Serie Der Light-Manager im Heimkino (Teil 1 2 3)

Der Light-Manager Air als Multitalent für Haus und Heimkino

Das ausgewachsene Produkt aus dem Hause jbmedia ist der Light-Manager Air. Der große Bruder des Mini kommt mit einer Vielfalt an Funktionen daher, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. Dabei bleibt das besondere Merkmal des Light-Managers, dass er die Dinge einfach hält und ein breites Spektrum an rudimentären Kommunikationsstandards unterstützt.

Der Light-Manager Air mit seinen zwei Antennen

Auf die Grundfunktionen wie Infrarot-Empfänger und Funk-Sender gehe ich heute gar nicht weiter ein. Das kann der Light-Manager Mini schon in Perfektion — und alles was der kleine kann, kann der große auch. Nur noch besser.

Vom Light-Manager Air unterstützte Aktoren

Der Light-Manager Air unterstützt nahezu alle Funksysteme, die auf 433 oder 868 MHz arbeiten. Hinzu kommen beliebige Infrarot-Signale. Beide Signalarten kann der Air sowohl senden als auch empfangen. Das bietet sehr interessante Möglichkeiten, wie wir gleich noch sehen werden.

Darüber hinaus wird das Senden von HTTP-basierten Netzwerkbefehlen unterstützt. Das eröffnet eine ganze Menge Möglichkeiten. Beispielsweise können so Philips-Hue-Leuchten angebunden werden, die von Haus aus eine Netzwerkschnittstelle mitbringen. Auch diverse AV-Receiver und andere Geräte könnten so gesteuert werden. Nicht zuletzt ließe sich Kodi damit bedienen.

Speziellere Schnittstellen wie Z-Wave oder ZigBee werden vom Light-Manager Air nicht unterstützt, auch wenn es nicht völlig unmöglich ist, diese anzubinden. Wenn man nach einer bestimmten Schnittstelle sucht, findet man im offiziellen Forum von jbmedia meistens auch eine gute Begründung dafür.

Viele Systeme zur Heimautomatisierung kapseln sich gegenüber anderen Standards regelrecht ab. Dadurch entsteht ein relativ hoher Aufwand für andere Anbieter, diese Systeme zu unterstützen.

Der Light-Manager geht hier einen Mittelweg. Er führt keine eigene Schnittstelle ein, sondern dient nur als eine weitere (wenn auch zentrale) Komponente, die mit weit verbreiteten und vor allem günstigen Aktoren zusammen arbeitet. Gerade das macht ihn für mich so sympathisch. Der Light-Manager, wie auch die verschiedenen Aktoren, bleiben dadurch alle für sich austauschbar. Man lässt sich nicht von einem System ködern und bindet sich nicht an einen Anbieter und dessen Preispolitik.

Allerdings geht das auch etwas auf Kosten der Sicherheit, weil die typischen Funkübertragungen einer Baumarkt-Steckdose nun mal keinerlei Verschlüsselungskonzept beinhalten. Aber schon wenn man ein einfaches Funksystem für Garagentor oder Rollläden einsetzt, ist es mit echter Sicherheit sowieso nicht so weit her. Am Ende kommt keine Verschlüsselung der Welt gegen ein Brecheisen an. Aber das ist ein Thema für sich.

airStudio zur Konfiguration

Die Software zur Konfiguration des Light-Manager Air nennt sich airStudio. Sie ist unverkennbar eine Erweiterung des Lightman Studio, das für den Light-Manager Mini benötigt wird. Wenn man sich den ungeheuren Funktionsumfang ansieht, wird schnell klar, dass es eine gute Idee war, zwei Programme daraus zu machen — vor allem zum Wohle der Mini-Anwender.

Screenshot der Software airStudioDas airStudio ist weitestgehend gleich aufgebaut wie Lightman Studio. Links werden die erstellten Lichtszenen angezeigt, rechts findet man die Parameter für die aktuell ausgewählte Aktion innerhalb einer Szene. Hat man sich zuvor per Rechtsklick für die Bearbeitung einer Aktion entschieden, wirken sich alle Änderungen auf dieses Element aus. Ansonsten erstellt man stattdessen ein neues Element.

Die Bedienung ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, wird dann aber schnell klarer und erweist sich als praktikabel.

