Raums, dem sich das Kino unterordnen soll. Das ist zugleich auch der Hauptgrund, warum ich mich bei der Entscheidung zwischen Wohnzimmer oder Kinoraum immer für den separaten Kinoraum entscheiden würde. Mal abgesehen von einem Verbot für große Lautsprecher und einem Sofa, das unbedingt an der Rückwand stehen soll, ist das größte Problem im Wohnzimmer die Schrankwand.

Zum Glück gehen Einrichtungstrends weg von großen Schränken und hin zu weniger ausladenden Möbeln. Moderne Wohnwände bestehen eher aus einzelnen, frei stehenden oder hängenden Elementen. Die lassen meistens etwas mehr Spielraum, um darin kleine Regallautsprecher unterzubringen. Trotzdem ist es alles andere als ideal, Lautsprecher direkt in eine Lücke zwischen den einzelnen Schrankteilen zu stellen, wie sie oft zwischen einer niedrigen Flachstrecke und darüber hängenden Schränken bleibt. Sämtliche Flächen der Möbel reflektieren den Schall frühzeitig und sorgen so für zischende S-Laute in der Sprache, scharfe Höhen und einen Trichtereffekt wie bei einem Megafon (wenn auch viel schwächer).

Im Idealfall stehen Lautsprecher auf Stativen mit genug Abstand neben den Möbeln. Der Abstand ist besonders bei Wandlautsprechern wichtig, damit die seitlichen Wände der Möbel nicht reflektieren. Eine minimalistische Einrichtung nur mit einem Lowboard kommt dem sehr entgegen.

Ansonsten gelten einige einfache Grundregeln:

  • Lautsprecher auf Möbeln immer so weit wie möglich nach vorne rücken, damit es weniger reflektierende Fläche vor dem Lautsprecher gibt
  • wenn möglich, die Lautsprecher etwas erhöht aufstellen bzw. so weit wie möglich weg von jeder Fläche darunter, darüber und daneben
  • anwinkeln auf die Höhe des Hörplatzes, falls sie zu tief oder zu hoch stehen
  • Füße zum Entkoppeln verwenden, damit sich nicht so viele Schwingungen auf den Schrank übertragen

Ganz wichtig auch für den Center: dieser gehört mittig unter oder über den Fernseher. Seitlich davon, hochkant oder sogar hinter dem Fernseher bringt er gar nichts. Gerade der oft gehörte Tipp, man könne den Center hinter dem TV nach oben strahlen lassen, ist vollkommen falsch. Sprache, die Hauptaufgabe des Centers, benötigt immer auf den Hörplatz ausgerichteten Direktschall.

Offene Wohnzimmer

Wenn wir die Akustik mal eben beiseite lassen, dann sollte ein Heimkinoraum von 4 Wänden abgegrenzt werden. Die braucht man nämlich, um alle Lautsprecher eines 5.1- oder 7.1-Systems aufstellen bzw. -hängen zu können, ohne, dass sie jemandem im Weg stehen oder Kabel quer durch den Raum liegen.

Nun kommt es aber gerade in modernen Wohnhäusern immer öfter vor, dass mehrere Räume miteinander kombiniert werden. Wohnzimmer, Esszimmer und Küche sind oft nur noch ein großer Raum. Manchmal gibt es auch noch einen offenen Übergang in andere Räume. Für das Heimkino bleiben so nur noch 2 Wände übrig, weil es sich in einer Ecke dieses großen Raums befindet. (Sind an 3 Seiten des Heimkino-Bereichs geschlossene Wände, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen L-förmigen Raum.)

Weil ein Heimkino ganz grob gesagt in jeder seiner 4 Ecken einen Lautsprecher benötigt, haben wir mit nur 2 Wänden ein kleines Problem. Wohin mit dem Lautsprecher, der eigentlich mitten im Raum stehen müsste? Und wie kommt das Kabel dort hin? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu lösen.

Die Front als Raumteiler

Wenn die Front an einer der offenen Seiten des Raums sein soll oder kann, bietet es sich an, mit einem Lowboard als Raumteiler zu arbeiten. Links und rechts davon können die Lautsprecher auf Stativen stehen. Der TV und die komplette Technik kommt im Lowboard unter. Es gibt so keine längeren Strecken mit offen liegenden Kabeln. Auch eine Leinwand mit Deckenmontage kann so mitten im Raum untergebracht werden.

Die Kunst besteht dann nur noch darin, die Kabel geschickt zu verstecken. Auch die Rückseite des Lowboards sollte mit irgend einer Form von Sichtschutz versehen werden, damit man sich das von hinten noch ansehen kann.