Im Menü befinden sich alle Befehle zum Speichern und Übertragen der Konfiguration. Auch diverse Hilfsmittel sind dort untergebracht. Spätestens bei der Übertragung wird der grundlegende Unterschied vom Light-Manager Air zum Mini deutlich.

WLAN inklusive

Die Verbindung zum Light-Manager Air findet nämlich von Anfang an per WLAN statt. Das USB-Kabel wird ausschließlich zur Stromversorgung benötigt. Das wird schon bei der ersten Inbetriebnahme klar.

Die Bedienungsanleitung hilft ganz gut dabei, den Light-Manager Air erstmals im eigenen WiFi-Netz anzumelden. Die Vorgehensweise ähnelt stark derjenigen anderer Geräte, die keinen eigenen Bildschirm und keine Eingabemöglichkeit haben. Kurz gesagt verbindet man sich zum Beispiel mit dem Smartphone auf ein temporäres WiFi-Netz, das der Light-Manager zur Verfügung stellt. Dort kann man eine App aufrufen, in der sich der Zugang zum eigentlichen Heimnetz konfigurieren lässt. Anschließend finden sich beide Geräte dort wieder ein.

Ähnlich einfach geht es über den Router, wenn dieser WPS unterstützt. Dabei kann man den Light-Manager den Zugang zum Netzwerk mit dem Router direkt aushandeln lassen.

Die Übertragung der Konfiguration vom Windows-PC auf den Light-Manager Air erfolgt anschließend direkt über das Netzwerk. Der Air wird dazu von airStudio selbstständig gefunden.

Die Kabellose Übertragung hat den großen Vorteil, dass man den Light-Manager zum Beispiel im Heimkino stehen lassen kann. Kein Herumtragen mehr, wenn man kurz ein Update der Konfiguration einspielen will.

Webserver mit an Bord

Der eigentliche Grund für den Schwerpunkt auf WLAN ist aber der integrierte Webserver. Während der Light-Manager Mini in erster Linie nur Infrarotbefehle empfängt und Funksignale weitergibt, lässt sich der Air auch bevorzugt über eine Web-App steuern.

Wir erinnern uns: der Light-Manager Mini muss per USB mit einem PC verbunden sein. Der PC stellt dann den Webserver bereit und nutzt den Light-Manager nur als Erzeuger für Funksignale.

Mit dem Webserver an Bord arbeitet der Light-Manager Air hingegen vollkommen eigenständig. Der kleine Kasten selbst liefert die Web-App im hausinternen Netzwerk aus. Einmal konfiguriert schließt man ihn einfach irgendwo an eine Steckdose an und er stellt den kompletten Funktionsumfang eigenständig bereit. Wenn man nicht an Infrarotsignale gebunden ist, wird er damit extrem flexibel in der Aufstellung. Die komplette Hausautomation liegt damit in einer Streichholzschachtel plus USB-Ladekabel versteckt.

Funk- und IR-Signale senden und empfangen

Aufgrund der Basisfunktionalität des Einsteigermodells wird der Light-Manager anfänglich oft nur als eine Art Infrarot-zu-Funk-Wandler gesehen. Dass hier tatsächlich keine Signalwandlung geschieht, wird spätestens bei der ersten Konfiguration klar — erst recht in Kombination mit einer Logitech Harmony Universalfernbedienung. Vielmehr kennt der Light-Manager einen Standardsatz an eigenen Infrarotbefehlen, genau so wie jedes beliebige Stück Unterhaltungselektronik. Diese Befehle kann man anderen Fernbedienungen beibringen.

Was aber macht den Air hier so viel besser als den Mini? Er bedient auch die umgekehrten Wege und gibt uns die Steuerung vollständig in die Hand:

  • Anstatt nur vorgefertigte Infrarotbefehle zu empfangen, können wir jeden Befehl mitschneiden und auch selbst wieder senden.
  • Anstatt nur vorgefertigte Funksignale bestimmter Systeme zu senden, können wir nahezu jeden Befehl senden und auch mitschneiden, wenn er von einem anderen Sender erzeugt wurde.

Besonders der letzte Teil eröffnet eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten. Aber eins nach dem anderen.

Beliebige Infrarotbefehle senden

Ich habe mich schon lange von der klassischen Gerätesteuerung per Infrarot-Fernbedienung verabschiedet, weil mir das einfach zu unflexibel war. Stattdessen läuft alles per App über WLAN, darunter auch die Lichtsteuerung mit Hilfe des Light-Managers. Es mag daher seltsam erscheinen, dass ich mich im Umfeld modernerer Schnittstellen noch für Infrarot begeistern kann.

Angelernte Infrarot-Befehle in der Aktorenverwaltung

Das hat aber einen guten Grund: Manchmal geht es einfach nicht anders! Wie steuert man sonst ältere Geräte per App, die von modernen Netzwerktechnologien noch nichts wussten? Um die Jahrtausendwende herum sind eine Menge erstklassiger Geräte auf den Markt gekommen, die — nur für ihren Einsatzzweck gesehen — bis heute ungeschlagen sind. Von Kassettendecks über MiniDisc-Recorder bis hin zu CD- und SACD-Playern mit äußerst gelungenen D/A-Wandlern ist in dieser Liga so einiges vertreten. Nicht zuletzt bieten einige Subwoofer eine Infrarot-Fernbedienung, aber kaum mehr als das.

Wie steuert man diese alten Schätze in einer modernen App? Der Light-Manager Air ist die Antwort.

Ähnlich einer Universalfernbedienung kann er Infrarotbefehle von der Originalfernbedienung lernen und auf Kommando senden. Somit lässt sich nahezu jedes Stück Unterhaltungselektronik über den Light-Manager steuern, das man in den letzten 30 Jahren oder so kaufen konnte.

Die Bedienung über die automatisch erzeugte Web-App, die der Light-Manager von Haus aus anbietet, ist dann zwar äußerst unpraktisch, weil eine sinnvolle Anordnung der Tasten fehlt. Aber das lässt sich mit ein paar Grundkenntnissen in HTML leicht beheben — sowohl alleinstehend auf dem Light-Manager, viel besser aber mittels Einbindung in andere Systeme zur Hausautomation.

Auf empfangene Funksignale reagieren

Als wäre das alleine nicht schon einen Blick wert, wird auch die zweite Kommunikationslücke geschlossen. Der Light-Manager Air kann Funksignale aus anderen Quellen empfangen und wird damit selbst zum Aktor.

Angelernte Funksignale können wie Lichtszenen mit bestimmten Aktionen belegt werden.

Das ist besonders dann praktisch, wenn Ihr den Zustand eines per Funk gesteuerten Geräts protokollieren wollt. In der Praxis bietet der Light-Manager dafür sogenannte Marker an, die bei bestimmten Aktionen gesetzt werden können. Vom Zustand eines Markers kann man die Ausführung anderer Aktionen abhängig machen. Auch das ist ein Thema für sich. Daher nur kurz ein Beispiel.

Nehmen wir an wir wollen berücksichtigen, ob ein Funkdimmer gerade im gedimmten Zustand ist. Vom Dimmer selbst können wir diese Information nicht abfragen, da bezahlbare Funksteuerungen eine ziemlich einseitige Angelegenheit sind. Also setzen wir im Light-Manager jedes Mal einen Marker, wenn wir den Zustand per Funkbefehl ändern. Was passiert aber, wenn der Funkbefehl zum Dimmen von einem anderen Sender kommt — zum Beispiel der Original-Funkfernbedienung des Dimmers oder einem Funk-Wandschalter? Dann reagiert zwar der Dimmer, aber die Information „jetzt wird gedimmt“ geht am Light-Manager vorbei. Die Zustände des Dimmers und des Markers sind nicht mehr synchron und das Verhalten gerät außer Kontrolle.

Der Light-Manager Air kann nun also das Funksignal des fremden Senders abfangen und darauf reagieren, so als hätte er selbst es gesendet. So kann er seinen Marker korrigieren oder noch ganz andere Sachen anstellen.

  • Einen Funk-Kontaktschalter einer Tür einbinden?
  • Das Licht blinken lassen, wenn jemand den Funk-Türgong betätigt hat?
  • Die Außenbeleuchtung einschalten, wenn der Garagentoröffner aktiviert wurde?

Keine großen Herausforderungen für den Light-Manager Air.

Sonderfunktionen des Light-Manager Air

Daneben bringt der Light-Manager Air einige schöne Funktionen mit, die uns im Heimkino weniger interessieren dürften. Dennoch sind sie für die Hausautomation wichtig und dürfen daher der Vollständigkeit halber nicht fehlen.