Kabel unter dem Sofa

Legt man die Front an eine der beiden Wände, muss mindestens ein Surround-Lautsprecher mitten im Raum stehen. Hier geht Ihr einfach umgekehrt vor und nutzt das Sofa als Raumteiler. Die Surround-Lautsprecher stehen auf Stativen dahinter bzw. seitlich davon — mit möglichst viel Abstand, versteht sich.

Das Lautsprecherkabel kann dann unsichtbar von der Seitenwand unter dem Sofa entlang bis zur Raummitte geführt werden. Wenn eher freistehende Sessel gewünscht sind bleibt zur Not noch ein Kabelkanal für den Boden. Das muss nicht unbedingt schlecht aussehen und wirkt eher wie eine Art gezeichnete Abgrenzungslinie.

Künstliche Säule

Zuletzt bleibt noch die Variante, eine Art künstliche Säule im Raum zu schaffen, dort wo der freistehende Lautsprecher platziert werden soll. Eine Säule kann zur Aufhängung des Lautsprechers genutzt werden oder einfach nur, um darin das Kabel von der Decke hinunter zu führen.

Die Variante bietet sich besonders an, wenn die Kabelführung unter einer Deckenverkleidung möglich ist. Muss ja nicht immer am Boden sein.

Kaminofen als Kino-Konkurrenz

Nicht selten bekomme ich Anfragen, wie man denn einen Kachelofen bzw. Kamin oder Schwedenofen mit einem Heimkino vereinbaren kann. Nun, das geht grundsätzlich problemlos, wenn man einsieht, dass die Front des Heimkinos nicht an der selben Wand wie der Ofen sein kann. Das geht bestenfalls dann, wenn der Ofen in einer Ecke des Raums steht und die Wand für die Front ansonsten lang genug ist.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass alle Lautsprecher und sonstige technische Geräte mindestens einen Meter Abstand zum Ofen einhalten müssen — besser mehr. Die ausgestrahlte Hitze kann sonst die Oberfläche beschädigen oder das Innere grillen. Bedenkt auch, dass der gleichzeitige Betrieb von Kaminofen und Heimkino-Technik zu einem Hitzestau in den Geräten führen kann.

Die Aufstellung des Systems erfolgt am besten mit der Front an einer angrenzenden Wand — d. h. angrenzend an die Wand, an der sich der Ofen befindet. So lässt es sich mit einem Ecksofa oder einer ähnlichen Aufstellung der Sitzgelegenheiten meist gut realisieren, dass sowohl der freie Blick auf das Kaminfeuer erhalten bleibt, als auch ein gute Sitzplatz für den Heimkino-Betrieb vorhanden ist.

Die Surround-Lautsprecher lassen sich dann meistens nach den oben genannten Regeln gut aufstellen. Außer dem nötigen Abstand und Respekt vor den Elementen ist also nicht wirklich viel zu beachten.

Großer Abstand zur Front

Eine Grundregel guter Musikwiedergabe lautet, dass die beiden Front-Lautsprecher und die Hörposition ein gleichwinkliges Dreieck bilden sollen: das sogenannte Stereo-Dreieck. Auch wenn Ihr nicht viel Musik hört, ist diese Einteilung für den Heimkino-Betrieb äußerst sinnvoll. So kann eine breite Klangkulisse entstehen.

Ein häufiger Aufstellungsfehler ist es, den Abstand zwischen Front und Sitzplatz zu groß zu wählen. Das Dreieck wird dann zum Sitzplatz hin sehr spitz. Dadurch ist die Front im Verhältnis zu schmal aufgestellt. Das klingt dann alles ein wenig „eng“. Effekte von links und rechts wirken sich weniger stark aus.

Das Problem geht meist mit anderen typischen Einrichtungsproblemen einher:

  • Sitzposition an der Rückwand
  • riesiges Ecksofa
  • Wahl einer zu kurzen Zimmerwand als Front

Die häufigste Ursache für eine zu schmale Aufstellung ist die Wahl der falschen Wand für die Front. Ich kann es nur immer wieder betonen, wie wichtig dieser allererste Schritt bei der Lautsprecher-Aufstellung ist! Ihr benötigt ausreichend Breite für ein Heimkino. Das traurige daran ist, dass viele nicht erkennen, dass sie durch drehen der Aufstellung um 90° ganz leicht eine Verbesserung erzielen würden, obwohl das auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Sofern Ihr denn eine Wahl habt, gibt es eine grobe Regel, mit der man sich die Entscheidung vereinfachen kann:

  • Mit einem TV als Bildschirm nimmt man den Raum quer — die Front an eine lange Wand. Dadurch verkürzt sich der Sitzabstand, weil man nur das kürzere Raummaß zur Verfügung hat und ja trotzdem nicht ganz an der Rückwand sitzen will. Ein kürzerer Abstand ist gut bei einem kleinen TV-Bild. Der Abstand zwischen den Front-Lautsprechern richtet sich dann nach dem Sitzabstand, so dass das Stereo-Dreieck eingehalten wird. Flexibel genug ist man durch die lange Wand ja.
  • Mit Beamer und Leinwand nimmt man den Raum längs — die Front an eine kurze Wand. Hier ergibt sich zuerst der Abstand zwischen den Front-Lautsprechern: neben der Leinwand, so breit wie möglich, aber gut ausgewogen mit Abstand zu den Seitenwänden. Das Stereo-Dreieck bestimmt dann die Sitzposition. Der richtige Sitzabstand zur Leinwand ergibt sich so von alleine.

Klar, das funktioniert nicht in jedem Raum so einfach. Mir geht es aber auch eher darum, Euch verschiedene Denkweisen für die Planung der Lautsprecher-Aufstellung aufzuzeigen. Im schlimmsten Fall spielt Ihr alle Möglichkeiten auf einem Blatt Papier durch — so viele können das ja nicht sein.

Diagonale Lautsprecher-Aufstellung

Zuletzt möchte ich noch einen Sonderfall erwähnen, der ab und zu mal durch den einen oder anderen Rohbau geistert: ein diagonal aufgestelltes Heimkino. Gemeint ist eine Aufstellung, die um ungefähr 45° zum Raum gedreht ist. Der Fernseher könnte in einer Raumecke stehen, gegenüber ein Ecksofa, das da ohnehin gut rein passt. Aber auch modernere Einsitzer machen sich in so einem Fall gut.

Für die Akustik ist eine diagonale Lautsprecher-Aufstellung sicher nicht das Schlechteste, was passieren kann. Die klassischen frühen Reflexionen von den Seitenwänden fallen völlig anders aus (bzw. entfallen), weil diese nicht den dafür notwendigen Winkel haben. Auch im hinteren Bereich des Raums wird der Schall völlig anders reflektiert, als man das von gewöhnlichen Aufstellungen kennt. Das heißt aber nicht, dass akustische Maßnahmen entfallen können.

Trotzdem ist eine breite Aufstellung der Front erforderlich — mit den Lautsprechern neben dem TV (oder zumindest nicht sehr weit davor). So richtig in einer Ecke kann der Fernseher also auch nicht stehen. Das erzeugt möglicherweise eine Menge toten (nicht nutzbaren) Raum. Ein guter Anlass für eine diagonale Lautsprecher-Aufstellung könnte es daher sein, wenn der Raum ohnehin schon eine schräge Innenwand hat.

Diagonale Aufstellungen können unter Umständen sehr reizvoll sein. Sie lassen sich manchmal zum Beispiel sehr gut mit einem Kamin oder Schwedenofen kombinieren. Tendenziell benötigt man dafür jedoch sehr viel Platz, also einen großen Raum.


Das waren doch eine ganz Menge Beispiele für komplizierte Raumsituationen. Sehr wahrscheinlich habt Ihr Euch irgendwo darin wiedergefunden. Da Ihr manche Probleme jetzt vielleicht mit anderen Augen seht, ist vielleicht gerade das der richtige Zeitpunkt, nochmal zurück zu den Grundlagen zu gehen. Das wäre nicht ungewöhnlich: die passende Aufstellung der Heimkino-Lautsprecher zu finden ist ein Prozess, bei dem man gedanklich immer wieder von vorne anfängt und verschiedene Wege ausprobiert, bis der beste gefunden ist.

Ihr habt noch Fragen?

Manchmal kommt man um individuelle Hilfe einfach nicht herum. Wenn die Aufstellung der Lautsprecher in Eurem Raum zu komplex für eine einfache Antwort in den Kommentaren ist, beantworte ich gerne Eure Fragen per E-Mail.

Eure E-Mail sollte enthalten:

  • eine brauchbare Skizze Eures Raums, aus der Eure geplante Aufstellung hervorgeht
  • wenn möglich ein paar Fotos (insgesamt höchstens 10 MB, oder ein Link)
  • ein paar Gedanken, die Ihr Euch schon selbst zur Lösung gemacht habt
  • Eure konkreten Fragen

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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