Temperatursensor

Der Light-Manager Air verfügt über einen integrierten Temperatursensor. Er misst damit — wer hätte das gedacht? — die Temperatur an dem Punkt, an dem er sich befindet. Weitere externe Sensoren können auch eingebunden werden.

Bei Änderungen der Temperatur oder Erreichen einer minimalen oder maximalen Temperatur kann der Light-Manager so mit einer Aktion reagieren.

Ich gebe ganz einfach die aktuelle Temperatur im Heimkino in meiner App aus. Es ist ganz interessant zu sehen, dass die Raumtemperatur während eines Films um ca. 3 °C ansteigt. Mit einem externen Sensor könnte man die Betriebstemperatur des Verstärkers kontrollieren (und bei drohender Überhitzung sicherheitshalber leiser machen). Vielleicht ganz interessant für in Lowboards eingebaute AV-Receiver.

Wettersensor

Der integrierte Wettersensor ist eigentlich kein richtiger Sensor. Das würde ja auch nicht viel Sinn ergeben. Stattdessen werden Außentemperatur und Windgeschwindigkeit stündlich von einem Online-Dienst abgefragt. Wie auch auf die Raumtemperatur kann man dann auf bestimmte Wetterverhältnisse reagieren, zum Beispiel bei starkem Wind die Markise einfahren.

Für meinen Geschmack ist das Feature noch nicht ganz ausgereift. Der Aktualisierungsintervall ist mit einer Stunde etwas lang — das Wetter ändert sich oft schneller. So ganz verlässliche sind die Daten auch noch nicht. Die Windgeschwindigkeit scheint sich nur in einem recht groben Raster zu bewegen und die Temperatur zeigt gelegentlich -273,2 °C an, was ganz offensichtlich der absolute Nullpunkt ist — wohl mangels richtiger Daten.

Das ist aber ein Problem des abgefragten Wetterdienstes, nicht des Light-Managers selbst. Ich gehe davon aus, dass zukünftige Software-Updates diese Kinderkrankheiten beheben werden.

Im Heimkino sehe ich hier nur einen Anwendungsfall, nämlich eine Art Unwetterwarnung für Kellerkinos. In meinem Bunker bekomme ich jedenfalls von plötzlichen Naturkatastrophen frühestens bei einem Stromausfall etwas mit. Für einen brauchbaren Warnhinweis sind die Wetterdaten aber noch nicht aktuell und verlässlich genug.

Astrofunktionen

Auswahl des Standorts zur Berechnung der Dämmerung

Als letztes großes Feature des Light-Manager Air will ich die integrierten Astrofunktionen nicht unerwähnt lassen. Damit lassen sich beispielsweise Rollläden öffnen und schließen — und zwar täglich zu einer anderen Uhrzeit, die sich am Sonnenauf- und -untergang orientiert.

Hier definiert Ihr den Standort Eures Light-Managers, der damit die Zeitpunkte für Morgen- und Abenddämmerung anhand des Datums selbst berechnet. Die Sommerzeitumstellung wird dabei gleich mit berücksichtigt. Lichtszenen können dann zu bestimmten Uhrzeiten relativ zur Dämmerung am aktuellen Tag aktiviert werden.

Eine tolle Sache für die Hausautomation, ganz klar! Im Heimkino ist das wohl eher nicht von Bedeutung. Es sei denn, man will den Raum nur dann automatisch abdunkeln, wenn es draußen noch hell ist.


Damit haben wir die Grundlagen der beiden Light-Manager, die des Air und rückblickend die des Mini, alle grob angesprochen. Was damit wirklich alles möglich ist, merkt man aber meistens erst beim Ausprobieren.

Trotz des stolzen Anschaffungspreises empfehle ich, lieber gleich zum Light-Manager Air zu greifen, wenn man mit seinem Heimkino irgendwann noch mehr vor hat, als nur ein paar Lichter zu schalten. Rolloleinwand, elektrische Maskierung oder ein Vorhang sind nur ein paar mehr Anwendungsfälle, für die sich die Investition schon lohnt.

In weiteren Teilen dieser Serie will ich mir das Feature der Marker nochmal ansehen und natürlich die Konfiguration der Lichtszenen näher beleuchten. Nicht zuletzt ist die Steuerung des Light-Managers über andere Netzwerkgeräte oder Komponenten zur Heimautomation ein großes Thema.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

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